Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 49 (11.12.1891)
- Date
- 1891-12-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020897--00941-3024956- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
'irr. 49 Orsterreichi^chr Wochenschrift. Seite 903 5 van fr cid) pirbern hette wollen, wollt ick) groß guott und gelt, wie mir dan angeboteir ivorden erlangt haben. Was aber Ew. kays. Art. tmd dem Hans Oesterreich Nachtail daraus entstanden war, das haben Eiv. kays. Art. ans hohem Verstandt wol p erwegen." So gab es also am Anfang des sechzehnten Jahrhunderts außer den drei Großmächten Oesterreich, Frankreich und Türkei nock) eine vierte — das Haus Fugger, mächtiger als die Rothschilds der-Gegenwart, und die hod)geborenen und durchlauchtigen Wähler waren nicht uneigennütziger als die Fünfguldenmänner unserer Tage. M. L. Noch oiilttml de Lagarde gegen Zun;. t-on S. H am m kr sch tu g. Motto: Tray s*Sby '2 Nahum 3. 19. Von den „Mittheilungen" des Herrn de lagarde in (Böttingen ist vor Kurzem der IV. Band erschienen. Daß and) hier wieder, um mit Pros. Siegfried in Jena zu spredzen, „Menschenopfer fallen, unerhört", wird Niemanden Wunder nehmen, der die früheren Schriften desselben Verfassers kennt. Von Luther bis hinab zu dem jüngsten Licentiaten der Theologie, von Bismarck bis hinab zu dem kleinsten Bibliotheks- Verwalter, vom großen deutschen Reiche*) bis hinab zur unbedeutendsten gelehrten Gesellschaft findet Nichts und Niemand Gnade vor seinen Augen, ist Alles, was besteht, werth, daß es zu Grunde geht. Daß dabei auch Juden und Judenthum ihre Hiebe abbekommen, ist selbstverständlich. Inzwischen ist der größte Theil der Amvürfe dieses Mal nicht geeignet, ernst genommen zu werden. Was das Judenthum betrifft, so darf es sich, vom Standpunkte des christlichen Theologen aus gesehen, nicht darüber beklagen, wenn es mit dem Protestantismus aus eine Linie gestellt und ebenso wie dieser, als Religion gewissermaßen für unbrauchbar erklärt wird. Aber auch die persönlichen Anzapfungen sind keiner besonderen Beachtung werth. Wenn Herr de Lagarde, so oft er Graetz nennt/**) nicht vergißt, den Vornamen „Hirsch" vorzusetzen, so bleibe cs ihm überlassen, dieses Hinabsteigen auf das Niveau der niedrigsten antisemitischen Hetzblätter mit seinem Range — er nennt sich in einer früheren Schrift, und gewiß nicht unberechtigt, „ein Mann meines Ranges" — in Einklang zu bringen. Der Erzählung des Josephus, daß die Feldherren Alexanders erstaunt gewesen seien über die Hochachtung, die dieser dem jüdischen hohen Priester erwiesen habe, fügt er die Worte hinzu (Seite 360): „Das Reptil" (Reptil-Josephus) „war dumm,- als es diese Thatsache den Nachkomnren überlieferte; sie zeugt von der Hochachtung, die für die Landsleute des Schriftstellers gehegt wurde". Minder befangene Leute werden gewiß das Erstaunen ganz einfach mit dem Umstande erklären, daß der gewaltige Eroberer einem Manne, dem weder äußere Macht, noch kriegerische Thaten ein Relief gaben, solche Verehrung entgegengebracht habe und werden es zugeben, daß dieses Erstaunen wohl dasselbe gewesen wäre, wenn fiel) die Sache in einem anderen asiatischen Tempel und vor einem anderen, in gleich würdevoller Weise auftretenden Priester zugetragen hätte. Mer anders spiegelt sich in diesem Kopse die Welt ab! „Das aus Lehm und Eisen zusammengeselzte jüdisch-deutsche Reich" wird es S. 422 genannt. **) Doch keine Regel ohne Ausnahme! Herr Dr. Güdcmann, mit dem ich über diese geschmackvolle Namensgebung gesprochen hatte, schreib: mir soeben: „Beim Lesen des IV. B. der „Mirtheilnngen" des Herrn de Lagarde bemerke ich, daß im Gegensätze zu S. 22, wo, wie bei ihm üblich, Graetz mit dem Vornamen „Hirsch" (i'ntt Heinrich > benannt ist, auf Z. 18 dieser Vorname weggeblieben ist. Es ist also Herrn de Lagarde etwas Menschliches passirt. Wer hätte dies für möglich gehalten? Die Erzählung, daß die Juden iid) bei Alerander für ihre Glaubensbrüder in Babylonien und Medien verwendet