Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 49 (11.12.1891)
- Date
- 1891-12-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr, 49 Orsterreichifche Wochenschrift. Seite 909 Bestimmung zu zu führen, lese ich dessen Fragmente, und eigenlhümlich spielt mir die Frau immer Bruchstücke der „Korrespondenz des Blattes" in die Hand. 3o lese ich heute: „Antisemit" Sch osta l und Härtlein Jg. Bittmann sind Juden" — schrecklich! — Es sind dies die zwei Wnscheconscctions - Geschäfte bei denen die Creme der Gesellschaft ihre Einkäufe besorgt, worunter gewiß wenig Leser des Deutschen Volksblattes. Trotz aller Verhetzung ist es diesen Stänkerern bis nun nicht gelungen, den soliden jüdischen Firmen irgend welchen Schaden zuzufügen, der intelligente Käufer sieht was er kauft, und fragt nicht nach der Confession des Producenten — und vielleicht verrathe ich Herrn Bergani ein Geheimnis;, wenn ich wahrheitsgemäß berichte, daß jene gewissen Vorstadtkausteute, welche gelegentlich der letzten Gemeinderathswahlen, als Eandidaten von der antisemitischen Partei proelamirt wurden, die theuersten Käufer in hiesigen j ü d i s ch e n Großhandlungshänsern sind. Ue'berhaupt wäre es' an der Zeit, den antisemitischen Schwindel nicht gar so tragisch zu nehmen. Die in den raucherfüllten Spelunken, zumxten Male abgedroschenen Phrasen, scheinen denn doch ihrer Abgeschmacktheit halber, nicht mehr zu verfangen, und wenn zur bevorstehenden Weihnachtszeit nach langer Stagnation b r a v e christliche und a n ft ä n d i g e j ü d i sch e Firmen ein gutes Weihnachtsgeschäft machen und sich jene ärgern werden, die am 'Niedergänge Wiens Freude haben, so kann ich und alle Andern es ihnen nur wünschen. M, E. B. Wien. lDentschnationale antisemitische S t i f t n n g.) Unter dieser Spitzmarke bringt das Wiener antisemitische Hetzorgan „Deutsches Volksblatt" eine Notiz, derzufolge der verstorbene Wiener Notar Dr. Joses L ö w ein Capital von 29.000 fl. mit der Bestimmung testirt hätte, daß die Zinsen nur an solche absolvirte Schüler des Nikolsburger Gymnasiums verliehen werden dürfen, die von r e i n ch r i stl i ch e n Eltern abstammen. I u d e n oder n a ch w e i s b a r v o n jüdischen Boreltern, wenn auch nur einseitig abstammende Christen, seien vom Genüsse des Stipendiums ausgeschlossen. In erster Reihe wären die „ehelichen" Kinder der Geschwister des tzegators genußüerechtigt. Das „D. V." bemerkt hiezu.' dem hochherzigen edlen Stifter Dr. Joses Löw, den hochbegabten Mann in einer hervonagenden socialen Stellung müssen wahrscheinlich zwingende, auf reiche, in seiner vielseitigen Praris gesammelte Erfahrungen beruhende Gründe, geleitet haben, als er durch eine solche Stiftung den Anfang machte,' armen Studenten unseres Volksthums auf die Beine zu helfen, um hiedurch der allgemc inen Verj udu n g des A d v o c a t e n - und A e r z t e st a n d e s, soweit es eben möglich ist zu steuern. — Das „Deutsche Volksblatt" scheint wieder einmal „aufgesessen" zu sein. Dr. Joses Löw stammt nämlich von Juden ab, ebenso wie sein antisemitischer Vorkämpfer Porzer, Schwarz u. s. w. Die Einzelnheiten des Stistsbriefes erweisen sich daher als apokriph, denn man kann nicht annehmen, daß der Stifter die Angehörigen seiner eigenen Familie vom Stistungsgenusse auszuschließen die Absicht hatte. Dem antisemitischen Hetzorgan dürfte es wohl nur darunr zu thun gewesen sein, Stimnrung zu machen und zur Nachahmung anzueisern. Jüdischen Wohlthätern sei dies aber eine Mahnung, bei Errichtung von Stiftungen ans die eigenen Glaubensgenossen in erster Linie bedacht zu nehmen, da sich leider die bedauerliche Gepflogenheit heransgebildet har, von Juden ohne Unterschied der Eonfession gestiftete Stipendien — nur Nichtjnden zu verleihen, während eine große Zahl jüdischer Studenten die größten Entbehrungen erdulden niüssen. .