Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 47 (27.11.1891)
- Date
- 1891-11-27
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 47 Oesterrrichifchr Wochenschrift. Sette 875 Prag. (Vermächtnis an den Kaiser.) Letztwilliger Anordnung des jüngst hier verstorbenen Kürschners S. Beck zusolge hat dessen Witwe einen von Beck angesertigten kostbaren Teppich Seiner M a j e st ä t d e m Kaiser als Vennächtniß ihres verstorbenen Gatten in ehrfurchtsvoller Weise unterbreiten lassen. Die Ueberraschung der Frau Beck war nicht gering, als ihr von Seiner Majestät im Wege der Prager Statthalterei eine allerhöchste Auszeichnung, bestehend in einer sehr werthvollen Brillant-Broche zutheil wurde. In diesen: Acte documentirt sich wieder die unentwegte Loyalität der Juden gegenüber denr Herrscherhause unb die huldvolle Anerkennung dieser Gesinnung seitens des Monarchen, der die Anhänglichkeit, Liebe und Treue an die Dynastie, belohnt, ohne Rücksicht auf die sociale Stellung und Confession seiner Unterthanen. Deshalb vereinigen sich auch alle Juden in dem Gebete, daß der Allmächtige unseren geliebten Herrscher bis in's späteste, den Menschen beschiedene Alter gesund und glücklich erhalten möge. Prerau. Mit Bezug auf einen Satz in der letzten Nummer der „Oest. Wochenschrift" wäre zu bemerken, daß die große Erfindung des Verkehres „der Wechsel" nicht wie Israeli annimmt ans den letzten traurigen Jahrhunderten des Mittelalters stamme, sondern ani Anfänge des ersten Jahrhundertes unter den regierenden jüdischen Fürsten bereits gang und gebe war. Denn es erzählt Josephus Flavins (Avtigmt lib. 18, cap 6, 3): der Alabarch Alexander gab dem jüdischen Könige A g r i p p a einen Wechsel auf einen hohen Betrag, der ihm von seinem Geschäftsfreunde in der ilnteritalienischen Hauptstadt Dixarchia ausgezahlt werden soll. Dr. Jacob Taube r. Austerlitz. In den jüngst verflossenen hohen Feiertagen beherbergten wir einen seltenen Gast. Herr Rabbiner Dr. Moritz T i n t n e r aus New-Uork kam nach längerer Zeit wieder einmal in seine Heimatgemeinde Austerlitz, um in pietätvoller Weise das Andenken seiner verstorbenen Eltern zu ehren und seine angestammte Gemeinde zu besuchen. Am Neujahrstage betrat er die Kanzel. Mit einer selten sonoren Stimme begabt und in gewiegter Belesenheit im hebräischen und altrabbinischen Schriftthum, erbaute er durch seine geistreichen Vorträge, welche er während sämmtlicher Festtage fortsetzte. In ergreifender Weise gedachte er am Versöhnungstage der Manen der verewigten Dr. Joel, Dr. G.r ä tz und Dr. Oppenhei m, Rabbiner in Thorn. Wahrhaft festlich und erhebend gestaltete sich das Schlußfest, an welchem nach der Seelenfeier Herr Oberlehrer Diamant im Flamen des Gemeinde-Vorstandes dem Herrn Rabbiner in wohldürchdachter, formvollendeter Rede den Dank der Gemeinde für die gehaltenen Kanzelvorträge bei offener Bundeslade aussprach. Am Vorabende des Festes der Thorafreude wurde der Herr- Rabbiner nach beendigtem Gottesdienste mit Musik und Fackelschein in seine Wohnung geleitet. Mit gerührten Worten dankte der Gefeierte dem Vorstande für die ihm dargebrachte Ovation und schloß mit einem Hoch auf unfern allgeliebten Monarchen, worauf die Musikcapelle unter begeisterten Zurufen die Volkshymne anstimmte. Wenige Tage später trat Herr Dr. Tintner seine Rückreise nach Amerika an. Möge der Scheidende die Ueberzeugung mitnehmen, daß wir ihm stets ein unvergeßliches Andenken bewahren werden. Teplitz. Am 17. d. fand die Constituirung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde statt. Vor der Wahl erklärten die bisherigen Cultusgemeindevorsteher Ed. Rindskopf und Synagogenvorsteher Herr Moritz T a u f s i g eine Wiederwahl nicht mehr annehmen zu können. Nach Dankesworten für die ersprießliche Wirksamkeit dieser