Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 51 (25.12.1891)
- Date
- 1891-12-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 950 Orstrrrrichische Wochenschrift. Nr. n Jude aus Proßnitz kn Mähr« ist. Die Chorherren Klosterneuburgs rekrutiren sich aus den besten und gebildetsten Kreisen und es muß fügl.ch befremden, daß sie ein einen Geistlichen nicht öu3 der Gemeinschaft stoßen, dessen Thätigkeit mit den Humanitären Satzungen des Ordens im krassesten Widerspruche steht und den verdienstvollen Orden in der Bevölkerung nur zu mißcreditiren vermag. Ufajl. Wie «an uns aus Galizien mittheilt, ist der Äoid^nÄHKadjunct Dr. Joses Schorr beim Zloezower KreisgÄchte znm Secretär ernannt worden. Die brwuß e „Schwerhörigkeit" hat das Avancement dieses jüdischen Adjuncten also doch nicht gehindert. Eine Tochter des neue»« Secretärs, Frl. Mathilde Schorr, ist Hörerin der Medicin und wird demnächst den Doctorgrad erlangen. Wie». Die Fremdenhetze in China wird weiter betrieben. Ein TÄü^rary aus Shanghai meldet: „In vielen Gegenden der Provinz Shansi wurden Plakate angehestet, welche die Bevölkerung zur Niedermetzelung der christlichen Missionäre auffordem. Zn der Provinz Ho mn wurden Missionäre überfallen; nähere Nachrichten fehlen jedoch noch. Eine andere Depesche besagt daß die Rebellen in Nord-China „anscheinend" unterdrückt seien. FkridSdorf. Der Gemeinderath in Donaufeld hat unsere Gemeindemitglieder Gabriel Duckes, Luswig Grünwald und Leopold Fink in den Gemeindeverband und damit in den österreichischen Staatsverband mir großer Majorität ausgenommen. Der Gemeinderath von Donaufeld hat damit gegenüber hier und in der Umgebung herrschenden antisemitischen Strömung seinen fortschrittlichen Standpunkt deutlich präcisirt. Brmm. (Todesfall). Einer der herworragendsten Jrckustriellen der Brünner Tuchbranche, Jakob S amek, Inhaber der Firma „Brüd er Samek" ist gestorben. Samek ist einer jener Männer, welche sich aus kleinen bescheidenen Anfängen durch rastlosen Fleiß, Geschick, Berständniß für die geschäftlichen Verhältnisse, durch reelle Erzeugung und glückliche Ausnützung sich bietender günstiger Conjuncturen zum großen, angesehenen FabtÄsherrn aufgeschwungen, und Hunderte von Arbeitern und Angestellten beschäftigen. Im Jahre H1839 in Butschowitz als der Sohn des Lehrers der dortigen deutschen israelitischen Volksschule Moses Samek geboren, kam er nach Absolvirung dieser Schule nach Brünn. Außer verschiedenen Legat« und Anordnungen für verarmte Verwandte, welche der Verstorbene verfügte, hat Samek auch drei Stiftungen, ivelche seinen Namen führen sollen, errichtet und zwar eine Stiftung von 500 ft. 5% Papierrente, deren Zinsen an den Sterbeta« feiner Eltern je zur Hälfte an arme, an diesen Tag betende Juden und den betreffenden Borbeter vercheilt werden sollen; eine zweite Stiftung von 1000 fl. 5% Papierrente für bchürftige Witwen nach Volksschullehrern der Communal- BoKsschulen in Brunn und Butschowitz, deren Erträgniß am Skrbetage des Testators an zwei Witwen (eine Christin und eine Jüdin) zu gleichen Theilen durch den jeweiligen Bürgermeister vor Brünn, zu vergeben ist und eine dritte Stiftung gleichfalls von 1000 ft. 5% Papierrente, deren Zinsen an seinem Todestage an zehn arbeitsunfähige Weber, Arbeiterinnen oder Arbeiter, die in der Samekffchen Fabrik gearbeitet haben, durch dm Bürgermeister von Brünn zu vertheilen seien. 8. 8. (Der Bund der Deutschen Nordmährens im Dienste des Antisemitismus.). Die O^sgruppe „Wien" des „Bundes der Deutschen Nordmährens" hat stch dagegm ausgesprochen, daß der Vereinskalender weiterhin bei dem Juden Groag gedruckt werde. Wir wiffm nicht, wie. sich die Bundesleitung hiezu verhalten wird, möglich ist es immerhin, daß man dem Verlangen Rechnung trag« wirb, denn in dem gmannten Vereine prävalirt die antisemitische Richtung. Dem gegmüber muß darauf hingewiesen werden, daß die Juden in Mähren bei den Wahlen dm Ausschlag gckm In dm gemischt-sprachigen Städten, und dies sind k die meisten, opfern die Juden factisch ihre Existmz, indem sie für die Deutschen wählm, vide Proßnitz, und dann werden sie dafür durch Entziehung der deutschen Kundschaft belohnt. Aufgabe der Judm mich es daher sein, entschieden gegen derartige antisemitische