-Wien. Von verläßlicher Seite wird uns geschrieben: Am 7. Oetober l. I. brachte das „Deutsche Volksblatt" eine Depesche aus Bremen, wo ein Antisemitenrag unter Betheiligung von vielen tausend Personen stattsand. Es wurden Reden unb Toaste gesprochen und zmu Schluß dankte Herr I. Vetter, Bruder des bekannten Wiener Buchhändlers Cornelius Vetter, im Namender Wiener Antisemiten und versprach immer Een und fest zur Sache zu halten. — So weit hätte diese Depesche kein weiteres Interesse, wohl aber die Charakteristik dieses Herrn Josef Vetter. Derselbe war Steuermann bei der Handelsmarine und verließ wegen geschwächter Gesundheit diese Stelle, kam ohne Mittel nach Wien und wurde monatelang von dem Scontisten eines hiesigen Bankgeschäftes ansgehalten, da er kaum zu essen hatte und Noth litt. Alls Fürbitte des ihn unterstützenden Scontisten wurde es versucht, Vetter als Diener in die Länderbank zu bringen, in das „verjudete" Institut und hatte Vetter nichts gegen jüdische Protection einzulvenden gehabt. Er hat Schreiber dieses erklärt, daß er seinen Bruder Eornelius jeden Moment vor Gericht citiren könne, daß Eornelius mit seinem Treiben Schmach über die Familie gebracht und daß er ihn verabscheue. Er schrieb an's Tagblatt und an den Baron Hirsch und erbot sich, praktische Winke über Argentinien zu geben, das er bereiste und wollte bei der Anslvanderung der Juden behilflich sein. Er nahm durch Vermittlung Schreiber dieses eine Stelle als Rübenadjunkt in der Zuckerfabrik der Juden A. Popper u. Eo. I in Horowitz an, trat aber nicht ein, weil seine Angehörigen ihm endlich die Mittel bewilligten in Bremen die nautische Prüstmg zu machen und dann beim „jüdischen öfterr. Lloyd" als Eavitän zu dienen. Das ist Herr Josef Vetter, der in der „Drahtnachricht" des „D. V." Stimmführer der Wiener Antisemiten ist und so sehen die Säulen-Stützen des Antisemitismus überhaupt aus. Wien. CAus einem V e h r b u ch der englische n Sprache.) Wir erhalten folgende Mirrheilung: Herr Pros. Dr. Eo. C oll ins ist Lehrer der englischen Sprache am Wiener Dfsiciersröchter-Institute und Herausgeber eines „Lehrbuches für den Schul- und Privatunterricht". Dieses Buch erscheint, nachdem die beiden ersten Auflagen bereits vergriffen, im Monate Februar 1692 iu dritter Auflage. Dieser Umstand bewegt nn?, darauf aufmerksam zu machen, das; sich aus Seile 267 des genannten Lehrbuches folgender genau wiedergegebener Dialog befindet: „Pardon, Fräulein Emilie, wenn ich störe; darf ich fragen, worüber Sie so heiter lachen? Ist etwas Besonderes auf der Straße vorgefallen L" „Ich lache blos über die Art und Weife, in der jene beiden (two) ältlichen Juden, welche eben über die Straße gehen, sich zu übervoll heilen suchen. Der Eine ist vielleicht der Eomp.lgnon des Anderen. Sie sprechen gewiß über das Kaufen und Verkaufen von Waren. Wir können um denken, um was es sich in ihrer Conversation handelt. Ich sehe schon seil anderthalb Stunden zu, und es unterhält mich wirklich, zu sehen, mit was für einer wichtigen Miene sie über so alltägliche Sachen schwätzen. Sie scheinen Beide (bothj dem Grundsätze zu folgen, das; ein Mensch keine (Gelegenheit vorübergehen taffen dürfe, ohne den größtmöglichen 'Nutzen daraus zu gewinnen. Das ist schließlich die praktische Philosophie ihres Volkes; damit werden sie reicher von Monat zu Monat, während die idealen Eharaklere unter uns von Jahr zu Jahr ärmer werden." „Sie' mögen Recht haben, aber ivas sehe ich —" w rc. Es ist bemerkenswerth, daß unter den Schülern, welchen der genannte Herr Professor Unterricht erlheilt, viele jüdischer Eonfeffion find, und Herr Professor E oll ins unterläßt es selbstverständlich nicht, sein Buch auch au solche nichlideale Charaktere zil verkaufen und ihnen gegen Honorar Unterricht zu ertheilen. Vielleicht genügen diese Zeiten, um den citirten Dialog aus Collins neuem Buche verschwinden zu lassen. Wien. t Antisemitische Rohheit.) Wir werden um die Veröffentlichung der nachstehenden empörenden Thalsache ersucht, die uns ein glaubwürdiger Mann, ein Wiener, der gestern in Kagran weilte, verbürgt: Samstag, den 5. d. M. abends kam ein armer, polnischer Jude in das Gemeinde-Wirthshaus in .Kagran und bar — natürlich gegen Bezahlung — um ein Nachtlager. Der arme Deufel wollte sich im Gastzimmer ein wenig ansruhen, aber das sollte ihm schlecht bekoutmen. Die Bierablräger finge» an, ihn in der abscheulichsten Weise zu verhöhnen, rmd nicht genug