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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-12-25 · 51 (25.12.1891) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
51 (25.12.1891)
Date
1891-12-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr BI Orstrrreichifrtzr Wochrnfthrift Seile 981 ling, Dr. Klein und Dr. Goldberg, der Gesammtvorstand der Pester israel. Religionsgemeinde unter Führung des Präsidenten Reichstags-Ab geordneten Moriz Wahr mann, der königliche Verein der Aerzte, Ministerialrath Dr. Julius Schnierer, die Vorsteher der „Chewra Krdischa", mit ihrem Präsidenten Carl R e uß, Professor Dr. Schulet, Professor Th an, die Professoren der Laudes-Rabbinerschule mit ihrem Director Professor Moses Bloch, Baron Sigmund Schosb e r g e r, die Reichstags-Abgeordneten Dr. Alex. U l l m a n n und Friedrich HarkLnyi, Magnatenhausmitglied Heinrich L ö v a y, Director Wilhelm Ormüdy, der Präsident der israel. Lundeskanzlei Martin Schweiger, die Beamten der israelitischen Gemeinde mit dem Secretär Dr. Ignaz Goldziher, der israelitische Lehrkörper, der israelitische Frauenverein mit den Präsidentinnen Johanna Bischitz und Marie Herzl, Deputationen der Ofner, Altofner und Nenpester israelitischen Gemeinden und „Chewra Kadischa's" und Andere. Nach dem Absingen eines ungarischen Trauerchorals bestieg Prediger Dr. Kohn die Kanzel und hielt eine formvollendete Gedmkrede. Er feierte Hirschler als Vorkämpfer des Judenthums. Hirschler's Name war die Parole und das Programin des fortschrittlichem ungarischen Israel. Als er den glanzvollen Sitz im ungarischen Magnatenhause einnahm, da erinnerte er sich voll Wehmuth der „Judenbank", auf der er im Gymnasium Platz nehmen mußte. Im Jahre 1861 war Hirschler Präsident der Pester israelitischen Gemeinde, deren Fundament zu ihrer heutigen Blüthe er gelegt hat. 1868 war Hirschler Präsident des Congresses, und wenn in dieser Zeit Irrungen vorgekommen, so waren dies Verirrungen eines großen Geistes, Verirrungen, an denen selbst ein Eötvös participirte und endlich Verirrungen, denen doch bleibende Errungenschaften zu verdanken sind. Im Vereine, mit Eötvös hat Hirschler den ungarischen israelitischen Landes- Stipendienverein in's Leben gerufen und auf Hirschlers Anrathen errichtete Eötvös die ungarische Rabbinerschule, welche eine große ungarische, eine große jüdische und eine große Culturmission zu erfüllen hat. Mit einem Gebet für das Seelenheil Hirschler's schloß die erhebende Denkrede. Obercantor Adolf Lazarus verrichtete nun unter Assistenz des Tempelchors das Seeleicheilgebet, worauf Dr. Kohn ein Gebet sprach. Mit dem Absingen des 16. Psalms schloß die imposante Trauerfeier. Budapest, 10. Dec. Se. Majestät hat für die jüdische Schule in Farad 100 fl. gespendet. Siebenbürgen, 12. Dezember. Die Stadt Fogaras hat unseren Glaubensgenossen, den Reichsrathsabgeordneten Herrn Dr. Alexander U l l m a n n zu ihrem Ehrenbürger ernannt. Bur Szt. Marton. Wie schon seit mehreren Jahren versorgte der hiesige Wohsthätigkeitsverein „Malbisch Arumim" auch Heuer 16 arme Kinder mit vollständiger Winterkleidung, welch schönem Acte ein distinguirtes Publikum beiwohnte. Die Feierlichkeit wurde mit einem Gesänge der Schulkinder unter Leitung des Lehrers Herrn Arnold Rosen;wekg, dessen Thatkraft und regem Eifer der Verein seine Entstehung verdankt, eröffnet. Sodann folgte eine vom Schulpräses Herrn Dr. Adolf Lar gehaltene schwungvolle Nede, die von der Zuhörerschaft mit lebhaftem Beifalle ausgenommen wurde. Berlin. Nachdem unsere Antisemiten unlängst die Bekanntschaft der österreichischen Führer Vergani und Schönerer gemacht haben, steht ihnen ein weiterer Genuß bevor. Der antisemitische Wiener Abgeordnete Emst Schneider, in deflen Charaktereigenschaften wir unsere Leser eingeweiht haben, wird iw Januar in der deutschen Reichshauptstadt einen Vortrag halten. Die „Staatsbürgerzeitung" Prophezeit ihm den „begeistertsten Empfang Seitens aller deutschnationalen Kreise Berlins." Berlin, 16. Dezember. Gegen einen Oberamtsrichter im hessischen Odenwald ist^die Untersuchung wegen Meineids eingeleitet worden. Die „Kreuzztg.", zu deren Specialitäten richterliche Falscheide gehören, wird sich, so bemerkt treffend die „Franks. Ztg.", diesen