Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 48 (4.12.1891)
- Date
- 1891-12-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 48 Sesterreichifche Wochenschrift. Seite 887 Lehrer hat er durch Gewissenhaftigkeit, Eifer und Theilnahme einen großen Kreis von Schülern sich zu Dank verpflichtet. Als Mensch wußte er durch die Lauterkeit seines Charakters, wie durch seine Bescheidenheit die Werthschätzung Aller die mit ihn: in Berührung kamen, sich zu erringen und zu erhalten. Obwohl er ein „Junggeselle" geblieben ist, so war er doch seinem Wesen und seiner Neigung nach ein Freund des Familienlebens. Er stand denn auch mit den besten Familien Berlins in freundschaftlicher Verbindung und die zahlreiche Betheiligung an seinem Leichenbegängnisse legte Zeugniß davon ab, daß er nichts von der Griesgrämlichkeit des alten Hagestolzen an sich hatte, sondern die Menschen liebte ilnd sich ihnen werth zu machen und zu erhalten verstand. Diese Eigenschaft der Geselligkeit und des Familiensinnes hat sein Leben trotz der Ehelosigkeit freundlich gestaltet und ihm bis an sein Ende, das ihn leider schon im Alter von 58 Jahren erreichte, jugendfrischen Humor, jugendliche Heiterkeit, Genußfähigkeit und Phantasie bewahrt. Wer ihn zum ersten Male sah, konnte nicht glauben, daß seine Vorliebe der hebräischen Poesie galt, und wußte noch weniger diese Thatsache sich zu erklären. Wer ihn aber näher kennen lernte, begriff bald, daß sein kindlicher Sinn und die Reinheit seines Empfindens, die selbst ein Stück Poesie in seinem Leben bildeten, ihn vorzugsweise für die Innigkeit der hebräischen Dichtung empfänglich machen mußten. Aus seiner kindlichen Seele erwuchs auch die Gabe der Freundschaft, die ihm, wie Wenigen, zu Theil geworden war. Er lebte mit und in seinen Freunden, selbstlos hingegeben an diejenigen, die ihm theuer waren, verwachsen mit ihren freundlichen und widrigen Geschicken. Leider war es mir durch unaufschiebbare Amtsgeschäfte unmöglich gemacht, ihm, wie man sagt, die letzte Ehre zu erweisen. Er hätte gewiß diesen Ausdruck abgelehnt, denn er wollte von Ehren und Aufmerksamkeiten nie etwas wissen. Aber den Dank für seine aufopfernde, liebevolle, langjährige Freundschaft hätte ich mir nicht wehren lassen. Möge er ihm mit diesen Zeilen gezollt sein! Wien, 30. November 1891. . Dr. Dt. G ü d e m a n n. Die Raffenmifchung im Iudenkhum. Von Dr. I. B a b a d. Schluß. „Das ganze heutige Finnland," 'führt Virchow aus, „ist überwiegend blond und zwar hochblond. Erft in Lappland beginnt das Dunkel. Gegen den Ural hin kommen wiederum brünnette filmische Stämme. Aber die eigentlichen Finnen sind blond. Auch die Letten sind blond, die Slaven sind im Norden und Osten noch heutigestags und sind vielleicht alle blond gewesen . . . Wenn man erwägt, daß jene nach der gewöhnlichen Ansicht der mongolischen oder gelben Rasse angehören, muß man einigermaßen zweifelhaft darüber werden, in dem Blonden ein ausschließliches Vorrecht der arischen Raffe oder gar der Germanen zu sehen." Wie Topinard, ein Schüler Brocas, in seiner „Anthropologie," deutsch von Neuhaus, Leipzig 1888 (S. 450) zeigt, besteht die jetzige baskischr Rasse, die entschieden nicht zum indogermanischen Volke gehört, ebenfalls aus einem blonden und einem braunen Element. Ja, selbst in anderen Welttheilen außer in Europa ist der blonde Typus mit seinen drei Merkmalen, den blonden Haaren, den blauen Augen und der rosigen bis blutrothen Haut nachweisbar. „Es gibt Blonde unter den Miaotse im südöstlichen China, in Stämmen, die für die Urbewohner des himmlischen Reiches gelten." Unter den Osseten, Abassen und Suanen am Südabhang des Kaukasus finden sich Individuen mit blondem Haar, weissem Teint und blauen Augen (s. Topinard a. a. O. S. 451). Daß der blonde Typus in Nordafrika vorkommt, steht ebenso wissenschaftlich fest. So sagt der bekannte Botaniker Paul Aschersoa in seinem Reisebericht über „die Bewahrer der kleinen Oase in der libyschen Wüste" (Zeitschrift für Ethnologie VlH, 1876, S. 348); „Eine sehr auffallende Erscheinung ... ist das verhältnismäßige häufige Vorkommen von blondhaarigen und blauäugigen Menschen, eine