Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1 (1.1.1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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'Seite 8 Oefterretchifche Wochenschrift. Nr 1 gerechte Ovationen sind, Zeugnisse des innigsten Einverständnisses zwischen Vereinsvorstehern und Bereinsmitgliedern. Die diesjährige Generalversammlung fand Montag, den 28. Dezember Abends 7 Uhr im Restaurant des Herrn M. H. Kristianpoler, VL, Schmalzhofqaffe 6 statt. Der geiale Erbauer des Vereinstempels und unermüdliche Vereinsprästdent, Architekt Mar Fleischer eroffnete die Versammlung, begrüßte die erschienenen Vereins Mitglied er und den als Deleqirten des israel. Ciltusoorsiandes anwesenden Cultusvorsteher Dr. Josef Grün selb sowie den Reichsrat, sab geordneten Dr. Bloch, an weicherer Redner im Namen der Versammlung eine herzliche Ansprache richtet. Vor Eingang in die Tagesordnung gedenkt der Vorsitzende in beredten Worten der jüngsten Trauerfälle im Allerhöchsten Kaiserhause (die Versammlung erhebt sich.) Möge der Allmächtige das erlauchte Kaiserhaus vor weiterem Leid bewahren. Redner spricht ferner seine Freude aus über die glückliche Genesung der erlauchten Tochter des Erzherzogs Karl Ludwig und schließt mit den Worten: Wir nehmen innigen Antheil an dem Geschick der Allerhöchsten Dynastie, welche uns seit Jahrhunderten Schutz und Schirm gewesen. (Lebhafter Beifall.) Der BereinsoorsteherHerr Hermann Liebermann verliest hierauf das Protokoll der vorjährigen Generalversammlung, nach Verisizirung desselben ergreift das Wort der Vereinsprästdent Architeft Mar Fleischer znr Verlesung des Jahresberichtes. Der Verein zählt derzeit 231 Mitglieder, von welchen Eines den Jahresbeitrag von fl. 50, zwei einen Jahresbeitrag von je fl. 20, sieben einen Jahresbeitrag von je fl. 15, fünf einen Jahresbeitrag von je fl. 12, zweiundfünfzig einen Jahresbeitrag von je fl. 10, eilf einen Jahresbeitrag von je fl. 8 und hundertzweiundfünfzig einen Jahresbeitrag von je fl. 6 leisten. Redner gedenkt in ehrenden Worten der verstorbenen Vereinsmitglieder Simon. Lurie, S. Reich, Lcop. Schwarzschild und Moriz Fried mann (die Versammlung erhebt sich) und vreist die Verdienste des Hingeschiedenen Vorstandsmitgliedes Isidor Preis in begeisterten Ausdrücken. «Wir verloren an ihm den besten, treuesten und eifrigsten Mitarbeiter und Freund, der Verein eines seiner anhänglichsten, rührigsten und opferwilligsten Mitgliedes unser Bezirk einen hochgeschätzten und bewährten Bürger, die Judenschaft unserer Bezirke einen für ihre Interessen und Ehre einstehenden Repräsentanten." (Lebhafter Beifall.) Des weiteren erwähnt der Bericht, daß im Vereinstempel im Laufe des Jahres 28 Trauungen, 29 Barmizwas und 23 Namensgebungen stattfanden, sowie daß die provisorische Wahl des Dr. Leop. Weinsberg zunl Vereinsprediger in ein Definitivum nicht umgewandelt w.rden konnte und in Folge dessen dieser Posten neuerdings vakant geworden. Der Ertrag der Tempelsitze hat in diesem Jahre die Summe von 6093 fl. ergeben, die Spenden am Sabbath und Feiertagen 4709 fl. Mit hohem Danke qedenft der Redner einer Fenstersvende des Herrn Commerzienrakhes Eisenberger im Betrage von fl. 500 und erwähnt, daß auch Frau Cäcifte Eisenberger sowie die Frau Sophie Heim kostbare Thoramäntelchen dem Tempel spendeten. Am Schimini azeres hat der Vereinspräsident zu Gunsten der unglücklichen vertriebenen Glaubensbrüder aus Rußland eine warme Ansprache an die Vereinsgenossen gerichtet und als Ergcbuiß der dabei angeregten Sammlung 422fl. der „Israel. Allianz" abgeliefert. Der Redner hebt mit Befriedigung hervor, daß der Gottesdienst im Vereinstempel eines immer größeren Zuspruches sich erfteut und constatirte, daß namentlich die Heranwachsende Jugend mit Vorliebe an dem Gottesdienste sich becheiligt, einem Gottesdienst, der bereits zahlreiche dem Judcnthum Entfremdete in das Vaterhaus wieder zurückgeführt hat. Redner schließt mit dem Hinweis, dak durch die Bildung von Groß-Wien auch die Wiener israel. Eultusgemeindc vor einem Wendepunkt ihres Geschickes stehe, sie gelangt zu einer ungeahnten Größe und bedarf einer vollständigen Neuordnung ihrer Verhältnisse. „Möge diese neue Epoche, auch den Beginn einer segensreichen 'Glück und Glanz verheißenden Aera für unsere Gemeinde und das gesummte Judenthum bedeuten, — das walte Gott." (Lebhafter, lang anhaltender Beifall.) Hierauf beantragt Vereinsmitglied Gollerstepper der Vereinsleitung den Dank der Versammlung durch Erhebe,: von den Sitzen auszusprechen. Der k. k. Commerz. Rath Robitsek schließt sich diesem Dank aus vollem Herzen an und bemerft, durch die einhellige Wiederwahl der ausscheidenden Vorstandsmftglieder werde sich das Berttauen manifestiren, welche der Verein seiner Leitung entgegenbringt und das Band festigen, welches Vereinsvorsteher und Vereinsmitglieder umschlingt. In gleichem Sinne sprachen Dr. Braun, Dr. Ullmann und Dr. Löwy, worauf eine bezügliche Resolution zur einstimmigen Annahme gelangt. Zum dritten Gegenstand der Tagesordnung ergreift das Wort das Vorstandsmttglied Herr Friedr. P o l l a k (Myrthengasse) um den Rechnungsabschluß und die Bilanz pro 1691 vorzulegen und die finanzielle Lage des Vereines zu zeichnen. Die Ziffern welche der Redner vorzuführen in der Lage war, machten einen erfreulichen Eindruck und zeigten bedeutende Fortschritte in der finanziellen Konsolidirung. Einen Finanzminister von solcher Opferwilligkett und Genialttät würde sich mancher Verein wünschen. Im Namen der Revisoren beanttagt hierauf Leop. Stowasser dem Bereinsvorstand das Absolutorium zu ertheilen, welcher Anttag einstimmig genehmigt wurde. Nach Wiederwahl der früheren Revisoren und neuerliche Bestimmung des Jahresbeitrages mit fl. 6 , ergreift das Wort Cultusvorsteher Doctor Josef Grünfeld um seiner Freude Ausdruck zu geben über das Bild der Einttacht und des gedeihlichen Fortschrittes, melches er in dieser Versammlung wahrgenommen. Der Tempelverein von Mariahilf und Neubau mit seinem Herrlichen Tempel ist der Judenschaft anderer Bezirke in Wien Muster -und Vorbild geworden, hat die Thatkrast angcspornt und Nacheiferung geweckt. Die Sympathie welche der isr. Cultusvorstand dem Tempelverein für Mariahilf und Neubau entgegenbringt, hat sich glänzend gerechtfertigt, (lebhafter Beifall). Reichsrathsabgeordneter Dr. Bloch dankt dem Vorsitzenden sowie der gesammten Versammlung für die freundlichen an ihn gerichteten Worte und versichert, daß sein Interesse an dem Erblühen und Gedeihen des Vereines von Generalversammlung zu Generalversammlung sich steigere und bettachtet es als eine Gunst der Vorsehung, daß auf dem exponirten Posten von Mariahilf und Neubau die jüdischen Angelegenheiten in solch' musterhafter Ordnung geführt werden, (lebhafter Beifall). Zum letzten Punkte der Tagesordnung übergehend bringt der Vorsitzende zur Kenntniß, daß das Vorstandsmitglied Herr Jacob Strauß seine Abwesenheit durch Unwohlsein brieflich entschuldigt und sich bereit erklärt, eine Wiederwahl anzunehmen. Herr k. k. Commerz. Rath Robitsek beanttagt die Wiederwahl der 4 austretenden