Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 49 (11.12.1891)
- Date
- 1891-12-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Orsterreichifche Wochenschrift. Nr. 49 Seite 908 „Auf mehrere Anfragen von Parteigenossen sehen sich die Unterzeichneten zu der C-rklärung genötbigt, dass sie für Herrn Recwr Ahlmardt's Verhalten und öffentliches Auftreten keine Verantwortung übernehmen und daß Herr Nector Ahlivardt keiner der beiden Parteiorganisationen angehört. Berlin, den 29. November 1691. Der Vorstand der antisemitischen Volkspartei; Im Aufträge: £r. Böcke l. Der Vorstand der deutsch-socialen Partei: Im Aufträge: Lieb ermann von Sonnenberg." Wenn inan bedenkt, daß jene antisemitischen Iraerionen die den Alimemen-Böckel und den wortbrüchigen Sonnenberg, welchen ganz ausnehmende Schmutzereien doeumenrarisch nachgewiesen worden, als ihre Führer dulden, aus Schamgefühl der Oeffentlichkeir gegenüber sich genöthigt sehen, bcn famosen Ahlwardt von ihren Rockschößen abzuschütteln und ihm die Gemeinschaft zu kündigen, so wird "man sich einen ziemlichen Begriff zu machen vermögen, in welcher Art dieser Herr Ahlwardr sich öffentlich bloßgestcllr hat, und mir welchen Qualitäten dieser sonderbare Charakter ausgestattet sein muß. „Cinen Charakter von verlumpten Qualitäten" vindicirte eine rcichsdeulsches antisemitisches Blarr diesem Helden. Darum also, und bloß darum haben die Wiener Antisemiten ihn mit Cnrhusia^- mus begrüßt. Nicht von seinen Reden, bloß von Thülen sind sie begeistert; darum bejubelten sie ihn. noch bevor er ein Wort sprach. Cs ist ein Mann, der sich neben Herur Schneider und neben Herrn Berg ani sehen lassen darf, ohne von denselben in den Schatten gestellt zu werden. Der Antisemitismus braucht solche Subjecl'e als Führer Männer vo>t reinlichem Charakter und reinlichen Grundsätzen sind für die polnische Lumperei unbrauchbar. Jede Partei wählt aus ihrer Mine die besten Mitglieder und stellt ne an die Spüze, in ihren Führern sieht sich die Partei personiffcirt, in dem Charakter der Parteiführer spiegelt sich der Charakter der gesammtcn Partei. Der Ciiipsaug, welchen Hern Ahlwardt bei den Wiener Antisemiten gefunden, muß uns Juden mit großer Genuglbuuug erfüllen. Der Anticorruptionift Dr. Lueger wäre ganz und garunverständlich und unvollständig, wenn nicht Herr Ahlwardt ihm an der Seite stünde. Arm in Arm mit Herrn Ahlwardt fiictcj Herr Dr. Lueger erst ein volles und vollendetes Bild von einer nicht blos beitem, sondern auch ernsteit Symbolik. Wir rarhen den Wiener Antisemiten Herrn Ahlwardt gleich in Wien zu behalten: sic und wir könnten ihn gut brauchen. Nachschrift. Die Berliner Antisemitenführer werden nicht müde, Herrn Ahlwardt Steckbriefe nachzusenden. Die neueste 'Nummer des BöckclIchen „Reichsherold" enthält unter der Rubrik „Partcinachr'.chten" solgende Bekanntmachung: „Auf mehrere Anfragen von Parteigenossen sehen sich die Unterzeichneten zu der Crklärung genöthigt, daß sie sür Herrn Rector Ahl wardt's Verhalten und öffentliches Auftreten keine Verantwortung übernehmen und daß Herr Rector Ahlwardt keiner der beiden Parteiorganisationen angehört. Berlin, 26. November 1891. Der Vorstand der Deutsch-socialen Partei. I. A.: lieber mann v. Sonnen berg. Der Vorstand der antisemitischeil Volkspartei. I. A.: Dr. B ö ck e l. Herr Ahlwardt wird aber nach wie vor in Wien als Heros gefeiert. Besten Appetit! Wien (Oesterr. Israel.-Union.). Samstag den 12. December d. I. Abends 7 Uhr findet in der Restauration Meier H. Kristianpoler, Mariahilf, Schmalzhofgasse 0 eine Vereins-Versammlung statt. Tages-Ordnung: 1. Mittheitungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Dr. Sigismund Fesst er: Die Mystik in der Architektur. 