Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 50 (18.12.1891)
- Date
- 1891-12-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 50 Dryrrrrichifche Wochenschrift. Seite 925 Schriften der Beziehungen mit den Leitern des österreichischen Antisemitismus. Aus der- Rede des Herrn v. Caprivi hat man erfahren, daß sogar die politische Stellung der Antisemiten vom Auslande beeinflußt werde-. Ein internationales Band schlingt sich um alle Antisemiten der Erde, und was hier als reinster Patriotismus verzapft wird, ist zuweilm nichts Anderes als das trübe Gewässer-, welches heimlich nach Oesterreich gebracht wurde. Und diese Sippe untersängt sich anderen Parteien den Patriotismus abzustreiten. Allgemein herrscht die Ueberzeugung vor, daß Dr. Lueger, durch seine zügellose Sprache unfteiwillig der guten Sache einen großen Dienst geleistet hat. Eine Partei, deren Anwalt sich in solcher Art an dm vitalstm Interessen des Reiches versündigt, kann nicht anders denn als gemeingefährlich sticmatisirt und muß von allen Freunden des Vaterlandes aufs Entschiedenste bekämpft werden. Wien. („Oesterr. Israel. Union.") Einladung zu der am Samstag, den 19. December 1891, Abends 7 Uhr im Restaurant Khuner 1. Bez. Schottenring Nr. 19 stattfindenden Vereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Cultusvorstehers Dr. Maximilian Steiner: „Unsere Armenpflege" 3. Anträge und Interpellationen. Damen willkommen. — Einem Wunsche vieler Mitglieder zufolge, hielt dieser Verein Samstag den 12. d. M. in Mariahils unter dem Vorsitze seines Präsidenten Dr. Grünfeld eine Vereinsversammlung ab, welcher als Gäste die Gemeinderäthe Frauenberger, Lang und Dr. Alfted Stern, sowie die Eultusvorsteher Salo Cohn und Architekt Max Fleischer beiwohnten. Hof- und Gerichts-Advokat Dr. Sigismund Feßler hielt einen Vortrag über: „Die Mystik in der Architektur" und erntete für seine formvollendeten Ausführungen lebhaften Beifall, nicht minder Herr Architekt Max Fleischer, welcher eine fachmännische Interpretation an den Vortrag knüpfte. Hierauf sprach Herr Gemeinderath Fraueirberger in längerer Rede über Communal- Angelegenheiten. Dr. Frauenberger berührte die Vereinigung Wiens mit den Vororten, die magistratischen Bezirksämter, die Stadtbahn, die Regulirung des Wienflußes, die Wassersrage, bei welcher er sich gegen ein Nutzwasser aus der Donauleitung wendete und kam auch auf beit Antisemitismus zu sprechen, welchem er ein klägliches Ende prophezeite, wenn durch die Inangriffnahme aller dieser besprochenen Arbeiten wieder Geld unter das Volk kommen wird. „Es werden", sagte der Redner, „Tausende beschäftigt werden, und wenn die Arbeiterschaft lebt, dann lebt auch die Bürgerschaft, weil wir Alle, von Unten bis hinauf eine Kette bilden." Zum Schlüße gab Redner seiner Freude darüber Ausdruck, daß die zahlreich erschienenen Frauen den actuellen Tagesftagen so viel Aufmerksamkeit und Interesse entgegenbringen und versprach sich eine regere Theilnahme seitens der Mitglieder seines politischen Vereines, wenn in demselben auch den Frauen der Mitglieder der Zutritt gestattet sein wird. Die Ausführungen dieses Redners fanden ein lebhaftes Echo in der Versammlung, dieselben wurden stellenweise stürmisch applaudirt und der Redner von allen Seiten beglückwünscht. Herr Gemeinderath Dr. Alfted Stern bespricht das Wirken des Vorttagenden im Gemeinderathe, wo sich derselbe an allen wichtigen Tagesftagen betheilige und lobt das muthige und energische Auftreten desselben, gegenüber der antisemitischen Partei. Gemeinderath Lang und Cultusvorfteher Salo Cohn sprachen in demselben Sinne. Bezirksausschuß Waldstein zollt Heren Gemeinderath Frauenberger Anerkennung, daß derselbe sich nicht scheute, in einer jüdischen Versammlung zu erscheinen und gibt seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Leitung der „Union" die Besprechung so wichtiger Tagesftagen auf die Tagesordnung der Versammlung