Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 47 (27.11.1891)
- Date
- 1891-11-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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iftr. 47 Oesterrrichischr Wochrnfttzrist. Seite 731 GorresMnämLen. Wien. Dem Herm Abgeordneten Teliczewski hat es in seiner Rede am 17. d. M. nicht gefallen, daß in den ruthenischen Regimentern lauter jüdische Unteroffiziere ernannt werden, welche „nicht nur das nationale Gefühl in der Mannschaft ertödten, sondern auch ihre Untergebenen roh behandeln." Vor allem erlaubt sich Schreiber dieser Zeilen zu bemerken, daß ein Soldat der k. u. k. Armee überhaupt kein „nationales Gefühl" zu haben hat, sondern sich einzig und allein als österreichischer Krieger fühlen muß. Wohl verstanden „nationales Gefühl" mit den gewissen odiosen Beigeschmack; man wird es ihm nicht verbieten, sich als ruthenischer Oesterreicher zu fühlen. Ferner ist die Bemerkung nicht neu, daß die Herrn, welche über die Zurücksetzung gewißer Nationen in der Armee klagen, in der Regel auch nicht den leisesten Dunst davon haben, wie es im Heere überhaupt aussieht. Dies steht aber sicherlich fest, daß die jüdischen Soldaten hauptsächlich so rasch in den ruthenischen Regimentern zu Unteroffizieren avanciren, weil sie durch tadellose Conduite, Kenntniß der deutschen Sprache — die ja, wie Herr Teliczewski sicherlich weiß, zur Erlangung der Unterossizierscharge höchst förderlich ist — und die genossene Bildung hiezu sich ganz besonders eignen. Beim Militär ist auch gar nicht die Zeit, antinationale Propaganda zu machen, denn Christen und Juden sind froh, wenn sie sich nach der angestrengten Tagesbeschäftigung aufs Lager' werfen können. Menschen von Bildung schließlich werden ihre Untergebenen niemals roh behandeln — Kurz, um Corporal oder Führer zu werden, darf man nicht dumm sein (unter den Wählern des Herrn Teliczewski scheinen sich aber nur sehr wenige ausgediente Unteroffiziere zu befinden), und wenn es dem genannten Herrn Abgeordneten wirklich gar so am Herzen liegt, daß auch seine christlichen Connationalen beim Militär befördert werden, so braucht er nur zu den höchst einfachen Mittel zu greisen . . . deren Bildungsniveau zu heben. Es ist aber zu befürchten, daß Herr Teliczewski dies nicht thun wird, denn dann — ja dann könnte ein gewisses L a n d g e m e i n d e n m a n d a t s l ö t en gehe n. v. LI. Wien. („O est er r. is r a e l. U n io n"). Samstag am 21. d. M. fand im Saale der Restauration Kühner am Schottenring eine zahlreich besuchte Vereinsversammlung statt. Unter den Anwesenden bemerkte man die Gemeinderäthe Gustav Simon und Baurath Stiaßny und zahlreiche andere Honoratioren. Herr Dr. Sonnenschein aus St. Louis hielt seinen angekündigten Vortrag über Juden und Judenthum in Amerika. Der Redner, Dr. S. H. Sonnenschein, einer der bekanntesten und populärsten Prediger in den Vereinigten Staaten, verstand es, in seinem formvollendeten Vortrage seine Hörer zu fesseln, stellenweise sogar zu enthusiasmiren. Dr. Sonnenschein sagte in der Hauptsache Folgendes: „Die Juden in Amerika bilden eines der interessantesten Bindeglieder zwischen der ältesten und jüngsten Weltkultur. Schon der Umstand, daß sich bei dem Bildungsprozeß des amerikanischen Judenthums vom Anbeginne die beiden Hauptsirömungen der europäischen Kultur-Elemente, der romanischen und germanischen, in der spanischen, holländischen, englischen und deutschen Einwanderung geltend machten, legt Zeugniß dafür ab, daß Juden und Judenthum in Amerika mit dazu berufen sind, an deni Emporkommen der Neuen Well auch ihre eigene Theilnahmc zu bewähren. Schon lange vor