Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 50 (18.12.1891)
- Date
- 1891-12-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 930 OrstrrrrtMschr Wochrnschrist. Nr. 50 Pollak, Leopold Rosenchal, Ignaz Fluß, Freiberg, Jacob Kohn, Frankstadt, Herr Dr. Holding hat die auf ihn gefallene Wahl abgelehnt. Kremfier. Am verftossenen Samstag Abends versammelten sich die Mitglieder unserer Gemeinde zur Bildung einer- Gesellschaft zur Pflege der jüdischen Geschichte unserer Gemeinde. Ausgehend vom Ausspruche: „Frage die Vorzeit, den Vater, Deine Eltern und sie werden Dich belehren", entwarf ein Redner an der Hand alter Urkunden, Privilegien, Jn- und Grabschriften ein Bild dieser bis in's 13. Jahrhundert hinein und zeichnete die einzelnen Perioden ihrer Entwickelung, ihren Aufschwung und Niedergang. Schon 1533 bewirkte ein hiesiger Rabbiner mit Namen Jzmann einen Schutzbrief vom König Ferdinand für die bedrängten Glaubcnsbrüder in Ober-Schlesicn, 1636 beim Kaiser Ferdinand III. für die Burgunder Juden. Seit dem Einsall der Schweden 1643, hatte sie nie wieder die ehemalige Größe erreicht. Die Geschichte Kremsiers bekundet nicht blos die starke, sittliche Kraft der Juden, sondern sie ist auch eine Ehrenhalle für bedeutende Familien unserer Zeit. Aus einem hiesigen Patrizier-Geschlechte stammt die Mutter (Debora Schapira Frankl) von Gebrüdern Guttmann und die vom Professor Kaufmann. Hier wurden bedeutende Männer geboren. Die hiesigen, durch Humanität und Toleranz der Professoren ausgezeichneten Anstalten, gaben Anfänge des Wissens. Frankel, Berlin, Gebrüder- Brüll, Bloch, Beer, Pollak, Prof. Stiaßny, Isidor Singer, Simon u. v. A. Schade, daß die altm Gem. Büchersich nicht erhallen haben. Unsere Privilegien gingen bis auf 4 verloren (Nr. 24 bis Nr. 28). Ein Privilegiunr Maria Theresias hat nach Religionslehrer Werner, einen Brief von Rab. Jssassar Beer der ftühere hiesige Rabbiner Pollak in Budapest gesehen. Es ist unsere heilige Pflicht, die mündlichen und schriftlichen Denkwürdigkeiten aus unserer Vergangenhett aufzusuchen, zu bewahren als Erinnerung stk künftige Geschlechter. Was unsere Ettern uns erzählen, das wollen wir unseren Kindern nicht verhehlen. Es war ein herzerhebender Anblick, als ein noch rüstiger Stzjühriger Greis den Einsall der Franzosen schllderte, ein 80jähriger (Vater des Dr. Max Grünseld) den Besuch des Kaisers Ferdinand im jüdischen Tempel an einem Versöhmmgstag, ein Anderer das 46er Jahr, als zehn Rabbiner „Manrheim, Mciseles, Hirsch, Weiße und Andere im Tempel nebeneinander standen, ein Anderer wieder das Wesen der Familien vormärzlicher Zeit auseirandersetzte, da man einem Mllgliede wegen mangelnder Kcnntniß der- Religion den Eheconsens 14 Jahre oder mit Bl willig.un g des Eardinals den zur Hochzeit gewöhnlich ercheilten Chavertitel rer weigerte. Mit dem Bewußtsein, Zeugen eines geschichtlichen Momentes in der Entwicktung des Lebens unserer- Gemeinde gewesen zu sein, schiedcn Alle mit dem Versprechen, sich am Sabbath Chanuka mit inzwischen gesammeltem Materiale, Urkunden, Familieupapicren und Biocraphim einsinden zu wollen. Raab, 14. December Bei der vergangene Woche stattgefundenen Vorstandswahl in der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde ist das frühere Vorstandsmitglied Herr Dr. Philipp Pfeifer zum Präsidenten gewählt worden. Gulgocz. 7. November. Der Schwiegersohn unseres Rabbiners, Herr Dr. Jakob Lieb ermann, ist mit Stimmen - einhelligkeit zum Bezirksrabbiner in Lewa gewählt worden. Herr Dr. L. ist ein tüchtiger Talmudist, ein Meister des Wortes, und die Gemeinde kann sich zur Wahl dieser ausgezeichneten Kraft gratuliren. Bodeubach (Nur keinen Juden!). Das „Bodenbacher Wochenblatt" schreibt: Bei der letzten Sitzung der Ausstger Bezirksvertretung kam die Besetzung der ausgeschriebenen Districts-Arztstelle in Türmitz zur Abstimmung. Vorgeschlagen war der Jsraetll Herr Med. Dr. Lederer. Civilmgenieur Kögler sagte: „Meine