Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 47 (27.11.1891)
- Date
- 1891-11-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 47 Oestrrreichischr Wochenschrift. Seite 867 des Präses (Jul. R. v. Gomperz) und überdies in noch andere Körperschaften wählte. In allen diesen Stellungen verrieth er stets seine innige Anhänglichkeit an dem angestammten Glauben, der er zu Zeiten, wie rvir sie im letzten Decennium miterlebt, begeisterten Ausdruck verlieh. So war sein letzter Akt in der Ausübung seines Amtes eiir warmer Appel an den Vorstand, sich der arg bedrängten russischen Glaubensbrüder hilfreich anzunehmen — ein Appel der aus fruchtbaren Boden fiel. Wenn wir Dr. K n h als einen guten Juden rühmten, so brauchen wir nicht erst;u betonen, daß er zugleich ein Mensch im edelsten Sinne des Wortes war, hilfreich und gut, uneigennützig und hingebungsvoll. K u h war unvermählt, aus sich allein gestellt, durch's Leben gegangen, aber deshalb war sein Leben nicht liebeleer geblieben. Eine vornehme liebenswürdige Natur von gewinnenden: Wesen, rvar er von seinen zahlreichen Freunden und Bekannten geehrt rurd geliebt wie ein naher Verwandter und seinen Kranken bot schon der Verkehr nick ihm Erleichterung und Beruhigung. Aber auch im Herzen Hunderter von Bedürftigen und Verlassenen die er liebevoll rurd ohne Anspruch aus Entgeld behandelte, hat der Verewigte ein unvergeßliches Andenken sich gesichert. So ist cs erklärlich daß die Trauerkunde von K u h's Tod weite Kreise in tiefe Betrübnis; versetzt und daß manche Zähre aufrichtigsten Schmerzes denr edlen Manne nachgeweint wird. Die sterblichen Reste des Verblichenen rverden hieher überführt und Sonntag 32. d. M. aus dem hiesigen Friedhof beigesetzt werden. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde versammelte sich zu einer Sitzung unter Vorsitz des Herrn Ritter von G o m p e r z, der dem Eollegen und langjährigen Freunde einen wann empfundenen Nachruf widmete, der von den Anwesenden mit tief gefühlter Empfindung angehört wurde. Es wurde beschloßen den Conduct vom Tempelhofe aus zu veranstalten, wo der Herr Landesrabbiner die Leichenrede halten wird. Am Grabe wird ein Mitglied des Vorstandes und des Landessanitätsrathes sprechen. Nachschrift: Kuh's Leichenbegängnis; fand Freitag den 20. d. Ai. um 2 Uhr Nachmittags vom Tempel aus statt, wo sich eine zahlreiche Versammlung, darunter die Notabilitäten der Stadt eingefunden hatten. Landesrabbiner Dr. Placzek entwarf ein ergreifendes Lebens- und Eharakterbild des bedeutenden Arztes, schilderte ihn als Forscher und Denker der trotzdem dem Judenthum die Treueidewahrte und der jüdischen Gemeinde als ihr Vorsteher seine Kenntnisse und Muße widmete. Aus dem Friedhofe widmete am offenen Grabe zuerst Landes- Sanitäts-Reserent Dr. Schöfl dem Verblichenen im Namen des Sanitäts-Rath cs einen warmen Nachruf, während Dr. Fialla, Advocat, im Namen des Vorstandes derTrauer der Gemeinde und seiner Eollegen über den Hingang des trefflichen Mannes zündenden Ausdruck gab, indem er ihn gleich De Silva und Uriel Acosta als Arzt, Gelehrten, Kenner der Natur und Lehrer der Mitmenschen feierte. Dr. Kuh wurde mit hohen Ehren bestattet aber sie waren angemessen der Bedeutung seiner Persönlichkeit. - — m. Die Raffenmischung im Iudenkhum. Von Dr. I. Babad. (Ausland). Seit ungefähr einem Jahrzehnt hat man angefangen, die Juden von anthropologischem Standpunkte aus zu betrachten. Es gilt gleichsam als unumstößliches Axiom, daß auf altägyptischen Denkmälern, z. B. den Grabkammern Benihassans, wie auf dem Triumphbogen des Titus auf dem Forum Romanum, man denselben jüdischen Typus findet, wie aus den Straßen irgend einer modernen Großstadt. „Denn mit gleicher Sicherheit," sagt R. Andrer („Zur Volkskunde der Juden", S. 24), „läßt sich kein anderer Rassentypus