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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-12-04 · 48 (4.12.1891) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
48 (4.12.1891)
Date
1891-12-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 48 Orstrrrrirhilrtzr WochrnsrhrifL Seite 891 Land als vorgekommen — ebenso bei Wenden und Zigeunern (j. Weinhold a. a. O. S. 473) — nachgewiesene Sitte besaß auch' das vedische Alterthum" (Zimmer a. a. O. S. 327 ff.). Aus alledem glaube ich, geht zur Genüge hervor, wie wenig berechtigt Alsberg ist, von einem sittlichen Einfluß der Jndogermanen in alter Zeit aus die Israeliten zu reden. Und ebenso falsch ist es, wenn er gestützt auf I. Lippert, am Schluß seiner Abhandlung behauptet, daß die Juden in Folge ihrer ethnischen Mischungen mit indogermanischen Elementen in vorchristlicher Zeit gewisse religiöse Vorstellungen von den Jndogermanen übernommen hatten, wie sie sich namentlich in der Uebereinstimmung zeige des vedischen Gottes Dama, des Todesgottes und „der Gottesgestalt des Abraham, wie sie die Juden der vorjaphistischen Religion (d. h. in jener Religion, welche dem ausschließlichen Jehovahdienst bei den Juden vorausgegangen ist) gekannt haben." „Ebenso", fährt Alsberg fort, „wie Pama als ,Fürst der- Seligen) als der ,König der Heimgegangenen und Versammler der Menschen im Jenseits bezeichnet wird, ebenso finden wir auch in der Bibel die Vorstellung daß die Nachkommen Abrahams in seinen Schoß zurückkehren" Es ist merkwürdig, wie weit verbreitet die Ansicht selbst unter Gelehrten ist, die Juden glauben nach dem Tode in Abrahams Schoß zurückzukehren, während in Wahrheit diese Vorstellung ihnen völlig fremd ist und auch stets gewesen ist. Im alten Testament nämlich findet sich die genannte Vorstellung nirgends auch nur angedeu et. „Genau genommen", sagt Stade, Geschichte Israels I, S. 416, B.rlin 1887, „treffen wir im alten Israel zwei Vorstellungskr-eise, welche jedoch lctzlich beide von derselben Grundvoraussetzung ausgehen, daß der Gestorbene ini Grabe weiter lcbt: einen älteren, nur in Rudimenten erhaltenen, wonach die Seele des Abgeschiedenen mit dem Leichname im Grabe oder in der 'Nähe desselben weiter lebt, und einen jüngeren, tu welchem sich die Gräber zu einem idealen Gesammtgrabe der Menschheit, zu einem Reich dcr abgeschiedenen Seelen, die Scheol genannt, erweitert haben." „Für gewöhnlich", heißt es ^ebenda S. 240 ff.), „denkt sich der alte Israelit alle Entschlafenen in der Schock, einen tief unter der Erde liegendem Reiche, dem tiefsten aller Orte, und dem Himmel direct entgegengesetzt, einem Lande tiefster Finsterniß, vereinigt." „Der alte Israelit wird zu den Seinen oder seinen Geschlechtsgenossen versammelt", ein Euphemismus, der die Vereinigung der Todten mit den übrigen im Familiengrabe beigesetzten Gliedern der Familien bedeute. Man sieht also, von einer Rückkehr zu oder nur einem Aufenthalt in Abrahams Schoß ist nirgends die Rede. Wenn bei den Indern Pama das Haupt der Seligen ist, der Versammler der Völker genannt wird, der sehnsüchtigt nach dem Menschen verlangt und den Gestorbenen einen Ruheort (avasana) voll Annehmlichkeiten bietet (vgl. Zimmer a. n. O. S. 415), so wird in den alttestamentlichen Schriften derartiges weder von Abraham noch von einem anderen Erzvater erwähnt. Nur im Neuen Testamente heißt es einmal in der bekannten Stelle vom armen Lazarus, Luk. XVI, 22: „Es geschah aber, daß der Anne starb und von den Engeln in Abrahams Schoß (eigentlich „in den Busen Abrahams") getragen ward," und der neueste Commentator zu dieser Stelle, Weiß (in Meyers kritischexegetisch. Handbuch über das Evangelium Markus und Lukas, S. 502, Göttingen 1878 bemerkt: „auch bei den Rabbiner gangbare sinnliche Vorstellung besonderer Glückseligkeit im Paradiese," was aber nie und nimmer der Fall ist. In der ganzen ratmudischen Literatur, die einen Zeitraum von mehr als 600 Jahren umspannt, findet sich ein einziges Mal in Traktat Ouiduschin 72 a. b. folgendes: . . „Ehe Rabbi, ein berühmter Talmudlehrer, starb