Tendenzm im „Bunde der Deutschen Nordmährens" Stellung zu nehmen, eventuell vollste Neutralität zu beobachten, sapfenti sat. Olmiitz. Bei der Constituimng des jüngst gewählten isr. Cultusvorstandes wurde der Großindustrielle, Hern? Eduard Hamburger, zum Präsidenten gewählt, was bei den Mitgliedem der Cultusgemeinde mit ungemeiner Befriedigung ausgenommen worden ist. Trebitsch. Am 13. d. M. verschied hier nach zurückgelegten 87. Lebensjahre Frau Fanny Pollak, Witwe nach dem rühmlich bekannten ehemaligen hiesigen Rabbiner Joachim Pollak, Verfasser des Mekor Chaim zu dem Akeda des Jsak Arama. Das Leichenbegängniß fand am 15. unter großer Betheilung statt. Hervorzuheben ist die Anwesenheit des Vorstandes und aller Honorationen der Jsraelitengemeinde, die des Herrn Stadt-Bürgermeisters und des Hochvnrdigen Herrn Stadtpfarrers und Bezirksdechanten. Unser Rabbiner, Dr. S. Pollak. der Sohn der Verblichenen, hielt seiner Mutter einen warmen Nachruf. Am 20. darauf wurde ebenfalls unter allgemeiner Theilnahme Herr Lazar Epstein zu Grabe geleitet, der sich durch die uneigennützige und musterhafte Führung der Agenden der Synagogenverwaltung und der 6bk^rL XalisebL, große Verdienste um die hiesige Gemeinde erwarb. Drohobyez. Unsere-hiesige israel. Cultusgemeinde und das g'sammte galizische Judenthuu haben einen schweren Verlust erlitten. Samuel Abel Apsel, ein Mann von reicher Begabung, großen Talenten und edlem Herzen, ein Jude in der edelsten Ausprägung des Charakters, ist einer tückischen Krankheit erlegen. In der bescheiden*n Stellung eines Buchhalters, darin er an Mendelssohn erinnert, vereinigte er ein reiches profanes Wissen mit der ausgebreitendften Kenntniß der hebräischen Literatur und sein tiefes Gemüth, seine unerschöpfliche Liebe zu den Mitmenschen verlieh seinem Wissen die Weihe des Erhabenen. Jeder der ihm nur eine kurze Weile nah' war, fühlte sich zu ihm hingezogen, dem Zauber seiner Persönlichkeit vermochte sich Niemand zu eckzieh?n, an den Strahlen, welche von seinem reichen Geiste ansströmten, hat sich Jeder gerne gesonnt. In Grodek geboren, zählte er in seiner Jugend zu den Hörern des Rabbi Hirsch Chajes in Zolkiew, mit dessen Söhnen ihn eine innige Jugendfreundschaft verband. Er sollte ursprünglich die Rabbinatscarriere ergreifen, wählte aber den kaufmännischen Beruf, um die Wissenschaft nicht zum Spaten zu machen, und trat später, im Jahre 1865, bei der Geschäftsfirma Gartenberg, Lauterbach und Goldhammer in Drohobycz als Buchhalter ein, in welcher Stellung er bis an sein Lebensende blieb. In seinen Mußestunden pflegte er nach wie vor seine wissenschaftlichen Studien, von welchen er ein philosophisches Werk und eine hebräisch' Uebersetzung des „Fiesco" publicirte, und seine humanitäre Wirksamkeit hat ihm eine außerordentliche Popularität bei der Bevölkerung gebracht. Er hinterläßt eine tieftrauernde Witwe und neun wohltalentirte Kinder, von denen der älteste Sohn als Advokat in Drohobycz einen hochgeachteten Ruf genießt. Eine ungeheuere Menschenmenge betheiligte sich an derBeerdigungsfeier.Ueber Anordnung des Herrn Vicebürgermeisters H. Goldhammer wurden sam.ntliche Laternen in den Straßen und öffentlichen Plätzen, durch welche der Eonduct führte, angezündet, die akademische und Gymnafialjugend bildete Spalier. Vor dem Trauerhause hielt Herr Dr. Peiper, dann der bekannte Schriftsteller und Gelehrte Selig Lauterbach dem Heimgegangenen Freunde einen Nachruf. Inder großen Stadtsynagoge sprach Rabbiner Horowitz die Gedenkrede. Am offenen Grabe haben sodann die Gemeinderäthe Alex. Schor und Dr. Dawidowitsch, ferner die Herren Dr. Pisek und Joses Friedmann dem Verblichenen rührende und ergreifende Abschiedsworte zugerufm. An der Beerdigungsfeierlichkeit Hab« der Grmeinderath, der Cultusvorstand sowie sämmtliche Corporation« und Honoratioren der Stadt theilgenommen. Friede seiner Asche! Budapest. (Für das Seelenheil weiland Dr. Ignaz Hirschle r's), des einstigen Präsidenten der Pester israelitischen Religionsgemeinde, wurde im Cultustempel, Tabakgaffe, eine solenne Trauerfeier veranstaltet. Der Tempel hatte aus diesem Anlasse Trauerschmuck angelegt. In den Reihen der zur Trauefteier Erschienenen befand« sich: Die Rabbinen L. P o l l a k, Dr. M. K a y s e r-