haben, und daß jener den Freiwilligen, die ihm folgten, die Beibehaltung ihrer väterlichen Bräuche zugcsichert habe, wird von der überaus geistreickien Bemerkung begleitet: „Es werden die Vorfahren des Sir Moses Montefiore, des Hector Ercmieux lwd des Earl of Beaeonsfield geredet haben", und es seien den Freiwilligeil „geschächkele Rationeil und Sabbatbheiligung" zugesichert ivorden"! Aber wenn es such nur um diese und ähnliche Trivialitäteil handelte, dann würde gewiß die jüdische Presse es nicht für nothrveildig halten, irgendlvie darauf zu reagiren. Auch lvürde es lveilig Helsen, wenn man Herrn de Lagarde, der wiederum erklärt, daß der Talmud „ivenigstens zum Theile für göttliche Offenbarung" anzllfehen sei, belehren wollte, daß selbst der orthodoxeste Fude mir feile Halachas, welche altsdrücklich als rebn erklärt werden — und cs sind ihrer nur sehr wenige — auf göttlichen Ursprung zurücksührt. Er beachtet keine Widerlegung unb bleibt bei seinem Dictum. Also wie gesagt, das Alles könnte, unbeachtet verhallen, wenn de Lagarde sich nicht euvas viel Schlimmeres hätte zu Schulden kommen lassen, das ilicht ungestraft bleiben darr. Tas Pamphlet „Lipman Jiinz und seine Verehrer", mit welchem Herr de Lagarde im Jabre 1886 über den kurz zuvor Heimgegangenen Junz hergefallen ist, ist wohl allen, die such für jüdische Angelegenhcitcn iutcrejsiicn, noch in frischer Erinnerung, und ebenso die nach jeder Richtung hin ausgezeichnete, und bei aller Mäßigung geradezu vernichtende Abfertigung, die ihm Herr Professor Kaufmann zu Theil werden ließ. Auf diese letztere antwortete Herr de Lagarde mit einer neuen Schmähschrift, die au Gehässigkeit und willkürlichen Behauptungen Alles übertraf, was dieser Gelehrte bisher geleistet hatte. Id) selbst rejumirte dann in Nr. 48 und 49 der allg. Leitung des Judenthums vom Jahre 1887 den Verlauf des Streites und zeigte, daß Herr de Lagarde nichts von dem widerlegt habe, rvas Karl'mann ihm vorgeworfen hatte. Auf eine Stelle dieses Refumüs, das mit dem Gegenstände meines heutigen Artikels zusanrmenhängt, nruß ich hier zurückkommen. De Lagarde hatte in den erwähnten Pamphleten constant „Lipmann" Junz geschrieben. Darauf sagte ich: „Junz hat dort, ivo er seinen Namen ganz unterschrieb, sich Leopold, und sonst überall Dr. Junz genannt: rvas berechtigt Herrn de Lagarde, den Namen eines Verstorbenen nach seinem Belieben umzuändcrn? Wenn ich das einfach unanständig nenne, so habe ich dafür Herrn de Lagarde gegenüber einen ausgezeichneten Gewährsmann — ihn selbst. Er kann es nämlich noch heute ilicht verschmerzen, daß im Register der Heidelberger Jahrbücher vom Jahre 1866 sein Name mit veränderter Orthographie „Oe la Garde" geschrieben ist, wirft in feiner soeben erschienenen Schrift „Purim" S. 4 dem Verfasser vor, daß er „„von den a l l e r e l e m e n t a r st e n R e g e l n guter Sitte k e i n e A h n u n g Hab e" " rrnd führt dann fort: „ „M a n s ch r eibt de n N amen eines Mannes s o, w i e dieser selb ft i h n schreib t."" Gilt das blos „Ariern" gegenüber?" Diese letztere Frage erledigt de Lagarde dadurch, daß er aud) jetzt noch, souverän wie immer, consequent „Lipmann" Zunz schreibt. 'Run ist Lipmann ein genau so guter deutscher 'Name, wie Leopold, und der Verfasser der Schrift „'Namen der Juden" wäre gerviß der letzte gewesen, der sich des ersteren geschämt hätte, rveil er jetzt nur noch bei Juden gebräuchlich ist. Aber in einem Artikel L. Geigers in dessm „ Zeitschrift f. d. Geschichte der Juden" V. 233 firtben wir einen Brief von Rieß an Junz citirt, demzufolge man verrnuthen kann, wann rrnd aus welcher Veranlassung Junz den 'Icamen Leopold angenommen hat. Es heißt dort: „Ick) beeile mich, Ihnen die eben erhaltene angenehme Nachricht zu ertheilen, daß Ihnen das Staatsbürgerrecht zugesichert ist. Sie werden den Antrag erhalten zu bestimmen, wessen Namen Sie annehmen wollen." Wie dem auch sei, der Weg von Lipmann zu Leopold ist in keinem Falle weiter als der von Böttcher zu de Lagarde.