Herren wurden sodann neu gewählt: Herr- Dr. W i l l n e r zum Cultusgemeindevorsteher, zu dessen Stellvertreter Herr Ed. R i n d s k o p f, zum Synagogenvorstand Herr Sigmund Spitz und zu dessen Stellvertreter Herr M. T a u s s i g. Das am 23. veranstaltete Wohlthätigkeits - Concert des Tempelvereines bot den Besuchern einen genußreichen Abend. Wir erwähnen drei Novitäten, welche zur Aufführung gelangten, u. zw. ein Concert für 2 Violinen und Pianofortrbegleitung von Huber, vorgetragen von den Herren Eoncertmeister M ü l l e r, Kwitschala und Eapellmeister Mar Groß; ferner 2 Lieder „Entsagung" von Pietro Mascagni und ,,s' Fopp-Liadl" von Th. Koschat, gesungen von Frl. Amalie Stöger. Auch die übrigen Nummern waren mit Geschmack zusammengestellt. E. B. Böhm. Leipa. (Spendung einer Thorarolle). Der bekannte hiesige Großindustrielle, Herr Moriz Altschul, Chef der Firma Altschul & Söhne, und seine durch ihr wohlthätiges Wirken bekannte Gemahlin Clara, begingen die jüngst erfolgte Einweihung ihres neu erbauten Hauses nach gutem jüdischen Brauch durch Acte hochherziger Munistcenz und gläubiger Pietät. Sie spendeten für israelitische und christliche Arnre zur augenblicklichen Vertheilung eine namhafte Geldsumme. Der israelitischen Cultusgemeinde widmeten sie dagegen eine mit k o st b a r en G e ra th e n aus g e- . st a t t e t e T h o r a r o l l e. Am Vorabende des Chanukath Habajis, an einem Freitagabend, wurde die Thorarolle in einen: festlich erleuchteten Raume auf einem mit einem reichen Flor lebender Blumen umgebenen Postamente zur allgemeinen Besichtigung der Cultusmitglieder ausgestellt. Am Festtage begaben sich der gesammte Cultusvorftand in evrpvr«, sowie auch die Mitglieder sämmtlicher israelitischer Vereine corporativ in das neuerbaute Haus, wo dieselben vom Festgebe:' und dessen Gemahlin in würdiger Weise empfangen und in sämmtliche Räume des ausgedehnten mit allem Comfort eingerichteten Gebäudes geleitet wurden. Herr A l t s ch u l richtete an die Versammelten eine herzliche, auf den bevorstehenden feierlichen Akt Bezug habende Ansprache, welche nicht verfehlte, auf die Versammlung den tiefgehendsten Eindruck zu machen. Herr Vorstandsmitglied Isidor Gans nahm sodann im Namen der Cultusgemeinde Besitz von dem Seferthora, verlas die Schenkungsurkunde und üb erreichte sodann dem Rabbiner Herrn Dr. Leimdörfer die Thorarollen, der hierauf eine die Feier beleuchtende Anrede hielt. Bei einem von den: Ehepaar A l t s ch u l veranstalteten opulenten Dejeuner wurden Toaste von: Festgeber auf die Gemeinde, von den Vorstandsmitgliedern auf die Festgeber ausgebracht. Sodann begann der Zug in den Tempel, voran der Festgeder Herr Altschul unter einem Baldachin mit der Thorarolle, zu beiden Seiten Rabbiner Dr. Leimdörfer und Vorstand Herr- Gans und gefolgt von der ganzen Gemeinde. Auf halben Wege wurde der Zug von zwei Cultus-Vorstandsmitgliedern die alte Thorarollen trugen eingeholt und nahmen Herm Alt schul den Träger und Spender der neuen Thorarollen, in die Mitte, geleiteten denselben in den Tempel, wo beim Einzuge ein herrlicher Choral mit Orgelbegleitung erklang. Die hierauf vom Rabbiner gehaltene Festpredigt wurde mit großer Andacht angehört. Troptza«. Landespräsident Ritter von Jäger nah»:, in voriger Woche in Begleitung des Gewerbeinspectors viele hiesige industrielle- Etablissements in Augenschein, unter anderen auch die Fabriks-Etablissements der bekannten Tuchfirma Q u i t t n e r, die Liqueurfabrik des Hoflieferanten E. Lichtw i tz und Comp., die Fez- und Türkischtuch-Fabrik von R u s s o und Finzi, die Jutefabrik der Gebrüder Hatschek und die Zündwarenfabrik von Jacob & Josef K oh n. In den 6 betreffenden Etablissements wurde Landespräsident Ritter von Jäger von den betreffenden Chefs, resp. den Fabriksleitern