Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1 (1.1.1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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S«te 4 Orstrrrrichischr Wochrnfchrist. Nr. 1 zu diesem hohen Berufe auSerwählt und mit ihm einen besonderen Bund geschlossen, weshalb es auch das Volk Gottes oder daS auserwählte Volk des Herrn genannt wurde." Diese Worte bilden den Eingang einer Schrift: „Die Kirche und die Juden" (Regensburg 1892), in welcher der bekannte bairische Landta s-Abgeordnete Pfarrer Dr. Friede. Frank die Stellung, welche der katholische Christ in der Judenfmge einzunehmen hat, zeichnete. In dieser wüsten antisemitischen Bewegung sind aus dem katholischen Lager verhältmßmäßig wenig Kundgebungen erfolgt, die auf vorurcheilsfreie Gesinnung und auf Studium der jüdischen Geschichte gegründet waren. Wir haben Rohling mit seinen tendenziösen Fälschungen und Lügen, den Paderborner Professor R e b b e r t mit seinen ganz gemeinen Schimpfereien gehabt, die in den weitesten Kreisen des Volkes den Judenhaß genährt haben; mit um so größerer Freude begrüßen wir daher die vor Kurzem erschienene Schrift, die «nen ganz andern Geist athmet, als die von Rohling und Consorten. Wir stimmen dem Herrn Verleger vollständig bei, wenn er die Studie „ein Wort des Friedens und zur Verständigung" nennt und die Behauptung ausspricht, „es wäre geradezu traurig, wenn diese vortreffliche Schrift nicht noch größere Verbreitung fände, als bie anliftmitischen Verirrungen." Dr. Frank beruft sich auf das Verhalten der Päpste gegen die Juden und seine Ausführungen hierüber sind werth, von allen glaubenstreuen Kacholiten beherzigt zu werden: „Die schönsten Blätter in der Geschichte des Judrnvolkes sind unstreitig jene, ans denen die treue Liebe geschildert ist, mit welcher die Juden an dem Glauben der Väter festhielre», und der Heldcnmmh, mit welckem sie ihren väterlichen Glauben verth-idigten, oder für denselben die schmerzlichsten Peinen und selbst den grausamsten Tod erlitten. Wer kann ohne Bewunderung und herzliche Freude von den blutige»» Schlachten lesen, welche die tapferen Makkabäer und ihre gottbegeisterten Krieger den Feinden und Unterdrücket« ihres heiligen Glaubens geliefert haben! Und mahnt uns nicht unsere heilige Kirche selbst, jene glaubensstarke Mutter mit ihren ebenso glaubensstarken sieben Söhnen zu ehren, die lieber unsägliche Schmerzen und den qualvollsten Tod erleiden, als nach dem Befehle des heidnischen Königs Antiochus ihren Glauben verleugnen wollten, indem sie zur Verehrung derselben einen eigenen Festtag, der am 1. August gefeiert wird, eingesetzt hat. An solchen Beispielen, die dem Herzen des unbefangenen Beschauers Erstau»»en und Bewunderung abnölhigen, fehlt es in der Geschichte des Zudenvolkes in keinem Jahrhunderte. Wie oft ist es schon vorgekommen, daß den Juden eines Landes die Wahl gelassen wurde, entweder das Land, in welchem sie seit vielen Jahren gewohnt und wo sie eine liebe Heimat gefunden hatten, zu verlassen, oder die Taufe zu empfangen! Und Tausende ergriffen den Wauderstab und verließen mit schwerem Herzen ihre langjährige Heimat, oftnials auch all' ihr Hab und Gut. Ihr' väterlicher Glaube war ihnen lieber, als das sonnige Spanien, das schöne Frankreich, das meerumspülte Aldion. Wer kann seine Theilnahme den Judrnmädchen zu Speyer versagen, die von christlichen Jünglingen den Flammen des Scheiterhaufens entliffcn worden waren, aber sich f»«willig wieder in die Feuersgluth stürzten, um für den Glauben der Väter zu sterben, ihr junges'Lebe»! gleichsam den, Herrn als Brandopfer zu lieblichem Wohlgeruche