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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-12-18 · 50 (18.12.1891) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
50 (18.12.1891)
Date
1891-12-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Är. 50 OeKerreichksche Wochenschrift - MMM Grite 913 Christen Juden wegen Bigamie. 441 2 (statt 6'/-) „ Blutschande .... 2567 5 c „ 32) " Unzucht unter Mißbrauch Vertrauensverhältnissesjc. 336 2 ( „ 4) ff Widernatürlicher Unzucht 2726 16 C 34) ff Nothzucht. 22460 265 ( „ 280) ff Kuppelei. 13371 2no ( 167) Unzüchtige Handlungen und Verbreitung unzücht. Schriften. 12046 179 ( „ 150) " Andere Vergehen gegen die Sittlichkeit . . . 1136 12 ( „ 14) Diese statistischen Zahlen beweisen genug. Doch lassen wir auch hier die Th atsach e n reden! Während des einen Jahres 1891 haben folgende Christen sich schwerer Sittlichkeits- Vergehen schuldig gemacht! Ritterschastsrath a. D. Eben, früher Besitzer des Rittergutes Schlagenthin bei Aruswalde, wurde wegen Sittlichkeits- Verbrechen vom Landgericht zu Landsberg a. W. zu 3 Jahren Zuchthaus verurtheilt. — Die Streiche des Predigers H a r d e r in Weißensee sind aus den jüigsten Berichten der Tageszeitungen bekannt genug. — Philipp Henrich, Lehrer an der Kreistaubstummen-Anstalt zu Frankenthal i. Pfalz, wurde wegen Sittlichkeits - Verbrechen gegen die seiner Obhut anvertrauten Zöglinge mit 2'/, Jahren Gesäugniß, Lehrer Jauch in Heidenheim wegen des gleichen Vergehens mit 7 Jahren Zuchthaus bestraft. — Ernst Kadner, Vorsteher und erster Lehrer der Kreistaubstummen-Anstalt zu Frankenthal, erhielt 12'/.. Jahre Zuchthaus, weit er in vielen Fällen und lauge Zeit hindurch sich mit Mädchen seiner Anstalt schwer gegen 174, Ziffer I R.-St.-G.-B. vergangen hatte. — Franz Liebenrock, Pfarrer in Hechingen, wurde wegen Sittlichkeitsverbrech eu flüchtig. — Die Selbstbezichtigung des Pastors und Politikers Oftedal in Stavanger ist bekannt. — Lehrer Radtkey in Resow (Kreis Regenwalde) wurde wegen nicht weniger als 54fachen Vergehens gegen die Sittlichkeit mit 5 Jahren Zuchthaus bestraft. — Lehrer Alois Scholz aus Driesen hatte sich an 16 Mädchen im Alter von 7 —16 Jahren versündigt und wurde von der Strafkammer 511 Landsberg zu 6 Jahren Zuchthaus und Ehrverlust verurtheilt. — Utthoff, Hauptlehrer der Volksschule in Vlotho (Westfalen), büßt dasselbe Verbrechen mit 3 Jahren Gesängniß und Ehrverlust. —■ Der englische Abgeordnete, Kapitän Verney in London, erhielt wegen Sittlichkeitsvergehen ein Jahr Gesängniß. — Endlich (die Namen dieser dunklen Ehrenmänner sind nicht bekannt geworden) entzog sich in Freiberg (Sachsen) der Director einer Erziehungsanstalt, der wegen Sittlichkeitsverbrechen seines Amtes entsetzt wurde, der Bestrafung durch die Flucht; wurde ferner vom Landgericht in Plauen ein dortiger Bürgerschullehrer wegen mehrerer schwerer Sittlichkeitsverbrechen zu 4 Jahren Zuchchaus und 6 Jahren Ehrverlust verurtheilt; erhielt in Nürnberg der 52jährige Meßner von St. Peter, welcher während des Gottesdienstes ein lljähriges Mädchen in die Sacristei gelockt und vergewaltigt hatte, l1/* Jahr Zuchthaus. — Welchen Abgrund von Verdorbenheit die Gerichtsverhandlungen gegen die Beamten des Reichswaisenhauses in Schwabach enthüllten, wissen unsere Leser aus den Tageszeitungen. Die Moral dieser scheußlichsten aller Entartungen der Unmoral ergiebt sich von selbst. Wiederum betonen wir, daß nicht wir diese Parallele gezogen haben, daß sie in gerechter Nothwehr uns aufgezwungen wurde. Und kehrt sich hier, wie bei den Vermögens - Vergehen, die Waffe vielleicht gegen die Angreifer — so trifft nicht uns das Verschulden. Tu l’as voulu Georges Dandin! Die Londoner „Daily News" Wer das Nlkersverforgungshaus der Wiener ifrael. Cultusgemeinde. In der Londoner „Daily News" am S. November 