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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-12-18 · 50 (18.12.1891) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
50 (18.12.1891)
Date
1891-12-18
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 932 Orstrrreichifchr Wochenschrift. Nr. 50 Kreis des reichen Verwandten geholt. Größere Unterhaltungen, Familienfest« und die^Feiertage sind gar nicht denkbar, ohne daß Vetter Maische eingeladen wurde. Alles umsonst. Maische nimmt zuweilen die (Einladung an und genießt dann voller Selbstbewußtsein den Wohlstand und die Verhätschelung seiner reichen Verwandten. Dann aber haben alle Leute der Gasse auch was zu hören von der Großthuerei, dem Glanze und der Prahlerei welche Vetter Maische drunten bei den „Flausmckels" erfahren. „Sie essen Torten, als ob sie vor einem Bissen Tscholet, wie es in jeden ehrlichen jüdischem Hause gemacht wird, sterben würden!" Glaubt Maische aber, daß man seiner sehr bedarf, daß man auf sein Erscheinen mit Bestimmtheit rechnet, dann geht er just nicht hin. „Sag Deinem Herrn." schnauzt er dann den Dienstboten an, „daß Maische Kraus sein eigener Herr ist. Er geht dann und dorthin wann uird wohin er Lust hat. Heute beliebt es ihm nicht." Die Wirkung solcher Bosichasten ist im Hause des Herrn Abraham Kraus keine tiefe. Man lächelt über die Mucken Vetter Morsches denn man ist darüber einig, daß er ein braves, aufrichtiges Original ist, dem Alles erlaubt sei. Das Bewußtsein über Vetter Maische erhaben^zu sein, wcqrpnet Herrn Abraham gegen die Grobheiten. Vetter Maische hinwider haßt seine reichen Verwandten um nichts auf der Welt so sehr, als weil sie alle seine Grobheiten mit so herablassendem Wohlwollen einstecken. An kühlen Herbstmorgen, gewöhnlich an den Slichestagen nach der Betzeit, sieht man Ra-Moische mit einem stattlichen Pelz, der ein Erbstück seiner Familie ist und auf den er nicht wenig stolz thut, ausgerüstet, die große Meerschaumpfeife, aus der, wie er versichert, auch der Urahn, wenn er zum Grafen ging, rauchte, im Munde, über Land gehen, ^ind alle Welt weiß es, daß er jetzt dem Abraham Kraus irgend einen Streich spielt. Moische forscht nämlich aus, mit welchen Herrschaften der Umgebung Galanthas Abraham in Unterhandl ingen steht über Partien von Frucht, Wein oder Wolle und kauft es ihm aus durch ein höheres Angebot. Selbstverständlich besitzt er nicht mehr, als höchstens die Angabe zu geben. Dann geht aber das Geschimpfe über seine reichen Anverwandten los, die ihn im Stiche lassen, wenn er etwas verdienen könnte. Und Abraham beeilt sich, die Waare für ihn zu übernehmen und ihm eine gute Provision zu zahlen, als ob er das Geschäft für ihn vermittelt Hätte, dann erzählt wieder Moische Jedem, daß er die rechte Hand Abrahanr's sei der nur durch ihn reich geworden. Im Winter treibt die Langweile Vetter Moische immer häufiger in das verhasste Haus seiner reichen Anverwandten. Dort aber haben seine mürrischen Tempi ein sehr dankbares Publikum. Allerdings muß zugegeben werden, daß er in seinem altmodischen Gewände, seinen hohen ..Vatermördern" und seinen gesunden echtjüdischen Redensarten im Ganzen genommen eine gemüthliche Figur ist. Und die Legion seiner Bosheiten vermag nicht die alte abergläubische Meinung im Hanse seiner reichen Anverwandten zu zerstreuen, daß Vetter Moische in Wirtlichkeit ein sehrguter Mensch sei. Je gröber er ist, um so mehr ist rnan vom seiner Liebenswürdigkeit entzückt, und je zorniger er ist umso nrehr sucht man sich bei ihm cinzuschmeicheln. Besonders Tante Rosa bewirbt sich um seine Gunst. Tante Rosa heißen die Kinder des Herrn Abraham Kraus das liebe, sanfte und gute 'Mädchen, welches schon seit fünfzehn Jahren die Seele des ganzen Hauses ist. Tante Rosa ist schon über die Dreißig hinaus, aber noch immer sehr hübsch. Sie ist eine entfernte Verwandte der Frau Kraus. Als armes Mädchen kam sie in; Haus und ihre Fürsorge für die Familie war so groß, daß sie ans Heiraten vergaß. Jetzt aber legten es ihr die Verwandten nahe, daß es denn doch nicht angehe ledig zu bleiben. Tante Rosa, das gute Geschöpf, hatte sich die Gedanken ihrer Verwandten zu eigen gemacht, daß. Vetter Moische der geeignetste Gatte für sie wäre. Und sie überhäufte den alten Böseivicht mit der ganzen Fluth ihrer Liebenswürdigkett. Dem Vetter Moische that dies sehr wohl. Er war mit sich darüber im Klaren, daß er ein schöner und angenehmer Mensch sei. Nur darüber wundert er sich, daß sich bisher noch kein so hübsches und wackeres Geschöpf wie Tante Rosa um ihn beworben. Aber er gab sich damit