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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-12-25 · 51 (25.12.1891) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
51 (25.12.1891)
Date
1891-12-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 51 Orfirrrrichifchr Wochrnschrist. Seite 347 ivenigstens ist der königl. Archivar noch der einzige Vertreter ] von Bedeutung in einer Partei, die sich in köstlicher Selbstj ironie „Bürgerpartei" genannt hat. Welchen Mißbrauch hat ' diese Mischmaschpartei, deren Existenz überhaupt nur durch! Schünmg des Classen- und Racenhasses ernwzlicht wird, nicht voch vor »venigm Wochen mit der kaiserlichen Botschaft vorn 17. November 1881 getrieben! Wenn ixgendlvo die Throne vom groben Unfug Berechtigung hatte, dann war es bei dieser Hetze, welche der „zweite Luther" und seine Nachbeter auf Grund dieser Botschaft an deren zehnjährigem Gedenktage veranstaltet haben. Die Berliner Wähler''aber haben gestern die Antwort darauf gegeben. Wien. (Nochmals die akademischen Bälle.) Wie in allen Blättern zu lesen ist, hat das Comite des Juristenballes beschlossen, den Ball heuer wegen der, das Herz eines jseden guten Oesterreichers mit tiefer Trauer erfüllenden Todesfälle im Hause des Herrn Erzherzogs Rainer, des hohen Protectors des Balles, nicht abzuhalten. Beruhte dies auf Wahrheit, so wäre Schreiber dieser Zeilen der erste, der diesen Schritt aus vollster Seele billigen würde. Wenn aber die Herren Antisemiten — denn die Herren Eomittzmitglieder tragen ja bekanntlich nicht schwer an judenfreundlichen Gesinnungen — anfangen, sich in den Mantel des Patriotismus zu hüllen, da heißt's aufpassen. Eingeweihte wollen nämlich Folgendes wissen: Im vorigen Jahre wurde der Juristenball mit .aller Pracht abgehalten, aber kaum war der Eröffnnngswalzer absolvirt, da verschwand nahezu das ganze Comite aus dem Laale. Draußen aber im Berathungszimmer wurde es lebendig. Zahlreiche Diener schleppten riesige Körbe voll Champagnerflaschen herbei, bald entwickelte sich ein lebhaftes Trinkgelage und das Gebrüll der kneipenden Comitemitglieder nuschte sich in höchst unangenehmer Weise mit den Walzertönen der Strauß'- schen Capelle. Jetzt aber verhüllt der Chronist schaudernd sein Haupt ob der zahllosen Räusche, und was noch ärger ist — ob der bösen Folgen des Symposions. Kurz der Geist des Weines hatte mehrere arge Feindschaften erweckt, die alten Mitglieder wollten sich heuer nicht in Gänze wieder zum alten Comite zusammenfinden, und dies durste wohl die euusa movens sein, weshalb . . . einige jüdische Finanzgrößen heuer in der angenehmen Lage sein werden, das Defizit des Juristenballes nicht zahle»» zu müssen, und weshalb in schlauer Weise zum Ausftuchtsmittel des Patriotismus gegriffen wurde. Bei diesem Anlasse kann Schreiber dieser Zeilen nicht umhin, der wohlthätigen Folgen zu gedenken, welche die Aufdeckung, des Treibens dieser akademischen Bürger, theilweise schon hatte. Fand sich da vor einigen Tagen eine Deputation eines anderen akademischen Baltcomite's bei einem hervorragenden jüdischen -Großindustriellen ein, um ihn zu einer Beitragsleistung zum -Ballfond, von wegeil dessen humanitärer Bestinullung aufzufordern. Dieser fragte die Deputation vor allem, ob sie auch Juden im Comite hätten? Darauf zuerst Todtenst.ille, bis ein witziger Kopf einen Heuik N. namhaft niachte. „O nein, meine Herren, da irreil Sie sich, schon der Vater des Herrn N. war getauft; was mich aber weiters arg best-emdete, ist, daß Sie »licht nur keine Jude»» in's Comite cooptiren, sondem auch . alljährlich an Herril S ch ö n e r e r Ehreukane»» senden. Und solchen Ehrellmännern soll ich mein Geld an den Kopf werfen, dainit es weiß Gott welchem Jiveck zugeführt wird? Ich habe die Ehre m e i»»e' H e r r e n , b e m ü h e n Sie sich ilichl meh r zu mir!" — So sollte n's alle machen' Eill Wissender. Darmftadt, am 19. Dezember. In der vorgestrigen Sitzung der D a r m st ä d t e r Stadwerordneten hat der A nlisemitismus eine kräftige Abfertigung erfahren. Ueber die nicht uninteressante Debatte wird uns aus der hessischen Hauptstadt nachstehendes berichtet: Anlaß gab eine vor vierzehn Tagen im städtischen.Saaldaue abgehaltene antisemitische Versammluilg, in welcher der .Reichstagsabgeordnete Dr. Böckel