setzte. Nachdem noch die Herren Marcus und Bielitz gesprochen, schließt der Vorsitzende die Versammlung. B. B. Wie». (Der antisemitische katholischpolitische Verein der L eop oldstadt in Schneider'- zweitem Praterkaffeehaus.) Der unter der Obmannschaft des sattsam bekannten Judenfressers Dr. Psenner stehende katholisch-politische Verein mtsaltet eine derart ver — hetzende Thätigkeit, das kein anständiger Gastwirth des II. Be zirkes diesem Vereine seine Localitäten zu den üblichen Versammlungen überlasten mag. Man mußte daher in der rauhe» Decembernacht zu den Localitaten des Herrn Schneider im zweiten Kaffeehause im Prater Zuflucht nehmen, um in der vorigen Woche eine Vereinsversammlung abhalten zu können. Hierin liegt eine Demüthigung, die noch durch die begleitenden Umstände eine Verschärfung erfährt. Die Antisemitenführer, welche glauben machen möchten, daß hinter ihnen die ganze Bevölkerung Wiens steht, finden im II. Bezirke mit seiner Bevölkerung von 80.000 Christen kein Plätzchen um ihre Suada loszulaffcn und, dies ist «och weit demüthigender, sie müssen zu Herrn Schneider flüchten, welcher sich in der bekannten Enunciation der Praterwirthe gegen den Antisemitismus rühmlichst hervorgethan hatte. Nun lst es immerhin möglich, daß Hm Schneider, dem guten Beispiele der Antisemitenführer folgend des „Geschäftes" halber sein Glaubensbekenntniß gewechselt hat und jetzt die in der Brervertilgung hervorragenden Antrsrmilen als liebe Gäste empfängt. Dann wird es aberdie Pflicht und Schuldigkeit der Glaubensgenossen fein, die Consequenzen hieraus zu ziehen und die Localitäten des Herrn Schneider zu meiden, damit sie nicht der Gefahr ausgesetzt erscheinen, ein Zettelchen mit der berühmten Devise „Sie werden ersucht, sich unauffällig zu entfernen", in die Hand gedrückt zu bekommen, oder von einem angetrunkenen Antisemiten insultirt und hinausgeworfen zu werden. s Dresden. 4. Deceniber (Schönerer in Dresden.). AS eine kleine Probe, welch kindlicher Unfug hier mtt dem Auftreten des antisemitischen Enkels Schmul Leb K o h n s, des Oesterreichers Schönerer getrieben worden ist, cheile ich Ihnen Einiges aus der Nr. 48 der „Deutschen Wacht", dem Organ der hiesigen Judenhetze, mit. Das Beiblatt dieser Nummer enthält nämlich die — in bekannter Weise herbeigeschafften — Glückwunschschreiben und Telegramme, von denen einige werth sind, auch weiteren Kreisen bekannt gemacht zu werden. So grüßt der „anttsemttische Dolksverein" den neuen Fürsten wit den Worten: „Treudeutschen Gruß dem Führer der ostdeutschen Länder, ein donnerndes Hoch dem Ritter von Schönerer!" Die „Nationalen" in Kirchberg am Walde drahten: „Gegrüßt seid ihr Männer mit deutschem Sinn! Hoch Bismarck! Hoch Schönerer! Hoch Zimmermann und Allen, die anwesend sind!" Ueberhaupt muß Bismarck sehr stark zum Vergleich mtt Schönerer herhalten, selbst zwei österreichische Abgeordnete, Hauck und Doch, rufen: „Heil Bismarck! Hoch Schönerer!" Ein Grazer Biedermann wählt als dritten im Bunde statt Zimmermann den alten „Cincinnatus", dm er wahrscheinlich für einen Urgermanm hält, ebmso wie der Cherusker Herrmann als Vertreter des Christenthums paradirt. Dm Vogel schießt indessm ein Tiroler ab, indem er (aus Hall) schreibt:^? „Allgemeiner Weltftiede, all gemeine: Men schlicht eit und Cultur, alles ist blos ein eitel Phantasiegebilde^ ersteht in der Welt nicht ein reinrassiges, starkes Volk, einfacher, edler, urkräftiger als andere, das die Macht Hatz Weltfrieden und Menschlichkett zu wollm, allmfalls auch zu erzwingm: ein Volk das wahre Cultur in sich verkörpert! Darum rufe ich Dir zu, deutsches Volk: „Erfaß die Größe Deiner Aufgabe. Dein Glück ist der Wett Glück! Wir Deutschm der Ostmark sagen: , Keine' Nation wollen wir verneinen, Mer unser Haus bauen wir mit unfern Steinen, Und zieren's nur mit unsrer Kunst» Die deutsch ist und nichts anders sunst! Bauet, bauet nur, Ihr Pygmäen, Denn neuen Babel zu Himmelshähen,