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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-12-11 · 49 (11.12.1891) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
49 (11.12.1891)
Date
1891-12-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 911 Nr. 49 Vesterreichische Wochenschrift. erhob, die dann von der Staats a n w a l t s ch a f t als Offizialklage behandelt wurde, ivie dies auf höhere Anweisung hin seit einiger Zeit in Hessen bezüglich aller Klageil mit antisemitischem Beigeschmack der Fall ist. Trotz des Leugnens des Angeklagten wurde derselbe durch die Aussage des Lindheimer für überführt erachtet und in eine Geldstrafe von 15 Mk. genomnien; dem Beleidigten wurde überdies das Publicationsrecht zugebilligt. Nom. In der Liste der von Sr. Majestät dem Könige ueueruauuten Senatoren befindet sich unser Glaubeilsgenosse der berühmte Philantrop Salvatorc O t t o l e n g h i. Derselbe ist ein Sproß jener altberuhmten Familie, ivelche zahlreicheil jüdischen Gemeinden gelehrte Rabbinen unb dem Staate verdienstvolle Beamte gegeben. Derselben Familie gehört u. A. auch General Otto len gh i in Neapel an, einer der gefeiertsten Ofsiciere der italienischen Armee, welcher iviederholt von Sr. Majestät denl Könige ausgezeichnet wurde. Derselbe ist ein treuer Sohn unseres Bekenntnisses, besucht sehr häufig die Synagoge, so auch am jüngsten Jom Kipur, wo er, in ben Tallis gehüllt, zur Thora gerufen wurde uild für jüdisch wohlthätige Zwecke namhafte Summen spendete. Auch der neugewählte Senator — irreil lvir ilicht, ein Better des Generals — ist glaubeilsbegeisterter Jude, gibt auch jüdischeil Wohlthätigkeitsnilstalten^ sehr häufig Beweise seiner Hochherzigkeit lmd steht an der Spitze der jüdischen Gemeinde. Außer Signor Ottolenghi gehören dem Senat iioch fernere sieben Glaubensgenossen an. Argentinien. Mit der Leitung der Ailsiedllulg russischer Juden in Argentinien ist, ivie uns aus Paris berichtet ivird, seiteils der voiil Baron Hirsch gegrülldeten internationaleil Eolonisations-Gesellfchast ein in Buenos-Ayres ivühnhaster Ungar, Dr. Adolf Roth, definitiv betraut ivorden. Dr. Adolf Roth, ein ungarischer Advoeat (ehemals auch in Zombar als königlicher Gerichtsnotär augestellt), ist in ungarischen Juristenkreisen auch durch rechtsliterarische Arbeiteil bekannt und fuilgirte derselbe vor Jahren auch als Schriftführer bei Jlll'istentagen. Bor mehreren Jahren entschloß sich Dr. Roth zur Auswanderung nach Südamerika, ivoselbst er anfangs in Rosario, später in der Hauptstadt Argentiniens 311 ansehnlicher Stellung gelangte. Dr. Roth verläßt nunmehr seine Stellung als argentinischer Bertreter lind Procurist einer französischen Getreide-Exportfinna, um, bcm Ruse des Baron Hirsch folgend, sich ausschließlich dem Eolimisationswerke zu ividmen. Vcnmjscktes Wie»l. < r r a u 11 n g e u v 0 111 6. J cc c nt b e r 1801. t 'siit icinpd bei iiuivtcit Stabt würben getraut: .\>err iVopolb ^lnit 'BuuIUii Margaretha Koyu; Herr Wilhelm «Budberg mit A-ranleitt Bertha Stegen; Herr Tr. Ludwig Pollak mit Fräulein Sidouie Actink. .;Im. öcc Veopolbirabt: Herr Carl ^riutberger mit Äräulciu Hai"" Na,cher;^Herru Johann Bellak mit Frt. Lina Kolm. Am 8. December wurden getraut: Im Tempel der iniieru Stadt: Herr Carl Fischer niit^ Irl. Malvine Skutetzkp; Herr Cmauuel Bettelheim mit Frl. Marie Stößt; Herr Adolf Lvwit mit Frl. Rosa Fleifchmauu; Herr Jacob Deutsch mit Frl. Rosalte Clbett. Wien, l Iu g end go 11 e s d i e nst». Der Bethaus Borstaud der israelitischen buttusgemeinde hat fotgeude Zuschrift bezüglich des Jugeudgouesdienstes au die Herren Camoren und Lehrer gerichtet. Wir theileu Ihnen nachstehende Beschlüsse des Custus-Borstandes, den Ingendgottesdienst betreffend, zttr genauen Ausführung und Daruachachtung mit: I. Betreffend die Frage der regeren Betheiligung der Jugend au diesem Go11osdieu st. ul Das Lied „Die Thora Gottes" soll während Hagbah und Gelila gesungen werden; b\ Der gesangliche Theil soll wenig, aber anregend und wirksam, daher vollklingeud sein; es soll also wie beim Gemeinde-Gottesdienste — auch da ein hinreichender Chor Mitwirken. L> Der tsantor soll laut und deutlich die ersten Worte eines jeden Gebetes so markiren, daß die Schuljugend dadurch aufmerksam gemacht wird, soll weiters die Gebete vorwiegend recitiren tmb mir die Keduscha und einzelne markante gesangliche Stellen fingen