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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-12-18 · 50 (18.12.1891) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
50 (18.12.1891)
Date
1891-12-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. BO Oesterrrichifchr Wochenschrift. Seite 935 Rabbi: „O, das ist etwas gar Günstiges für dich, du wirst ein großer Mann werden und hoch zu Roß sitzen können." Von Träumen in denen Juden die leidende Rolle spielten, weiß die Geschichte unzählige. Ein fanatischer Mönch, der den König Ferdinand I. von Neapel nicht vermögen konnte alle Juden aus dem Königreiche Neapel zu perjagen, wie sie sein Vetter, der König von Aragonien aus seinen Staaten verjagt hatte, verfiel auf eine teuflische List. Er gravirte auf eine bleierne Kugel Worte ein und vergrub sie unter der Mauer einer halb verfallenen Kapelle bei Taranto. Dann gab er vor, der heilige Eataldus, der Schutzpatron dieser Stadt, sei ihm im Traume erschienen und habe ihm befohlen: „Gehe und grab eine Kugel aus, welche ich verfertigt und unweit der Stadt vergraben habe, und bringe,sie dem König Ferdinand." Der Mönch ging unter processionsmäßiger Begleitung des Volkes nach dem Ort und grub unter allerlei Hokus- Pokus die Kugel aus, worauf Worte standen, die dem Könige die Verbindlichkeit auferlegten, die Juden auszurotten. Der König hat aber den Betrug entdeckt und den Priester bestraft. Interessanter ist folgende Geschichte: Alfonfo XI., König von (Kastilien, hatte einen Traum: Eine Menge Wölfe versammelten sich um einen Hirten und verlangten als Genugthuung für den Schaden den sie durch feine wachsamen Hunde erleiden, daß er seine Schafe abschlachte. Oer erschreckte Hirte wäre auch ihrem, für ihn verderblichen Verlangen »achgekommen, wenn nicht ein junger Löwe, der plötzlich in der Ferne sichtbar wurde, die Wölfe verjagt hätte. Die erzürnten Wölfe kamen nach kurzer Zeit wieder zurück, zerrissen beu Hirten mehrere Schafe und entflohen. Der König befragte einen seiner Traumdeuter, und dieser deutete ihm den Traum: Seine rebellischen Unterthanen werden. eines Tages von ihm verlangen, die Juden aus seineni Reiche zu vertreiben. Er werde zwar dieser ungerechten Verfolgung nachgeben, allein der junge Kronprinz werde diese Verfolgung verhindern. Oer König, nicht befriedigt mit dieser Deutung, ließ einen weisen Juden kommen, indem er 'glaubte, daß der prophetische Geist, der so lange Zeit in dieser Nation glänzte, noch nicht erloschen sei. Der Jude sagte aber zum Könige, daß er sich auf Traumdeuterei nicht verstehe, das Elend der Gefangenschafr habe derart den Geist der Juden getrübt und umnachtet, daß ihnen jegliche höhere Wissenschaft abhanden gekommen sei. Der König, der diese Bescheidenheit nur für eine Verstellung hielt, gerieth in Zorn und watlange durch seinen Traum beunruhigt. Bald darauf erschien eines Tages das Volk vor dem Palast und verlangte stürmisch die Bestrafung der Juden für die Frevelthat, die sie soeben begangen. Ein jüdischer Knabe sollte nämlich den Kelch, den ein Geistlicher bei einer Procession getragen, mit Urin beschüttet haben. Der König konnte sich der Bestrafung für ein so schreiendes Verbrechen nicht widersetzen und versprach dem Volke Genugthuung. Sofort trat ein Staatsrath zusammen und man berathschlagte ob Vertreibung oder Ausrottung der Inden. Die Mehrheit stimmte für Vertreibung, und der König Unterzeichnete ein Edict, daß sämmtliche Juden Eastiliens binnen drei Atonalen das Land zu verlassen haben. Nur der Kronprinz widersetzte sich dem Beschlüße und ^verlangte, daß vorerst die Sache streng untersucht werde: Und in der Thal ergab die Untersuchung, daß es ein christlicher Knabe war, der aus Nengierde, die Procession zu sehen, sich auf das Fenster setzte und unvorsichtigerweise einen Topf mit Wasser—die Bosheit hatte es zu Urin destillirt — umgeschüttet und damit den Kelch, den der Geistliche trug, bespritzt hatte. Nachdem der König den wahren Sachverhalt vernommen, hob er das Ediü auf. Die entflammte Volkswuth gab sich aber damit nicht zufrieden und tödtete