Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 50 (18.12.1891)
- Date
- 1891-12-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. BO Vrstrrrrichischr Wochenschrift. Seite SSL breiteten bezüglich der großartigen Gabe des Baron Hirsch, kamen unpractische Leute nach dieser Küste, erwartend, daß dieser Fond so ohne weiters ihnen ausgefolgt werde. Hunderte Familien blieben unversorgt in Rußland zurück und nur die Männer eilten nach Amerika um so zeitlich als möglich an diesem fürstlichen Geschenke Theil zu nehmen. So lange locale und nationale Gesetze die Juden in Rußland verfolgen, wird die Auswanderungsfluth sich nach unseren Küsten und nach jenen Ländern ergreßen, wo religiöse Freiheit existirt, und sie verdient die wohlthätige Unterstützung aller Menschen. Es ist unsere Pflicht -die Lasten solcher Emigranten zu erleichtern, ihnen zu helfen, sich selbst zu ernähren und durch geeignete Schulung dahin zu wirken, in die Herzen der ankommenden Brüder einzupflanzen Liebe zur Freiheit, Loyalität zu ihrem adoptirten Vaterlande, Fleiß und civilisirte Gewohnheiten. Wir können nicht mehr thun und sollten nicht weniger thun. Von allen diesen Angekommenen wurden nur 23 als unbrauchbar für dieses Land zurückgesandt. 25°/,, dieser Emigranten hatten ihr Ziel im Innern des Landes und verließen die Stadt gleich nach der Ankunft. Aber einige von denen kamen wieder her um hier in New-Pork zu bleiben, ihre Zukunft hier auszukämpfen, während andere muthlos und hilflos unterstützt wurden nach der alten Heimat zu gehen. B e sich ä f t i g u n g. Es waren in unserer Amtsstube 4500 arbeitsuchende Leute, und 4740 Arbeitsgeber suchten verschiedene Arten von Arbeitern. 2755 fanden Arbeit in dieser Stadt, 585 außerhalb; 393 wurden angestellt, wo sie ein Gewerbe lernen konnten, 152 waren unwürdig beschäftigt zu werden, 257 weigerten sich die Arbeit zu thun, die ihnen zugewiesen wurde und 103 waren unbeschäftigt am Schlüsse des Jahres. Von den 3833 Personen, die Beschäftigung fanden waren 3804 Russen, 2O0 Rumänen, 247 Oesterreicher, 50 Engländer, 284 Deutsche und 281 Amerikaner. Es wurden Werkzeuge geliefert an 245; Kleider und Schuhe an 338; Nachtlager und Mahlzeiten an 520 mtf> für 508 Fahrkarten nach anderen Städten, wo ihnen Arbeit zugeführt wurde. Die Gesammtauslage dieser Branche waren 3413.13 Dlr. an 80 Cents pr. Stellensuchenden. Kein einziger Fall von Unehrlichkeit wurde uns während des Jahres angezeigt; obgleich wir wenige Beschwerden von den Arbeitgebern erhielten wegen Unfähigkeit der von uns Empfohlenen. Es ist zu verwundern, daß diese Beschwerden nicht öfter und zahlreicher eintrafen, wenn man die große Zahl der Stellensuchenden und die verhältnißmäßige kurze Zeit m Betracht zieht, die man nur jedem einzelnen Arbeiter widmen kann und die Schwierigkeiten durch die neue ganz, ungewohnte Arbeit und durch Sprachenunkenntniß. Es spricht sehr zu Gunsten des Charakters der Emigranten^ daß eine so große Majorität von ihnen ihre Plätze behielten, daß in vielen Fällen ihre Löhne erhöht wurden — sich nun selbst erhalten und ihren Dank für die ihnen geleistete Unterstützung aussprach en. Auch ist es wohlthuend, daß die meisten Emigranten, die in unserer Amtsstube kurz nach ihrer Landung erscheine»», keine Geldunterstützuna verlangen, sondern ernstlich nach Arbeit irgend welcher Art fragen, und wo mechanische oder industrielle Geschicklichkeit lohnende Beschäftigung sicherte, da wurden schnell geeignete Plätze zugewiesei». Wenn die Emigranten verstehen, daß ein Willkommen für sie m diesem Lande wartet, vorausgesetzt daß sie fähig und willens sind zu arbeiten, und sie sich assimiliren wollen mit ihren Nachbaren und so deutlich zeigen ihre Fähigkeit Bürger unserer großen Republik werden zu können und nicht kleinlich in ihren Lebensanschauungen verhauen, da wird wenig Ursache zur Klage sein, daß ein schädlicher Zuwachs von so vielen Tausenden zu unserem Volke entsteht. Baron de Hirsch Fond. Es wurden vom Herrn Baron Hirsch 