und während, wie unmittelbar nach den Unabhangigkeitskämpsen zeichneten sich amerikanische Juden und Jüdinnen durch ihren opferwilligen Patriotismus aus. Redner nannte die alten Familien, deren Nachkommen heute noch leben und wirken. Er sagte unter Anderem: „Die Juden in Amerika sind wohl keine Pionniere, aber sie sind treue, ausdauernde Nachzügler, sie sind keine Pfadfinder, aber ehrliche und kluge Helfer in der Noch. Sie machen den Boden für den großen Handel und Wandel der neuen Welt nicht urbar, aber auch sie streuen in reichlicher Saat und in der vordersten Reihe die fruchtbringenden Köruer des unermeßlichen Volkswohlstandes." Die Juden in Amerika stehen unangetastet, weil hochgeachtet da. Der dortige Antisemitisnlus ist ein todtgebornes Kind des Unsinnes und der Raserei. Die Antisemiten Europas möchten allerdings den Juden gerne wieder in seine frühere Feigheit, Zaghaftigkeit und Bettelhastigkeit zurückdrücken. In Amerika aber erhält und genießt der Jude allenthalben seine Bürgerrechte. Der Amerikaner achtet am Juden, was er an sich selbst achter: Muth, Unternehmungsgeist und redlich verdienten Wohlstand!" Zum Schluß berührte der Redner auch die Eigenthümlichkeiten des religiösen Neubildungsprozeffes innerhalb des überseeischen Judenthums in Dogma und Kultus. Dr. Sonnenschein, der sich aus Gesundheitsrücksichten iir Wien aushält, erfreut sich eines wohlbegründeten Rufes. Agram. (Verein zur Speisung a r m e r Schulkinder.) Wir entnehmen dem croatischen Amtsblatt „Narodne Novine“ : Gestern um 11 Uhr Vormittags fand die erste conftituirende Generalversammlung des Vereines zur Speisung armer Schulkinder statt. Der provisorische Präsident Herr Bischof Franz G a s p a r i c begrüßte die Anwesenden, eröffnete die Sitzung und ersuchte den Schul-Jnspector H. F. Schüller, den Zweck und die Aufgabe des Vereines näher zu erklären. Hieraus theilte Herrr E. Kolmar mit, daß dem Vereine bereits 2400 sl. zur Verfügung stehen. Hieraus wurde zur Eonstituirung des Vereines übergegangen: Nach beendigter Wähl erhob sich Bürgermeister Herr Dr. Amrus und dankte dem provisorischen Ausschüsse, dessen Verdienst dieses schöne Werk ist und besonders dem Bischose Gasparic. Nachdem sich die übrigen entfernt hatten, constituirte sich der Verwaltungs-Ausschuß. Zum Präsidenten wurde einstimmig Bischof Franz Gasparic gewählt und mit brausendem „Zivio" begrüßt. Derselbe sagte dankend, daß er mit verschiedenen Arbeiten wohl überhäuft sei, jedoch sei er bereit mit Rücksicht aus den edlen Zweck des Vereines dem Wunsche der Mitglieder zu entsprechen und die Würde eines Präsidenten anzunehmen, doch nur dann, wenn ihm als Vertreter ein Mann zur Seite gestellt werde, dessen Haupwerdienst das Jnslebentreten dieses Vereines sei — und das ist Herr Edmund Kolmar. Diese schönen Worte des Herrn Präsidenten, welche die edle Anerkennung der Verdienste desjenigen, der sie hat, zeigen, wurden von den Anwesenden begeistert begrüßt und wurde von denselben einstimmig zum Vicepräsidenten Herr E. K o l m a r gewählt. Und wirklich hat er schon so viel Gutes für seine Mitbürger gethan, daß man vom größten Undank oder von jenem — bei uns leider zu viel eingebürgertem — 'Neide verblendet sein müßte, wollte man nicht mit der größten Achtung die Wirksamkeit des Herrn E. Kolmar aus dem Felde der Wohlthätigkeit anerkennen, — eine Wirksamkeit, welche ihm ein dauerndes Andenken und eine dauernde Anerkennung bei allen edlen Menschen und Dankbarkeit bei allen jenen, welchen sein wohlthätigcs Wirken in erster Reche gilt, sichert. So schloß die erste Sitzung dieses edlen Vereines und wir wünschen, daß sein Wirken ein segensreiches sei.