Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1 (1.1.1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seid» Orstrrrrtchifchr Wochenschrift. Nr. i Löwen" zum Beften des Fondes zur Bekleidung armer Schulender stwitfand, war sehr zahlreich besucht und nahm einen recht anregenden Verlauf. Dem von Herrn Dr. Weiß verfaßten und vorgetragenen Prologe, welchen Herr Dr. Schnabel auf dem Clavier mit entsprechend stimmungsvoller Musik begleitete, folgte bie Festrede des Rabbiners Herm Dr. Bia ch. Prolog und Festrede, der Form wie dem Inhalte nach gleich gediegen, bildeten den religiös ernsten Theil des Abends. Zwei kleinere Declamationen, eine Biolinpiece und der von Frl. Rosa K a tz mit bewundernswerther Verve vorgetragene Faustwalzer von Gounod, bearbeitet von Liszt, leiteten zu dem heiteren Theile des Abends hinüber, welcher durch theatralische Productionen ausge'üllt wurde. Es waren dies das einactige Lustspiel: „Ein r-eizbarcr.Herr" von Labiche, der Einacter: „Unser Johann", ein Schwtvck von Verconstn und „Die Macht der Liebe", große Oper von Gen6e. Im zweiten Stücke, dem Verconsin'schen Schwank: „Unser Johann", debutkrte Frl. Loewy als Elise mit einer Leistung, die auch eine strengere Kritik, als Dilettanten gegmüber geübt zu werden pflegt, nicht zu scheuen braucht. Das dritte Stück war eine bekannte musikalisch-declamatorische Farce von Geuse, welche unter dein fremden Titel: „Die Macht der Liebe" und als „große Oper" über die Bretter ging. Herr Dr Schnabel der sämmliche Partien der „Oper" allein executirte — die Pianobegleitung besorgte Frl. R. Katz — erntete stürmischen Beifall. Das Reinergebniß, das nebenbei bemerkt zum Theile auch armen katholischen Kindern zugute kommt, betrügt über 200 st. ö. W.— Friedkmd bei Mistek, 29. Dezember 1891. Der hiesige Synagogenverein hat einen schweren, unersetzlichen Vertust «Litten, durch das Ableben seines langjährigen VorstandsmitglrÄes, des Herm Leoyold Schwarz. Der Verewigte hatte vor etwa zwanzig Jahren im Vereine mit dem seligen Herm Philiup Wechsberg hier einen Talmud-Thora-Verein gegründet, welcher die Grundlage zu dem nun bestehendm Synagogenverein bildete. ,Der rastlosen, opferfreudigen Mitwirkung des Herm Schwarz ist es zu danken, daß der Verein ein würdig ausgestattetes Gotteshaus und eine vortreffliche Volksschule besitzt. Wo es galt ein gottgefälliges Werk zu üben, stand der nun Verewigte stets an der Syitze. Im Umgänge, war Herr Schwarz durch seine strenge Rechtlichkeit, durch seine Bescheidenheit und sein mildes, wohlwollendes Wesen, stets bestrebt, dem Judmchume Ehre zu machen. Ms Beweis seiner Beliebtheit darf wohl die geradezu rÄhrende Theilnahme der Bevölkemng an der am 28. ds. stattgehabten Beerdigungsfeier angeschen werdm. An derselben nahmen sämmtliche Mitglieder des hiesigen und zahlreiche Mitglieder des Friedek-Misteker Synagogenvereines Theil. Außerdem waren erschienen: Der Ortsvorstand, viele Beamte des fürsterzbischöflichen Eisenwerks, die Ortsfeuerwehr, viele Corporationen und eine große Menschenmenge, welche dem Verewigten die letzte Ehre erwiesen.— Brody, 29 December. Aus dem Gouvemement Wilna wird folgender Vorfall gemeldet: Der im Dorfe Dukschte seßhafte Kaustnann Salo Zimmermann hat zwei bildhübsche Töchter, die schon seit längerer Zeit die Aufmerksamkeit der dorügen Lebemänner erregtm. Man stellte an Zimmermann das Ansuchen, seine Töchter taufm zu lassen, und als derselbe dieses Ansuchen zurückgewiesen hatte, verschwand das jüngere Mädchen plötzlich aus dem Hause. Die Nachforschungm welche Zimmermann nach dem Verbleib seiner Tochter anstelle, blieben längere Zeit erfolglos. In Folge einer anonymen Anzeige gelangte Zimmermann zur Kenntniß, seine Tochter befände sich im Hause einer Frau am äußersten Ende des. Ortes. Mit Hilfe von Polizei-Organen drang man in das Haus der Frau und fand dort in einem Keller das mit einer eisernen Kette an die Wand geschmiedete Mädchen. Die Frau gab an, sie sei von Zimmermann dafür bezcchlt mozben, baä Mädchen an der Kette zu halten, damit es dm Ruffm nicht in die Hände falle. Obwohl Zimmermann und dessen Tochter die Angabe der Frau als Verläumdung erMrten, die Tochter überdies