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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-11-27 · 47 (27.11.1891) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
47 (27.11.1891)
Date
1891-11-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 866 Orsterrrichische Wochenschrift. Nr. 47 Vertreter im k. k. Landes - Sanitätsrathe, Dr. Moriz Kuh gestoben: in Meran, wo er Linderung seines langjährigen Leidens gesucht, hauchte er am 14. November l. I. seinen Geist aus. Dr. Moriz Kuh, ein Bruder des ihm im Tode voran,, gegangenen namhaften deutschböhmischen Publicisten David Kuh, wurde am 36. April 1817 in Prag als Sohn des Kaufmannes Salomon Raphael Kuh geboren und kam ftüh aus seiner. Heimatstadt zu seinem Großvater nach Kuttenplan, wo er das Gymnasium absolvirte. Er »studirte 7 anfangs in Prag und bezog dann die Universität in Wien, wo er die medicinische Facultät frcquentirte. Seine medicinischen Studien fielen gerade in jene Zeit, wo die sogenannte neue Wiener Schule chre ruhmvolle Thättgkeit begann. Im Jahre 1844 wurde er zum Doctor der Medicin promovirt. Wie viele andere Männer der Wissenschaft wurde auch er in dem sturmbewegten Jahre 1848 in den politischen Wirbel hineingezogen, verließ aber schon mit Ende November 1848 die Reichshauptstadt und ging nach Prag, wo er durch zwei Jahre im Hause seiner Eltern lebte, welche Zeit er benützte, um im häufigen Umgänge mit den berühmten Lchrern der Carl-Ferdinand- Universttät Und durch fleißigen Spitalsbesuch seine medicinischen Kenntnisse und Erfahrungen zu bereichern. Aus den Rath befteundeter Lehrer übersiedclte er gegen Ende des Jahres 1850 nach Brünn, wo es chm alsbald gelang, einer der gesuchtesten practtschen Aerzte zu werden. Mit Beginn der constitutioncllen Aera in Oesterreich im Jahre 1860 gründete er in Gemeinschaft mtt dem chm innig befteundeten, bereits verstorbenen Collegen Mü>. Dr. Carl Bon er den Verein der Aerzte in Brünn und Umgebung und rief er den Centralverein der Aerzte Mährens ins Leben. In beiden Vereinen, deren Vorstandsmitglied er durch eine Reche von Jahren war, wirkte er durch zahlreiche fachwissenschaftliche Vorttäge anregend und belehrend. Im Jahre 1672 wurde Dr. Moriz Kuh in den Gemeinde-Ausschuß der Stadt Brünn gewählt. In dieser Körperschaft war er insbesondere auf dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege sehr thätig. lieber seinen Antrag wurde eine Gesundheitscommission constituirt, deren eifriges Mitglied er war; u. A. gab er den Impuls zur Anlegung systematisch geordneter Verzeichnisse betteffend die Morbilüät und Mortalität in Brünn, und beinr Herannahen der- Cholera-Epidemie erftchr über seine Anregung die Straßen- und Canalreinjgung eine Verbesserung. Als schließlich zu Beginn der Achtziger*-Jahre die Frage der Verlegung des Friedhofes aus der Stadt nach Außen aus die Tagesordnung gesetzt wurde da befürwortete er in der Gesundheitsconnnission die Anlage eines Centralfriedhofes, welches Project ttotz vielseitiger Opposition verwirklicht wurde. Im Jahre 1876 erfolgte seine Berufung jn den k. k. mähr. Landes-Sanitätsrach, zu dessen Vorsitzenden- Stellvertreter er gleich bei seinem Einttitte in diese Körperschaft gewählt wurde, welche Function er bis zu seinem Tode bekleidet. Als Mitglied des k. k. Landes-Sanitätsrathcs entfaltete er «ne rege Wirksamkeit; an den periodischen Landes - Sanitätsberichten, welche zur Publication gelangten, nahm er hervorragenden Antheil. Dr. Kuh war auch Vice-Präses des Vor- »standes der israelitischen Cultusgemeinde in Brünn, welche er im k. k. Bezirksschulrathe (Stadt