Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 46 (20.11.1891)
- Date
- 1891-11-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 854 Oestrrrrichifche Wochenschrift. Nr. 46 bürg die Primarschule und die Mittelschule in Pest, wohin auch sein Vater seinen Wohnsitz verlegt hatte. Nach den mit Auszeichnung beendeten Studien an der Wiener Universität wurde Dr. Hirschler erst Assistent des berühmten Ophthamologen Rosas, später in Paris Gehilfe des nicht minder hervorragenden Desnmnes. Aus den Kliniken erwarb er sich eine ganz ungewöhnliche Praxis und als er 1850 nach Pest zurückkehrte, war er sozusagen der einzige Doctor der Augenheilkunde in Ungarn. Die pathologische Gewebelehre war dazumal bei uns noch sehr wenig bekannt und als Hirschler den Wünschen der Gelehrten Balassa, Wagner, Kovacs, Marküsovßky, Lumnitzer entsprechend, einschlägige Fachvorträgc hielt, erwarb er nicht nur hohe Anerkennung, sondern auch die warme Freundschaft der henwn'agendsten Aerzte des alten Pest. Seine Dhätigkeit als Arzt wird von berufener Seite an einer anderen stelle dieses Blattes gewürdigt. Hier sei irur kurz erwähnt, daß die hervonagendsten Fachzeitschriften des Auslandes Hirschlcr's Artikel unter schmeichelhafter Würdigung der Persönlichkeit des Autors veröffentlichten, daß er hier das Fachblatt »,Szemeszet“ ins Leben rief und mit Dr. Ludwig Markusovßky und Dr. Heinrich Pollak das vornehme „Orvosi Hetilap“ gründete. Der königlich ungarische Aerztcverein tvählte 'Hirschler zum Präsidenten und es ist charakteristisch für die Verhältnisse der damaligen /Zeit, daß HirschlerÄ Gesuch, an der Universität als Privatdoccnt fich habilitiren zu dürfen, zurückgewiesen wurde, obgleich der junge Arzt schon damals einen Namen von dem besten Klange erworben hatte. Erst siebzehn Jahre später, 1869, bot ihm die Ungarische Akademie der Wissenschaften eine Entschädigung, indenr sie Hirschler ' zum correspondirendcn Mitglied der dritten Classe tvählte. Seine ganz außerordentliche Dhätigkeit als praktischer Arzt ließ ihm nicht Zeit, größere Werke zu schreiben tmd [eine fachliterarische Dhätigkeit blieb auf etwa ein halbes Dutzend klciitcrer Brochüren beschränkt, welche im ^Verlage der Akademie erschieneit u>td von denen insbesondere eine Arbeit über den „Mißbrauch bei Genuß geistiger (Getränke und des Tabaks als Ursache der Schwächung der Sehkraft" großes Aufseher: erregte. Ganz besondere Würdigung verdient die ungewöhnliche Rolle, welche Dr. Hirschler im socialen Leben Ungarns gespielt hat und die weniger seiner Wissenschaft, als vielmehr seiner ungemein gervinnenden Persönlichkeit, seinen bestechender: Umgangsformen und [einem festen eiserner: Charakter zugeschrieben werden muß. Baron Josef E ö t v ö s und August Tr e f o r t würdigten ihn ihrer herzlicher: Freundschaft ur:d auch dieser Thatsache war es zuzumessen, daß Hirschlcr's Wort in vieler: Fragen entscheidendes Gewicht besaß, — zumal in den Kreisen der ungarischen Israeliten, deren Sache er in der: Seiten des Absolutismus zu der [einigen gemacht hatte. Er war darnals Führer der „ungarischen Partei" ur:d einer der Gründer des „Magyar Izraelita Egylet“ welcher in: Interesse der Juden- Emancipation und patriotischer Bestrebungen alle Hebel in Bewegung setzte. Dr. Hirschler genoß unter der ungarischen Judenschaft so hohes Ansehen, daß er 1879 zum Präsidenten des Congresses gewählt wurde und die ebenso energische wie taktvolle Leitung der mitunter leidenschaftlichen Berathungen auf dem Congresse trug ihm die Anerkennung aller Parteien ein. Nichts ist bezeichnender für seine damalige Dhätigkeit