eine seinerbekannten Hetzreden hielt lind darauf, wie iveiligstens seine Freunde behaupten, von zahlreichen Anwesenden das Versprechen erhallen habe soll, daß künftig nichts mehr bei Israeliten werde gekauft werden. Eine große Anzahl hiesiger Einwohner hatte daraufhin in einer Petition an die Stadwerordneten gebeten, derartige Versammlungen, welche geeignet seien den religiösen Frieden zu stören, künftighin den Saalbau zu verschließen. Die Petition wurde nun allerdings aus localen Gründen abschlägig beschieden, die antisemitische Bewegung selbst jedoch von den verschiedenen Rednern sehr scharf verurtheilt. Stadtverordneter Blumenthal theilte bei diesem Anlasie mit, er habe vor einem halben Jahre beim Großherzog Audienz gehabt, welcher damals erklärte, die antisemitische Bewegung sei i h m umsomehr ein G r ä u e l, als Eindringlinge es unternähinen, diese Agitation in sein Land hereinzutragen. Es sei richtig, daß auch Kaiser Friedrich den Antisemitismus als eine Schmach bezeichnete. Der Vorsitzende L a u l e n s ch l ä g e r bat darauf in einem Schlußworte, die bisherige religiöse Eintracht in der hiesigen Stadt als ein heiliges Vermächtniß den Kindern zu überliefern. Für die antisemitische Bewegung wurde keine einzige Stimme laut. Crefeld. Die socialdernokratische Partei »vendet sich überall scharf und prinzipiell gegen den Antisemitismus. Ein neuer Beleg dafür ist nachstehende Resolution einer socialdemokratischen Volksversammlung zu Crefeld (Rheinpreußen): „Die heutige a»n 26. Noveniber im Concerthaus tagende, aus allen Gesellschaftskreisen und Parteien besuchte Volksversammlung, erklärt sich mit aller Entschiedenheit gegen die Antisemitenbervegung. Sie erkennt in derselben nicht eine aus dem Volke selbst hervorgehende Beivegung zur Beseitigung socialer Schäden, sondem als die von einem Theile der Aristokratie und der Geistlichkeit seit Jahrbundertm in verschiedenen Foranen und unter verschiedenen Gründen betriebene Racenhetze, die den Zweck bat, die Aufmerksamkeit des Volkes von den wahren Ursachen seines Elends ab und auf unsere seit Jahrhunderten unter uns, dem deutschen Volke, lebenden jüdischen Mitbürger zu znlenken. Sie verspricht, mit aller» Mitteln gegen die. die Ehre u»»d Würde des deutschen Volkes schädige»»de Antisemitenbewegung zu kämpfen, »veil sie überzeugt ist, daß das Endziel der Antisemitenbewegrmg die mittelalterliche Knechtschaft des Volkes in jeder Form zur Folge hat." ' Barme». 16. Deren»b?r. Hiesige Blätter veröffentlichen nachstehende Erklärurrg: Gegen unsere israelitischen Mitbürger »vird durch ei>»en ii» Barmen unb Elberfeld gegründete»» socialen Verein, insbesondere in einem Blatte „Die Wacht" eine verwerfliche Agitation in Scene gesetzt, »velche der Natur unseres Volkes, seiner geschichtlichen Entwickel»u»g »u»d »enter Stellung unter den civilisirten Nationen zuwider ist. — Diese Agitation geht zumeist von Persoirei» aus, die erst kirrze Zeit ain Platze »md rnit den hiesige»» Verhältnissen durchaus »»icht vertraut sind, sie entbehrt jeder Berechtig»»ng. In dem Blatte „Die Wacht" »verden die Juden, denen die Gesetze des Reiches volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung geivährleisten, ohne Unterschied und nur, weil sie Juden sind, mit de»» niedrigsten Beschiinpsungen verfolgt, oie werden als Fremdlinge hingestellt u»»d als Menschen, welche dahin trachten, die sittliche»» Grundlagen des Staates und der Gesellschaft zu gefährden. Die Attshebung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung ist das Ziel der antisemitische»» Agitation. Diesem Gebühren gleichgiltig unb unthätig zuzuschauen, wäre eine verhängnisvolle Unterlassung und ein Unrecht gegen unsere israelitischen Mitb»"lrger, »nit denen »vir, wie seither, in Frieden leben wollen. Die U»»lerzeichr»eten, Mitglieder verschiedener religiöser Beke»»ntnisse und politischer Parteie»», sind der festen Ueberzeugung, daß es jedes ideal denkenden Mannes Pflicht ist, ei»»er derartigen Agitation cnrgege»»zutreter». — Sie »volle»» es zu Verbindern suche»», daß ii» unserem Thale in solcher Weise Rassenhaß u»»d religiöse Unduldsanlkeir berbeigeführt werden und treten hierauf zielenden Bestrebungen »nit vorstehender Erklürung entschieden entgeger».

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