deponirte, sie sei gewaltsam zu dieser Frau gebracht worden, erklärte das Gerich^ noch am selben Tage Zimmmerman der väterlichen Gewalt über sein Kind für verlustig. Zimmermann wurde überdies verhaftet. Das Mädchen wurde Tags darauf nach griechisch-orientalischem Ritus getauft und wird nächster Tage die Frau eines russischen Beamten. Dem Kaufmann Zimm er mann wird demnächst wegen angeblicher Mißhandlung seiner Tochter der Prozeß gemacht werden. Tyrnau, 21. December. Samstag den 19. d. M. um 6 Uhr Abends verschied dcr hiesige Oberrabbiner Herr Simon Sidon im 77. Lebensjahre, nachdem er fast 47 Jahre hier als Oberrabbiner segensvoll gewirkt hatte. Aus Cziffer, wo er vordem gewirkt, wurde er 1844 nach Tyrnau berufen und hier war er für seine Gemeinde in segensreicher Weise thätig. Der verewigte Herr Simon Sidon war einer der hervorragendsten Talmudisten, der mehrere sehr geschätzte halachische Werke veröffentlichte u. a. über das Proselytmwesen. Auch edierte er den Commentar des Manoach ben Simon Bedarschi in Lunel zu einigen Abschnitten des Mi sehne Thora von Maimonides. Dieses Buch ist ein einziges Mal in Constantinopel 1718 erschienen und war sehr selten. Leider mußte er es erleben, daß sich seine Gemeinde, die er stets zum Frieden und zur Eintracht ermahnte, durch Verfolgung egoistischer Tendenzen einiger Krakehler spaltete. Doch die Muttergemeinde blieb ihm treu und ehrte und schätzte ihn bis an sein Lebensende. Am 22. d. M. hat sein Leichenbegängniß stattgefunden, das sich zu einem wahrhaft imposanten und einer solchen Persönlichkeit würdigen gestaltete. Sämmtliche Nachbargemeinden entsendeten ihre Deputationen und sogar aus Wien langten Gäste an, darunter ein Sohn der hiesigen Gemeinde und gewesener Schüler des seligen Rabbiners, Herr Adolf Rosenbaum. Massenhafte Beileidstelegramme langten von jüdischen Gemeinden und Rabbinern an. An seinem Sarge hielten Trauerreden dessen Sohn Herr Dr. Adolf Sidon, Rabbiner in Werschetz; Herr Dr. Moritz Diamant, Rabbiner in Trencsin; Herr Dr. Josef Rosenfeld, Rabbiner in Golgocz; Herr Israel Frankel, Rabbiner in Schattmannsdorf: außerdem noch Dr. Sal. Pollak, namens der Gemeinde und ein Lehrer namens der israelitischen Schulanstalt, deren Schulpräses der Verblichene war. Eine imposante unabsehbare Menge geleitete ihn zur letzten Ruhestätte, darunter die Spitzen der städtischen Behörden, der Geistlichkeit, der Stadtvertretung und des Militärs. Sein Andenken wird hier gewiß noch lange, sehr lange fortleben. Run möge er in Frieden ruhen. Raab. Diese Woche fand hier von Seite des israelitischen Frauenvereines die Winterholzvertheilung an Arme und Bedürftige statt. Das Holz, welches um 400 fl. angeschafft wurde, ist heuer jeder Familie ins Haus gestellt worden. Zugleich wurde das den 60 armen israelitischen Schülerinnen arrangirte Winterbekleidungsfest in solenner Weise begangen. Anwesend war im festlich beleuchteten großen Gemeindesaale der Lehrkörper, Frauenvereins-Ausschuß, die Gemeinde- und Schulrepräsentanz, Oberrabbiner Dr. Julius Fischer, würdigte in seiner tief ergreifenden Rede das bereits 24jährige, aufopfernde, selbstlose Mühewalten der Präsidentin Frau Fanny Lederer. Einige im Namen ihrer reichlich beschenkten Kameradinnen gesagten Dankesworte einer Schülerin wurden mit mehrfachen Eljens! entgegengenommen. Csüz (Komorner Comitat). Unsere Gemeinde hat einen schweren, tiefempfundenen Verlust erlitten. In der Nacht vom 15. auf den!16. d. M. verschied unser ehrwürdiger Herr Rabbiner Baruch Eckfeld nach kurzem Leiden. Der Verstorbene der ein Alter von -64 Jahren erreichte, bekleidet seit 33 Jahren den Posten eines Rabbiners in unserer Mitte und galt für einen hervorragenden Talmudisten und tüchtigen Bibelexegeten. Literarisch wenig thätig, ließ er nur Novellen zum Talmud im Druck erscheinen, doch ist in seinem Nachlasse ein vollständiger Bibel-Commentar erhalten, dessen Herausgabe gewiß Sorge seiner tiefgebeugten Hinterbliebenen sein wird. Wie sehr der edle Verblichene nicht nur bei den Mitgliedern seiner Gemeinde, sondern auch in weitem Umkreise selbst bei Nichtjuden beliebt war, ja geradezu verehrt wurde, zeigte recht deutlich die großartige Be-