Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 49 (11.12.1891)
- Date
- 1891-12-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020897--00951-3024966- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Elbląg 1× ep/1047890
OCR text
Nr. 49 „Tag.-Anz.", Leutzsch, bereits bei seinem Eintritt in die Redaction , wegen Eigenthumsvergehen steckbrieflich verfolgt war' gegenwärtig befindet er sich wieder einmal auf der Flucht und wird wegen Unterschlagung steckbrieflich verfolgt.?ie Verhandlung mußte vertagt werden, weil sich die Abhörung weiterer Zeugen nöthig erwies. Leipzig, 28. November. Der frühere Rector der hiesigen Universität, Prof. D. Binding, hatte kurz vor den Sommerferien ein Referat über das Raudh'sche Buch: „Die,Juden und der deutsche Staat", das im „V e r e i n d e u t s ch e r Studenten" gehalten werden sollte, verboten, worauf sich der genannte Verein Beschwerde führend an das Ministerium gewandt hatte. Die Beschwerde ist, wie nunmehr bekannt wird, zunickgewiesen worden. Breslau, 29. November. Der Präsident der jüdischen Gerueir.de in W a r t e n b e r g, Herr M. Ucko, ist bei den am 2«;. d. M. vollzogenen Stadtverordneten - Wahlen einstimmig wiedergewählt worden. Chemnitz, 30. November. Der Vorstand des eorrferva tiveu Vereins hat einige zwanzig seiner a n l i s e m i t i s ch e n Mitglieder, die bei den Stadlverorvnetenwahlen unter heftigen Angriffen auf die Vereinsleitung für die Wahl der deutschsocialen Candidaten eingetreten waren, aus dem Verein ausg e s ch l o s s e n. Elbing, 6. December. Sein sechzigjähriges Ehrenbürger- Jubiläum, ein Fest, welches rvohl ohne Gleichen in der Ebronit unseres bürgerlichen Lebens dafteht, feiert am Sonnrag, den 13. December der hiesige 86jährige praktische Arzr, Sanitätsrath Dr. Eohn. Bald nach Abfolvirung feiner medicinifchen Studien ließ sich derselbe im Jahre 1830 in Elbing als Arzt nieder, wo er trotz seiner Jugend in Kurzem wegen feiner ärztlichen Geschicklichkeit und Humanität allgemein geschätzt wurde. Während der großen Cholera-Epidemie des Jahres 1831 entfaltete er in Elbing eine ebenso rastlose wie wirksame rhätigkeit, indem er mit Hintanseh ung aller persönlichen Rücksichten Dag und Nacht bemüht war, helfend einzugreisen, Roth zu lindern und dem Wütheil dieser furchtbaren Krankheit Einhalt zu thun. Die Anerkennung hierfür seitens der Behördeli und Bürgerschaft blieb nicht aus. Unter Ueberreichung eines kostbaren Pokals wurde dem erst 26jährigen jungen Arzte am 13.-December 1831 das Ehrcnbürgerrecht verliehen. Zahlreich? Aufzeichnungen, der Rothe Adler- und Kronenorden dritter Elasfe, das academische Ehrendoctordiplom der Universitär Albertina zri Königsberg u. A. m., welche dem Jubilar während seiner mehr als 6Ojährigen Berufsrhütigkeit zu Theil wurden, legen von den Verdiensten des Jubilars Zeugniß ab. Auch wissenschaftlich ist Eohn erfolgreich thätig gewesen. Ein Werk über „Katrwasferheilkundc" machte ihn in Jachtreifen bald bekannt. Hamburg, im Kislew 1891. Wie bereits vor Wochen in den jüdischen Blättern angezeigt wurde, sind bei den ehrw. Rabbinern von Hamburg, Altona und Würzburg, die mit der Ausarbeitung einer Vorlage zur Vertheilung der 20.000 Kronen, welche die verstorbene Fr. Betty Hartwig in Kopenhagen testamentarisch zur Unterstützung armer kleiner Gemeinden vermacht hatte, betraut wurden, weit über 1000 Gesuche aus Nah und Fern eingelaufen. Die ermähnten Rabbiner traten also nach Ablauf der h. Festtage zusamnlen, nahmen in gemeinsanrer Berathung die Prüfung der Gesuche vor, und da selbst nach sorgfältiger Sichtung des Materials noch immer eine erhebliche Anzahl solcher Gesuche vorlag, die allen diesbezüglichen testamentarischen Bedingungen entsprachen, beschlossen sie einstüumig, daß aus der vorhandenen Summe 75 kleinere ärmere Gemeinden mit einer Unterstützung von je 300 M. berücksichtigt und diese 75 durch das Loos bestimmt werden sollten. Nach Entscheidung durch das L o o s wurde die Liste der zu unterstützenden Gemeinden bem Stiftungscuratorium in Kopenhagen