Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 50 (18.12.1891)
- Date
- 1891-12-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020898--00961-3024977- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
&fte Mi Sesterreichische Wochenschrifl. Nr. 50 Hecht, Laeutmant im 18. bair. Infanterieregiment, unterschlug Menage- und Verpflegungszelder und büßt dies mit Dezradirung und 1 Jahr 2 Monaten Gefängniß. — Freiherr von Heyd^brand und v. d. Lasa wukde wegen Bankerotte mit I Jahr Gefängniß bestraft. — Heyn, Cassirer der Fabrik von Albrecht und Meister in Charlottenburg, wurde nach mannigfachen Unterschlagungen flüchtig. — C. von Horn in Insterburg «hielt wegen betrügerischen Bankerotts 1 Jahr Gefängniß. Kaufmann C. G. I ä h r i g in Obersohland wegen umfangrttcher Steuerdefraudationen 4 jährigen Arrest und 49.000 fl. Geldstrafe. — Iaubert, Prokurist des Crsdit Lyonnais in Paris,wurde wegen Unterschlagung mit 5 Jahren Zuchthaus bestraft. -— Sein Heimatgenosse Iouanno , der Geldgeber der Moskauer französtschen Ausstellung, ist nach Unterschlagung von 5 Mill. durchgebrannt. — Die Fälle Jhrke-Berlin Jungklaus- Stettin sind bekannt. — Freiherr Alfons Wolf v. Kegler auf Naeder-Langenau wurde wegen betrügerischen Bankerotts zu 5 Jahren Zuchchaus und 6 Jahren Ehrverlust verurtheilt. — Revisionsassistent Klein veruntreute der Oberamtspflege Blaubeüren (6. Ulm) 16.000 M. — Oberst Kiszlajakow und Oberstlieutenant Köppen wurdm wegen Unterschlagung amtlicher Gelder degradirt und nach ^Sibirien verbannt. — Kaufmann E. L. Klug e-Berlin wurde mit 800.000 M. barckrott. — Kaufmann Heinr. Knoch in Hirschberg (Saale) schädigte die dortige Handels- und Creditbank um 3 ‘/2 Mill. Mark. — Bankier Knüppel in Osten wurdm wegen Unterschlagungm in Höhe von 400.000 M. verhaftet. — König, Director der „Eppendorfer Industrie-Gesellschaft", ist nach Defraudation in Höhe von 2 '/2 Millionen M., C.afehändler Robert Kond in Frankfurt a. M. nach Unterschlagungen und Wechselfälschungen von 300.000 M. flüchtig. — Honus Lang in Wim ist mit Passiom von 7 Million:« Gulden sallit. — Kaufmann K. Ph. Lehmann in Berlin wurde wegen Unterschlagung mit 2 7a Jahren Zuchthaus bestraft. — Constantin v. Lyro, ehemaliger Director der Aspang-Bahn, wurde wegen gwber Veruntreuungen verhaftet. — Victor Macs in Paris, dem der Papst sein Bildniß und seinen Segm geschickt hatte, ergaunerte und unterschlug das Sümmchen von 21 Millionen Francs, der Deputirte Mary-Raynaud begnügte sich mit 4 Mill. Frcs. —. Die Schwindeleien bei der Manisch:n Berlagsanstalt in München kennen unsere Leser, ebenso dea Concurs des Grafen Job von Manteuffel. — Gottlieb Mayer, Vorsteher der Reichsbank-Rebenstell? in Reiste, wurde wegm wiederholte.: Unterschlagungen und schwerer Urkundenfälschungen zu 10 Jahren Zuchthaus und Ehrverlust auf die gleiche Dauer, Cooperator Mayerhofer in Korneuburg wegm Unterschlagung zu 5 Monaten schweren Kerkers verurteilt. — Von den Fällen Ed. M a a ß-Charlottenburg und Emil H. Meyer-Hildesheim war bereits die Rede. — Menotti, Director der üavva del industria e commercio in Turin, wurde wegm betrügerischen Bankerotts mit 7 Jahren Gefängniß bestraft. — Rittergutsbesitzer Arth. Molzio von Stagnittm wurde strafbarer Differenzgeschafte an der Berliner Börse überführt. —■ Knopffabrikant Müller in Zittau büßte schwere Steuerdeftaudationen mit einer Geldstrafe von 100.000 Gulden. — Die Schwindeleien des Kaufmanns Nitschmann in B«lin sind bekannt. — Der königl. Rentmeister Premier-Lieutenant a. d. Nüsken in Nordhausen wurde wegen Veruntreuungen aus der Kreiscasse in Haft genommen. — Wenzel Padior, Liquidator der Landwirchschafts-Creditbank in Prag, erschoß sich wegen Theilnahme an den Unterschlagungen und Bonsfälschungm des Hauptcassiels in Höhe von 500.000 fl. — Stacäscapitän Petrowsky wurde wegm Unterschleif und Fälschungen degradirt und nach Sibirien verbannt. — C. F. Pfannen schmid, Procurift der Papierfabrik Flinsch in KAnkfurt a. M., ist nach Unterschlagungen von 100.000 Mark durchgebrannt. — Dr. Plaschke, Pfarrer in Mhla (bei Eisenach), wurde wegen Unterschlagung von Geldem der Kirchencasse verhaftet. — Rebenitsch, Director