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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-11-27 · 47 (27.11.1891) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
47 (27.11.1891)
Date
1891-11-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Or-errrlchifchr Wochenschrift. Ketteg65 da anzutreffen ist, wo man wahrhaft menschlich fühlt, denkt und handelt. Bern, den 8. Mai 1891. Prof. Dr. Hermann Hagen. Wenn man die Kultursortschritte unseres Jahrhunderts ins Auge faßt, sollte man es kaum für möglich halten, daß sich am Ende des Jahrhunderts Judenhaß und Judenverfolgung in geradezu ekelerregender Weise geltend inacht. Es ist eine Schmach und Schande für unsere Zeit, die man oft im Gegensatz zu den finsteren Zeiten des Mittelalters die „große" nennt, daß das 19. Jahrhundert in seinem letzten Jahrzehnt im Zeichen der Judenhetze steht. Die Humanität, welche von unseren Voreltern durch schwere Kämpfe und Opfer errungen wurde, muß Angesichts der Verimmg des menschlichen Geistes, welche sich in der Mißhandlung und Verfolgung unserer jüdischen Mitbrüder offenbart, trauernd ihr Antlitz verhüllen. Im Wege der Schrift und Rede, insbesondere unter Hinweisung auf die, die allgemeine Menschenliebe predigende Lehre des Weisen von Nazareth, der selbst ein Jude war, ist der traurigen Erscheinung des Klassenhasses und der Unduldsamkeit, welche sich in den Bestrebungen des Antisemitisrnus kundgibt, aller Orten cntgegenzutreten. Namentlich ist dafür Sorge zu tragen, daß cs den Antisemiten nicht gelingt, ihrer Nückschrittsbestrebung im Wege der Gesetzgebung Geltung zu verschaffen. Das richtig verstandene Christenthum hat die hohe Aufgabe, die Menschenliebe und Gleichberechtigung aller Confessionen zu verwirklichen und daher allen auf Wiederherstellung mittelalterlicher Zustände gerichteten Bestrebungen mit allen erlaubten Mitteln entgegenzutreten. Die schwer emmgene Gleichberechtigung der Confessionen im bürgerlichen Leben energisch zu vertheidigen, ist die Aufgabe jedes freiheitlich gesinnten und humanen, wenn man will, christkich denkenden Menschen. Heidelberg, den 14. Mai 1891. Dr. ur. Caesar Barazetti, Universitätsprofessor. Ich bin weder ein Menschenjäger, noch ein Jäger überhaupt, und mir ist jede Hetze widerwärtig. Ich erkläre mir die jetzige Steigerung der Judenhetze durch das den meisten Menschen angeborene Bedürfniß, Jemanden zu hassen und zu verfolgen. Und die Juden eignen sich so vortrefflich dazu. Sie waren ja ganze Jahrhunderte hindurch die dßttz noire des europäischen „christlichen" Pöbels! Wenn aber ein für seine Herkunft als Erbsünde, zum Sträfling gcbrandmarkter Angehöriger anderer, minder bevorzugter Völkerschaften und Menschenhaufen im allgemeinen (z. B. ein Littauer, ein Wende, ein aus Preußen ausgewiesener Pole, ein Nicht-Ungar in Ungarn, ein Nicht-Russe in Rußland n. s. w. u. s. w.) sich auch zil dem die Juden anbellenden Chore gesellt, dann muß er consequenter Weise auch die ihm selbst berührende Verfolgung für ganz gerecht halten. Die-gegen einen Stamm, eine Nationalität, ein Bekenntnis eine Partei, ein Geschlecht u. ä. gerichteten ausnahmsweisen Gesetze wirken immer demoralisirend. Und doch werden sie in allen Zeiten der Reaktion und des Verfalls mit Vorliebe geschmiedet, trotzdem daß der unsterbliche Herodes mit seiner radikalen Erwordung aller unschuldigen Kinder ein davon ziemlich abschreckendes Exempel hinterlassen hatte. Wenn gewiße Juden persönlich schädlich sind, sollen dafür nicht die schädlichen als schädliche, sondern alle Juden als Juden büßen! Dorpat, den 31. Mai 1891. Prof. Dr. I. Baudouin de Courtenay. Nicht, wann Leidenschaft das Urtheil trübt; nicht in Augenblicken, da die bösen Geister des Hasses und Zornes dich aufstacheln; vielnrehr in jenen großen Stunden des Lebens, die Jeder lebt; im Angesichte der Majestät des Todes, an der Bahre deiner Lieben; da, wann es auch von des Kurzsichtigen, von des Halbblinden Augen wie Schuppen