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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-01 · 1 (1.1.1892) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Arstevretchiptze WoatzrnfchtM. Sette 15 Nr. 1 Stichwahl im achten Communalbezirke lehrreiche Auskunft. In diesem Bezirke standen ein Freisinniger und ein Antisemit einander als Candidaten gegenüber; der Erstere erhielt 1405, der Letztere 1193 Stimmen. Es wählten 136 Polizeibeamte, darunter 135 antisemitisch; 158 Eisenbahnbeamte, darunter 133 antisemitisch; 165 Postbeamte, darunter 157 antisemitisch; 317 Ministerial-, Gerichts- und königliche Beamte, darunter 295 antisemitisch, 48 pensionirte Qfficierk, darunter 44 antisemitisch. Umgekehrt aber wählten unter 500 Handwerksmeistern 429 freisinnig, unter 316 Handwerksgehilfen 224 freisinnig, unter 379 Kaufleuten 317 freisinnig, unter 200 Arbeitern 139 freisinnig. Wien. *(Die Lage der russischen Juden) hat sich, wie uns von wohlunterrichteter Seite geschrieben wird, im Laufe der letzten Wochen sehr erheblich verschlimmert. Im Mai und Juni dieses Jahres stellte, wie seiner Zeit berichtet wurde, das Moskauer General-Gouvernement den dort noch verbliebenen Juden Aufenthaltsscheine auf die Dauer eines halben Jahres aus. Zugleich wurde diesen zeitweilig geduldeten Familien eröffnet, daß sie die Verlängerung der Duldungsscheine im Herbste zu erbitten hätten. Die Entscheidung ist nun erfolgt, sic lautet durchwegs ablehnend; so findet denn nur*, mitten im strengen Winter, der W"gzug oder die Ausweisung dieser hunderte von größtentheils sehr armer Familien statt; es handelt sich dabei fast nur um Handwerker. Eine weitaus größere Zahl von Opfern fordert eine zweite Maßregel. In den Gouvernements Wilna und Kiew wurde die Ausweisung aus den Dörfern bisher nicht streng durch geführt. Seit Mitte November ist dies anders geworden; die Leute, die bisher als Guts- und Mühlenpächterals Wirthschaftsbeamte, ein sehr großer Theil auch als Taglöhner auf christlichen Gütern ihren Unterhalt gefunden, werden nun in die städtischen Ghetti verwiesen, woher sie oder ihre Eltern stammen; es gibt Familien darunter, die bereits in die dritte Generation ländlicher Beschäftigungen nachgegangen, also den Verhältnissen ihrer Geburtsorte ganz entfremdet sind; in den überfüllten Märkten ttnd Städten erwartet sie nun der sichere materielle Untergang. Eben so tief einschneidend erweist sich eine dritte Maßregel: die Durchführung der gesetzlich von jeher bestehenden, aber bisher nur ausnahmsweise durchgeführten sogenannten „fünfzig Werst-Grenze", d. h. die Ausweisung der Juden aus solcher. Orten, die fünfzig Werft von der Reichsgrenze entfernt sind. Gerade in jenen beiden Grenzgouvernements, rvo die jüdische Bevölkerung am dichtesten wohnt, in Bessarabien und Podolien, werden nun die Ausweisungen irn Hinblick auf diese veraltete Verordnung am schärfsten durchgeführt; zum Beispiel sind vor einigen Wochen die Juden aus Kammenetz- Podolsk, wo sie seit der Besitzergreifung durch Rußland, also seit länger als einem Jahrhundert unbehelligt gewohnt, , ausgewiesen worden. So beläuft sich die Zahl jener Menschen, welche durch die Maßregeln der letzten Wochen zugrunde gerichtet worden sind, wieder auf Hunderttausend?; jene vor ihnen, die mit dem Reste ihrer Habe oder mit Hilfe ihrer dortigen Glaubensgenossen noch bis zum Frühling ausharren können, haben in den russischen Judenstädten ihre Zuflucht für den Winter gesucht; wer aller Mittel bar ist oder sein letztes nicht aufzehren will, macht sich sofort auf die Reise. Daraus erklärt sich die traurige Erscheinung, die in der bisherigen Geschichte der jüdischen Ausrvanderung aus Rußland nicht ihr Gleiches hak; trotz des Winters währt die Emigration ungeschwächt fort und der Zustand, in welchem die Unglücklichen auf deutsches Gebiet treten, spottet jeder Beschreibung. Das „Deutsche Centralcomits für die russischen Juden" hat die Aufgabe der Unterstützung und Beförderung dieser Ausrvanderer nach Amerika bisher voll erfüllen können; hoffentlich fließen ihm auch ferner die dazu nöthigen, allerdings