Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 48 (4.12.1891)
- Date
- 1891-12-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 892 Oesterreichifthe Wochrnfchrifi. Nr. 48 kein Anhänger der judenfeindlichen Partei sei? Diese letzteren griffen seine Bemerkungen verständnißinnig auf und so folgten nachstehende Zwischenrufe: V a s ch a t y: Oester-reich wird jüdisch' Schneider: Lauter Juden 1 — Nun eine Frage möchten wir noch an den Ruthenen Teliszewskr richten. Hat er nicht jüngst die durch alle Zeitungen laufende Meldung gelesen, daß von Rußland aus der Ruf ertönte, welch' schweren Schlag der Handel durch die Austreibung der jüdischen Zwischenhändler erlitt! A. K. Wien. Interessante russische Jude«. Die traurige Geschichte der Juden in Rußland erhält durch eine (Korrespondenz der „Franst. Ztg." eine interessante und sogar eines gewissen Humors nicht entbehrende Bereicherung. Man hat nämlich in Paris aus Anlaß der jüngsten Reise des russischen Ministers des Aeußeren, Herrn v. Giers, der Abstammung dieses Mannes nachgeforscht und will nun herausgefunden haben, daß Herr v. Giers, jüdischer Herkunft sei» und mit seinem wahren Namen Hirsch heiße, was die Russen Girsch aussprechen, da dieses arme Volk weder eine Verfassung und freiheilliche Institutionen, noch auch in seinem Alphabet ein „H" besitzt. Daß Herr v. Girsch-Hirsch unversälschre Semiten zu seinen Ahnen zählt, geht aus den in einem jüngst erschienenen Buche rLa Russie contemporaine* aus Seite 67 publicirten Mirtheilungcn des politischen Agenten der russischen Regierung und ehemaligen Intimus Katkow's, Herrn E. de Cr>on, hervor, welcher erzählt, daß Herr v. Giers der Sohn eines jüdischen Postmeisters in Radziwilow (bei Brody) sei. Bei dieser Gelegenheit wird auch die Abstammung des russischen Botschafters in Paris, Herrn v. Mo hrenheim, klargestellt, welcher gleichfalls das Enkelkind eines in Rußland eingewanderten galizischen Juden sein soll. — Von verläßlicher Seite wird uns mitgecheilt, daß die jüdische Abstammung des Herrn v. Mohrenheim der Thatsächlichkeir entspreche. Sein Großvater war ein jüdischer Arzt, der eine Zeit lang zu Anfang dieses Jahrhunderts auch in Wien gelebt hat. Etevr, 23. November. Im August 1876 lvüthete im Dorfe Hofti, Bezirk Moldautein in Böhmen ein großes Feuer, welches in den mit Stroh gedeckten Häusern größere Dimensionen annahm. Ich war in Kaladai (das ist eine halbe Stunde entfernt) und eilte, um beim Löschen des Feuers mit Hand anzulegen; während so gearbeitet wurde, verbreitete sich die Kunde, daß sich eine alte Ausgedingerin in einem breimendem Hause befinde und keinen Ausweg finde. Bon den vielen hunderten Menschen wagte sich niemand dem Weibe Hilfe zu bringen; da erbot sich der jüdische Zugssührer Sam. Fried, derzeit in Ste^i, ohne Rücksicht aus die Gefahr, nur der Stimme seines Herzens folgend, fie zu retten. Nachdem er die bewußtlose Frau aus dem brennenden Hause herausreichte, stürzte die Feuermauer sammt Theilen des Plafonds ein, wodurch er der größten Lebensgefahr ausgesetzt war. Durch die commissionellen Erhebungen ivurde auch seine Thar zu Protocoll genommen und wurde er anfangs 1877 von Sr. Majestät mit dem silbernen Bcrdienstkreuz dccorirt. Böhm. Leipa, den 1. Dccember 1891. Unsere Stadtgemeindcwahlen wurden mit dem gestrigen Tage beendet und war das Resultat derselben ein vorzügliches, indem die von dem Comite der allgem. deutsch-liberalen Partei ausgestellten Candidaten den vollständigen Sieg davontrugen. Bemerkenswerth ist bei diesem Wahlergebnis;, daß kein jüdischer Mitbürger sich an der gegen die Antillberalen in Scene gesetzten Agitation bethciligt und dieselben nur von chren ehemaligen Gesinnungsgenossen aus dem Felde geschlagen, wurden. Zwei der Hauptmatadoren, der Antisemiten, welche in dem bisherigen Gcmeinderathe Sitz unb Stimme hatten wurden, trotzdem sie alle Hebel in Bewegung brachten und in ausgiebigster Weise ugitirten, nicht inehr gewählt. Bon den jüdischen Bürgern sind nachstehende Herren als Stadtverordnete aus der Urne hcrvorgegangen: Die Fabrikanten Eduard A l l s ch u l und Eduard Bloch, ferner Kaufmanit Isidor Gans und Bankier Leopold H a m m c r s ch l a g. Buczacz, Die hiesige Stiftungsschule des Herrn Baron Hirsch entwickelt sich in erft-eulicher Weise. Am 18. ütovember e. hatte der k. k. Bezirkshauptmann Herr