übermittelt, durch rvelchcs die Aussolgung der gedachten Summe an die betr. Gemeinden statthaben wird. Die gesch. Redactionen der jüd. Zeitschriften werden um Abdruck dieser authentischen Mittheilung gebeten. Seite 913 Paris. Der Obe'rrabbiner von Frankreich, Zadoc-Kahu. hat ein Rundschreiben an alle Glaubensgenossen erlassen, in welchem derselbe in beredten Worten zu Sammlungen für die unglücklichen russischen Juden avffordert. Dieses Rundschreiben wurde vergangenen Samsng in sämmrlichen Sunagogen von Frankreich und Algier von der Kanzel herab verlesen. Paris. Dem Advocaten am Appellgerichtshofe zu Paris, Herrn Dr. Frederic Reitling er, wurde von Seite der österreichisch-ungarischen Botschaft zu Paris das Recht zuerkannt, den Titel eines Advocaten des österreichisch-ungarischen Generalconsulats zu Paris zu führen. London. Mr. Claude de Momefiore hat sich erboten, das Lccrorar für Talmud an der Universität von Cambridge, welches gegenwärtig von Mr. S. Schechler versehen wird, in eine Professur umzuwandeln und zu diesem Ende all.ährlich 250 L. St. solange beizusteuern, als Mr. Schechrer diese Stelle einumum. Das Professorencollegium empfahl die Annahme des Anerbieten von Mr. de Momefiore und befürwortete die Errichtung einer Pro'enur 'ür Dalmtid mit einem jährlichen Stipcndimn von 3öo tz. uiuer der Voraussetzung, daß 250 L. St. zu diesem .-Zwecke durch Priv.rrschenkung oder Vermächlniß aufgebracht rverden. London. Tie Gesellschaft der Freunde russischer Freiheit (Society of Friends ot Russian Freedom) hielt jüngst ihre Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Dr. Spencer Watfon constatirte, daß nach kaum zweijährigem Bestände die Gesellschaft ihren Zweck, die öfsenttiche Meinung aus die russischen 'Zustände aufmerksam zu machen, erreicht habe und daß sie auch weiterhin bestrebt sein werde, die öffentliche Meinung gegen die russische Regierung in Bewegung zu setzen, um dieselbe zur Einleitung von Reformen in Rußland zu veranlassen. Ferner bat die Gesellschaft auch Einiges beigetragen, um Erilirten zur Flucht zu verhelfen und hat für das Unterkommen der Flüchtlinge Sorg c getragen. Das Organ der Gesellschaft „Free Russia“, welches allmonatlich erscheint, wird vom I. Jänner 1892 auch in deutscher Sprache heraus.zegeben werden. Bei dem billigen Preise desselben unb bei dem großen Interesse welches man gegenwärtig den russischen Verhältnissen entgegenbringt, wird dieses Blatt wohl auch in deutschen Kreisen weile Verbreitung finden. London. Die englischen Blätter melden einen schönen Zug von Parnell. Als der Antisemitismus in seiner Partei in Cork sich fühlbar machte, widcrsetzte sich Parnell demselben mit aller Pracht. Als im März 1888 John Srnrou ihm bemerkte, daß die Handelskammer in Cork in beleidigenden Ausdrücken über die Israeliten sich geäußert, rclegraphirte Parnell augenblicklich an den Bürgermeister. Dieser beeilte sich in einem Briefe an die „Dimes" jede Feindseligkeit den Jsraliteir gegenüber in Abrede zu stellen. Constanlinopel. Dalziels Telegramm berichtet aus Eonstantinopel unter dem 2. December: Ein fürchterlich e s F e u e r brach v e r g a n g e n e N a ch t i n A i d i n i n Klein-Asien aus. Das ganze jüdische Viertel wurde zerstört; zweihundert Häuser und zwei Synagogen sind abgebrannt, acht Personen kamen in den Flamm e n um und eine große Anzahl von Einwohnern trugen mehr oder w en i - g er schlv ere Verletzungen davon. New-Hork. Die Wahl des jüdischen Richters Simon Rosenfeld aus Albany in die Generalschast der Advocaten New-Porks ist ein neuer Beweis dafür, daß jeder hier z u irgend einer hohen Stelltmg gelangte Jude ein Mann war, «^er sich wegen seiner Religion nie zu entschuldigen suchte, auch "iE sich schämte, seinen Glauben öffentlich zu bekennen. In jü eschen Angelegenheiten spielte Herr Rosenfetd eine hervorraöende Rolle. Er gehörte zum Gemeindevorstand, war regelmäßiger Delegirter, bei den Beraihungen des jüdisch-amerikanischen Gemeindebundes rc. Er war stets ein ebenso guter Jude, wie guter Bürger. Oesterrrichischr Wochenschrift