als ein Wort, welches Franz Deak dem seligen Baron Josef Eötvös sagte: „Wenn wir doch für unser Parlament einen solchen Präsidenten fänden, wie dieser Hirschler einer ist." Und wenn der Congreß trotzdem keine greifbaren Resultate aufzuweisen vermochte, so trug daran einzig und alleu: die absolute Unausglcichbarkeit der Differenzen zwischen den streitenden Parteien die Schuld. Dr. Hirschler schuf später den „Israelitischen Stipeitdien-Berein", erwarb demselben das Protectorat Baron Eötvös' und wie segensreich dieser Verein noch heute wirkt, erhellt am besten aus der Thatsache, daß derselbe bis auf den heutigen Tag ungefähr dreitausend Gulden jährlich als Stipendien an arme, aber würdige israelitische Universitäts- Hörer zur Vertheilung bringt, Zu Anfang 'der siebziger Jahre zog sich Dr. Hirschler von: öffentlichen Leben gänzlich zurück und widmete sich ganz seinen: ärztlichen Berus. In: Jahre 1878 erhielt er einen Beweis allerhöchster Anerkennung durch die Verleihung des Ordens der Eisernen Krone dritter Classe und als Dr. Hirschler vor etwa zehn Jahren auch die ärztliche Praxis ausließ, war das Bedauern hierüber ein allgemeines» Vor fünf Jahren, anläßlich der Neuorganisirung des Oberhauses siel die Wahl der Regierungskreise, als cs sich n:n die Ernennung eines hervorragenden Mannes israelitischen Glaubens zum Magnatenhausmitglicde handelte, auf Dr. Ignaz Hirschler. Im Berathungssaale des Nationalmuseums sah man bei wichtigen Anlässen die kleine, anspruchslose Gestalt des trefflichen Mannes erscheinen. Der Verewigte litt an einem asthmatischen Uebel, welches ihn schon vor einem Jahre dazu nöthigte sich von: öffentlichen Wirken znrückzuziehen. In früheren Jahren suchte er in: Süden Linderung gegen fein Leiden: Heuer gesellte sich zu den Athembeschwcrden ein anderes schmerzhaftes Uebel, das cs ihn: unmöglich machte, die :vcite Reise nach Italien zu unternehmen. In: Sommer wurde der schon damals Schwerkrankc in seine Villa in: Machassöld gebracht, doch verschafften ihm die aufopferndste Pflege und die würzige Lust nicht die erhoffte Linderung. Als inan den Kranken noch vor Eintrit des rauhen Herbstwetters in seine Stadtwohnung s zurückbrachte, war cs seinen Aerzten klar, daß die Katastrophe nicht mehr aufzuhaltcn sei: die Kunst der Professoren Dr. Friedrich Koranyi und Dr. Berthold Stiller, welche täglich an: Krankenbette Dr- Hirschlcr's erschienen, vermochte dieselbe höchstens nur noch hinauszuschiebcn. Trotz der hingebungsvollen Pflege, die er von seiner Schwester, verehelichte Frau Neuschloß erhielt, starb Dr. Hirschler heute Nachmittags nach kurzer Agonie. Sein Tod wurde dem Präsidium des Magnatenhauscs mitgetheilt, welches die Trauerfahne ausfteckte. Das Leichenbegängnis; Dr. Hirschlcr's fand Freitag, 3 Uhr Nachmittags, von: Trauerhause, Akademiegasse Nr. 6, aus statt. Der schwarzdrapirtc Hof des Trauerhauses, Akademicgaffe 'Nr. 6, vermochte das zahlreiche Trauerpublikum gar nicht zu fassen, in dessen Reihen sehr viele Notabilitäten unseres öffentlichen Lebens sich befanden. Zahlreiche humanitäre Vereine waren korporativ mit ihren Fahnen ausgerückt und nebstdem waren viele Deputationen von Genreinden, Vereinen und Corporationen erschienen. Von den Trauergästen seien erwähnt. Oberbürgermeister Carl Rath, Vicebürgermcistrr Gerloczy Akadcmie-Gencralsecretär Coloman Szily, die Universitäts- Professoren und Docentcn Dr. Joses Kovacs, Dr. Wilhelm S ch u l e k, Dr. Bela F ö l d e s , Dr. Berthold Stiller, Dr. Kornel L i ch t e n b c r g , Dr. Wilhelm G o l d z i e h e r, Dr. Ludwig Takats, Dr. Adolf Onody, Dr Gustav