Fall, wie auch die Sünden des sächsischen Amtsrichters (Conrad in Elsterberg), dessen Verhaftung dieser Tage gemeldet wurde, gewiß um so weniger entgehen lassen, als Hessen und Sachsen die beiden einzigen größeren Bundesstaaten sind, in denen es bisher noch kein Jude zum Richteramt bringen konnte- Mannheim, 9. Deeembrr. Gestern Abend fand dahier eine antisemitische Bers ammlüng statt, in der ein Dr. mecL Rudolf Vogel aus Freiburg i. Br. üben „Der Antisemitismus und seine Gegner, und der Niedergang des Mittelstandes" sprach. Der Vortragende schimpfte in bekannter Weise über die Juden, die an allem Ungemach, das auf der deutschen Nation lastet, einzig und allem Schuld tragen. Herr Rechtsanwalt Dr. Köhler von hier trat den Ausführungen Vogels in scharfen Worten entgegen und vertheidigte die Juden gegenüber den unerhörten Angriffen. In ähnlicher Weise sprach Herr Wilhelm Gleichauf von hier. Einen besonderen Erfolg hatte die Versammlung für die Lehren der Liebermann, Stöcker, Böckel, Ahlwardt und Genoffen hier nicht zu verzeichnen. Leipzig, 13. Dezember. Die Revision des antisemitischen Redacteurs Dr. Erwin Bauer, der im Juli d. I. vom Landgericht Berlin I. wegen M aj e st ä t sb e l ei di g ung zu zwei Monaten Festungshaft verurtheilt wurde, ist kürzlich vom zweiten Strafsenat des Reichsgerichts verworfen worden. Breslau, 14. Dezember. Der antisemitische Amtsrichter W i e d e m a n n ist an das Amtsgericht in Groß-Strehlitz versetzt worden. Hamburg, 10. Dezember. Bor sechs Monaten hat sich hiex das B e k l e i d u n g s c o m i t e f ü r r u s s i s ch e I ud e n (Catharinenstraße 36) gebildet, um den ruffischen Juden die nöthigen Kleidung bei ihrer Auswanderung mit auf den Weg zu geben. Trotzdem das Comite von vielen Seiten in wahrhaft anerkennenswerther Weise unterstützt wurde, kann dasselbe doch bei weitem nicht alle Wünsche, ja selbst nicht die norywendigsten beftiedigen, weil die genügenden Borräthe (es wurden fast achttau sendMenschen eingekleidet) fehlen. Diese Mittheilung wird genügen, um unsere Glaubensgenossen zu veranlassen, das wackere Comite in seinen hochherzigen Bestrebungen zu unterstützen, demselben Wäsche- und K l e i dun a s stü cke zu gehen zu Lassen. Jede, selbst die kleinste Sendung wird mit Dank angenommen. Dieselben sind an das Bekleidun.ascomite für russische Juden, in Hamburg, Catharinenftraße 36 zu richten. Bern, 11. Dezember. Die Regierungen der Kantone . Bern und Aargau hatten das bei den Israeliten übliche rituelle Schlachten als thierquälerische Handlung verboten. Die Schweizer Israeliten beschwerten sich über die Kantone Bern und Aargau, indem sie überdies den Nachweis lieferten, das rituelle Schlachten sei keine Thierquälerei. Nach dreitägiger Debatte hatte der Nationalrath mit 80 gegen 43 Stimmen den Israeliten Recht gegeben; dasselbe hat der Ständerath schon in der letzten Juniseffion gethan. Infolge dieses Entscheides ist das rituelle Schlachten im ganzen Gebiete der Eidgenossenschaft erlaubt. London. Mr. Samuel Mocatta starb vorige Woche Dienstag in einem Alter von 82 Jahren. Er war der jüngste Sohn des verstorbenen Moses Mocatta und der Bruder des verstorbenen Mr. Abraham Lindo-Mocatta, dessen Tod im Alter von 96 Jahren vor einigen Wochen erfolgte. Der Verblichene, welcher einst mit einer Schwester von Wtx. F. D. Mocatta verheirathet war, gehörte seit Anfang als Mitglied der Reformsynagoge an, in deren Vorstände er bis vor Kurzem saß. als er infolge seiner angegriffenen Gesundheit zu resigniren genöthigt war, da er den Sitzunge!r nicht mehr anwohnen konnte. Mr. Macotta war ein sehr geschätzter Mann und ein frommer Jude mit einem tiefen Glauben an die Satzungen des fortgeschrittenen Judenthums. Das L i henbegangnis fand unter großer Betheiligung statt. London. Oberstlieutenant Goldsmid hat den chm angebotenen Posten eines Generaldirectors und Organisators der jüdischen Colonien in Argentinien angenon men. Mit Oberstlieutenant Goldfmid hat Baron Hirsch eine bedeutende Kraft zur Durchfühiung seiner Pläne gewonnen; derselbe vereint innige Liebe zu dem jüdischen Stande, mit besont-eren militärischen Qualitäten, welche ihm einen hohen Rang in der mgl. Armee sichern.

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