Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 49 (11.12.1891)
- Date
- 1891-12-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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nsasssKSR ¥ Seite 902 Nach dem Tode Kaiser Maximilians I. im Jahre 1519 entbramrte ein sehr lebhafter Kampf um die Kaiserkrone, (vs standen sich nicht etwa wie Lei Wahlen in Wien „Fudcnliberale" und „Vereinigte Christen" gegenüber, sondern der katholische König Carl von Spanien und der allerchristlichste König Franz von Frankreich. Aber ihr Hauptkampfmiktel war — das mobile Capital, das aber damals nicht in den Händen von Semiten, sondern in denen der Fugger, Welser, (%oUcvotti und ihresgleichen war. König Franz schickte zur Agitation für seine Wahl den Admiral Bonnivet, den Präsidenten Gaillard, den Marschall Fleuranges und den Hcnir von Orval nach Deutschland. Sic führten in ledernen Säcken wohlverwahrt 400.000 L Haler mit, also mobiles Capital im vollen Sinne des Wortes, und waren von 400 Reitern cscorrirt. Außerdem hatten sie noch Wechsel aus die Fugger in Augsburg mir, welche aber von diesen nicht lionorirt wurden. Cs geschah dies vielleicht, weil sie dem französischen Könige keinen Credit geben wollten, dem Kaiser Carl gegenüber stellte aber Herr Jacob Ftlgger — er umv, trotzdem er Jacob hieß, kein Jude — diesspäter als patriotische r hat dar. Wie dem auch gewesen sein mag, von den 400.000 Thalern kam nichts nach Frankreich zurück, und Franz wurde doch nrcht gewählt. Wir wissen leider nicht wie das Geld in Deutschland vertheilt wurde, aber um so besser sind wir über die Vertheilung der Gelder König Karls unterrichtet. Seine Gesandten, an deren Spitze der Bischof von Gurk, nachmals Kardinal, Mathäus Lang stand; brachten mit in Wechseln und Creditbriefen aus I. Fugger . . 543.585 fl. 34 kr. in Wechseln auf Anton Welser sel. & Cie. 143.333 „ 20 „ in Wechsel aus Phil. Gualterotti Leneäiet de fornary und Lorenzo de Vivaldis je 55.000 sl. 165.000 „ — „ Zusammen 851.918 sl. 54 kr. Und diese ganze Summe von achthundertzwciundfünfziglausend Goldgulden, welche nach jetzigen Wcrthverhältnissen wohl zehn Millionen Gulden entspricht, wurde für die Wahl ausgegeben. Die Liste der Betheiligtcn nimmt nicht weniger als zwanzig Seiten Gtoßoctav ein und ich kann daher hier nur die Har.ptposten anführen; doch gebe ich die Versicherung, daß ich keine jüdischen Namen weggelassen habe, da solche in dem Verzeichniß gar nicht Vorkommen. Auch mufj ich etwas aussprechen was mir der für den Humor in der Politik empfängliche Leser vielleicht nicht glauben wird. Ich bedauere nämlich sehr, daß Prinz Liechtenstein nicht schon im sechzehnten Jahrhundert gelebt hat. Wie schön wäre cs gewesen, wenn er als Kampe gegen Corruption und mobiles Kapital dieses Verzeichnis; im deutschen Reichstage vorgelcsen hätte, begleitet von den Zurufen seiner wackern Antisemiten, z. B. Seine Cm inen; Karl Erzbischof und Kurfürst von Mainz erhielt in drei Raten zusammen 103.000 Gulden (Ruse aus der äußersten Linken: Holz!) Graf zu Stollberg gemeldten Kardinals Hofmeister 3000 Gulden. (Dr. Geßmann: Tramway) Kunig Ludivig von Behem für Seiner k. Gnaden Leute. (Rufe aus der äußersten Linken: Die von der böhmischen Eisenbahngcsellschaft) u. s. w. — Doch mir steht leider kein solcher Chor zu Gebote und ich muß mich mit der Fortsetzung