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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-12-25 · 51 (25.12.1891) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
51 (25.12.1891)
Date
1891-12-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 51 Oesterreichische Wochenschrift. Seite 943 abzaben (gewiß nicht, um sich auf gute Aussagen berufen zu können), so gut der Cassirer Scazziga des Cantons Tessin 3 Procent der Börsenspekulationen, die er mit sre.ndem Gelbe machte, der heiligen Jungfrau zu weihen versprach, so gut mag auch bei Juden zugleich mit betrügenschen Neigungen Neigung zur Wohlthätigkeit Vorhände i sein. Jede Gemeinschaft entwickelt diejenigen Eigenschaften, welche zu ihrer Erhaltung am Nothwendi fften sind. Lu diesen Eigenschaften gehört für das Judenthum in erster Linie Wohlthätgkeit. Tritt zu dieser traditionellen Tugend der Gemeinschaft lasterhafte Neigung des Individuums, so ergibt sich jene disharmonische Verbindung, welche Ihnen so sehr auf gefallen ist, für welche es aber in anderen Kreisen genügende Parallelen gibt. Mit vorzüglichster Hochachtung Ein Mitglied des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. Aus Frankreich. Paris, 10. December. „Im Juni 1878 erhob sich im Parlament zu Pest ein jüdischer Abgeordneter Namens Jstöczy, um anläßlich einer Debatte über die Orientfrage einen Beschlußantrag zu unterbreiten, durch den die österreichischungarische aufgefordert wurde, das* K ö n i gr e i ch Juda in Palästina wieder aufzurichten." So ist es Wort für Wort zu lesen auf Pag. 31 eines zw'iundzwanzig Druckbogen starken Buches, das soeben unter dem Titel „Iuifs et Antisemites en Europe“ hier erschienen ist und in welchem ein „Schriftsteller" Namens J'an de Ligneau — wohl ein Pseudonym — eine „pragmatische Darstellung der Autisemitenbewegung", wie sie heute in verschiedenen Staaten Europas im Zuge ist, zu geben sich abmüht. Leuten, die sich für die Naturgeschichte des Antisemitismus interessiren, wie auch Solchen, die das Bedürfniß haben, sich über des Lebens wehmüthigen Ernst zuweilen durch die burlesken Streiche menschlicher Dummheit hinwegtrösten zll lassen, kann die Lectüre dieses Buches nicht genug empfohlen werden. Demi wahrlich nie hat die Vermählttng dreister Stupidität rnit bodenloser Roheit einen possierlicheren Wechselbalg gezeugt, als dieses Buch, welches eine Apologie des Antisemitismus sein will, im Grunde aber nichts weiter ist, als ein Monument jener Unwissenheit und Verkommenheit, die den Inhalt der antisemitisch:n Propaganda überhaupt ausmachen. Die Schrift behauptet, die Juden seien, wo immer sie wohnen mögen, unfähig, patriotisch zu denken und zu empfinden; „nach wie vor betrachten sie sich als Eine Nation und das Streben der letzteren sei die Wiederherstellung des jüdischen Königreiches in Palästina" — mit dem Hintergedanken natürlich, dem neuzuenüchtenden Throne Juda's alle Länder der Welt tributär zu machen. Und als Beweis dieser These wird „der Jude" Jstoczy angeführt, der die Kühnheit hat, im ungarischen Parlament die Reconstruction des jüdischen Königreiches zu beantragen! Man begreift, daß Herr Jean de Ligneau als echter und überzeugun Anrüchiger Antisemit außer sich ist vor Ingrimm ob solch' jüdischer Anmaßung, wie er sich ja beeilt, dem eingangs zitirten Satze die Bemerkung anzufüzen: „Das ist doch ein überzeugender Beweis jener unerhörten Zähigkeit, mit welcher die über den ganzen Erdball verstreute Judenschaft an der Zuversicht auf ihre zukünftige Weltherrschaft festhält." Ja gewiß, der Beweis ist ein, überzeugender; und wehe dem „Juden Jstoczy", wenn er jemals den Lebensweg dieses antisemitischen St. Gorg kreuzen sollte! Jean de Ligneau würde nicht säumen, den Lindwurm jüdischer Weltherrschaft gelüste mit seinem Sperre zu durchbohren — ein fataler Jrrthum der sich erst aufklären würde, wenn Ligneau den Kopf Jstoczy's im Triumph durch das von diesem jüdischen Ungeheuer befreite Ungarn trüge. Entsetzt würden ihm dann seine antisemitischen Brüder zurufm: „Unglücklicher! Was hast Du gechan! Warum hast Du nicht die Seiten 239, 395 und 303 Deines eigenen Buches gelesen? Dott ist ja schwarz auf weiß zu lesen, daß Jstoczy kein Jude, sondern der Erfinder des ungarischen Antisemitismus war! Nun hast Du einen Brudermord