Vorstandsmitglieder und, empfiehlt zur Neuwahl Herrn Adalbert Janowitzer (lebhafter Beifall.) In einer geistreichen vom Beifall der Versammlung oft unterbrochenen Ansprache zeichnet Herr Friedrich P o ll a k (Myrthengasse) seine zehnjährige wechselreiche Wirksamkeit im Dienste des Vereines. Die Pflichten die er zu erfüllen hatte, waren nicht immer angenehm und noch weniger leicht. Er unterzog sich derselben in dem Bewußtsein, daß es gilt, dem Judenthum der westlichen Bezirke einen Dienst zu erweisen, sein Ansehen und seine Achtung zu heben. Die höchste Aufgabe des Juden ist, an Anständigkeit seinem nichtjüdischen Concurrenten dreifach überlegen zu sein. Das Stteben, den jüdischen Namen zur Achttmg zu bringen, hat den Vereinsvorstand bis jetzt geleitet und er werde in diesem Streben nicht erlahmen, wenn das Vertrauen des Vereines ihn wiederum in den Vorstand entsendet. (Lebhafter Beifall.) Herr Dr. Engel bemerft, daß man ihn als Juristen eigentlich im Vorstand sehr wenig beschäftigt hat, er habe eben erfahren, wie leicht unter dem milden Scepter und liebenswürdigen Commando unseres Präsidenten sich arbeiten läßt. Redner wendet sich gegen jene, die sich ihres Judenthums schämen, bei Entfernung aus dem Gotteshause das Gebetbuch ja einwickeln, damit man es nicht merke; wir wollen uns an den Christen ein Beispiel nehmen, mit welchem Stolze sie sich zu ihrer Religion bekennen (lebhafter Beifall.) Vorstandsmitglied Michael Winkler zählt das 29. Dienstjahr im Interesse des Vereines, er stand bei den ersten Anfängen und hat mitgearbeitet an dem Wachsen und Emporblühen desselben(lebhasl.'r Beifall).Herr Adalbert Janow itzer ergreift das Worl um sich der Versammlung vorzustellen. Von hochgeschätzter Seite ist er zum Einttitt in den Vereinsvorstand angeregt worden uud wenn er sich bereit erklärt, an der Seite der bewährten Männer, welche den Verein bis zu seiner heutigen Hohe emporgetragen haben, Mitarbeiten zu wollen, so beseelt ihn der Gedanke, daß in der gegenwärtigen Zeit die Pflicht vo■: jedem Juden heischt, die Solidarität mit den Glaubensgenossen vor der Oeffentlichkeit zu bekräftigen und den Gemeinsinn zu pflegen und zu bethätigen. Aber auch die Pietät für seinen verklärten Vater, welcher zu den Begründern des Tempelvereines zählte, legt ihm den Wunsch nah', diese Wirksamkeit seines Vaters fortzusetzen. (Lebhafter Beifall.) Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wurden 63 Stimmen abgegeben und als gewählt erschienen nahezu einstimmig die Herren: Friedr. Pollak, Jakob Strauß, Michael Winkler, Albert I a n o w i tz e r und Dr. Engel. Der Vereinspräsidem Mar Fleischer verkündet das Wahlresultat und erklärt nach einigen Worten des Dankes an die zahlreich erschienenen Vereinsgeuossen die 18. ordentliche Generalversammlung für geschlossen. Zur Neuordnung der; Israel. Cultusgemernde in Niedepösterreich. Verordnung des k. k. Ministeriums für Culus und Unterricht vom 4. Der. 1891, Z. 25193, betreffend die Feststellung und Abgrenzung der israelitischen Cultusgemeindespreugel im Erzherzogthume Oesterreich unter der Enns. In Ausführung der §§ 3 und 4 des Gesetzes vom 21. März 1890, R.-G.-Bl. Nr. 57, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschast, wird^Nachstehendes verordnet: § 1. Im Erzherzogthume Oesterreich unter der Enns haben nachbenannte 13 israelitische Cultusgemeirtden zu bestehen, und zwar: 1. Wien, 2. Baden, 3. Floridsdorf, 4. Horn, 5. Krems, 6. Mistelbach, 7. Mödling, 8. Neunkirchen, 9. Wiener-Neustadt, 10. St.-Pölten, 11. Tulln, 12. Waidhofen a. d. Thaya, 13. Ybbs.