Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 46 (20.11.1891)
- Date
- 1891-11-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 856 Orsterrrichischr Wochenschrift. Nr. 46 Geh. Rath Wagner hat in dcr Tonhallen - Versa m m l u n g d i c s e n V o r w u r s gegen das ganze d c u t s ch c Volk gerichtet und zwar mir vollem Recht." Wir beglückwünschen den „Reichsboten" zu seiner Ehrlichkeit und zu seinem Takt. Allerdings läßt sich auch nur dadurch für die konservative Orthodoxie die frivole Leichtfertigkeit gut machell, mit der eines ihrer Häupter über die Schuld eitles Mannes hinwegging, der Kirchen- und Armengelder veruntreut hat, von den Ersparnissen der kleinen Leute ganz zu schweigen. London, 10. November. Mit feiner dieswöchentlichen Nummer begeht „ I e w i s b E h r o n i c l e" sein f ü nfzigj ä h r i g e s B c st e h e n. Tiefes angesehenste Organ der englischjüdischen Journalistik hat es verstanden, unseren für alle, Juden und Iudenthum betreffenden Angelegenheiten lebhaft fühlenden englischen Glaubensgenossen sich unentbehrlich zu machen rmd eine Verbreitung und damit einen Einfluß zu geivinnen, mit dem kein anderes Blatt gleicher Tendenz sich messen kann. Tie hervorragendsteit Vertreter des Londoner jüdischen Gemeindcwesens bedienen sich bei Besprechung ivichtiger Tagessragen des „Iewish Chronicle", ivie dies jüdische und nichtjüdische Gelehrte tbun, so ojt es sich unt wisscnschustliche fragen handelt, welche für das jüdische Publikum Interesse und Wichtigkeit haben. In der Iubiläums-Rummer werden sich die Träger klangvollster Namen, alles, ivas England an hervorragenden jüdischen Geistlichen Gelehrten und Laien zählt, mit literarischen.^Beiträgen zusammensindcn. Zweifellos werden die Leiter des Blattes auch aus der Mitte ihres Leserpublikums mit Ovationen bedacht werden. Indem ivir uns dem Kreise der Gratlllanten anschließeit, wünschen ivir unserer verehrten Eollegin lveiteres Wachsthum und (Gedeihen! Cavpentras, 3. November. Jur hundertjährigen Feier der Vereinigung der Grafschaft Venaissin mit Frankreich haben Feste in Earpentras stattgefundcn, an welchen Herr Eonstans, der Minister des Innern, Äheilnahm. Der Minister hat den ersten Stein zu einem Rarhhaus gelegt, welches auf der Stelle des alte Ghetto gebaut werden soll. Bei dieser Gelegenheit hat Herr Michel, Abgeordneter und Bürgermeister von Earpentras, eine Altsprache gehalten, der ivir Folgendes entnehmen: „Aus diesem Th eil unseres (Geburtslandes, wo lvir in diesem Augenblick vereinigt sind, machte sich besonders das Bedürsniß nach Freiheit fühlbar; gerade aus diesem Platze, wo Tausende von Personen sich heute nach Belieben bequem beivegcn mW athmen können, befand sich die verpestete und ungesunde Schlammgrube, in welcher ein streitges Ausnahmegesetz die zahlreiche israelitische Bevölkerung zusammengehäuft und eingepfercht hatte, losgetrennt von den übrigen Mitmenschen. Eine der letzten Thaten der Volksvertretung der (Grafschaft bestand darill, die erniedrigenden Zeichen abzuschaffen, ivclche die israelitische Bekleidung besteckten. Sie durften endlich das Leben der Andern führen, zu Pferd in die Stadt einziehen, Herren ihrer Bewegung sein, ivie ihre Mitbürger. Diese Menschen, denen man nichts vorwersen konnte, als ihre Anhänglichkeit an (Glaubenssätze welche von denjenigen der Mehrheit der Bevölkerung abweichen. Unsere Vater haben die Israeliten in alle ihre Menschenrechte wieder eingesetzt; unserer Gelleration blieb es Vorbehalten, die Spuren der ehemaligen Knechtschaft zu vernichten. In der That, gerade auf der Stelle, wo die Parias unserer Gesetze, ilach denl Völkerrecht unsre Brüder, ungerecht litten, stehen Sie, Herl- Minister, im Begriff, den Grundstein zum künftigen Gemeindehaus zu legen." VmmMles. Wie«. (Trauungen am 15. November 1691.) Im Tempel der inneren Stadt wurden getraut: Herr Isidor Schwarz mit Frl.