zufrieden, daß sein Stem erst jetzt, in seinem fünfzigsten Lebensjahr, anfgegangen, und nahm die ehrliche Kurmacherei Tante Rofa's gnädig auf. Eines Abends endlich blieb Frau Kraus mit Vetter Moische allein am Kamin. Die feine Frau sah den alten Bösewicht mit ihrem lieblichsten Lächeln an, dann sprach sie mit ihm leise, diskret. Sie sagte, welch' ein ausgezeichnetes Geschöpf Rosa sei. Jeder liebe sie und sie habe bereits fünftausend Gulden. Abraham ergänze diesen Betrag auf zehntausend Gulden, wenn Rosa heiratet. Rosa achte und verehre nicht nur Vetter Moische, sie liebe ihn auch vom Herzen. Und wenn Vetter Moische für sie ebenso fühlte und geneigt wäre, sie zu heiraten .... Wetter kam Frau Kraus nicht, denn Vetter Moische saß nicht mehr vor ihr. Er rannte wüthend hinaus, unwiederbringlich, bis auf's Innerste verletzt .... „Ich, ein Urenkel Reb Leser Galanthas soll eine. Magd, ihre Magd heiraten!" Er stand beretts vor seinem alten Hause, das der Schnee schwach deleuchtae. „Wenn ich eine Magd heiraten will, so habe ich ja eine, so brauche ich sie nicht« He Sorl, Sorl!* Das Geheul von Hunden bildete den Widerhall seines Geschreies. Vetter Moische stand im Flur seines Hauses und schüttelte den Schnee von den Kleidern. „He, Sorl, Sorl! Bist Du taub?" Die schmutzige, zerzauste, schläfrige Magd öffnete die Gassenthür des Hauses und sagte verdrießlich: „Sind Sie heut meschugge? WaS schreien sie so?" „Sorl, Du wirst mein Weib. Ich heirath' Dich." „Sie find also wirklich meschugge geworden!" Die Magd trottelte in die Küche zurück mtd warf die Thür ins Schloß, Moische ging auf sein Zimmer legte sich nieder konnte aber nicht gleich einschlafen. Er war empört über die ihm angethane Beleidigung, eine Magd, die Magd seiner Feinde, ihm zum Weibe anzutragen. , Aber er schlief sich doch endlich die Empörung aus, ging am nächsten Tage wieder zu seinen Feinden und ließ sich von Tante Rosa die Kur machen. Und seine Frau wurde nicht seine alte Magd, sondern Tante Rosa und die beiden Zweige der Kraus waren ausgesöhnt. Aber Vetter Moische blieb doch Ra-Moische. Jüdische Wohlthätigkeit in New-Hork. Man mag die amerikanischen Rabbiner mit Recht nach vielen Richtungen anklagen. In Bezug auf Wohlthätigkeit muß man ihnen ehrenvolle Anerkennung zollen. Sie spornen ihre Gemeinden und die Mitglieder zum Wohlthun an. Es sind in Amerika Anstalten ins Leben gerufen worden, die nicht nur zur Ehre des Judenthums in ihrem segensreichen Wirken blühen, sondern deren Leistungen auch als Muster unseren Mitbürgern ausgestellt zur Nachahmung empfohlen, werden dürfen. Ich habe da 9 Berichte von 9 isr. Wohlthätigkeitsanstalten vor mir, die an 600.000 Dollars ausgegeben haben: Und wie? Es werden Kranke geheilt, Unheilbare verpflegt und deren Schmerzen gelindert, Nackte bekleidet, Hungernde genährt, Nahrungszweige dem Fremden gelehrt, Alte versorgt und Waisen erzogen, soivie die aus diesem Leben geschiedenen anständig beerdigt. Die wichtigste und am bewunderungswertheste aller Anstalten ist die United Hebrew Charities. (Bereinigte Hebräische Wohlthätigkeiten) Einnahme £ 104.523.83 Ausgabe £ 105.090.77, vertheilte die Anstalt 1292 halbe Tonnen Kohle, 2130 PaarSchuhe, 656 Paar Strümpfe, 1177 Röcke, 1265 Hosen, 580 Westen, 148 Uebeerocke, 2608 Artikel Unterwäsche, 580 Hemden, 916 Frauenkleider, 477 Unlen-öcke, 650 Taillen, 112 Mäntel, 231 Hüte, 273 Bettdecken, außerdem zahllose andere Artikel an Bett, Möbel u. s. w. An heimatslosen jungen Männern wurden 2402 Nachtlager und 7683 Mahlzeiten verabreicht. — Cs wurden 835 Menschen nach Europa zurückbefördert, die hier nicht fortkommen konnten und 1204 nur nach England, das kostete an 18.000 £: Aerztliche Hilfe. Es wurden 476 Mütter bei deren Niederkunft Hilfe geleistet und mit Wäsche 169 Mütter bedacht, 1850 Familien wurden ärztlich besucht, 2940 Besuche von den Wärtern (gelernte Krankenwärter) gemacht, 4745 Recepte vom Apotheker zubereitet. 1188 Karten für Fleisch und Eßmaterialien ausgestellt. — Es wurden 550 jüd. Leichen beerdigt. — I n der Industrieschule dieser Anstalt lernten durchschnittlich 203 Mädchen Maschienennähen und Klciderzuschneiden. Es wurden da 1346 Stücke der oben erwähnten vertheilten Kleidungsstücke und Wäsche in dieser Anstalt angefertigt. Einwanderung. Es kamen 32321 jüd. Emigranten im Hafen New Ports an. Davon 19480 in den letzten 4 Monaten des Jahres. Cs ist dies die größte Zahl jüd. Einwanderer, die während einer solchen Zeit je einwanderten wahrscheinlich durch den übertriebenen Bericht, den die Journale ver-

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