Herren, wir haben schon Juden genug". Ein Vertteter der Landgemeinden sprach am Schluffe seiner Meinungsäußerung die geflügelten Wort-: „Nur keinen Juden!" Bei der Abstimmung wurde Med. Dr. Herr Quoika gewählt. Darum sollen also die Juden überall für das Deutschthum sich dm Schädel einschlagen lassen. Hildesheim, 8. December. Ein neuer Bankerott bildet hier den Grund zur Erregung. Am Sonntag Abend ist der Bankier Theodor Knolle Hierselbst unter dem Verdacht der Unterschlagung verhaftet worden und seine Bücher sind gerichtlich geschlossen. Um die Räumlichkeiten und Behältnisse des Geschäftes zugänglich zu machen, wurde der Gehilfe des Knolle, Stier (nomen est omen), welcher die Schlüssel verwahrte, von der Polizei gesucht. .Herr Stier ' hatte sich aber nach dem Tors Heere begeben, um dort eine anttsemitische Versammlung ebzuhalten. Herr Knolle hat sich um die Einführung antisemitischer Hetze Hierselbst sehr verdient gemacht. Er hatte mit Herrn von Liebermann nach dessen erstem Auftreten hier Bekanntschaft geschlossen und sich mit ihm stolz in den Kneipen gezeigt. Nachher hat sich Knolle auf Verwarnung ihm nahestehender Wohlwollender von der Judenhetze etwas zurückgezogen und nur seinen Stier in die Arena geschickt. Nordhause», 5. December. Heute wurden s a m m tliche Stepperinnen der Schuhfabrik von E. Licht e nst ein, nach vorangegangener 14tägigrr Aufkündigung des Arbeirsverhältnisses, entlassen und somit gleichzeitig als Mitglieder der „Allgemeinen O r t s k r a n k e n c a s s e", in welcher der bekannte antisemitische Kreisphysikus, Herr Dr. Räuber als Cassenarzt sungirt, abgemeldet. Die Arbeiterinnen wurden sofort wieder neu engagirt und bei einer anderen Ortskrankencasse versichert, in welcher sich nicht der Antisemitismus breit macht. Aus der bcyrisch. Pfalz, 2. December. Herr Mayer, II. Staatsanwalt am Landgericht zu Frankcnlhtl, ist zum Landgerichtsrath in Zweibrücken, Herr Lc.ndgerichlssccretär E s c a l e s in Kaiserslautern zunr Amtsrichter in Ludwicshafen ernannt worden. Strastburg i. E., 2. December. Der Municipalrath hat der jüdischen Gemeinde einen Platz für. den Bau der neuen Synagoge und außerdem einen ansehnlichen Geldbetrag bewilligt. Amsterdam, l. December. An Bord des im Hasen von Helder liegenden Kriegsschiffes „Salamander" fand kürzlich eine Beschneidung statt unb zwar bei dem Söhnchen des Schiffecommandanten Velleman n, der mit seiner Familie auf dein Schiffe wohnt. Auf demselben Schiffe wird auch alljährlich am Peßachseste die Seder-Feier nach dem vorgeschriebenen Ritus abgehalten. Es ist dies ein Beweis, daß man an jedem Orte und in jeder Lebensstellung das jüdische Religionsgesetz beobachten kann, wenn man nur ernstlich will. Petersburg. Die Offiziere des 19. Kaiserjäger-Regiments mit ihrrm Oberst an der Spitze, bereiteten vor kurzer Zeit ihrem Kameraden dem Staatsrath Dr. Alexander Finkelstein, welcher 21 Jahre als Regimentsarzt bei dieser vornehmen Truppe gedient hatte, eine öffentliche Abschiedsfeier. Die zrr Ehren des Gefeierten veranstaltete Soiree und die kostbaren, ihm überreichten Geschenke zeugen von der hohen Achtung, in welcher er beim Osfizierscorps stand. Warschau. Abermals wird von der Ermordung einerganzen jüdischen Familie, welche aus 12 Personen bestand, berichtet. Die unglücklichen Opfer sind der Pächter Abramowitsch und seine Familie, welche in Antopol im Bezirke Lida des Gouvernements Wilna wohnten. In Bialozierow im Bezirke Oszmiana desselben Gouvernements ermordeten Bauern den jüdischen Gastwirth Jaffe rrebst Weib und Dienstmagd. Laudon. Mr-. Samuel Montagu M. P. hat mit bekanntem Wohlthätigkeitssinne und Generosität 20 Acker, welche ihm in Edmonton gehören, für sieben Jahre zinsenftei zu dem Ende zur Verfügung gestellt, danrit daselbst russische Juden zu Colonisten herangebildet werdm. Mr. Hermann Landau, welcher die Leitung dieser Versuchsstation für Gemüsegärtnerei übernommen hat, hat bereits Erfahrung in derarttgen Arbetten