Erscheinung, die mich in besonderem Maße interessiren mußte, weil ich selbst ein ausgezeichnetes Beispiel von Pigmentmangel in einer sonst schwarzhaarigen und dunkeläugigen Rasse' abgebe. Ich bin von jüdischer Abstammung, und alle übrigen Mitglieder meiner Familie, mit Ausnahme meines älteren Bruders, haben wenigstens dunkles Haar, während allerdings sowohl in der Familie meines Vaters, als in der der Mutter schon seit mehreren Generationen helle Augen vorgekommen sind. Ich habe dieselbe Kombination, wie sie an meinem Bruder und mir beobachtet werden kann, die blonden Haare und die blauen Augen .. mehrfach in dieser Oase wiedergefunden, und zwar an Kindern sowohl, wie an Erwachsenen. Es wurdmir gesagt, daß es Familien gäbe, die, solange man zurücke denken könne, blond und mit blauen, lichtscheuen Augen versehen sind." Ja. selbst in Eentralafrika, im Lande der Monbuttu, hat Schweinfurth häufig helles oder röthliches Haar gefunden (s. Topinard a. a. O. S. 452). Es kann uns daher nicht wunder nehmen, wenn der bekannte Ethnolog und Sprachforscher Tomaschek, einer so gewaltigen Uebertreibung der Hypothese von der ursprünglichen Blondheit der Arier gegenüber, wie sie sich bei „Porsche, Die Arier, Jena 1878, findet, der überall da, wo sich Blonde finden, und zwar nicht blos bei Germanen, Kelten, Slaven und Finnen, sondern auch bei den Tuaregs der Sahara und Guanchos der kanarischen Inseln, bei den alten Serern und einer Reihe von Völkern, die vom Baikalsee bis zum Aral saßen, überall da Arier wittert, die alle aus den Rokitnosümpfen am Pripet herstammen, wenn dem gegenüber Tomaschek (Zeitschr. für die österreichischen Gymnasien, Jahrg. XXIX, 1878, S. 860) behauptet: „Wir unsererseits fassen die Blondheit, den Mangel an Farbstoff in Haut, Haar und Auge als eine Abnormität im menschlichen Typrrs auf, die sich auf mehreren voneinander weit entlegenen Gebieten der Erde unter geeigneten klimatischen Verhältnissen und unter gewissen Lebensbedingungen, die noch näher erforscht werden müßen im Lauf der Zeiten ausbitden konnte, ohne daß damit ein besonders inniger Zusammenhang aller blonden Stämme in Rasse und Descendenz sich aussprechen mußte. Der Satz Linnes: „nimiiim ne crede colon" gilt auch für den Menschen; namentlich die Farbe der Augen kann in geringstem Grade Anspruch darauf machen, einen Rassencharakter darzustellen. Eine hellere bis zum reinsten Weiß fortschreitende Färbung der Haut konnte sich aus der gelben Färbung, wie sie dem meines Erachtens ursprünglichen Menschentypus, der mongolischen Rasse, eigen ist, in allmählicher Entwickelung und Variirung geradeso herausbilden, wie nach der anderen Seite die dunklere Färbung der südlichen Stämme. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn wir unter Türken und Mandzus blonde Stämme antreffen sollten — werden uns aber hüten, irgend einen besonders innigen ethnologischen Zusammenhang dieser Blonden mit den arischen Blonden anzunehmen." Aber nicht minder unrichtig ist es, meiner Ansicht nach, den blonden Typus als Abnormität zu bezeichnen, wie es Tomaschek thut, da nach übereinstimmender Ansicht aller namhafter Anthropologen bei fast allen menschlichen Rassen sich beide Typen, der dunkle, wie der blonde, finden; daß der erstere aber unter der gesammten Menschheit der vorwiegendere ist, soll freilich nicht in Abrede gestellt werden. Und in der That sind verschiedene Hypothesen über die Entstehung der Unterschiede vorgebracht worden. Schon der alte Hippokrates meinte (Hippocr., ed. Littre, B. II, p. 86 ff:), daß, „diejenigen, die tiefer liegende, wiesenreiche und heiße Gegenden bewohnen, mehr warme als kalte Winde und warmes Trinkwasser haben, nicht groß und schlank, sondern breit, fleischig und schwarzhaarig, und mehr dunkel als hell sind, dagegen diejenigen, die dürre, trockene, wasserlose Gegenden bewohnen, in denen der Uebergang in den Jahreszeiten ein jäher ist, mager, muskulös, mehr blond als dunkel sind", d. h. mit anderen Worten, daß die äußere Umgebung des Menschen, „die physikalisch-geographische Provinz," wie Bastian sie nennt, auf seinen physischen Habitus vor großem Einfluß fei; eine