Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 47 (27.11.1891)
- Date
- 1891-11-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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■ JrHBM1 i 'il>|!J!-W«SSll»*Ä-,iiJ_ Ceite 868 stinas noch begegne, sowie „daß aus den Abbildungen der Tempel und Gräberbauten aus der Zeit Ramses' II. wie sie zu Abu Simbal uns erhalten sind, die Schasu von Kanana (Kanaan) mit blauen Augen, röthlich blondem Haupthaar und und ebenso gefärbtem Barte und Augenbrauen, und die Amaur (Amar) ebenfalls mit blauen Augen, röthlichem Haupthaar, Bart und Augenbrauen zur Darstellung gebracht sind" — als ein untrügliches Zeichen, „daß bereits im 14. Jahrhundert vor dem Beginn unserer Zeitrechnung in Palästina eine Bevölkerung von indogermanischer (arischer) Abkunft gelebt hat." Was aber die heutige blonde Bevölkerung Palästinas anbetrifft, so kann sie sehr wohl die Nachkommenschaft der Kreuzfahrer sein, was Alsberg ohne Grund verwirft; und die eben von ihm genannten Schasu und Amoräer, von denen die ersteren die „Beduinen der Sinaihalbinsel" bezeichnen, und die letzteren identisch sind mit den Kananäern. — es ist derselbe Stamm, den der Elohist Amoriten und der Jehovist Kananäer nennt (vergl. „Ed. Meyers Gefch. d. Alterchums, Stuttgart 1884", S. 132, 214 u. 216), — sind beide semitischen Stammes. Den Schasu, sagt Meyer an einer anderen Stelle (Zeitschrift für alttestamentl. Wissenschaft Hrsg, von Stade, I, 1861, S. 127), dürften „etwa die Amalequiter und Midianiter entsprechen. Dagegen als Name für Land und Bevölkerung von Kanaan im weitesten Sinne wird immer Amar d. i. (das hebräische) Amar' gebraucht." Was nun den von Alsberg als arisch vindizirten, mehrfach genannten physischen Habitus der erwähnten Volksstämme betrifft, so komme ich darauf noch später zurück. Hier will ich nur hervorheben, daß er auf Grund jenes anthropologischen Merkmals die höchst merkwürdige Hypothese aufstellt, daß „noch im 10. Jahrhundert der vorchristlichen Aera das Groß der Bevölkerung im südlichen Judäa von amoritischer, d. h. indogermanischer Abkunft gewesen sei." Wo hat man nicht alles die einstigen Sitze der Jndogermanen gesucht, aber noch keinem Sprachforscher ist es eingefallen, zu behaupten, „im südlichen, Judäa" hätten jemals Jndogermanen gewohnt. Ja, Alsberg geht noch weiter. Er glaubt mit Sayce daß, da die heutigen Kabylen in Nordafrika den supponirten germanischen Typus zeigen, die er aber nicht als Nachkommen der Vandalen gelten läßt, die weiße Rasse seit der neolithischen Periode dort gewohnt habe, da die auf den ägyptischen Denkmälern genannten Ribu, die mit den Libyern identisch sind, ebenfalls als blauäugig und blondhaarig dargestellt weiden. Und eine „ganz besondere Stütze erhält, nach Alsberg, die Theorie von dem ehemaligen Vorhandensein einer weißen, den Jndogermanen verwandten Rasse in Nordasrika und Palästina noch durch die Verbreitung gewisser vorgeschichtlicher Grabdenkmäler in den besagten Gebieten". Man hat nämlich die unter dem Namen „Dolmen" (auch Menhir und Cromlech genannt) bekannten, mächtigen Steinplatten nicht blos in Europa, sondern auch in Afrika und in Palästina gefunden, woraus heruorgehen soll, daß an den jeweiligen Fundstätten jener Steindenkmale miteinander verwandte Stämme, vor allem Arier, gewohnt hätten; eine Folgerung, die sofort in nichts zerfällt, wenn wir hören, daß man jene megalithischen Grabbauten nicht blos in Europa und Vorderasien, sondern auch in Amerika gefunden hat. „Nur wenige bedenken," sagt Rob. Hartmann („Die Nigritter", S. 265), „daß die dolmen- und menhirartige Aufrichtung von Steinen als Grabmal, zur Verherrlichung einer Kriegsthat, zur Erinnerung an irgend ein sonstiges geschichtliches Ereigniß, zu religiösen Zwecken u. s. w. unter gänzlich unzusammenhängerchen Nattonalitäten Vorkommen könne, daß wir ähnliche rohe Wahrzeichen selbst in den einsamen Präriegräbern der Sioux- und Pani-Indianer, gar an Krrgizgrabsteinen vorffnden, daß wir chrer an den Resten der Jnkazett, z. B. am Ollantay-Tambo, an den Magalithen der Timian- Jnsel wiederkennen." Und wenn auch an den verschiedenen, eben genannten Stellen Abweichungen hervortteten, so offenbart sich doch überall das Bestreben, Steine