fällt: da frage dich, ob jener Wesensunterschied zwischen Jude und Christ, wie ihn die Falschmünzer und Ketzer des Glaubens der Liebe so unchristlich annehmen, im Bereiche auch nur der Möglichkeit liegt! Aber frage dich gleichfalls aus der eigenen Erfahrung, ob du die Zwischenstufen und Schattierungen von Gut und Böse nicht sämmtlich hüben wie drüben gefunden, im Lager der Semiten wie der Nichtsemiten! Kurz, das ontos on Platon's, der intelligible Charakter Kant's, muß bis zum Zeitpunkte der Selbstbestimmung, für alle Menschen im Grunde gleich gedacht werden; man darf im Namen der ewigen Gerechtigkeit niemals voraussetzen, als ob wirklich jene entsetzliche Wand aufgeführt wäre, welche das verruchteste aller sittlichen Borurtheile begründen könnte, das Vorurtheil: Jemanden eine Zufälligkeit vorzuwerfen oder aber noch nachzutragen, die zudem mit ihm geboren worden. Fa, wofern nicht des Menschen Wille allein, seine innerste Entschließung und Entscheidung allein, Jedem die Wege weist, aufwärts oder abwärts, und im Grunde Jedem gleich: so bleibt die Logik des Hellen Wahnsinns die einzige Methode der Weltordnung. Wien, 30. Juli 1891. Dr. August Sieb en list. Die Jude« und die körperliche Arbeit. In der im Jahre 1642 in Berlin erschienenen Schrift des Directors des statistischen Bureaus Dr. I. G. H o f f m a n n, welche den Titel führt: „Zur Judenfrage. Statistische Erörterung", sinden sich die folgenden Auslassungen: „. . . Es kann durchaus kein Zweifel darüber bestehen, daß in einem selbstständigen, von Juden bewohnten und regierten Staate ebensowohl wie jetzt in den Staaten des christlichen Europas der bei weitem überwiegend größte Theil der Einwohner den Anbau des Bodens und alle diejenigen Handarbeiten betreiben würde, welche die Befriedigung der ersten Lebensbedürfnisse fordert; und ebenso dürfte und könnte nur ein kleiner Theil der Einwohner sich den mechanischen Künsten, dem Handel mit allen seinen Hülssgewerben, der Verwaltung öffentlicher Angelegenheiten und den Wissenschaften widmen, weil nur bei solcher Vertheilung und Verwendung der körperlichen und geistigen Kräfte, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, häusliches Glück und öffentliche Wohlfahrt bestehen, kann. Daß es nur Arbeitsscheu, nur Mangel an Ausdauer und Stetigkeit, nur besondere Neigung zu gewissen Formen des Erwerbs und Verkehrs sei, was die Juden von dem Betriebe körperlicher, namentlich landwirthschaftlicher und Handwerkerarbeiten abhält, ist theils durch klare Thatsachen zu widerlegen, Heils durch Verständigung über die zeitige Stellung der Juden zu berichtigen. Als herumziehende Krämer, belastet mit schweren Packen, und als Frachtfuhrleute zeigen die Juden eine Ausdauer in Wind und Wetter, und eine Unermüdlichkeit bei geringer Kost und deshalb schwächlichem Körperbau, wogegen der Vorwurf einer Abneigung vor schweren körperlichen Arbeiten durchaus nicht auskommen kann. Für den Kleinhandel, das Aufkäufer-, Mäkler- und Wechslergeschäft hat sich in der Judenschaft schon deshalb eine besondere Gelehrigkeit und Gewandtheit ausbilden müssen, weil diese Gewerbe seit Jahrhunderten in Folge theils ihrer bürgerlichen, theils ihrer religiösen Verhältnisse fast die einzigen waren, welche sie betreiben konnten. Die Nothwendigkeit, bei starker Mitbewerbung ihren Unterhalt damit zu verdienen, gab der Erziehung von frühester Kindheit an und der Entwicklung aller Geisteskräfte eine Richtung auf dieselben, welche, durch lebenslängliche Gewohnheit befestigt, als Erbtheil der Väter auf Kinder und Enkel überging". SanMtsrath Dr. Moritz Kuh in Brünn. Brünn, 17. November. Samstag den 14. d. M. verschied gegen Abend zu Meran Med. Dr. Moriz Kuh aus Brünn, im 75. Lebensjahre. Ueber diesen Todesfall äußern sich Brünner Blätter wie folgt: „Fern von seiner zweiten Heimat, Brünn, wo er mehr als vierzig Jahre ersprießlich gewirkt, ist der Vorsitzende-Stell-

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