des trockenen Verzeichnisses 'Nr. 49 begnügen. Von den „Leuten des Königs von Beheim und Ungarn", der eine Stimme bei der Wahl hatte, aber noch minderjährig ivar, weshalb die böhmischen Stände für ihn stimmten, erhielten unter Anderen der böhmische Kanzler Sternberg 15.000, der Bischof von Fünfkirchen 5000, der Bischof von Waitzen 3 000 sl. u. s. w. Der Erzbischof Kurfürst von Köln erhielt 40.000, der von Trier 22.000 sl., die Brüder des von Köln 7000, der Vetter des von Trier 8000, der Kurfürst der Pfalz 115.000 und noch 24000 fl. für seine Rüstungen, Markgraf Casimir von Brandenburg 12.000, für Reisespesen 1500 und für Rüstungen 9220 Gulden. Der Kurfürst von Sachsen wollte für seine Person nichts annehmen, „nichts dester weniger so halt man ihme geben den halben Taill seiner Schulden, der sich läufst auf 32.000 Gulden;" seine Räthe und Diener erhielten 8100 fl. Ganz leer ging der Kurfürst Joachin^ von Brandenburg aus, da er fest zum König von Frankreich hielt, ja sich sogar einbildete, mit dessen Hilfe noch zum Kaiser gewählt werden zu können. An vierzig Grafen, Freiherrn, Ritter u. dgl. wurden in Posten von 9560 bis herab zu 40 zusammen 31.029 fl* gezahlt, darunter dem Grafen Philipp von Waldeck 149 st. „für ain Prautklaid für seinen Gemahel des Hcrtzogen von Clefs Tochter" \mb dem Grafen Georg von Würtembcrg 600 „zu sainer Underhaltung." Das Bürgerpack der Reichsstädte erhielt selbstverständlich nichts. Das interessanteste ist aber, daß man den durchlauchtigen Heraen nicht über den Weg traute. Die Fugger und die anderen Bankiers hatten den strengen Auftrag erhalten, die großen Summen „nitt hinausgeben bis das der obgemellt unser allergnädigster Herr zno Römischem König erwöllt und das Dccret der Clection von den Churfürsten darüber geförtigt und denselben Kunigklichen Comissarien zuo der selben K. Mt. Händen und Gewalt übergäben were. Alsdann sollten die Kaufleutt sebst sollich gros zugesagt Sunnne den Churfürsten und andern Partheyen überanttwörtten, bezallen unb ausrichten". So geschah es auch hernach. War es vielleicht um sich an den Bankiers zu rächen, daß die Kurfürsten in die WohKapitulation des Kaisers die Bestimmung hereinbrachten: „Wir sollen und wollen auch alle Gesellschafter unter den Kaufleuten abthuon, daß-weniglich und ein yedcr sollicher Gesellschaften halber unverhindert ftey gewerb Handel treyben müg"? Ein Historiker des achtzehnten Jahrhunderts benrerkt dazu „die Kaufleute die bisher mit ihrem Geld regiert". Also die „Herrschaft des mobilen Kapitals" in dem noch glanbcnseinheitlichcn Deutschland des Kaisers Max, in der Zeit der Blüthe deutschen Gewerbes! Und diese Kaufherren des sechzehnten Jahrhunders fühlten sich auch als mächtige Herren. Die Fugger erhielten für ihre Vorschüße außer den Zinsen noch eine Provision voir zwei Kreuzer vom Gulden, also 3'/g Prozent. Als cs aber mit der Rückzahlung nicht rasch genug ging, schrieb Herr Jakob Fugger im April 1523 ein Mahnschreiben an Kaiser Karl, in welchem es u. A. heißt: „Es ist auch wißentlich und ligt am tag, daß Ew. kays. Mt. die Römisch Cron außer mein nicht hette erlangen mögen, wie ich dann solches mit aller Ew. kays. Mt. Commissarien Handschriften anzeigcn kann. So Hab ich auch hierin mein aigen nutz nit angesehen; dann wo ich von dem Haus Oesterreich abstehen und Vrsterreichische Wochenschrift.