Emil Schutt die Güte, im Bereifte mit den Herreit Br. Morjan Blazowski und Dr. Krzyz ano w ski, Bice-Präses der Bezirksvertretung und dem Herrn Bezirksschulinspector Joses Pfau die Schule zu inspiciren. Der Herr Bezirkshauptmann, ein Mann von fortschrittlicher und menschenffeundlicher Gesinnung, war erfreut und äußerte sich sehr befriedigt über di? musterhafte Ordnung, welche er in der Schule vorgefundm hat, ebenso hielten die anderen Herren mit der Anerkennung nicht zurück über die zu Tage getretenen Fortschritte der Kinder in der kurzen Zeit seit dem Bestehen der Schule. Der Herr Bezirkshauptmann richtete eine Ansprache in jedent Schulzintiner und versicherte der Stiftungsschule seine thätigste Förderung und Unterstützung und sprach den Lehrern seine Zufriedenheit aus. Die Herren besichtigten sodann die Kanzlei des Lokal-- comiteä, das Schulgebäude, das Conferenzzimmer der Lehrer und sandelt die Einrichtung zur vollen Zufriedenheit. 'Namentlich inachte es eilten ivohlthuenden Eindruck, daß in der Stiftungsschule neben jüdischen Kindem auch eine Anzahl ch r ist l i ch er Schüler Aufnahme gcfttnden, welche von der Stiftung unentgeltlich Bücher u n b Kleidung erhalten. Das Cllratorium dieser Stiftung hat itämlich für die Bekleidung hiesiger armer Schulkinder über Anregung des Hei-rn Bürgermeisters S>terit und des Schulemnittzs 400 st. bewilligt und wird hoffentlich der Herr Bezirksrath von Buczacz ebenfalls einen Betrag beisteuern. Zur Erhaltung der Schule hat die Ltadtrepräsentanz eine jährliche Subvention von 500 fl. und der israelitische Cultusvorstand eine solche von 200 st. bewilligt. Der Herr Bürgermeister Bernh. Ster n, tvelcher sich um das Zustandekommen der Schule große Mühe gegeben hat, erwarb sich unstreitige Verdienste um die Bevölkerung. Außerdem sind 30 arme Kinder in Handwerkstätten zur Ausbildung gegeben worden, zwei derselben traten in die k. k. Gewerbeschule zu Lemberg ein. So erweist sich die galizische Stiftung des Herrn Baron Hirsch als überaris segeltsreich und bei uns tvird sc in Name täglich gepriesen als der eines Erlösers aus zweifachem Elend, wie Noch und Unwissenheit. _ Tabor. Das namenlose Unglück, welches über ur.fere Dtanimes- und Glaubensgenossen in Rußland hcrangcbrochcn, ist von solch großer Dimension, daß zu dessen Linderung ein Eollectivschritt sämmtlicher jüdischer Gemeinden Europas in deren Mitte Herz und Gefühl für das Leid Anderer nicht abgeftorbeit, erforderlich ist. Diesen Umstand wohl begreiferrd, wurde seitens der ungarisch-orthodoxen Rabbiner der Beschluß gefaßt, Herrn L ip sch itz Oberrabbiner in Ab. Szäntü und Herrn Willmann, Großindustrieller tn Nagyvürod, Männer von klangvollen Namen als Delegirtc nach Deutschland, Holland, Frankreich und England abzusenden, um mit den dortigen hervorragenden Vertretern der Judenheit Rath zu pflegen, wie und aus welche Weise die Gemeinden zu einein derartigeff Schritt zu bringen wären und aus welche Art derselbe am erfolgreichsten in Scene gesetzt werden könnte. Den wackern Mäfmern, die bereits am 13. d. M. die große Reise antreten werden, rufen wir Angesichts des selbstlosen, wahrhaft Humanitären Vorhabens ein Glück auf zu. Radautz, 22. November 1891. Bei der jüngst im Abgeordnetenhause statlgcfundenen Debatte über die zu errichtenden Aerztekamfncrn haben die antisemitischeif Hetzapostel Lueger, Schneider und wie sie alle noch heißen, mit Freude die Gelegenheit ergriffen, um über die jüdischen Aerzte herzufallen, sie aus die niedrigste Art und Weise zu beschimpfen und denselben jedes Humanitätsgefühl abzusprechen. —■ _ Ich will Ihnen nun hiennit ein Beispiel, wie diese, den jüdischen Aerzten abgesprochene Tugend, von den arischen Aerzten ausgeübt wird, anführen, welches — wie ich glaube — diesen Herren nicht zur besonderen Ehre und Befriedigung gereichen kann und an den Pranger gestellt 51t werden verdient. — Vor wenigen Tagen wurde der hiesige, durch seine antrsemitischen Gesinnungen allgemein bekannte Arzt Dr. K - - - r in das wenige Meilen von Radautz gelegene Dorf „Kloster- Putna" zu einem Patienten berufen, wofür ihm ein genügendes Honorar vorausbezahlt wurde. Zufälliger Weise aber, ^9 auch im nächsten Haufe bei einem armen, im schwersten Kampfe um das tägliche Brot ringenden Manne — derselbe muß nämlich mit einem monatlichen Gehalte von 12 fl. sage: ZwöU