einige Juden. Der König ließ zehn der Rebellen aufhängen. Wie viele solche Träume vorgebliche oder wirkliche haben aber Unglück über die Juden gebracht. Wenn auch die Juden nicht ganz frei von Beachtung der Träume sind, sind sie doch nicht so tief gesunken, daß die Traumbüchel-Literatur Eingang bei ihnen gefunden hätte, die dem Aberglauben Vorschub leistet und die niedrige Volksclasse noch elendiglicher macht, als sie es ohnehin schon ist. „ . Brrrfkastr n. Salomon Kaufmann, stuä. zur. Die Adresse der Verfasserin lautet: Fräulein Louise Frephan, Breslau, gr. Feldgasse 11. Moritz Fein, Slratznitz; Abonnenmentsbetrag bis Ende Mai 1892 erhalten. David Kessler, Radantz: Ihr Abonnement ist bis Ende des laufenden Jahres bezahlt. Conrurs. Wochenkalrnder. Krslew Dezember 1891 Kalender Wochrn- Freitag Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag 18 19 30 21 22 33 34 35 17 18 19 20 21 22 33 24 Für den ueuerbauten israelitischen Tempr l im IX. Bezirke, (Müllergasse 21) gelangt die Stelle eines Predigers zur Besetzung. Bewerber wollen ihre Gesuche mit dem Geburtsscheine, dem Rack weise der ordnungsmäßig erlangten Doctorswürde sowie der Rabbinats befähigung und Angabe der Gehaltsansprüche bei dem gefertigten Vor stände längstens dis 15. Februar 1692 einbringen. In dem Gesuche, in welchem der Lebenslauf zu beschreiben und der Familienstand erwähnen ist, wolle der Bewerber die Erklärung abgeben, daß er eventuell zur Probepredigt bereit sei; die Reiiespesen werden nur dem Acceptirten ersetzt. Wien, 10. December 1891. Ter Vorstand des Bethausvereines im IX. Bezirke in Wien. Coneurs-Aussehreibung. Im Monat März kommt das fünfte Stipendium — vier Stipendien sind siiftbriefmässig bereits ohne Verlosung vertheilt — der Ahraham Leih Bfcch’sehen Sti.lung zur Ansheiratung armer jüdischer Mädchen, das ist die ganzjährigen Zinsen des Stittnnascapitales von fl. 12.0(0.— an ein airnts jüdisches Mädchen zu vergehen. Nach den Bestimmung« n des AbsatzeslV des Stiftbriefes dürfen auf dieses Stipendium mir Mädchen, diedas znrückgelegte 20. Lebensjahr und ihren moralischen Lebt nswandel nachweisen können, Anspruch machen, und «halten Verwandte des seeligen Abiaham Leib Bach oder dessen Ehegattin Taube Basie Bach, auch wenn diese nicht nach Lemberg zuständig sind in erster Linie, dann aber solche Mädchen, die nach Lemberg zuständig sind, den Vorzig. Bewerberinnen wollen daher ihre Gesuch« mit den nöthigen ober wähnten Nachweisen belegt, bis spätesten* 1. März 1892 bei der gefeitigten Verwaltungs-Commission einzubringen, nach welchen» Termin ein Gesuch nicht mehr berücksichtigt wird. Die Verwaltungs-Commission wiid von den eingelaufenen Gesuchen 3 Namen wählen, und am 27. März 1892 in der grossen Len.berger vorstädtischen Synagoge zur Verlosung bringen. Die Verwaltungs-Commission der Abraham Leib Bach’schen Stiftung zur Ansheiratung armer jüdischer Mädchen zu Händen des Herrn Mayer Bach Lemberg, Syxtnska Nr. 26. Diu mit «teil zwei grössten goldenen Medaillen erster C'lasse und dem Gesellschafts-Orden der europäischen wissenschaftlichen Gesellschaft ausgezeichne'en, von ärztlichen Capacitäten untersuchten Pectoral- (Husten) Bonbons sind die besten und zugleich die Verdauung befördernden Mittel gegen Husten, Heiserkeit und Voisct leimung. Dieselben sind in allen Apotheken sowie grösseren Specerei- und Droguenhandlungen und beim Erzeuger JOSEF STKIINIäR Bäcker und Conditor, Wien, II., Stefaniestrasse 2. zn haben. »an achte auf meine Schutzmarke. S3\ä ax a; wu w Bestens empfohlen wird Josef Saphir, Clavierstiiiimer in Wien seit 1879, III. Radetzkystrasse Nr. 7. welcher Bekanntschaft in Lehrerkreisen hat, wird gebeten, seine Adresse zu deponiren unter Chiffre „A.B.-1 Hauptpost rest. Ein Schadchen, Realn. Handelsschule nebst Pensionat zu Pfungstadt bei Darmstadt G-egfx. 1057. Gründliche wissenschaftliche Ausbildung, gewissenhafte religiöse Erziehung und sorgfältig e körperliche Pflege. — Vorzügliche Reltrenzen. Mässige Preise. Näheres durch Di*. Baruass Director.

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