so zurückverfolgen, wie gerade die Juden, und kein zweiter zeigt eine solche Konstanz der Formen, keiner hat so der Zeit und den Einwirkungen des Lebensraumes widerstanden, als dieser. Selbst verhältnißmäßig tarke Beimischungen fremden Blutes wurden überwunden, es ergab sich aus den Mischungen, wie wir sehen werden, kein neuer Typus, keine Amalgamirung fand statt, sondern das semitische Blut trug in der entschiedensten Weise den Sieg davon, und der alte monumentale JudenkörPer blieb ebenso erhalten, wie der alte mit ihm fortvererbte jüdische Geist;" oder wie es an einer anderen Stelle heißt (ebenda S. 36): „Alle Vermischungen haben im ganzen doch kaum den alten monnmentalen Typus der Juden zu verwischen vermocht." Und dennoch citirt derselbe Verfasser S. 43 seines Buches eine Aeußerung v. Maltzans über marokkanische Jüdinnen, „die ein regelmäßiges, griechisch geschnittenes Profil" hätten; — gehört das mit zum Typus der Jüdinnen? — oder S. 375 „F. Maurers Reise durch Bosnien" über die bosnischen Juden „Das Wunderbarste an ihnen ist jedenfalls die Physiognomie, welche nur ausnahmsweise orientalisches Gepräge zeigt. Sie haben mehr runde als ovale Gesichter, breiten Mund mit schmalen Lippen, große Stumpsnasen, die oft ein^d n ft sind und sich in solchem Falle fast birnenförmig nach unten verbreiten; Augen und Haar sind meist dunkel, doch kommen auch blauäugige Blond- und Rothköpfe vor." Dieses letztere anthropologische Merkmal nun hat kürzlich den bekannten Anthropologen M. Alsberg veranlaßt, in der Sammlung wissenschaftlicher Vorträge, Hrsg, von Virchow und Holtzendorff (N. F. 5 S., H. 116) eine Abhandlung über die „Rassenmischung im Judenthum" (Hamburg 1891) zu veröffentlichen, die hier einer Besprechung unterzogen werden soll. Ich füge aber gleich hinzu, daß das Resultat seiner Untersuchung — einzig und allein von dem genannten physischen Merkmal ausgehend —, das er gleich zu Anfang derselben (S. 4) ausspricht, „daß schon vor Jahrtausenden in Palästina und Vordernsien eine intensive Vermischung des jüdischen Stammes mit einen: indogermanischen Volle und wahrscheinlich auch mit Angehörigen der mongolischen Rasse stattgefunden hat, daß demnach die heutigen Juden keineswegs als jener reine Rassentypus angesehen werden dürfen, als welche man sie gewöhnlich betrachtet" — nur zum Th eil richtig ist, und daß diese Frage nicht von einseitigem Standpunkte aus, sei es in phyfischer, d. h. anthropologischer, sei es in historischer Beziehung, gestellt, wie es bei Alsberg geschieht, zu einem zum Theil ganz anderen Resultat gelangen muß. Das allerdings steht zweifellos fest, daß das jüdische Voll trotz seines freiwilligen und unfreiwilligen Sichabschließens gegen jede Vermischung mit anderen ethnischen Elementen dennoch nicht unvermischt geblieben ist. „Wo gibt es denn," fragt Steinthal (Verhandlungen d. Berl. Anthropol. Ges. 1874, S. 83) „ein unvermischtes Volk? Weder in der kultivierten noch in der unkultivierten Menschheit." Wenn es daher in einem im „Ausland" 1886 anonym erschienenen Artikel: „Der Judenstamm in naturhistorischer Betrachtung" S. 474 heißt: „Die Juden haben von Abraham an bis heute sich ausschließlich in chrem Stamm erhalten und sortgepflanzt," oder wenn es (ebenda) von chnen heißt: „Ohne Beispiel und Analogie in der Menschengeschichte pflanzen sich nun seit etwa 4000 Jahren in Einem Stamme nicht blos die Leiber, sondern auch die Geister in einer bestimmten nur ihnen eigenthümlichen Richtung und Lebensweise fort" — so spricht eine derartige Behauptung allen anchropologischen und historischen Indizien, wie wir gleich sehen werden, geradezu Hohn. Was nun die ersteren betrifft, so gellen Alsberg die blondhaarigen rurd blauäugigen Kinder, denen man, nach delm ZlUgniß von Soyce, besonders in den gebirgigen Theilen Paä-