der „Eppendorfer Industrie-Gesellschaft", unterschlug 2 '/2 Mllionen M. und wurde flüchtig. — Der ehemalige Staat .massier des Cantons Tessin/ Scazziza, welcher für 700 Millionen an der Börse speculirte, hat 1 t/ä Millionen Francs veruntreut. (Als strenggläubiger Katholik hatte er ein Gelübde gethrn, l°/0 des erhofften Gaunergewinnes dem „Gnadenbilde der heiligen Capelle der Äl -donna del Sass >" in Locarno zu spenden). — Schats Bureauchef der Armencasse in Antwerpen, wurde nach Unterschlagung von 15.000 Frcs. flüchtig. — Die Einzelheitm des Zusammenbruchs der C. W. Schnöckel jr. in Berlin sind bereits besprochen. — Der Schatzmeister von Rew-Dork hat nach Unterschlagung von 1,700.000 Doll, das Weite gesucht, sein College von derUlster-County->2taatsbank in Kingsdon begnügte sich mit 460.000 Dollars.—Banquier Scholz in Lüben (Sch lesien) entzog sich der Bestrafung wegen Wechselfälschungen durch die Flucht. — Kämmerer Schälke in Bernstein (Reumark) bestahl die Stadtkäminereicasse und verschwand. — Carl Schälke, Director der „Gesellschaft zur Anfertigung electrischer Apparate" in Hamburg wird wegen bedeutender Unterschlagungen steckbrieflich verfolgt. — Einnehmer Schweisthal in Uerzig entleibte sich, nachdem er sich Veruntreuungen an der Casse schuldig gemacht hatte. — A. Skopnik in Insterburg wurde wegen betrügerischen Bankerotts zu 2 Jahren Zuchthaus, Teppichfabrika at Speethe in Gera wegen Börsenspiels mit den Mitteln der Geraer Bank, zu deren Aufsichtsrath er gehörte, zu fünf Monaten, Königl. Garteninsprctor Stein in Breslau wegen Unterschlagung zu 3 Monaten, Probst Stojalowsky in Kulikow wegen leichtsinniger Crida und Veruntreuung zu 2*/2 Jahren Gefängniß verurtheilt. — Pastor Stutzer in Goslar, der Bnscnfreund des Er-Hofpredigers Stöcker, ist nach Unterschlagung von 500.000 Mk. durch gebrannt. — Die Schwindeleien des Fleischermeisteas Tiedemann-Berlin und des Commercienraths C. A. Thiel-Haynau sind bereits besprochen worden. — Alt- Landammann Thuli in St. Gallen unterschlug amtlich? und private Gelder und brannte durch. — Der Spielwaarenfabrikant Uflig in Borstendorf wurde wegen 133 Wechselfälschungen im Betrag? von 100.000 Mark zu 5l/, Jahren Gefängniß, der ftühere Stadtcassirer Vogel aus Lauban wegen Unterschlagung zu 6 Jahren Zuchthaus verurtheilt. — Ingenieur H. Welker in Antwerpen sitzt wegen Veruntreuung von 360.000 Mark, Graf Wilh. Wickenburg in Budapest wegen Prellereien in Höhe von 15.000 Gulden hinter Schloß und Riegel. — Bankbeamter Joh. Wiedemann wurde wegen Unterschlagung von 16.000 Mk. zu 3'/2 Jahren Arrest, 5 Jahren Ehrverlust verurtheilt. — Spare assenrendant und Stadtrentmeister Wilmers in Siegen veruntreute 480.000 Mark. — Oberlehrer Wolters in Eilbeck (b. Hamburg) unterschlug 300.000 Mk., welche ihm frühere Schüler und Landsleute anvertraut hatten. — Banquier Zinkendraht in Hersfeld wurde wegen betrügerischen Bankerotts mit 2 Jahren Gefängniß bestraft. — Ziegler, Director der Eberl-Faber-Brauerei in München, wurde nach Veruntreuung von über 900.000 Mark flüchtig. Wir denken, das genügt! Die einzige Lehre, welche wir und mit uns alle Unbefangenen aus dieser Zusamnaenstellung ziehen, gipfelt in dem Satze, daß diese Vergehungen mit der Consession nichts zu thun haben, daß sie „ebenso interconfessionell sind, wie die Depots, welche in den Tresors jener Herren gelegen haben, und nun verschwunden sind," daß aber, wenn wirklich der Äbersinn das Glaubensbekenntniß betont und diesem jene Vergehungen seiner Angehörigen zur Last legt, nicht das Judenthum allein verunglimpft wird.... Hier könnten wir das für uns wahrlich mehr als unerquickliche Thema schließen, würde nicht seit einigen Tagen von unseren Hassern noch auf einem zweiten Gebiete konfessionelle Statistik getrieben werden, und das in einer Weise, welche die energischste Zurückweisung herausfordert. Oder sollten wir etwa den schamlosen Anwurf des hiesigen antisemitischen Moniteurs unerwidca-t lassen, daß „Lüstemheit eine nationale Charaktereigenschaft der Juden" ist? Ziehen wir zunächst die C r i m i n a l - S t a t i st i k zu Rache! In den Jahren 1882 —1889 wurden wegen Sittlichkeitsvergehen bestraft: