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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-12-11 · 49 (11.12.1891) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
49 (11.12.1891)
Date
1891-12-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Centralorgan für die gesammten Interesten des Iudenthums. AL« s VIII. Jahrga« a Men, 11. D-rewver 1891 S&o*? **• Ur. 49 Eigenthümer: Ueichsraths-Adgeordneter vr. Kloch ——- «inzelexeußNare 55 h. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 15 k. Man adonnirt bei allen PostsnstslLe» des In- und Luslandr«. A. k. Pofisparrassenamt Vlearirrgvrrkrhr Nr. 810.876. Nedartion u. Administration: Wien l. Aothrnthurmstraßr 8S. Inhalt: Leitartikel: Wahlkoüeu. -- Noä, einmal de Laaarde qegen ,Z»n:. — C'in Brief au-3 :ttuülaub. — reutüfk Humoriueu über den Antisemitismus. — Pariser Inden unter Vubunj XY.» — orr e spou d^n zen: Wie». O. 0. Vemberg, Berlin. Breslau, reipaez, ^.nen dach, Rom, Argentinien. — B'erini>ehtes: Wien, Brunn, E. l‘>. r. nnnn, H. G. B B-iüliai>. -Lnnacni. neivir. rrencsöxi- Bann, Berlin, Leipzig, Breslau, trlbing, Hamburg, Paris, London, t'ointamiuopel. Rem Bork. — (V.fii llfetou: Giu ,I> ennd'rhaftsbnnd mit Blut besiegelt. -- Briefkasten. Nochenkalender. — Gingesendet. — Inserate. Wahlkosten. In einer der letzten Sitzungen des Reichsraths hat teilte Durchlaucht Prinz Liechtenstein zum Beweise der Abstängigkeit der liberalen deutschen Deputirten von dem „mobilen Kapital" eine Liste der von „Großeapitalisien" zn Wahlziveckeit gespendeten Smlnnen vorgelesen. Daß er nur die Namen der jüdischen lind nicht auch die der christlichen Spender verlesen hat, geschah wohl nur aus — Vergeßlichkeit. Man weiß ja, daß der in das Kleingewerbe verliebte Fürst leider ein etwas schwaches Gedächtnis; hat, soll erdoch sogar an die confesfionelle Schule, einst sein Lieblingskind, vergessen haben. Doch dies ist Nebensache. Das Kapital, ob es'nun mobil oder immobil ist, hat keine Religion and dem frömmsten Juden ist ein unbeschnittener Drtcaten lieber als ein beschnittener-. Was bei der schönen Rede des Prinzen und den Aeußerrmgen und Zwischenrufen seiner Parteigenossen bei dieser.Gelegenheit am Interessantesten war, das ist die Taktik, mir der sie die Liberalen gewissermaßen als Erfinder der „Wahlkosten" und ihre Partei'als das unschuldige, durch das böse Beispiel verführte Kind darzufiellen bemüht waren. Gäbe es einen Besähif.u gsnachweis für Volksvertreter so gut wie für Schuster und Schneider — und ich nehme mir vor, sobald ich in den Reichsrath gewählt werde, einen darauf zielenden Antrag einzubringcn, wobei ich auf die Unterstützung des erlauchten Prinzen und aller Freunde des Zunftwesens rechne fl) — wäre also jeder Volksvertreter gezwungen; bevor ersich um ein Mandat bewirbt, ein gewisses Maß von Kennlnisjeu nachzuweisen, so würde er vor Allem eine Prüfung aus der politischen Geschichte abzulegen haben. Er würde dann auch wissen, daß Stimmenkauf, Agitation, Wahlkosten u. s. w. beinahe so alt sind, wie das Wählen überhaupt; ja, daß in der guten alten Zeit, zu der uns die „wahren Volksfreunde" > ') Ein Aieunb Wendel mir ein, das; dieser Rachweis durch das Vertrauen geliefert werde, welches die Wähler ihrem Kandidaten schenken. Die Wähler haben genug Verständniß, um die Fähigkeit des Eandidaten an Regierung und Gesetzgebung cheiluinchmen, richtig zu benrthcilew aber nicht, um die zur Anfenigung eines Stiefels erforderlichen Geistesgaben abschätzen zu können. lind Gesinnungsgenossen des prinzlicheu Volksvertreters so gern zurückführen möchten, in jener schönen Zeit, da es noch keine Judenknechte, sondern nur jüdische Kammer knechte gab, die Leibzott nüe das Vieh zahlen mußten, die Wahlcorruplion noch ärger war, als in der jetzigen bösen .Jeir des Eonjritutionalisuills. Und nicht btos bei der Wahl eines einfachen Depntirten spielte das Geld — man kannte damals ncd) nicht den schönen Aufdruck „mobiles Eapilat" — eine große Rolle. Seine Macht reichte viel höher hinaufi und ivenn Prinz Liechtenstein vor ein paar hundert Jahren gelebt und ein eben solcher Volksfreund, wie setzt gewesen wäre, so würde er gewiß geklagt haben, daß Könige, Kaiser und Fürsten vom mobilen Kapital abhängig sii d. Einem Manne von solcher Toleranz, wie er fie stets bezeigt, würde ja der Umstand, daß damals sowohl mobiles, als immobiles Capital durchaus in christlichen Händen war, gewiß ganz belanglos gewesen sein. Daß bei den polnischen Königswahlen das Geld die Hauptrolle spielte, wnchen selbst solche Deputirte wissen, denen die Einführung des-^efähigungsnachweises mir obligater Prüfung aus der Geschichte mdfl 'gerade angenehm wäre Sagt doch der bcrühmte Historiker Humei „Tie polnischen Edelleute halten nur deshalb am Wahlkönigthum fest, um die Krone dem Bestbieter zuschlagen zu können. Tie Krone ist fast der einzige Artikel, mit dem in diesem Lande Handel getrieben wird." Nicht viel besser ging es mitunter bei den Kaiserwahlen im heiligen römischen Reiche deutscher Nation zu, obwohl schon die goldene Bulle die Bestechungen verbot. Am Besten sind wir in dieser Beziehung über die Vorgänge bei der Wahl Kaiser Carl V. unterrichtet, da Herr B. Greift, Bibliothekar in Augsburg, im 34. Jahresberichte des historischen Kreisvereins im Regierungsbezirke von Schwaben und Neuburg (Augsburg,1869) die von ihm au; gefundene Rechnung des kaiserlichen Generaleinnehmer-s über die Wahlkostcn iWas Kavser Carolus dem Vten die Römisch königlich Wal cost im Jar 1520) veröfienllicht hat. Aris diesem Büchlein and aus anderen historischen Werken will ich nun stier Einiges über die Borgänge bei dieser Wahl mittheilen.

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