Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 47 (27.11.1891)
- Date
- 1891-11-27
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 876 Orstrrrrlchlsche Wvchrnschrist Nr. 47 empfangen und sprach sich derselbe sowohl über die Fabrikseinrichtungen als auch über die Fabrikate belobend aus. Nachod, 18. November 1891. (Cultusgemeindew ahl.) Am 15. d. M. wurden die Wahlen in den Cultusvorstand vorgenommen. Gewählt wurden folgende Herren; Jsak Mautner, Moriz Schur, Jonas Lewith, Dr. L. Bauer, Moriz Sommernitz, Ignaz E. Lederer, Jac. Sommernitz, Jgn. Lederer, Max Gold schmid, Otto Wilhelm W i n t e r n i tz und Ludwig Kafka. Die Constituirung des Vorstandes findet ehestens statt. Raab, 20. November. Fürstprimas Vaßary ist gestern Abends aus Budapest hier eingelangt und wurde seitens der gesammten Bevölkerung mit aufrichtiger und innigster Begeisterung empfangen. Als bezeichnend für die einfache Gesinnung des Kirchenfürsten mag erwähnt werden, daß derselbe iin hiesigen Benedikttnerstift sein attes bescheidenes Quartier bezog, welches er als Gymnasialdirektor jahrelang bewohnte und die glänzenden Deputationen in diesen Räumen empfing. Unter den Deputationen erschienen auch die Vertteter der hiesigen jüdischen Religionsgemeinde unter Führung des Rabbiners Dr. Fischer. Der Fürstpnmas wartete gar nicht ab, bis der Redner seine Ansprache hielt, sondern eilte der Abordnung mit den Worten entgegen: Es freut mich sehr, daß Sie mich mit Ihrem Erscheinen beehren; ich bitte Sie," sagte der Primas, „lieben wir uns auch von heute ab weiter." Hierauf betonte Oberrabbiner Fischer, daß unter den vielen glänzenden Deputationen diese bescheidene Grrippe nicht fchlen wollte. Jung und Alt in der jüdischen Gemeinde spricht mit Stolz und Verehrung von den erhabenen Tugenden des Primas, denn so wie die glänzende und hohe kirchliche Stellung einen mächtigen Lichtstrahl aussendet, so wirft wieder die unvergleichliche Menschenliebe und der weise Gerechtigkeitssinn Vaßary's einen Prachtschimmer auf jenen Stuhl, den zu besteigen chn ein gütiger Gott auserkoren, jener Gott, den die ganze zivilisirte Menschheit gleichmäßig anbetet. Redner empfiehtt seine Glaubensgenossen dem Wohlwollen des Kirchenfürsten. Der Primas sagte unter Anderm: „Meines Wohlwollens können Alle sich vergewissert halten. Der Redner hat das Wort,, Stolz" berührt — sagte B a ß a r y — wenn mein Herz die Empfindung des Stolzes überhaupt kennt, so hat er während meiner 32 jährigen Lehrerlaufbahn nur darin bestanden, dem Vaterlande gute Patrioten zu erziehen. Ich danke nochmals für Ihre ehrende Aufmerksamkeit." Groß-Becskerek, 16. Nov. Anläßlich der Ernennung des bisherigen Vicegespans Eugen v. Rönay zum Obergespan des TorontLler Comitats fand sich unter zahlreichen anderen Deputationen auch die der lutherischen, calvinischen, serbischen und jüdischen Geistlichkeit zur Begrüßung und Beglückwünschung des neuen Obergespans ein. Mit der Begrüßungsansprache wurde unser Oberrabbiner Herr Dr. Klein bettaut, der sich seiner Aufgabe in glänzender Weise entledigte. Hamburg, 6. November. Ehr. Radenhausen, der Verfasser des berüchtigten anttsemittschen Schandbuches „Esther oder die semittsche Unmoral" ist gestorben. Frankfurt a. Main. Am 19. d. M. starb hier im 75. Lebensjahre Frau Babette Goldschmidt, geb. Altstadt er, eine durch regen Wohlchätigkeitssinn und besondere Hei^ensgüte