als Denkmäler zu errichten, woraus noch nicht geschlossen werden darf, daß eine Verwandtschaft zwischen den Erbauern, wenn ich so sagen darf, jener Denk¬ Nr. 47 mäler je existirt habe. Es ist merkwürdig, wie leicht gerade Ethnologen sogleich bei der Hand sind mit der Erklärung "der Verwandtschaft noch so entfernt voneinander wohnender Völkergruppen, sobald sie eine Uebereinstimmung finden in der Heworbringung, sei cs mechanischer, sei es geistiger Produkte. Von den Steinen hat nach meiner Ansicht ganz recht, wenn er in seinem Vorttage: „Erfahrungen zur Entwickelungsgeschichte des Völkergedankens" (Verhandlungen des achten deutschen Geographentages, Berlin 1889, S. 18) behauptet: „Wenn zwei entfernte Völker eine merkwürdig ähnliche Erfindung in einem Falle aufweisen, wo dieselbe nicht durch fremde Vermittelung von einem zum anderen gelangt sein kann, so denkt man sich gern eine uralte Zusammengehörigkeit, wohl gar eine Verwandtschaft zwischen den beiden. Die nähere Untersuchung aber, lehrt in zahlreichen Fällen, daß die Uebereinstimmung nur Analogierr sind, die bei den eirtlegensten Menschen unter denselben Verhältnissen absichtslos, aber keineswegs zufällig, heruorgebracht worden sind." Beweist so das Vorkonnnen der Dolmen in Palästina nichts für die Theorie Alsbergs, so noch weniger die vermeintlichen Zeugnisse der Bibel über die Urbevölkerung des gelobten Landes, die er (S. 10 ff.) anführt: so die Erzählung von den s Riesenvölkern, den Anaqim, die vor der Invasion der Hebräer dort gewohnt haben sollen, wie aus Numer XHL 29, und Deuter. VII, 1, zu ersehen sei, Berichte, die alle späten Ursprungs sind. „In Wirklichkeit," sagt Ed. Meyer (a. a. O. S. 217), „gibt uns das Alte Testament über die Zustände des Landes vor oder zur Zeit der hebräischen Invasion gar keine Nachrichten. Auf nicht minder schwachen Füßen steht Alsbergs Beweisführung . einer Vermischung Alt-Israels mit einem Volksstamme mongolischer Hei-krrnft, den biblischen Chetitern (ägypt. Cheta, assyr. Chatti), die allerdings, wie ihre zahlreichen, auf ägyptischen Denkrnälern vorkommenden, ein wenig semitisches Gepräge tragenden Eigennanren zeigerr, nicht semitischen Ursprungs waren, deren Wohnsitze aber zwischen dem mittleren Euphrat und Orontes bis nach Kappadokien gelegen waren. „Die Chettter aber gehören," sagt Ed. Meyer (Zeitschr. f. d. alttesiam. Wissenschaft 1881, S. 125), „nach den genauen übereinstimmenden Angaben der ägptischen Inschriften des 15. bis 13. Jahrhunderts und der historischen Bücher der Hebräer sSam. II, 24, 6, Reg. I, 10, 29, IE, 7, 6, ebenso Gen. 10] ausschließlich an den Libanon, nach Koelesyrien im engeren Sinn, nicht in das von den Hebräeru besetzte Land." „Nach Süden," sagt jener an einer anderen Stelle (Geschichte des alten Aegyptens, Berlin 1887, S. 281), .„sind die Chetiter nicht weiter vorgedrungen. Das eigentliche Palästina ist ihnen niernals unterthan gewesen." Man darf nur nicht die kanaanäischen Hetither mit jenen syrischen Hetitheru, den assyrischen Chattäern, die zwei grundverschiedene Völker sind, zusammenwerfen, wie es der biblische Geschichtsschreiber „mißbräuchlich und inthümlich" gethan hat (s. E Schräder-, Die Keilinschriften und das A. T., S. 110, Giessen 1883.) Wenn also Alsberg (a. a. O. S. 15) aus den im 5. Buch Mosis, Kap. 7, 1 ff. aufgezählten sieben Völkern, die nichts weiter als aus Lokalnamen entstanden sind — „die Bewohner von Jebus heißen Jebusiter, die von Gibeon und Sichern Chiwwiter u. a." (s. Meyer, Geschichte des Alterthums I, S. 216) —, mit denen sich Israel nach dem Gebote Jehovas nicht vermischen dür-fe, schließt, daß jene Vermischungen häufig vorgekommen sein müssen, da sonst jenes Verbot keinen Sinn hätte, so soll die stattgefundene Kreuzung gar nicht in Abrede gestellt werden; nur waren die genannten „Völker" — schon die Siebenzahl ist verdächtig — gerade so gut semitischen Stammes als die Hebräer selbst. Und der Grund jenes Verbotes war kein anderer als der, der dort (Deuter. VH, 4) angeben wird: „Denn er (der Nicht-Hebräer) wird deine Söhne abwendig von mir machen, und sie werden anderen Götteru dienen, und es wird entbrennen der Zom Jahwes über euch, und er wird dich schnell verttlgen." Oesterrrkchifchr Wochenschrift.