sprach er: . . Es ist in Babel ein Ort Akra de Agma, wo Ada bar Ahaba ist; heute sitzt er in Abrahams Schoß." Was dieser Ausdruck aber bedeuten soll, ist selbst den Komentatoren zu dieser Stelle aus dem 11. und 12. Jahrhundert v. Ehr. ganz unklar. Dueinen behaupten, der Ausdruck wolle sagen, er sei gestorben, die anderen, er sei u den Bund Abrahams ausgenommen, d. ü. er sei beschnitten worden. Zweifellos ist jene Redeweise nur metaphorisch zu verstehen, indem sie nichts weiter besagt, als daß Adar bar Ahaba sich im Paradiese befinde, wo auch Vater Abraham sei. In der That heißt es im 4. Makkabäerbuch XIH, 16: „werden uns (die Märtyrer) Abraham, Isaak uiib Jakob in ihren Schoß ausnehmen," d. h. wie Grimm (Kgs. exegetisches Handbuch zu den Apokryphen des alten Testaments, IV. S. 347, Leipzig 1857) ganz richtig zu dieser Stelle bemerkt, „werden uns ihrer innigsten Gemeinschaft würdigen in der Art, daß wir an ihrer Seligkeit Theil bekommen." Es soll aber nicht geleugnet werden, daß über das Leben nach dem Tode sinnliche Vorstellungen genug in der nachbiblischen Literatur der Juden, im Talmud und noch weit mehr in der Kabbala, die bei den damaligen Juden im Schwünge waren, überliefert worden sind, welche größtentheils „gar nicht dem jüdischen Boden entsprungen, sondern aus dem Vorstellungskreise anderer Völker herübergekommen" sind (s. Wünsche, Die Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode nach Apokryphen, Talmud und Kirchenvätern in den Jahrbüchern für protestantische Theologie, Jahrgang VI. S. 355 ff. und 459 ff., Leipzig 1880): daß aber Abraham auch nur im entferntesten eine ähnliche Rolle im Jenseits spiele, wie Pama bei den Indern, oder daß er die Verstorbenen in seinem Schoße aufnehme, ist nie und nimmer jüdischer Glaube gewesen. Wien. (Aus der Zeit des Bankbruches) aus Berlin liegen folgende Meldungen vor; Der Inhaber der Firma Ed. W an g em a n n & C o., Atelier für Theaterdecorationen und Baudecorationsmalerei, Eduard Wangemann, Kurfürsten-Allee Nr. 39, ist verhaftet worden. Er suchte in den Zeitungen nach Annoncen, durch welche Personen Geld zu erhalten oder Häuser und Geschäfte zu verkaufen wünschten, und trat mit solchen Leuten als Selbstdarleiher respectve als Selbstkäufer in Verbindung, obgleich er keilt Vermögen besitzt. Bei einer Haussuchung, welche einer Anzeige zufolge in der Wohnung des W. durch die Criminalpolizei vorgenommen wurde, fand nian eine Menge von Schriftstücken vor, welche auf höher gestellte Personen Bezug haben rrnd entweder einen ertheilten Auftrag oder einen Geschäftsabschluß enthalten. Die Namensumerschriften aus diesen Papieren, welche bei neuen Kunden den Glauben erwecken sollten, daß W. mit der vornehmen Welt in Verbindung stehe, scheinen gefälscht zu sein. Wien. (N o ch m a l s Herr T e l i s; e w s k i.) Der k. k. Notar Eonstantin Teliszewski, Vertreter der Landgemeinden Sambor, Staremiasto, Turka u. s. w. im Abgeordnetenhause, hat bekanntlich in einer Sitzling des Parlamentes sein Mißfallen über die große Anzahl jüdischer Unteroffiziere in den galizischen Regimentern ausgesprochen. Damals erhob sich der Connationale T e li s z e w s k i's der Abgeordnete P o dlaszecki, um diesen gegen den Vorwurf des Antisemitismus in Schutz zu nehmen. Allein man spielt nicht ungestraft mit dem Feuer. Herr- Teliszewski sollte dies in einer der letzten Sitzungen des Abgeordnetenhauses erfahren. Zuerst waren ihm die jüdischen Unteroffiziere »licht recht und dann find ihm wieder die jüdischen Unterhändler ein Dorn im Auge. In der Sitzung vom 27. Nov. ergriff der genannte Abgeordnete beim Kapitel „Salz" das Wort und sagte, daß „alle Salzanweisungen in Händen der Geschäftsleute sich befinden, die durchgehends Lauter Jllden sind. Ich bin weit davoir entfernt, für einen Anhänger der Antisemiten zu gellen aber ich constatire nur wahrheitsgemäß, daß mit diesem Geschäfte sich nur ausnahmslos die Israeliten befassen." Was nützte Herrn Teliszewski die feierliche Verwahrung, daß er

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