Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1 (1.1.1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Orstrrrrichlfche Wochrnschrist. Sette 17 theiligung an dem Leichenbegängnisse. Alle Rabbiner der Nach- > bargemeinden wetteiferen in ihren Trauerreden den Verdiensten des Entschlafenen gerecht zu werden und insbesonders der Sohn desselben hielt an der Bahre seines Paters einen ergreifenden Nachruf. A. jf. Berlin. (Eine antisemitische Gründung). In der „Staatsbürger; tg." finden wir die nachstehende, etwas geheimnisvoll klingende Anzeige: Deut-sche Gesellschaft zur Verbreitung des Antisemitismus im Osten des Vaterlandes. Unseren Vertrauensmännern zur Nachricht, daß wir unsere Arbeit mit dem Januar 1892 beginnen. Zuschriften sind an den provisorischen Geschäftsführer M. v. Nassau, Berlin N, Brunnenstraße 90, Hl., zu richten. — Mitglieder werden keine mehr ausgenommen. Der Vorstand, v. Berger, Rtttergntsbesitzer. Hinze, Kaufmann. Henkel, Dr. nred. Butgerest, Böttchermeister. Dallügge, Kaufmann. Sicgclkö, Arbeiter. Holzamm, Arbeiter. Bölten, Beamter. Dircks, Schuhmachermeifter. v. Nassau, Kaufmann und Schriftführer. Berlin, 21. Dezember. Die Herren Landrichter Eichelbaum und Dr. für. Gumbinner sind zu Land-Gericht s - R ä t h e n, Herr Amtsrichter B a m b e r g e r zum Amt s-G e r i ch t s-R a t h ernannt worden. Leipzig. (Deutschnationaler Kultus der Knute). Wie sehr der Antisemitismus schon in Studentenkreise eingedrungen ist — schreibt die „Antisemitische-Corr." — konnte man auf der Weihnachtskneipe des „Universitäts- Sänger-Vereins zu St. Pauli" in Leipzig erkennen. In der daselbst aufgeführten Operette kämm in einem „Verbrüderungs- Chor" zwischen Russen und Franzosen die Worte vor: Es waltet die Knute, hinaus muß der Jude". Nach dieser Zeile erhob sich ein lang anhaltender Beifall. — Auch die anderen anüsemitischen Scherze wurden mit lautem Jubel ausgenommen. — An derartigen Rohheiten finden Sttldenten Gefallen. Das sind die Früchte der antisemitischen Hetze. Hamburg. Von einem „Eomite von Stöckerfreunden" wird ein Circular an seine Collcgcn gesandt mit der Bitte, d.«rch eine Collecte die Mittel zusammenzubringen, um in Berlin einen Prcdütsaal für den Ex-Hosprcdiger zu erbauen. Einer der Prediger sandte das Circular mit der Bemerkung zurück: „Ein Schürer des Racenhasses kann kein Apostel der Barmherzigkeit sein!" Paris. Madame Ars6ne Darmesteter hatte eben die Vorbereitungen zum Umzuge in ihr neues Atelier pnd Wohnhaus beendet, als durch einen Wind am 7. d. M. ein Fenster ihres Ateliers aufgeworfen wurde und durch den Luftzug der Fenstcrvorhang durch eine nahe vor demselben stehende Lampe Feuer fing. Madame Darmesteter, welche zur Zeit mit ihrem Mädchen abwesend war, fand bei ihrer Rückkehr ihr .Atelier in Hellen Flammen. Die rasch herbeigeeilte Feuerwehr konnte das Atelier nicht mehr retten und wurde dasselbe nebst seinen Gemälden, Büchern, Ornamenten, Draperien und Möbeln ein Raub der Flammen. Glücklicherweise gelang es noch, das Feuer von den benachbarten Räumen sernzuhalten und so die Manuskripte des jüngst verstorbenen Dr. Darmesteter, welcher Professor an der Sorbonne und ein hervorragender Schriftsteller war, zu retten. Auch sein Porträt, welches Madame Darmesteter vor einigen Jahren im Pariser Salon ausgestellt hatte, wurde gerettet. Die verbrannten Gegenstände warm versichert. Die Geldentschädigung kann aber ebensowenig Ersatz bieten für alle die herrlichen, durch das Feuer zerstörten Kunstwerke als für die verlorenen Resultate jahrelanger anstrengender Künstlerarbeit. Paris, In „Radical" spricht Maxime Vuillaume über die jüdische Emancipation. Fünf Völker haben es versäumt, dcm allgemeinen Zuge der Gerechtigkeit zu folgen; wir wollen heute ihre Reinen (aus Rücksicht für Rußland) vergessen, um uns immer ins Gedüchtniß zu rufen, daß von allem Ruhm und allen Eroberungen der Revolutton, die jüdische Emarzcipation die größte ist, weil dadurch alle Bürger bis zu dem, der am