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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-01 · 1 (1.1.1892) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 Vrstrrrrichifchr WochrnkchrM. Sette 5 sind verboten. Aber nur Ausnahmegesetze gegen die Juden zu machen, bei denen sich ihre unbeschnittenen Konkurrenten ins Fäustchen lachen, dazu kann ich mich ebensowenig herbeilassen als zum Schmieden von Ausnahmegesetzen gegen katholische Ordensleute oder auch nur gegen die Sozialdemokraten. . . Die Juden haben große Vermögen erworben, sagen die Antisemiten, sie haben den Großhandel und die Börse fast ganz in ihre Hände gebracht. Mag sein; nachdem den Inden über tausend Jahre untersagt war, in Deutschland Grund und Boden zu erwerben, haben sie Zeit genug gehabt, im Handel sich gediegene Kenntnisse und Fertigkeit zu erwerben, und es kann darum nicht auffallen, wen» sie mittelst ihrer Kenntnisse, unter Beihilfe günstiger Gesetze — das letztere darf man nie aus den Augen verlieren — zu großem Wohlstände gekommen sind. Man darf nicht von allen Juden glauben, daß sie unredlich im Handel und Wandel sind, wie man auch nicht von allen Christen glauben kann, daß sie sich im Handel und Wandel nie eine Unredlichkeit zu Schulden kommen lassen. Gerade die echten, gläubigen Juden üben zwei bürgerliche und zwei religiöse Tugenden, die es leicht erklärlich machen, warum sich ihr zeitlicher Wohlstand hebt: sie sind fleißig und sparsam, ste beobachten gewissenhaft den Sabbath und erfüllen treu das vierte Gebot Gottes. Und daran hat ja Gott selbst die Verheißung seines Segens geknüpft. Wollte Gott, daß alle Christen mit den gläubigen Juden im Fleiß und in der Sparsamkeit, in der Heilighaltung des Sonntags und in der Erfüllung des vierten Gebotes wetteiferten, dann würden bald viele Klagen verschwunden, viel Elend würde bald beseitigt sein." Dr. Frank kennzeichnet sodann die unsinnigen Consequenzen der Forderungen der Antisemiten, feiert in warmen Worten die jüdische Wohlthätigkeit, welche sich jetzt Angesichts der russischen Calamität abermals kundgebe, und schließt mit der Mahnung: „€> gewiß! Wir Christen sollten den Juden die Bruderliebe nicht zum Vorwurf machen, sondern uns alle Mühe geben, gerade in der Bruderliebe di. Juden noch zu übertreten! Seht, wie sie einander lieb haben! So hat man einst von dem ersten Christen gesagt; seht, wie sie einander lieb haben, kann m'an jetzt mit größerem Rechte von den Juden als von den Christen in der Gegenwart sagen, und diesen Vorwurf sollten wir Christen uns nicht länger gefallen lasten. Wenn ich nun zu all dem bereits Gesagten noch beifüge, daß einzelne Bischöfe der Kirche, denen Gelegenheit gegeben war, über den Antisemitismus sich auszusprech'n, sich gegen denselben ausgesprochen haben; wenn ich beifüge, daß insbesondere die österreichischen Bischöfe vor dem Zusammengehen mit den Antisemiten gewarnt haben, dann werde ich wohl damit schließen dürfen, daß ich die oben gestellte Frage noch einmal wiederhole und zugleich auf dieselbe auch die richtige Antwort beifüge: „Kann ein katholischer Priester, überhaupt ein gläubiger Katholik, Antis emit sein?" „Rein!" Zum Jubiläum des Präsidenten der Wiener Israelit. Cultusgemeinde. Dcr Präsident der Wiener israelitischen Cultusgemeinde Herr Wilhelm Ritter von Gutmann, feiert am 6. Januar das Jubiläum des vierzig'Lhrigen Bestandes seiner Geschäftsfirma. Was das Haus „Gebrüder Gutmann" für die Entwicklung der österreichischen Industrie bedeutet, welchen maßgebenden Einfluß es aus die Gestaltung unseres Transportwesens geübt, bedarf kaum einer eingehenderen Darstellung. Wenn' dieses Haus einen Weltruf erlangt, so verdankt es dieses Ansehen keineswegs dem Umstande, daß für dasselbe, wie von gegnerischer Seite so vielfach behauptet wird, ein Monopol geschaffen wurde. Es war und ist eben ein bleibendes Verdienst der Gebrüder Gutmann, zu einer Zeit schon, wo die österreichische Industrie noch in dm Kinderschuhen stack, den Beruf der Kohle und den Werth der richtigen Organisation ihrer Verfrachtung vorauserkannt zu haben. Dieser Umstand in Verbindung mit den Grundsätzen strengster Rechtlichkeit und Solidität, welche in allen geschäftlichen Unternehmungen der Firma, sei es im Großhandel, sei es ini Vertrieb der Wiener Haushaltungskohle in einzelnen Säcken, zum Ausdruck gelangten, hat die Größe des Hauses begründet und im Laufe der Jahre immer mehr befestigt. Allein so ehrenvoll auch die Firma „Gebrüder Gutmann" in der ganzen Welt genannt wird und so unbestritten ihre Verdienste um die industrielle Entwicklung unseres Vaterlandes sind, ein viel höherer, strahlenderer Ruhm knüpft sich an den Namen Gutmann auf dem Gebiete der öffentlichen Wohlthätigkeit. Es gibt kaum eine humanitäre Institution in Stadt und Reich, an welcher die Gebrüder Gutmann nicht in hervorragender Weise betheiligt wären. Einzelne derselben verdanken der nimmermüden Fürsorge, der wahrhaft großartigen Freigebigkeit dieser Firma ihre Entstehung und Existenz, so das Kindevspital der Poliklinik, welches demnächst eröffnet werden soll, das Mädchen-Waisenhaus der israelitischen Cultusgemeinde, der philantropische Verein, das jüdischtheologische Seminar, das in Bälde activirt werdm soll. Es muß aber ausdrücklich betont werden, daß bei aller innigen Liebe zum Judenthum, bei aller Treue und Hingebung an den Glauben d-r Väter, welche Herrn Wilhelm Ritter von Gutmann ausznchnen, seine menschenfreundliche Wirksamkeit keineswegs einen rein confeffionellen Charakler trägt, er ist vielmehr Roth und Elend zu lindern bemüht, wann und wo immer und in welchem Gewände es ihm gegenübertritt. Hier offenbart sich in greifbarer Weise die unerschütterliche Wahrheit, daß das Judenchum gleichbedeutend ist mit dem reinen Menschenthum, daß der jüdische Glaube die wahrste und echteste Humanität ist. Die Art, wie die Firma Gebrüder Gutmann für ihre Tausende von Arbeitern sorgt, denen sie nicht blos Nahrung und Erwerb gibt, sondern denen sie durch ausgezeichnete Wohlfahrts-Einrichtungen zu einem verhältnißmäßigen Wohlstand verhilit, straft jene nichtswürdigen Berläumder Lägen, welche das Schlagwort von der Aussaugung der Christen durch das jüdische Capital auch auf diese Firma anwenden. Man schlage doch in dm Listen der rein christlichen Wohlthätigkeits-Anstallen nach, fast in sämmtlichen wird der Name G u t m a n n unter den ersten und werkthätigsten Förderern verzeichnet sein. Und als der heutige Präsident der Wiener jüdischen Cultusgemeinde, Herr Wilhelm Gutmann, Abgeordneter des niederösterreichischen Landtages war, da war es seine erste und dringendste Sorge, durch den Antrag aus Einführung einer progressiven Armensteuer eine Reform des Armenwesens für Wim und Niederösterreich anzubahnm, ein Verdienst, welches der Abgeordnete Eduard Sueß in begeisterten Worten anerkannt hat. Es ist eine seltene F ier, welche der Chef des Hauses Gutmann am 6. d. M. begeht, und wo immer die wahrhaft jüdischm Tugenden der Humanität und der Nächstenliebe noch Anwerth finden, wird dieser Ehrentag aus dankbaren Herzen mitgefeiert werden. Die Wimer israelitische Cultusgemeinde, deren Zierde Herr Wilhelm Ritter von Gutmann ist, rüstet sich zu einer großartigen Ovation für ihren trefflichen Präsidenten und zahlreiche Judmgemeinden des Inuud Auslandes werden ihrem Beispiele folgen. Herr Wilhelm von Gutmann ist von höchster Stelle und von seinen Mitbürgern durch die Verleihung zahlreicher Auszeichnungen und Würden geehrt wordm; seinen größten Stolz aber sieht er, wie er sich selbst wiederholt geäußert hat, in der Stellung an der Spitze der ersten und vomehmsten Judengemeinde des Reiches, wo er mit seiner ganzen Kraft, seiner reichm Erfahrung, seinem edlen Herzen für die Größe des Judenthums thätig sein darf. Er darf von sich sagen, daß er das Glück, welches Gott chm gegeben, nicht allein für sich verwmdet, sondern auch für die Unglücklichen, und daß er alles thut, um die Menschen mit seinem Glücke zu versöhnen. * * * Wie wir vernehmen, hat Herr Sigm. Trebitsch anläßlich dieser bevorstehendm Jubiläumsfeier des Präsidmtm der Wiener israelitischen Cultusgemeinde dem Waisen-Berein 10.000 Gulden Rente als Spende überwiesen. Armenpflege. Bortrag gehalten im Vereine „Oesterreichisch-Israelitische Union" am IS. Dezember d. I. von Dr. Maximilian Steiner. Schon Moses, der größte Socialreformer, der 1500 Jahre vor unserer Zettrechnung die Verstaatlichung von Grund und Boden einführte, fand es für nöthig ein präcises Armenrecht einzuführen. Trotz aller Cautelen, progressiver Armensteuer, Brach- und Jobeljahre erklärte er, daß es nicht an Armen im Lande fehlen werde und daß es Staats- und Bürgerpflicht sei, für sie zu sorgen. (V. Buch, Cap. 16.) Seitdem blieb den Judm die Armenpflege eine Mizwah, ein Gebot, und betrachten

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