auf dem Gewissen. Du hast an einem der Unseren das verbrochen, was die Juden in Rumänien, wie Du selbst erzählst, an Deinem Freund und unserem Gesinnungsgenossen Jaques de Biez verbrechen wollten: Du bist der Mörder unseres Führers geworden!" Und vergebens wird sich dann Herr Jean de Ligneau daraus benlfen, daß man so niederträchtig, dumme und schlechte Bücher wie das seinige wohl zu schreiben berechtigt, aber nicht auch zu lesen verpflichtet ist: die beiden einzigen, seiner Angabe nach, „nichtoer'udeten" Organe der ungarischen Preffe „Magagor Attaiie“ und Rereszhein Magy. „ Aroissage“ (offenbar „Magyar Allam“ und „Keresztäuz Magyarorszäg“ j werden ihm diese furchtbare Blutschuld nimmermehr verzeihen. Und Heir Jean de Ligneau wird alsdann sich in demüthigbeschämungsvoller Zerknirschung etwa so fühlen, wie weiland der rasende Ajax, der zu spät gewahrte, daß er statt des feindlichen Heeres nur eine Heerde von viel harmloseren Geschöpfe» Gottes getödtet. Mit derselben Gründlichkeit, von der wir eine ergötzliche Stichprobe geliefert zu haben glauben, b handelt Ligneau durch all' die 22 Druckbo en sein-s Buches die Judenfrage. Zwar handhabt er meistens die Schwere und nur selten legt er dieses nützliche Instrument beiseite, um auch zur Feder zu greifen, — parbMi, es ist ja lästig genug, daß man die Partikel eines zusammengestohlenen Buches durch Uebergänge von je zehn bis zwölf Zeilen aneinander kleistern muß! Diesem verdammten Zwang trägt Herr Ligneau mit so sichtlichem Widerwillen Rechnung, daß man hier den Eindruck empfängt, als sei d..s Plagisiren eine antisemitische Tugend und das Schöpfen aus der eigenen schr.ftsteUerisch m Individualität eines der wüsten Laster der verhaßten Judenbrut. Aber gibt auch Herr Ligneau nur wenig vom Eigenen, so entschädigt er den Leser für den Entgang an O.uantität — wie w r gesehen haben — reichlich genug in qualitativer Hinsicht. Seine eingestreuten Bemerkungen sind ja, wie die Probe gezeigt hat, von einer gewissen Gediegenheit, und nur die „Judenknechte" werden zu behaupten wagen, daß durch deren Spärlichkeit das Buch den Eindruck macht, wie die Wohnung eines Hehles, wo unter einer Menge bunt zusammengestohlener Güter sich nur ausnahmsweise einige Stücke eigenen Besitzes finden. Das benimmt übrigens dem Buche nichts von seinem Werth?. Ist auch Herr Ligneau knickerig mit seinen eigenen Gedanken, so erfährt man aus seinem Werk mit großer Umständlichkeit, mit welch' schamlosen Lügen und Lacher, liehen Entstellungen, mit welch' staunenswerther Unwissenheit die übrigen Antis-miten Europa's chr Handwerk betteiben. Es ist gleichsam eine Sammelkloake, in der aller Ursiath der schmutzigen europäischen Judenhetze zusammenläuft. Da erfahren wir, daß Alles, was die Juden thun und lasten, ihnen als Sünde angerechnet wird. In Frankreich, Jtilien und Deutschland nehmen sie regen Antheil an dem öffentlicher Leben, an Schriftthum, Kunst und Wissenschaft. Das wird als „Frechheit und Aufdringlichkeit" gebrandmarkt. In Galizien, Rumänien und Rußland beschäftig sie sich vorwiegend mit Handel und da heißt es: „Natürlich, sie haben kein Interesse für die Politik, weil sie gleichgiltig gegenüber ihrem Vaterlande sind, noch für die veredelnden Aufgaben der Kunst und der Literatur, weil ihre rohen Gemüther ganz von gemeiner Habsucht absorbirt werden." In Frankreich nehmen einige Juden hohe Rangstellungen irn Heere ein — welche Niedertracht! In Holland meiden die Juden den Offiziersbemf — welch' feige Kreaturen! Die Juden werden sammt und sonders an einer Stelle a8 Mrllionäre und als lächerlich: Parvenüs geschildert, die Zrhntausende jüdisch t Proletari'r, di: in Lordon im tiefsten Elend vegetiren, figuriren an anderer Stelle als „schmutzige, widerliche Brut". Auf einer Seite wird den Juden vorgeworfen, daß sie geizig sind, auf der anderen, daß sie die tollsten Orgien des Luxus tteiben. Sie werden gegeißelt, weil sie „Zusammenhalten und eine feste Kette bilden, die der christlicher Wett als Fessel angelegt werden soll"; und dann wird behauptet, daß „das jüdische Kapital wissentlich und gesiiffenüich industrielle Krisen hervorruft, wiewohl es muß, daß auch Tausende jüdischer Arbeiter um ihr Brod kommen." Bon solchen Widersprüchen

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