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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-08 · 2 (8.1.1892) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
2 (8.1.1892)
Date
1892-01-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite S4 OrArrrrtchischr Mochrnschrtft. Skr. § stcht^kann man nicht eigentlich Schüler Ciceros nennen, der l fie an Talent und Wissen weit überragte; und wenn sie dieselben Waffen wie er: Lüge, Verleumdung, Entstellung und Schmähung gebrauchen — so thun sie es nur, weil für eine schlecht Sache nicht mit ehrlichen Waffen gekämpft werden kann, oder weil sie von dm ihnen von der Natur verliehenen Waffen Gebrauch machen, gerade wie das Stinkthier und die giftigm Schlangen. Trotzdem wird eine kurze Schilderung der judmfeindüchm Thatigkeit Ciceros und alles dessen, was damit zusammenhängt, jetzt nicht ohne Interesse sein und eine „Moral" ließe sich vielleicht auch aus dem Leben des Mannes ziehm, der sich durch unerlaubte Mittel bereicherte und gegen die Cvrruption donnerte. Nach Beendigung der Makkabäerkriege war Judäa ein vollkommen unabhängiges, selbstständiges Reich, in Freundschaft mtt dm Römern lebend, aber als gleichberechtigter, wenn auch viel schwächerer Alliirte, und ohne irgend welches Abhängigkeits- oder Suzerenitätsoerhältniß zum römischen Reich.*) Als aber die beiden Hasmonäerfürsten, die Brüder Hyrkan uud Aristobul um den Thron in Stteit geriethen, benutzte Pompejus chre Rivalität um von ihnen Geld zu erpressen und sich der Festungen des Landes zu bemächttgen. An Scauins, dm, wie Drumann in seiner Geschichte Roms (X, S. 2jß, Königsberg 1834) sagt, im Lager stets auf seine Bereicherung bedachten Quästor des Pompejus hatte Aristobul ftüher 400 Talente (beinahe 800.000 Gulden), gezahlt und dem Pompejus selbst schenkte er einen goldenen Weinstock mit Beerm und Blättem im Werthe von 500 Talenten, um sich chrer Hilfe gegen Hyrkan zu versichern. Als er aber dem großm Römer die versprochmm weiterm Geschenke nicht üeserte, bemüchttgte dieser sich, wahrscheinlich durch Vcrrath des Aristobul, besetzte Jerusalenr und erstürwte, noch dreimonatlicher Belagerung den Tempel. Der unglückliche jüdische Prinz wurde nach Rom geschleppt und mußte unter dreihundert gefangmm asiattschm Königen, Königinnen, Fürsten und Vornchmen dem Triumphwagm des Pompejus voranschreiten. Ebenso wurden die in Asim geraubten und erpreßten Schätze und Kunstwerke im Triumphzuge (im Jahre 61 v. CH.) mitgeführt.—) z Wir können uns nicht enthalten, bevor wir zu Cicero zurückkehrm, einen Bück aus das Ende des großen Pompeps, zu werfe». Nur vierzehn Jahre noch diesem Triumphzug wird er von Cäsar bei Pharfalus geschlagen, sticht nach Aegypten, fällt dort von Mörderhand und wird im Sande am Mecresufer verscharrt. Sein Kopf wird dem Cäsar gebracht, der chn begraben und um das Grab. einen Hain, „das Wäldchen der Nemesrs" anlegen läßt. * Im Judmausstande unter Trojan wird auch dieses Tenlmal des Tempeleroberers zerstört, das Holz zu Kriegszwecken verwendet. Wenige Jahre »rach dem Trinmphzug des Pompejus erNärte der Consul Licinius Crassus, unter nichtigem Vorwand dm Parlhern dm Krieg. Obwohl er der reiche Crassus hieß, und ein Vermögen von 7000 Talwien (bei vierzehn Millionen Guldm) besaß, wollte er sich roch bereichern. Als er, uvl sich parchische Hube zu holen, durch dos mit den Römern iM tiefsten Frieden lebende Land der Juden zog, unterlieft er es nicht als echter Römer den Tempel zu Jernsalem zu plündern. Er soll in Goldbarren und kostbaren Gerächschaften einen Werth von 10.000 Talwien mngeschleppt haben, gieng aber mit seiner Armee im nächsten Jahre in Mesopotamien zu Grunde. Die Parcher hiebm ihm den Kopf und die rechte Hand ab, und sein verstümmelter Körper blieb unbrgraben liegen. Und nun lehren wir zu Cicero zurück. Dieser ergebene Anhänger des Pompejus mußte schon als solcher ein Gegner der Juden sein und ihnen alles schlechte andichten, wie die Römer überhaupt die Gewohnheit hatten *) Taritai, Hist. V 8g Jiwtmus XXXV1 1. Josephus Arch! YTTT, io. 1. Von der jüdisch-,omischm Allianz werde ich vielleicht bei anderer Get^enheit erzöhlrn. **) Apprians Römische Ce schichten XII 117; Plinius Naturge chichte 87, 6., Eutropius Brebrarium YL 18. | alle Völker mit dwen sie in Berührung kämm zu verunglimpfen und zu verleumden. Kaum hatte also Pompejus mit seiner Armee Judäa überzogen, als auch schon der allezeit redefertige Advokat bereit war, dm Juden alles mögliche Böse nachzusagw und es als barbarischen Aberglauben zu bezeichnen, wenn sie aus allen ihren Colonien Gelder zur Erhaltung des Tempels nach Jerusalem schickten.*) Man muß wirklich lachen, wenn man Cicero, der bald Augur werden sollte gegen den Aberglauben deklamiren hört. Die abergläubischen Juden, die sich nichts daraus machten, wenn die heiligen Hühner schlechten Appettt hatten und die wichtigsten Untewehmungen begannen, ohne auf den Flug der Vögel zu achten, wurden von den aufgeklärten Römern verspottet. „Als der verrat versammelt war, machte man auf einmal dem Prätor Cornutus die Einwendung, daß die Staatshühnerwärter (pullarii) angezeigt hätten, er habe der Vögelbeschauung nicht die gehörige Sorgfalt gewidmet, was auch von unserem Collegium (den Auguren) bestätigt wurde. Man verschob daher die Verhandlung auf den folgenden Tag." So schrieb der Philosoph Cicero mit staatsmännischem Ernst seinem Freunde Plancus.**) Seine wahre Religion ver-rieth er freilich in einem Briefe an seine Frau, in dem er sich über die Götter und Menschen beklagte, die ihn ohne Hilfe gelassen haben, „die Götter, die du so fromm verehrst, die Menschen (wohl zu verstehen die Reichen und Mächtigen), denen ich gedient habe."*** ****)) Wie sehr mußte es also den Cicero freuen, als ein wackerer, römischer Statthalter L. Flaccus das von den abergläubischen Juden in Kleinasien gesammelte Geld confiscirte, wie Cicero sagte, zu Gunsten des Staates. Wahrscheinlich floß aber ein Theil davon in seine Privatcassa und sein Dertheidiger, Cicero, mag auch was davon bekommen haben. Ist es doch noch immer unaufgeklärt, wie dieser in fast ärmlichen Verhältnissen geborene Provinzler dazu kam, ein großes Haus in Rom und ein Dutzend Landgüter zu erwerben, seinem Sohne, welcher in Athen studirte, einen solchw Aufwand, wie chn die reichsten Patriziersöhne machten, zu gestatten u. s. w. — Freilich war er, was er selbst wiederholt in seinen Briefen und Reden sagt, der gute Freund und Verteidiger aller Steuerpächter und ritterlichen Wucherer. Mit Neid werden wohl die modernen Antisemitm hören, wie gut sich dem Cicero der Antisemitismus rentirte, aber er war eben etwas mehr als bloßer Antisemit und begnügte sich nicht, wie so Manche, mit diesem einzigen Erwerbszweig. „Mehr als alle, bedurften die Staatspächter den großen Redner und Anwalt und sie konnten bei ihrem Reichthum mehr als alle chn belohnen, wenn er sie bei den Beamten der Provinzen, im Senat und vor dem Gericht in Schutz nahm."—**) Solche Hilfe des gewandten Redners und Advokaten hatte euch der brave Flaccus nöthig als er wegen Unterschlagung und Amts mißbrauch während seiner dreijährigen Wirksamkeit als Prätor in Kleinasien angeklagt wurde und Cicero übernahm gern seine Vertheidigung. Er machte sich diese sehr leicht, indem er alle Belastungszeugen bemackelte und da die meisten von ihnen Griechen waren, den Meineid gleichsam als Nationaleigenthümlichkeit der Griechen erklärte. Es war dies die bekannte Manier der Römer, alle anderen Völker und besonders die, welchen sie Böses zugesügt hatten, zu verleumden. Nachdem sie sich den Carthagern gegenüber des schändlichsten Treubruchs schuldig gemacht hatten, verbreiteten sie die Lüge von panischer Unehrlichkeit und wiederholten sie so lange, bis der ironische *) Ueber die Einhebung dieser Tempelsteuer und deren Verwendung S. Talmud, Traktat Schekolim. **) Epist. ad Diversos X 12. ***) Ep. ad Div. XIV 4. ****) W. Drumann a. a, 0. VL 386.

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