1891 finden wir aus der Feder der Frau Bettina Wirth eine Schilderung des Altersversorgungshauses der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, die wir nachstehend wiedergeben: Durch einen Zufall entdeckte ich einen der bemerkens * w erth esten Friedhöfe der Welt. In einer nördlichen Borstadt Wiens, iu einer Nebenstraße des IX. Bezirkes, die nichts Malerisches an sichhat, eingeschlossen von vierstöckigen Häusern, liegt ein alter jüdischer Friedhof, durch Kaiser Josef vor einem Jahrhundert bereits außer Gebrauch gesetzt. Mit seinen 930 Grabsteinen ist derselbe in Ordnung gehalten mit einer Pietät und in einem so vorzüglichen Zustande, die unsere Bewunderung erregt. Bor fünfhundert Jahren war dieser Stadttheil das jüdische Viertel und ein großer Theil desselben wurde den Juden zur Grabstätte angewiesen, ein Theil hievon wurde zum Spitalbau benützt. Dieses Spital mit einem dazu gehörigen Garten, war noch vor Jahren in Verwendung. Nun wurde ein schönes Versorgungshaus für Greise daselbst errichtet, der Friedhof aber blieb unberührt, es sei denn, daß die unbarmherzige Zeit einen Grabstein bedrohte und eine Ausbesserung erforderte. Es ist unmöglich die Ueberraschung zu schildern, die sich unseren Augen darbietet, wenn wir die große Halle des Bersorgungshauses, welches mit dem modernsten Comfort erbaut ist, überschreiten, und wir uns auf dem erhöhten Gmnde des Hofes neben einem Garten, der von Alten und Kranken bevölkert, befinden. Unser erstauntes Auge sieht die Mauer eines Friedhofes und hinter derselben, unter dem Schatten von hohen Bäumen zwischen alten Eypressen beinahe 1000 Grabsteine, aus Marmor, Granit, Porphyr und Sandstein, bedeckt mit den eigenartigen Schriftzeichen der hebräischen Sprache, die Jahrhunderte überdauett. Fußhoch ist der Boden mit saftigem Moos und dem dunklen Beilchenkraut bedeckt und unzählige junge Sprößlinge von Eichen, Mazien und Trauwweiden wachsen ungestört in dem Schatten der Gräber. Nie hatte mir ein Friedhof ein traurigeres Stück Geschichte erzählt, als dieses Ueberbleibsel von einer zuweilen tolerirten öfters aber verfolgten Race. Zwei Dutzend Grabsteine erzählen von Märtyrern, wahrscheinlich Opfer der damaligen barbarischen Mißhandlungen. Wenngleich die Steine von verschiedener Gattung, wie Granit, Sandstein und Porphir mtt einander wechseln, ist doch kein Unterschied in der Form der Grabmäler, die arm von reich auf den anderen Friedhöfen unterscheiden. Einige schone Grabsteine gleichen denjenigen aus Alt-Palästina mit einer breiten aufrechten Platte, sie sind ganz bedeckt mit Inschriften in Gold und schwarz; die Mehrheit ist ganz gleich Aufrechte Steinplatten, ^manneshoch, alle nach Osten gerichtet, der obere Theil des Steines hat ein geschnitztes Ornament, welches nachdrücklicher, als die hebräischen Inschriften, das Datum des Sterbetages erzählen, die Zeitrechnung ist nach Talmudart in Buchstaben ausgedrückt, die in einer anderen Farbe als die Inschrift markitt wird, lleber jeder Aufschrift ist ein N. u. P., die Initialen der Worte Ruhe in Frieden, angebracht. Unter diesen ist ein Zeichen oder ein Symbol eingemeißelt, als 2 segnende Hände, Attribut der Lewiten, ein Krug und eine Schüssel, ein Jzel, der dem Arzte zugeschrieben wird, oder ein anderes Thier, wahrscheinlich ein Hauswappen, am öftersten ein Löwe, ein Fuchs, ein Lamm, eine Katze. Auf einigen Steinen sehen wir den Stern Daniels, eine Brille, einen Eimer. Alle sind bedeckt mit Sprüchen aus dem Talmud oder der Bibel, die Bezug haben auf das Leben, das Leiden und' die guten Thaten der Verstorbenen. Einige find in Acrosticon, der erste Buchstabe des Verses in anderer Farbe, bilden dm Namen desjenigen, den der Grabstein bezeichnet. Diese Verse sind oft hochpottisch und erhaben und es ist Tchade,

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