3 Mill. Doll, zur Unterstützung der russischen und rumänischen Juden hergeschickt £ 16.898.00 für früher angegebene Zwecke verwendet. Das Geld darf nur unter folgenden Restrictionen ausgegeben werden. а. zur Transportationen der Neuangekommen nach Orten, wo der Arbeitsmarkt und die Anwesenheit helfender Freunde sie selbstständig macht. d. zum Unterricht der Eingewanderten in Gewerben und zur Unterstützung während der Lehrzeit. б. Handwerker sollen niit Werkzeugen und Materialien versorgt werden, damit sie sich ernähren können. ä. Hilfe nur in Ausnahmsfällen, indem man an würdige Personen Geld gibt, daß selbe damit ihr Leben erhalten oder sich ernähren. Kein Theil dieses Fondes darf als Unterstützung der Kranken und als Almosen verausgabt werden. Denn das Ziel des Herrn Barons ist Erhaltung und nicht Krankenpflege. Vorhergehendes ist ein Extrakt des letzten Jahres-Berichles der United Hebrew Charities, vom Präsidenten der Gesellschaft. Es folgen nun Berichte der einzelnen Departmentsvorsteher', die theilweise das Angeführte wiederholen.und theilweise Empfehlrutgen für Verbesserungen vorschlagen. Als Anfang ist eine lange Liste der Spender von Geld, Kleider und Victualien angeführt. Es möge aber der eine Punkt ins Auge fallen, daß Amerika keinesfalls ein Eldorado ist, daß leider Noth und Elend genug uird mehr als wünschenswerth hier selbst unter den Eingeborenen sich vorfindel, daß nur Arbeit und hohe Intelligenz die Faktoren find, die Jedem vor Verderben schützen. Ich habe oft bemerkt, daß wenn mancher der Eingeborenen, so unverdrossen ernst »lnd fleißig in Europa arbeiten würde, als er es hier thun muß, er in der alten Heimat sein Anrerika stnden würde und vielleicht leichter und eher sich dort eine unabhängige Existenz sichern möchte. Ich erlaube mir nun Einiges aus dem Bericht „des Alten" heims, oder wie es englisch heißt The Borne for aged and InfirmHebrews “ anzuführen. Das Heim der Alten und gebrechlichen Hebräer! Diese Anstalt befindet sich in einem palastähnlichrn Gebäude an der 105tcn Straße und 9 Ave, hatte £ 47.615.37, Einnahme, und L 35.083.00 Ausgabe. Diese Ziffern zeigen, daß sich diese Anstalt der Zufriedenheit des Publikums erfreut. Es wurden £ 15.069 an der Schuld des Gebäudes gezahlt und es bleiben nur 40.000 Schulden auf demselben haften. Es lebten zur Zeit 143 Jnfaßen (am 4. Mai 1890). Es wurden 39 Neue ausgenommen, cs starben 29 während des Jahres. Von den 142 Jnfaßen find 66 Männer und 76 Frauen. Den Alten wurden im Laufe des Jahres 3 Koncerte gegeben, 2 bei Amateur Orchester und das 3. im Garten der Anstalt von der jungen Musikbande des hebr. Waisenhauses. Diese Unterhaltungen bereiteten nicht nur den Jnsaßen einen geistigen Genuß, sondern haben auch einen vortheilhaften moralischen Einfluß. Die großmüthigen Bemühungen der ausübenden Künstler wurden von den Beamten gebührend gewürdigt. Es macht uns besonders Vergnügen, daß die Jugend des hebräischen Waisenhauses — jenes würdige Monument der Philantropie unserer Rasse — diese Unterhaltung den Alten und Gebrechlichen widmete. Nichts Sympatischeres oder Begeisterndes könnte von einem Poeten oder Künstler zum Gegenstände der Kunst gewählt werden, als dieses Bild. Es ist keine Liste beigegeben um das Geburtsland der Pfründner zu erfahren. Von den 39 Verstorbenen jedoch find 18 als Deutsche, 3 als Engländer, 3 als Oesterreicher, 1 Russe, 1 Holländer, 1 Türke und der Rest als Eingeborene angeführt. Es versteht sich von selbst, daß sämmtliche Pfründer in der Anstalt wohnen und verpflegt werden. Das Haus ist mit allen modernen amerikanischen Bequemlichkeiten ausgeftattet, liegt wunderschön am Hudsonfluße und es geschieht alles den Alten, die ein Durchschnittsalter von 78 Jahren habm, ihre letzten Lebenstage angenehm zu machen. Der größte Theil der Brochure enthält die Namen der Spender an Geld und Nahrungsmittel. Da ist fernerdas M o n t e f i o r e H o m e. Dieses Institut wurde von den hiesigen Israeliten zu Ehren des 100. GeburtK-