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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-12-25 · 51 (25.12.1891) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
51 (25.12.1891)
Date
1891-12-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Oefferreichifche Wochen fchrifk. Nr. 51 i i i f ’ i I r i f; j t I + - i I | - r - f t I l l -? - I . ijfev- Säle 942 Widerstand gegen die Staatsgewalt Hausfriedensbmch Beleidigung Einfache Körperverletzung Schwede Körperverletzung Diebstahl Unterschlagung Betnig Sachbeschädigung Protestanten Kathol a. - 34,073 - 7,6% a. - 21,617 f. - 2,609 f. - 1,730 a. - 46.213 - 18% fl. - 27,735 s. - 8,321 f- - 4,958 a. - 139,848 - 25% a. - 84,054 s. - 34,949 f. - 21,004 a. - 56,316 - 21,5«/« a. - 36,620 f. - 12,069 f. - 7,233 a. - 137,962 - 19% a. - 130,923 s. - 25,258 f. - 22,748 fl. - 193,727 - 17% a. - 130.285 f. - 32,573 s. - 22,095 a. - 46,012 - 18% a. - 26,647 f. - 8,434 f. - 4,991 a. - 42,045 - 23,5% 6. - 23,381 f. - 9,934 f- - 5,791 a. - 38,263 - 24% a. - 29,027 s. - 9,314 f. - 7,243 - 8«/® - 18% - 25% - 20% - 17% - 17% - 19% - 22% - 25% Juden a. - 251 s. - 27 a. - 570 f. - 130 a. - 4,338 f. - 1,287 a. - 932 f. - 270 a. - 1,157 f. - 276 a. - 1,406 f- " 349 a. - 866 s. - 237 a. - 2,339 f- - 980 a. - 250 f. - 77 - 10,5% - 23% - 30% - 29% - 23,5% 25% - 33% - 42% 31% ^Das Berhaltniß der freizesprochenen Juden gegen Christen ist somit durch gehends höher, bei einigen Delicten wie Unterschlagung^ und leichter Körperverletzung nah'zu in demselben Verhältnis wie beim Betrüge. Cs ist nun nach der Natur der in Frage stehenden Bergchensarten klar, drß der Grund hierfür nicht in der größeren Schlauheit der Juden zu suchen ist — handelt es sich hier doch meist um Vergehen, bei welchen die Person desThäterH bekannt, die juristische Construction aber so einfach ist, daß an ein- Umgehung des Gesetzes nicht zu denken wäre. Bei Beleidigung,Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Widerstand gegen die Staatsgewalt rc. wird man mit Schlauheit wenig Ausrichten können. Wenn trotzdem mehr Juden freigesprochen werden, so glaube ich die Ursache im wesentlichen darin finden zu müss-n, daß im Berhaltniß mehr Juden als Fristen zu Umecht denunzirt, deshalb ebm auch im Verhältniß viel mehr Juden als Christen freigesprochen werden. Der Jude gilt als Jemand, dessen man sich der That versehen kann. Und natürlich müssen solche Vorurtheile besonders beim Betrüge wirksam sein, der ja als „'irdisches" Delikt besonders gilt, in Wahrheit aber in hohem Maße ein kaufmännisches Delikt ist. Verzechen Sie meinen Freimuth, wenn ich mir die Bemerkung erlarrbe, daß Sie selbst vielleicht von solchen Vorurtheilen nicht frei und. Rach Angabe des Antisemiten-Katechismus sollen Sie gesagt haben: der Grund dieser sonderbaren Erscheinung in der Strfl'rechKpflege liege aber nicht etwa darin, daß gegen jüdische Betrüger He Anklagen leichter erhoben werden, als gegen iie christlichen, — im Gegentheil, da eben die Staatsanwaltschaft weiß, wie schwer die jüdischen Betrüger zu fassen sind, geht sie desto, vorsichtiger und umständlicher zu Werke. Diese Aeußeru g würde beweisen, daß jedenfalls Sie — ob