Brünn) vertat. Für seine ersprießliche Wirksamkeit im Interesse des allgemeinen Wohles wurde er von Se. Majestät dem Kaiser durch die Verlechung des Franz - Joseph - Ordens ausgezeichnet. Jn allen Kreisen unserer Landeshauptstadt erfteute sich Sanitätsrath Dr. Moriz Kuh Zeit seines Lebens in-Folge seiner vorzüglichen Charakter-Eigenschaften und seiner Herzensgüte hoher Achtting. Ehre seinem Andenken Dem biographischen Abrisse, wie ihn die hiesigen Blätter bringen, müssen . wir zur Charakteristik K u h's noch manches hinzufügen. Dr. Kuh war ein Vertteter des ärztlichen Standes, der weit über das Mittelmaß hervorragte. Ihn beseelte eine seltene Liebe zu den naturwissenschaftlichen Studien und Forschungen, denen er auch theoretisch wie praktisch mit unermüdlichem Eifer bis in seine allerletzten Lebenstage oblag. Er übte so seinen Berus nicht als bloßer Praktiker, gleichsam handwerksmäßig aus, sondern vertiefte sich mit ebenso viel Verständnis;, als Gründlichkeit in das Studium der Naturerscheinungen, indem er die Fortschritte der Wissenschaft unausgesetzt verfolgte und sich mit ihren Errungenschaften verttaut machte, kam so ein gewisser docttinärer Zug in fein Wesen, das überhaupt ganz an den deutschen Professor im besten Sinne erinnerte, so war seine Thätigkeit doch auch und zwar vorwiegend auf die praktischeste Verwerthung der ärztlichen Kunst gerichtet, diejenige Seite derselben, welche die Nebel und Krankheiten abwehrt und die menschliche Gesundheit erhält, die Hygiene und öffentliche Sanität. Hierin lag der Schwerpunkt seiner öffentlichen Thättgkeit und seines verdienstlichen Wirkens im Interesse der Allgemeinheit. Dank seiner reichen einschlägigen Fachkenntnisse wurde er bei Creirung des k. k. Landessanitätsrathcs in denselben berufen und lieferte als eifriges Mitglied dieser Körperschaft über sanitäre Angelegenheiten eingehende Referate, gab nützliche Anregungen für die öffentliche Gesundheitspflege durch selbstständige Anttäge und entwickelte überhaupt auf diesem Gebiete mit wahrem Feuereifer die ersprießlichste Wirksamkeit, die ihm denn auch von allerhöchster Seite mit einer Ordensauszeichnung gelohnt wurde, so ferne ihm auch jedes Stteben nach äußeren Ehrenbezeugungen gelegen. Dr. Kuh ging aber nicht als Spezialist in seinen Facharbeiten gleichsam auf, er war ein Mann von allgemeiner, von selten vielseitiger und hoher Geistesbildung. Er hatte die besten Traditionen der Wiener und Prager literarischen und politischen Kreise des Vormärz in sich ausgenommen, und verfolgte mit dem wärmsten Interesse das gesammte geistige Leben der Culturnationen. Er war ein warmblütiger, temperamentsvoller Politiker, der in Wien im Jahre 1846 mit der Elite der führenden Geister zusammengewirkt und später ein strammer Parteimann, der der Sache des Liberalismus treu blieb als ein echter, unverfälschter Deutscher, er war aber auch — last nost least — ein guter Jude und dies mit Leib und Seele. Im Hause seines würdigen Vater-Z erwachsen, der ein Kenner des Hebräischen und Talmud, ein Morenu war, in die Kenntniß der heiligen Schrift und der jüdischen Literatur eingeweiht, in Prag von einem Kreise hochstrebender Jünger der jüdischen Wissenschaft umgeben, hatte er sich eine Kunde der' jüdischen Vergangenheit und mit ihr eine Liebe zum Judenthum angeeignet, rvie diese bei Vertretern seines Standes nicht häufig anzutreffen sind. Diesem Umstande hatte er schon vor 25 Jahren seine Wahl in die Vertretung der israelitischen Gemeinde zu danken, die ihm im Jahre 1875 zum Stellvertreter

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