sehr beträchtlichen Mittel zu. Wien. Als pikantes Detail über den Gemeinderath Leopold Slama, welcher seinerzeit erklärte, lieber zu verhungern als für einen Juden zu arbeiten, theilt uns unser Reisender mit, daß er beim Goldarbeiter Saul Schiff in Rzeszow einige Briefe dieses Slama neueren Datums gesehen, in welchen derselbe dm Schiff dringend um Arbeit bittet, dabei auf seine triste Lage hinweisend. Wr -Reustadt. Am 22. d. M. verschied hier der hochgelehrte Herr Abraham Braun im 84. Lebensjahre, s. A. s. z- S. ' Der Verblichene, ein Schüler des weltbekannten K. Abraham E har iw und des „Schare Thora" wurde schon in seiner Jugend wegen seines außergewöhnlichen Fleißes, umfangreichen Wissens und Scharfsinnes gerühmt und mit üblichem Eertificate ausgezeichnet, dessen er auch rvürdig war, da er bis kurz vor seinem Hinscheiden dem Studium des Talmuds ununterbrochen oblag. Baden. Sonntag, den 27. December, Abends 5 Uhr veranstaltete der israelitische Frauenwohlthätigkeitsoerein eine Kinderfeier, bei welcher eine große Anzahl von armen Kindern ohne Unterschied der Confessio« mit complettm Winterkleidern beschenkt wurden. Die überaus zahlreich erschienenen Gäste wurdm von den Vereinsdamen L e i t n e r und Schneider freundlichft begrüßt. Hierauf hielt Herr Rrbbiner Reich eine gediegene Ansprache, in welcher er die Bedeutung des hum rnitären Actes erläuterte. Die Vereinsdamen hatten sich's nicht nehmen lassen, aus eigenen Mitteln die Kinder zu bewirthen, rvobei auch die Eltern nicht leer ausgiengen. Holleschau. Sonntag Vormittags wohnte Herr Rabbiner Dr. Frankl aus Kremsier dem hebräischen Unterrichte in der Gerneindeschule bei. Am Schluffe richtete er einige ermuntemde Worte an die Schüler und sprach dem eifrigen Lehrer Forell urrd dem Schulvorstande Earl Beer die Ueberzeugung aus, daß solange diese Pflanzstätte der Thora bestehm wird, auch in unserem engeren Vaterlande für einm, des Hebräischen kundigen Nachwuchs gesorgt ist. Kremfier. 20. December. Heute fand an der hiesigm Talumd-Thoraschule im Beisein des Rabbiners Dr. Frankl und des Eultus Vorstandes Carl Lieb mann eine Prüfung statt, welche alle Anwesenden befriedigte. Als ein Schüler die biblischen humanen Grundsätze über das Pfandrecht mit Berftändniß uoitni', konnte ein Mitglied des SchulcomitLs die Bemerkung nicht unterdrücken: „Schade, daß nicht Rohling und Schneider anwesend sind, um aus dem Munde der Kinder eines Besseren belehrt zu werden." Nachmittags wurden die Kinder reichlich beschenkt. Sonntag Abends hielt der Religionslehrer Dr. Max Grünfeld einen interessanten, durch Beifall ausgezeichneten Vortrag üb'r das ehemalige Landesrabbinat in Kremsier. Zwittau, ani 22. December 1891. Bei der jüngst-ns stattgehabten Vorstandsrespective Ausschuß-Wahl für die anr 1. Jännerin Wirksamkeit tretende isr. Cultusgemeinde Zwittau wurden nachstehende Herren gewählt: Herr Josef Stein, Vorsteher, Herr Jul. Benedict, Stellvertreter, Herr Herrn. Honigs feld, Beirath, Herr M. Ziffer er, Herr Dlr. A. Weiß, Herr Mich. Zeißl, Herr Carl Stein, Ausschuß- Mitglieder. Ung.-Hradisch Am 8. December l. I. fand die Wahl in den provisorischen Ausschuß der zu constiluirenden israelitischen Cultusgemeinde statt. Mit überwältigender Majorität wurden gewählt: Braun Ignaz, Brauereibesitzer in Jaroschau, Brunn Sigmund, Kaufmann in Ung.-Hradisch, Kapp Wilhelm, Kaufmann in Napagedl, Kohn Adolf, Landmann in Kunowitz, Kohn Markus, k. u. k. Finanzkommissär in Ung.-Hradisch, Mannaberg Adolf, Dr. kgl. städtischer Physicus in Ung.-Hradisch, Singer Siegmund, Großkaufmann in Ung.-Hradisch. Am 20. December fand die Wahl des provisorischen Vorstandes statt. Als Cultus-Vorstand rvurde gewählt Dr. Adolf Mannaberg, kgl. städtischer Physicus, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone rc. in Ung.-Hradisch. Als erster Rath: Siegmund Brunn. Kaufmann in Ung.-Hradisch. Als zweiter Rath: Markus Kohn k. u. k. Finanzkommifsär in Ung.-Hradisch. Brüx, 21. Dec. (Chanuka-Feier). Die Chanuka- Feier, welche gestern im Saale des Hotels „zum goldenen

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