3. Vortrag des Herrn Gemeinderathes Franz Franenberger: Communale Angelegenheiten. 4. Anträge und Interpellationen. Unter dem Vorsitze deS Vicepräfidenten Dr. Marcus Spitzer hielt dieser Verein Samstag, den 5. December in der Restauration Khuner, I. Schottenring eine Vereinsversammlung ab, in weicher Gemeinderath Dr. Heinrich Triebs ung einen Vortrag über: „Die Regulierung der Valuta" hielt. G.-R. Dr. Friedjung wies auf oie 'Nochwendigkeit hin, die Staatsuoten metallisch zu fundiren, um die steten CurSschwankungcn der- Valuta hintanzuhalten: diesen Versuch habe eine ganze Reihe hervorragender Finanzminister jedoch vergebens unleruommen, bis Dr. Wecke rle der ungarische Finanzminister die Frage wieder in Fluß brachte und hierin seitens seines cisleirhanischen Coltegen Dr. S teinbach vollste Uttterslützung fand. Beide Finanzminister finden auch die wärmste Unterstützung des .ttriegsministers, ivelcher von der Anschauung ausgeht, daß d-e t^oldvsrrüthe in ernsten Fällen als KriegSschatz benutzt werden können. Dr. Friedj-ung schloß seine Rede ivie folgt: „Rur lueim der Frieden erhalteil bleibt, kann das Werk der Valitta-Regulirung dtlrchgesührt werden. So sind denn eigentlich die Minister Kalnoky, Caprivi und Rudini die Schutzengel der großen ivirthschastlicheu Reform. So sind die Interessen der österreichischen Bolkswirchschast mit der Friedenspolitik des Dreibundes verknüpft". llteicher Beifall lohnte den Redner, welcher von allen Seiten beglückwünscht wurde. R'ach Herr» Dr. Friedjung sprach Herr D evide, ein anerkannter Pädagoge und Menschenfreund über „Das Recht der Crziehung", ein Thema, welches der Vortragende vor einigen Jahren in Form einer Broschüre herausgab, und sich damit die Anerkennung der heoorragendsten politischen Persönlichkeiten verschaffte. Der Vortragende kam in seiner Rede aus das tiefste Glend zu sprechen, ivelches in den Hütten der armen Leute herrsche, und dem es allein zuzuschreiben sei, wenn sich aus den Kindern dieser Aermsten, welche sich tagelang allein überlassen sind, nach und nach ein sittlich verkommenes Proletariat h rausbilde. Diesem Prolelariare kamt man es nicht übel nehmen, wenn sie den verlockenden Versprechlmgen und Hetzreden der sich Volksbeglücker nennenden Aposteln zum Opfer fallen. Redner tritt mit großer Wärme für die staatliche Errichtung von .<iindergärten ein, und .veriveist aus die Stadt Brünn, welche. 15 Kindergärten, in welchen zusammen 2300 Kinder erzogen werden, erhält. Die Ausführungen dieses 'Vortragenden fanden reichen Beifall, stellenweise enthufiasmirte Aufnahme, und wurde auch dieser Redner beglückwünscht. .In diesem Vortrage sprach zunächst Herr Jacob Iaiteles, ivelcher das traurige Vcrhältniß beklagt, welches unter Schülern verschiedener Consessionen herrsche, wenn ein Theil dieser Schüler sich aus solchen Kinderrr rekrurirt, deren sittliche Verkommenheit der letzte Redner in so düsteren Farben schilderte. Herr Iaiteles verspricht sich keine Bessert mg dieser Zustände, so lar^e Staat und Commune antisemitischen Lehrern nicht das Handiverk legen. In gleichem Sinne sprach Abg. Dr. Bloch. Nachdem noch Herr C. Neust adtl in wirkungsvoller Weise zur Valmenregulirung gesprochen, schloß der Vorsitzende gegen Mitternacht die Versammlung. M. Wien. Ich bin wohl kein Leser des Deutschen Volksblattes, aber ab und zu, wenn es mir die gewisse alte Frau in eineyl öffentlichen, nein nicht öffentlichen, sondern abgesonderten Locale im zerschnittenen Zustande reicht, um es seiner eigentlichen