^.Caroline Herz; Herr Mar Löwensohn mit Frl. Olga wiener: Herr- Franz Singer mit Frl. Hedwig Bunzl; Herr Julius Gciringer mit Frl. Gisela Galitzenstein. Wie«. Der Verein „Oesterr. Israel. Union" veranstaltet Samstag am 21. d. M. Abends 7 Uhr im Saale der Restauration Khuner, I., Schottenring 19 eine Vcreinsversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. S.H. Sonnenschein aus S:. Louis: „Juden und Judenthum in Amerika." Wien. Wie wir vernehmeil war Herr Baron H i r s ch Freitag am 13. d. M. in Wien und beehrte das Curatorium seiner galizischen Stiftung mit seinem Besuche. Es lvurde eigens eine Sitzung veranstaltet um ben edelherzigen Stifter eilten Einblick in den Staild der Schulen zu gewähren. Wie wir vernehmen hat Herr Baron H i r s ch über die empfangenen Eindrücke seine Befriedigung ausgesprochen. Wien, den 16. November. Heute ntittags fand im Hause des Herrn Dr. Ludwig Ritter von Gutmann die Beschneidung seines neugebornen Söhnchens durch Herr Dr. Herzfeld statt. Nach der Aufnahme des Neugebornen in den Bund Israels, wurde demselben der Name Hans Emil ertheilt, worauf die zahlreich geladenen Gäste an ein von der Restauration Tonello beigestellten opulenten Dejeuner theilnahmen. Voll den vielen Toasten seien nur die beiden der Herren Prediger Dr. Iellinek und Dr. Güdemann erwähnt; der Erstere wies auf die Erbfolge der Familientugenden hin und stellte an der Hand trefflicher Beweise dem jungen Staatsbürger das allerbeste Prognostikon bezüglich dessen persönlichen Eigenschaften. Herr Dr. Güdemann wies in von Humor und Ernst gewürzter Rede, auf die staatlichen Beziehungen Rußlands und Oesterreichs hin und forderte in geistvoller Weise, daß die Alliance der lieben Eltern des Neugebornen eine glückverheißende sei und Segen im Gefolge haben werde. Nach einen auf die Präsidentin der Tischgesellschaft Frau Sophie von Gutmann dargebrachten launigen Toast dankte ihr Gemahl Herr David Ritter voll Guttmann als Gastvatcr für die vielen Segenswünsche in herzlichen Worten, worauf Herr Oberkantor Singer in trefflicher Weise das übliche Tischgebet recitirte. Möge die freudige Festesstimmung hinüber klingen in das Leben des jungen Staatsbürgers und mögen Eltern und Großelteril nur stets Glück, und Segeil auf ihren Lebenslvegeil begegnen. Wien. Wie alljährlich wurdeil auch am 11. d. Bk. die Martinigänse, die von der israelitischen Eultusgemeinde in Proßburg für den allerhöchsten Hof bestimmt sind, abgetiefert. Um die Mittagsstunde fuhr eine Deputation der bezeichileteil Gemeinde bei der kaiserlichen Kammer vor und überreichte hier dieselben. Wien. Der Israel. IciiipollxiiiDm'iit im VIII. Bezirke veranstaltet unter dein Protektorate des Herrn Bl o r i z F re i h c r rv o n Königsw a r t e r Samstag, den 12. Dezember 1891 in Ronacher's Ballsälen I., Schellmggasse 4 eine Akademie verbunden mit Tanzkränzchen zum Besten des Tcmpelbaufondes im VIII. Bezirke. Karten bei Herrn Hermann Beck, Firma B'ilh. Beck & Söhne, VIII. Langegasse 1. Wien, 8 November. Der bekannten Weinexportfirma I. Leuchtmann Hierselbst wurde auf der slattgehabten, internationalen Ausstellung für Nahrungsmittel lind Hygiene die höchste zur Vertheilung gelangende Auszeichnung, ein Ehrend i p l o m er st e n Ranges, zuertheilt. Herr L e u ch t m a n n der diese Ehre ganz besonders seinen Bestrebungen verdankt, den Wein-Fälschungen entgegenzuarbeiten, hat sich als Verfasser einer Arbeit über „Süßweine und ihre Verfälschungen" in der wissenschaftlichen Welt bereits eitlen klangvolleil Nanteil erworben. Wien. (Antisemitische Ö b j c c t i v i t ä t). Das anttsemitische Hetzorgan Wiens „Deutsches Volksblatt" bringt aus der neueften deutschen Eriminalstatistik einen Auszug des Perzentsatzes der Verbrechen unb Vergehen, in welchen Juden, wez; sie fast ausschließlich dem kaufmänilischen Berufe angehören, darum an den kaufmännischen Delicten dementsprechend um ein Minimales mehr participiren, z. B. Betrug, Erpreßung, Beleidigung, verschweigt jedoch dabei, daß bei Raub, Raubmord, Diebstahl, Nothzucht, Schändung und anderen infamirenden Deüctell die Arier im Perzentsatze um ein Beträchtliches überwiegen und daß den Durchschnitt für die Juden ein sehr güllstiger ist, indem sich das Verhältniß zwischen Ariern und Juden auf 7 gegen 5 zählt. So sehen die antisemitischen objectiven Zeitungsberichte aus Verein zur Beförderung der Handwerke nnter den inländischen Israeliten. In Folge des enormen Andranges, der aus allen Ländern der österr.-ung. Monarchie um Ausnahme ansuchenden Knaben und der großen mit der Versorgung und Bekleidung des dermaligen St.lndes der-Vercinszöglinge von über 1300 Knaben verbundenen Auslagen, welche bereits im Vorjahre, trotz der bedeutenden Subvention