darzub»ingkn! Wer kann ohne Mitleid lesen, wie sämmtliche Juden in einer Stadl, Mäimer, Frauen, Kinder sich selbst dem Tode weihten, ihre Häuser und sich selbst verbrannten, um nicht gezwungen zu werden, den väterlichen Glauben zu verleugnen. Nur »ine einzige Religion ist es, deren Bekenner in der Liebe zu ihrem Glauben und in der treuen Anhänglichkeit an denselben sich mit den Bekenner« der jüdischen Religion messen Ennrn, und das ist die katholische Religion; es sind die Kinder der Kirche des Neuen Buudes, die in zahllosen Scharen ihre Liebe zu ihrer heiligen Religion, ihre Treue gegen die Kirche mit ihrem Blute besiegelt haben. Diese Thatsache im Zusammenhalt mit der anderen Thatsache, daß tausendjährige Verfolgungen nicht im Stande waren, das jüdische Volk und die katholische K rche von dem Erdboden zu vertilgen, sind ein helllruchtrnder, unumstößlicher Beweis da ur, daß beide Religionen, die Religion des auserwählien Volkes im Alten Bunde und die Religion des auserwählten Volkes im Neuen Bunde, die jüdische und die katholische Religion gö.Uichrn Ursprungs, alle übrigen Religionen oder religiösen BeLnntniffe eitel Menschenwerk sind." Des Weiteren fub die Bemerkungen interessant, in welchen Pfarrer Dr. Frank den Talmud zeichnet, Seite 70 daselbst bemerkt er: »Ich bin ftiit Talmudkenner . . . ich habe aber mit Anfmerksamkeit und ohne jede Voreingenommenheit die einschlägigen Schriften von christlichen und jüdischen Gelehrten gelesen, die Ansichten verglichen und nach bestem Wissm und Gewissen mein Urtheil mir gebildet. ES geht dahin, daß der Tamud in seiner gegenwäitigen Gestalt und wie er jitzt allgemein erklärt wird, für die Ghristen keinerlei Gefahr bildet, tmd ffir die Juden kein Hinderuiß ist, um mit dm Christen in Frieden und Einigkeit zu leben. Ja wenn ein Jude nach den Lehren des Talmud, wie sie gegrnwärtig in den Schulen vorgetragen werden, sein Leben einr:chtet, so wird er ein Ehrenmann rm vollsten Sinne des Wortes sein, dem auch ein Christ seine Hochachtung nicht wird versagen können!" Dann geht er zur Charakteristik der in Kassel seinerzeit gegründeten „Deutsche antisemitische Vereinigung" über und knüpft des Weiteren an den Satz des antisemitischen Programms: „Die Namen der Mitglieder gelangen nicht an die Oeffenllichkeit" folgende drastische Bemerkung: „Ist das nicht eine lächerliche Furcht vor dem Häuflein Juden im Deutschen Reiche, die sich in dieser Verheimlichung der Namen zu erkennen gibt? Ich fürchte mich niemals und vor Niemand, meine Ueberzeugung, die ich mir auf dem Wege unbefangener Forschung gebildet habe, auch offen auszusprechen und das verlange ich auch von Jedem, der als Vereinsgenosse mit mir arbeiten und kämpfen will." Nichtsdestoweniger sprechen die Antisemiten von jüdischer Feigheit. — Alsdann entkräftet der Herr Pfarrer den bekannten Vorwurf, daß die Juden einen Staat im Staate bilden also: „Man nennt die Juden einen Staat im Staate, eine fremde Nation, eine Sondergemeinschaft, der das Bürgerrecht in einem deutschen Nationalstaat nicht gebührt. Das sind Redensarten, die einem Katholiken allerlei Bedenken erwecken muffen. Wie oft haben wir schon gehört, daß' man die Katholiken einen Staat im Staate nannte! Wie ojt hat man den Katholiken schon den Vorwurf gemacht, sie seien Reichsfeinde, sie erkennen einen Fremden als ihr Oberhaupt an! Virlleichr Helsen wir den Antisemiten, daß die Juden aus dem Deutschen Reich vertrieben werden, und zum Danke dafür müssen wir cs uns gefallen lassen, daß man auch uns des Bürgerrechts in dem nationalen protestantischen Staat für unwürdig erklärt. Oder hat man cs den Jesuiten