ungerechtesten verachtet war, eine große Familie bilden, die berufen ist, gleichmäßig an dem nationalen Leben Heil zu nehmen. London. Das von Rev. Dr. Strauß herausgegebene Büchlein über „Religion und Sitttenlehre" wird in die Mahrathi-Sprache übersetzt, um auch in de:, jüdischen Schulen Indiens verwendet werden zu können. London. Jewish Chronikle berichtet: Mr.PaulFriedm a n n, welcher weder Jude ist, noch von Juden abstammt, ist nunmehr daran gegangen, seinen lange gehegten Plan, das Land Midjan mit Juden zu colonisiren, auszuführen. Vor sechs Wochen erwarb er in Glasgow eine Dampf-Nacht, welche er „Israel"nannte und verließ Southampton. Die erftm Pioniere der Colonie wurden unter den russischen Flüchtlingen sorgsam ausgesucht. Die Gesellschaft von Mr. F r i c d m a n n besteht aus eiuem Schiffsoffizier, einem Arzt, zwei Schächtern und 34 Conisten, außerdem besteht die Bemannung des Schiffes aus 9 Personen. Am 10. Dezember kam das Schiff in Suez an, rind befanden sich nach dem Berichte von Mr. F r i e d m a n n alle Mann an Bord in ausgezeichneter Stimmung. Cambridge. Der Senat der hiesigen Universität hat auf Empfehlung des Oberstudienrathes genehmigt, daß statt des bisherigen L^ctorats eine Professur für Talmudica eingerichtet werden soll. Das Stipendium für den Professor von 100 Pfstrl. soll aus 350 Psstrl. erhöht werden, wenn und so lange die fehlenden 250 Pf. durch Privatschenkrmg oder Permachlniß aufgebracht werden. Der großherzige und für unsere heilige Religion begeisterte Herr Claude G. Montefiore hat cs nun übernommen, diesen Beittag zu zahlen, wofür ihm durch den Vicekanzler der Dank der Universität übermittett wurde. Für diese Stelle ist der namhafte jüdische Gelehrte S. Schechter designirt. Rom. Die musikalischen Kreise sehen mit Spannung der neuen Oper „Christof Columbus" des jungen jüdischen Künstlers Baron Alberto Franchelli entgegen. Diese Oper wurde speciell für die im nächsten Jahre abzuhaltende Columbus-Feier componirt. Baron Franchetti ist der Compositeur der bekannten Oper „Asrael", welche die Runde durch die meisten Theater des Continents gemacht hat. Kopenhagen. 16. December. Die Inhaberinnen des berühmten Wcißwarengeschäites Salamon Davidson sind aus Anlaß des fünfzigjährigen Geschäftsjubiläums zu königl. dänischen Hoflieferantinnen ernannt worden. Aus sehr kleinen Anfängen hat sich das Geschäft zu einem der bedeutendsten dieser Branche entwickelt und zählt fast den gesammten dänischen und schwedischen Adel zu seinen Kunden. Die gegenwärtigen Inhaberinnen der Firma zeichnen stch, wie chr Vater, durch großartige Wohlthätigkeit aus und haben auch das Geschäftsjubiläum durch namhafte Spenden für gemeinnützige Zwecke verewigt. Hervorgehoben sei, daß das Geschäft fett seiner Begründung bis auf den heutigen Tag an Sabbath und F e st t a g e n st r en g geschlossen ist. List ab on, 10. Dezember. Herrn Cohen, ehemaligem portugiesischen Consul in Pretoria und jetzigem „Ehren-Gkneral- Consul", ist vom Könige von Portugal der Adelstand mit dem Titel „Baron von Matalha" verliehen worden. Feuilleton. Skumm-IoWel. Es war ein untersetzter schwerfälliger Junge mit einem knochigen Gesicht, schwarzem, krausem Haare, zwei runden ewig unruhig bewegten Augen, von unbestimmter, je nach der Stimmung wechselnder Farbe; seine Sprache war ein Stammeln, Lallen wie das eines Kindes, er war halb stumm, der arme Jossel! Es war bei ihm kein Natursehler. Beim Fallen hatte er sich einmal die halbe Zunge abgebissrn und daher rührte seine Stummheit^ Er ging nämlich in den österreichischen Alpenländern haufiren, der Haust,paß aus seiner Heimat in Ungarn, war aber schon über die Zeit. Da sah er von Ferne zwei Finanzaufseher auf ihrer Streifung und um ihnen nicht in die Hände zu fallen, begann er mit dem schweren Bünkel auf dem Rücken zu laufen, wobei er über einen im Wege gelegenen Stein stolperte und im Sturze stch ein Stück jenes OrgamR abbiß, in dessen Gewalt Tod und Leben liegt. Die ihn verfolgenden