und sott die Schuljugend an diesem Gesänge theilnehmen. Das Aschre in mit der Jugettd in Form von Respousorien zu recitiren. II. Betreffend den Ingendgottesdienst an den Festtagena> Beim Nachinittagsgottesdienste findet «wenn nicht Sabbath ist) keine Borlesung der Thora statt; es empfiehlt sich ein Lied oder ein Gebet, vielleicht Psalm 117 zu singen. In Bezug auf die Disciplin bei dem Jugendgottesdienst haben wir nachstehende Beschlüsse gefaßt, die wir ersuchen freundlichtt zur Kenutniß zu nehmen. III. Disciplin beim I irgendgott esdienst e. a) Der Borstand wünscht eine Beaufsichtigung der Jugend, wenn möglich einen Lehrer; b> in den großen Bethhäuseru Delegirung vou Bolksschullchrern zur Unterstützung der Beaufsichtigung; e) Beseitigung von Differenzen im Notemerte des Gebetbuches und dem des Chores: d) ein zweistimmiger Choral vor und nach der Erhörte und ein Wechsel des Chorals an den Festtagen. Als Centralorgan für den Ingendgottesdienst hat der Borstand die Herren Religions-Schnlinspector Dr. G. Wolf. Religionslehrer Dr. Jonathan Wolf und Jul. Braun ernannt. Wien, 18. November 1891. Hochachtungsvoll der Bethausvorstand der ifrael. Cultusgemeinde: I. Br and eis. Dr. Gustav Ko hu. Wien. Die israelitischen Cultttsgemeinden in Nieder Testerreich, zusammeiigestellt nach dem nieder-osterr. Amtskalender für das Jahr 1892.' Ai Israelilis ch e dn Ult 2g eilt ei nöe iit Wien I umfaßt die Israeliten der ganzen Gemeinde Wien.! Kanzlei I. Seitenstetiengasse 4. l Somit ist die Bereinigung der Wiener Cultusgemeinde mit den Gemein den der Bororte amtlich bereits constatirt. > B) Israelitische Cultnsgemeinden außer Wien.! Dieselben treten mit 1. Jänner 1892 in Wirksamkeit, t 1. Amstetten, umfaßt die politischen Bezirke Amstetten und Scheibbs, sowie die Stadt Weidhofen a. d. rhapa. 2. Baden, umfaßt vom polit. Bezirke Baden die Ger.-Bezirke Baden und Pottenstein, dann vom Ger. Bezirke Mödling die Gemeinde Gumpoldskirchen. 8. Floridsdorf, umfaßt die polit. Bezirke Groß-Cnzersdorf und Korneuburg. 4. Horn, umfaßt die polit. Bezirke Horn und Dberhollabrnnn. 5. Krems, umfaßt den polit. Bezirk Krems. 6. Mistelbach, umfaßt den polit. Bezirk Mistelbach. 7. Mödling, umfaßt vom polit. Bezirk Baden, den Ger. Bezirk Mödling > erd. C. G. Gumpoldskirchen >, vom polit. Bezirk Hietzing den Ger.-Bezirk Hietzing (erd. die zu Wien gehörigen Theile desselben), dann den polit. Bezirk Bruck a. d. Leitha. 8. Neunkircheu, umfaßt den polit. Bezirk Neunkirchen. 9. Wr. Neustadt, umfaßt die Stadt Wr. Neustadt und den polit. Landbez. Wr. Neustadt. 10. St. Pölten, umfaßt den polit. Bezirk St. Pölten, dann den polit. Bez. Hietzing, die Ger.-Bez. Neulengbach und Burkersdorf. 11. iitüit, umfaßt den polit. Bezirk Dulln. 12. Waidhofen a. d. Dhapa umfaßt die polit. Bez. Waidhofeu a. d. Fhana und Zwettl. Wien. Aus der 'Versammlung des christlich-socialen Vereines, ivelche am 4. d. Ri. im lßllerleiir's Eafino zu Ehren des famosen Berliner Rector Ahlrvardt stallfand, meldete^ man der „'.U. Fr. Pr." nachstehenden Zwischenfall: „An dem Bische, an welchem Mechaniker Schneider saß. bemerkte man eilten Herrn, der ivie es schien, heimlich Rotizen machte. Mail lvilterte tu ihm einen liberalen Journalisten, und unlcr drohendem Geschrei ivurde seine Entfernung aus dem Saale verlangt. Da erhob sich Herr Schiteider, bat die aufgeregte Versammlung, sich zll berllhigelt, ilnd versicherte, er könne dafür einstehen, daß der Herr kein Journalist sei; derselbe sei vielmehr ein böhmischer Abgeordneter, aber er (Schneider) sei nicht ermächtigt, dessen Namen zu nennen, Nach dieser Aufklärung legte sich der Tumult und Herr Ahlrvardt konnte seinen Vortrag fortsetzen." Wien. Das Vergani'sche Lügenblatt meldet an^ Slanistau, daß unter den dortigen Einwohnern eine groß^ Aufregung gegen die jüdischen Vrotbäcker herrscht. Dieser Batst' wurde von der städtischen Polizei an allen Gassen ausgetrommelt, „daß man bei den jüdischen Vrotbäckern kein Brot mehr kaufen soll, rveil sie l die Bäcker) zur Erzeugung des Brotes das Wasser benützen, mir ivelchem die jüdischen Leichen geivaschcn iverden." Dieser Fall ivurde von einem Schustergesellcn und zwei Ammen unter Schivur beim (Berichte bestätigt, infolgedessen ivurden alle jüdischen Brotbäckereien behördlich geschlossen; die gerichtliche Untersuchung ist ungeordnet ivorden."

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