anders gemacht? Im Kriege 1870 haben sie sich im Tienste des Vaterlandes ausgezeichnet, daß man sie mit Ordensauszeichnungen schmückte, und nach dem Schluffe des Krieges hat man sie zum Danke aus dem Deutschen Reich vertrieben. Die Antisemiten wollen Aufklärungsschriften über die Gefährlichkeit des Zudenvolkes verbreiten. Ja, ist denn das Judenvolk als solches gefährlich? Gewiß nicht! Wir haben gesehen, wie weder in der Thora noch im Talmud, wenn sie nach der gegenwärtig allgemein geltenden Erklärung befolgt werden, ei. e Gefahr für die Christen liegt; wenn es unter dem Judenvolke volksgefährliche Elemente gibt, so bilden dieselben nicht das ganze Volk. Es geht eben bei dem Judenvolke, wie es auch bei den Christen geht. Bei vielen Juden hat d-.e Bvschneidung gerade so viel Werth wie der Taufschein bei den Christen, und nur mit Unrecht zählt man dieselben zu den Juden oder Christen. Ein Sabor, ein Singer und andere Socialdemokraten, die gewöhnlich als Juden ausgeführt werden, machen schon seit Jahr«», wie mir mitgcthcilt wurde, die religiösen Gebrauche der Juden nicht mehr mit, und sie können darum ebensowenig zu den Juden, wie Most und andere Socialdemokraten zu den Katholiken gerechnet werden. Und gibt es denn nur jüdische Wucherer? Gibt es nicht auch Christen, die vielleicht noch schlimmere Halsabschneider sind als die Semiten? Mir fällt da unwillkürlich ein altes Geschichtchen ein. In ein Kloster kam von Zeit zu Zeit ein Mann und brachte ein kleines Almosen; bei dieser Gelegenheit wiederholte er jedesmal die Bitte, die Prediger möchten recht fcharf und eindringlich und recht oft gegen den Wucher ihre Stimme erheben, denn nichts sei abscheulicher u«d gefährlicher und verderblicher als der Wucher. Und was hat sich späier herausgestellt? Dieser Mensch war selbst der ärgste und gefährlichste Wucherer, der nur deshalb gegen den Wucher gepredigt haben wollte, damit dir anderen Wucherer sich bekehren sollten, und er dann ohne Konkurrenten sein verdttbliches Geschäft betreiben körnte. Fast möchte es scheinen, als ob auch unter den Antisemiten gar manche nur deswegen sich gegen die jüdischen Wucherer ereifern und dieselben aus dem Deutschen Reiche vertrieben wissen wollen, weil sie ohne die lästige jüdische Konkurrenz ihre sauberen Geschäfte mit um so größerem Erfolge betreile« möchten. Und warum will man nur „das jüdische auf die Irreführung und Entsittlichung des Volkes hinarbritende Zenungswesrn" bekämpfen? Giebt es nicht auch rin höchst verderbliches, auf die Irreführung und Enlsilttichung des Volkes hinarbeitendes Zeitungswesen, das unter deutscher Flagge segelt? Wenn ich dar«m oufgesordeit werde, mitzukämpfen gegen die verderbliche Presse, gleichviel ob sie von beschnittenen oder unbeschnittenen Preßbeugeln bedient wird; wenn ich mirhelfen soll, daß die unglücklichen Gesetze wieder abgeschafft werden, die das Großkapital, den Wucher gezüchtet und großgezogen, den Handelsstand geschädigt, dem Handwerk und Gewerbe den goldenen Boden entzogen haben, wenn es sich darum handelt, Rechtsschutzvereine, ländliche Darlehenskassen und andere Vereine ins Leben zu rufen, die insbesondere den kleinen Monn aus den Klauen der beschnittenen und unbeschnittenen Blutsauger befreien sollen, dann bin ich mit Herz und Mund dabei. Und auch der echte Talmudjude ist dabei; denn nach der Talmudlehre ist der Preis dermaßen zu normiren, daß dem Verkäufer nur ein Sechstel des ProductionspreislS als Nutzen gestattet wird, und damit dir Lebensmittelpreise nicht vertheuert werden, soll der Produzent seine Erträgnisse selber zu Markte bringen, Aufkäufe durch Zwischenhändler