auch Ihre Herren College«, weiß ich nicht — den beschuldigten >3uden^mil andern Augen ausehen, als den beschuldigten Christen, daß Sie ihm nicht mit voller Unbe angeuheit gegenüberstehen. Daun ist es aber auch nicht merkwürdig, daß das Gericht Ihre Meinung über die Schuldstaze bei Juden seltener theilt. II. Es ist nicht richtig, die wegen Betruges angeklazten und sreigesprochmen Personen als statistische Einheit nach dem Gesichtspunkte der Religion zusrmmenzu'ass-n. Denn die Freisprechungen sind nach dem Berufe der Angeklagten sehrverschieden. Es wurden 1886—1889 Nun wird man vielleicht einwerfen, daß von den Kauslerrten deshalb soviel freigesprochen werden, weil so viel Jaden darunter sind. Leider geben die amtlichen Quellen nicht an, wie-! viel vor den bestra'ten und freigesprochenm Kaufleuten Juden | sind. Die amtliche Statistik hat Rubriken für Berus und Reli- J gion, zieht aber die Combination beider Momente nicht in das Bereich ihrer Untersuchungen. Um aber we ngstens zu einem a mäherird richtigen Resultat zu kommen, nehmen wir alle Juden als Kaufleute an und gelangen alsdann zu folgendem Resultate 1886—1889 Kaufleute a. 7766 f. 3110 - 40% Juden a. 2339 s. - 4iV Kaufleute abzüg- * lich Juden a. 5427 f. 2130 - 40% Gutsbesitzer und Bauern Kaufleute selbst. Tagelöhner und Arbeiter Hofdienst und freie Berat'e a^g-k, jmg. 5H2 ^2«/ 1301 12/o 7766 ,40«/l 5912-IS»/!15-18-26»/ 3110 /ü| 898 '15 'ü| 412 '26 '° 980 Gegen diese Art der Berechnung dürfte nichts einzrrwenden sein. Da von den Juden 42% freigesprochen werden, von den Kaufleuten aber nur 40%, müßte durch unsere Subtraction das Berhaltniß der Freisprechungen von Kaufleuten sich möglichst niedrig stellen. Es bleiben aber auch so 40 Prozent Freisprechungen übrig. — Durchschlagend dürfte aber die Thatsache sein, daß in her Klasse der Gutsbesitzer, bei der Juden wohl nicht in Betracht kommen, die Freisprechungen sogar 42 Prozent ausmachen. Unsere Untersuchung hat also er-geben: 1) Daß die Zahl der freigesprochenen Juden nicht nur beim Betrug, sondern durchgehends höher ist als die der freigesprochenen Christen, bei einigen Delicten eben so groß wie beim Betrüge. 2. Daß beim Betrug der Procentsatz d"r freigesprochenen Kaufleute und Gutsbesitzer etwa eben so hoch ist, als der der freigesprochenen Juden. Damit fallen aber alle Ihre Vermuthungen zusammen. Nun mögen Sie ja zufällig mit einzelnen besonders schlauen jüdischen Betrügern zu thnn gehabt haben, aber auch in der psychologischen Würdigung scheinen Sie mir nicht von Vorurtheilen ganz frei. Wenn Sie zum Beispiel nach Ang be des Aistisemiten-Katechismus gesagt haben, „so gehörte es noch außerdem zu der Geschästspraxis solcher Uebelthäter, andere Personen durch Gefälligkeiten, ja sogar durch Wohlthaten sich zu verpflichten, um im Falle der Noch sich aus gute Aussagen berufen zu können", so möchte ich glauben, daß auch hier das Vorurtheil Sie zu einer gezwungenen Erklärung führt. Der Mensch ist kein Nechenexenipel, schlechte Eigenschaften in ihm laufen neben guten einher. So gut Rinaldo und andere berühmte Räuber von dem Er-trage ihrer Räubereien den Armen

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