auch in weiteren Kreisen bekannte Dame. Das Leichenbegängniß fand anr 22. November unter großer Theilnahme der hiesigen israelitischen Gemeinde in Anwesenheit sämmtlicher Gemeindevorsteher statt. Die Verstorbene, welche eine zahlreiche trauernde Familie hinterläßt, war die Schwiegermutter des Wiener Banquiers Moritz Freund, welcher dem Vorstande der Cultusgemeinde im dorttgen IX. Gemeindebczirke angehört. Berlin, 17. November. Heute Früh starb plötzlich in Folge eines Schlaganfalls Herr Dr. Jacob Egers, Lehrer an der jüdischen Lehrerbildungs-Anstalt und an der Veitel-Heine- Ephraim'schen Stiftung. Er erreichte leider nur ein Alter von 58 Jahren. Er war ein gründlicher Kenner der hebr. Literatur und bewies einen feinen kritischen Takt bei Herausgabe der neuhebräischen Poesien des Mose und Abraham ibn Esra. Ob der Reinheit seines Charakters und seiner Herzensgüte war er bei seinen Freunden und Collegen ganz besonders beliebt. Ehre seinem Andenken! Berlin, 15. November. Herrn Valentin Weisbach ist der Kronen-Orden vierter Klasse, Herrn Geheimen Kommerzienrath Simon Cohn der Kronen - Orden dritter Klasse verliehen worden. Heiligenstadt. In der Personalchronik des -Oberlandesgerichts Naumburg a. S. liest man: Der Referendar Schneiderwirth ist aus dem Justizdienste entlassen. Man wird nicht fehlgehen, so bemerkt dazu die hiesige „Eichsfeldia", wenn man diese Maßregel mit dem Duell Schneiderwirth-Ziegel in Verbindung bringt. Die Justizbehörden sind mit Recht der Ansicht gewesen, daß ein Mann, der um einer Lappalie willen ein Duell herbeiführt und sich des Todes eines Nebenmenschen und jüdischen Amtsgenossen schuldig macht, nicht geeignet ist, im Dienste der Gerechtigkeit verwendet zu werden. Mannheim, 15. November. Unter dem Titel „Hm Liebermann von Sonnenberg und der Antisemitismus" hat Herr L. G. Schalt (Verlag von Karl Schatt, Preis 20 Pf.) eine vortteffliche „ungehaltene Rede" veröffentlicht, welche die weiteste Verbreitung verdient. Oldenburg, 13. November. Se. Königl. Hoheit der Großherzog hat den Großherz. Landesrabbiner, Herm Dr. Mannheimer in halbstündiger Audienz empfangen und sich sehr eingehend über die jüdischen Verhältnisse im Großherzogthum erkundigt. Paris, 8. November. Der Herzog von Vallombrosa beantragt die Entmündigung seines Sohnes, des Marquis de Mores, welcher sich als Antisemit versucht hat. Mores erhätt von seinem Vater 20.000, von seinem Schwiegervater (Hofffnann in New-Aork) 60.000 Fr. jährlich, hat aber durch seine tollen Stteiche schweres Geld durchgebracht und noch 800.000 Fr. Schulden gemacht. Paris. Eigenartigen Besuch empfingen jüngst die jüdischm Wohlthätigkeits-Jnstitute in Paris. Der Prinz Damroug, der Bruder des Königs von Siam und Ministerpräsident dieses Reiches besichtigte dieselben, darunter auch das Rothschild'sche Waisenhaus. London, 6. November. Der vorige Woche verstorbene Prinz Lucien Bonaparte war hervorragender Linguist und interessirte sich auch lebhaft für die hebräische Sprache. Da er als Spezialstudium die phonetische Bedeutrrng der in den verschiedenen Sprachen vorkommenden Buchstaben erwählt hatte, nahm er zu wiederholten Malen Anlaß, sich beim Chief Rabbi über die Aussprache der verwandten Töne des hebräischen Alphabets zu informiren. Ganz besonders interessirte ihn auch der Unterschied der Aussprache bei den sephardischen, aschkenasischen und orientalischen Juden.