Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 46 (20.11.1891)
- Date
- 1891-11-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 46 Orstrrrrichische Wochenschrift. Seite 853 constituirt. Bei dieser (Gelegenheit können wir nicht umhin einer eigcnthümlichm Sitte, besser gesagt Unsitte, zu gedenken welche in diesen Eoinites schon seit einigen Jahren herrscht. In den Eomites s ä mmt l i ch er ak ad em i s ch er Ball c W i ens befindet sich notorisch seit einer Reihe von Jahren kein Jude. Kann dies bloßer Zufall sein? Sicherlich nicht. Das Eomite des Studentenballes ergänzt sich aus dem an der Wiener Universität befindlichen Studenten-Unterstützungsverein, der seiner Mehrzahl nach aus Juden besteht. Aus Gründen, die hier zu erörtern nicht der Platz ist, siegte bei den letzten Wahlen in den Borstand die „christlich-liberale Partei" und damit entschwanden die Juden aus dem Ballcomits. Das Eomitü des Juristenballes zählt vierzig bis fünfzig Mitglieder und — keinen Juden. Dasselbe ist beim Universitätskränzchen und beim Technikerball der Fall. Hiemit ist aber die Sache noch nicht erledigt. Jetzt beginnt erst die.Schlauheit der p. t. Eomitamitglieder. Abgesehen davon, daß die Tagesblätter Tag für Tag mit Rachrichten voit den diversen Ballcomites bombardirt werden, damit sich die Herrn nur recht oft gedruckt sehen und gewissermaßen „berühmt" werden, wissen sie es auch, die eventuellen Defizits dadurch zu decken, daß die Gemahlinen hervorragender Juden, die insbesondere über ziemliche finanzielle Mittel verfügen, zu „Patronessen" ernannt werden. Der betreffende Herr Gemahl hält es dann selbstverständlich für eine Ehrensache das Defizit zu decken — welches bei einigen dieser Bälle dadurch entsteht daß die Herrn Eomitemitglieder förmlich i n E h a m p a g n e r, baden. Hoffen wir, daß die Mißstände im heurigen Jahre aufhören un.d die neueonstituirten Balleomites der akademischen Bälle soviel.... txm sens haben werden, diese „Wurzenfängerei" tvie sie bei gewissen Antisemitenführern üblich ist, einzustellen, indem sie sich erinnern, daß dies ein für akademische Bürger wenig honoriges Benehmen ist! Academicus. E. B. Ptüßniß. Das Wiener antisemitische Hetzorgan „Deutsches Volksblatt" tischt seineil Lesern die Mähre auf, Hofrath Beer sei der Sohn des „berühmten Rabbi Beer". Wie alles, was dieses Schundblatt druckt, ist auch diese Mittheilung unrichtig unb erlogen. Hofrarh B e e r ist armer, hiesiger, jüdischer Eltern Kind, die sich jedoch redlich und ehrlich ernährten. Dessen Vater ivar Geschäftsmailn und starb frühzeitig. Hofrath Beer, auf sich allein angewiesen, litt während Absolvirung seiner Studien unter großen Entbehrungen und da er es als Jude s. I. zu keiner Stellung briilgen kouilte, mußte er zur „Eonvertirung" die Zuflucht nehmen, denn nachdem Hinscheiden seines Vaters oblag ihm noch die Pflicht für den Unterhalt seiner Mutter lind Schlvestern zu sorgen, ivelcher Pflicht er mit allem Edelmuthe eines Juden nachkam, der er sich auch heute, nach dem Tode seiner Mlltter, seinen Schwestern gegenüber nicht entzieht. Eiil Bruder des Hofrath B e e r ist der Schwiegersohn des hochangesehenen und bei seinen Glaubensgenossen verehrten Lectors Weiß in Wien. Hier berühren sich thatsächlich die Extreme, ohne sich abzustoßen. Ties bedauernd ist der Umstand, daß das Judenthum in Folge einer Zerstörung die jedem nüchternen Denker absurd erscheinen muß, die Elite mld die Ereme durch ein „Ehangement" verliert, welches einzig und allein nur dazu dient, dein Betreffenden zu einer Stellung zu verhelfen, die ihm vor Hunger schützt, aber eines Rechtsstaates dessen Suprema l6x „das gleiche Recht für Alle" sein muß, unwürdig ist. Kremster. Die erste Friedenskonferenz. Wenn es auf das beständige Reelamiren von Seite des Judenthums zurückzu führen ist, daß der ttits früher streitig gemachte Besitz des Ausspruches: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" heute schon allgemein als ursprüngliches Eigenthum der jüdischen Lehre anerkannt wird, dann begehen lvir eine Unterlassungssünde, tvenit wir es ruhig hinnehmen, daß unsere humanen Grundsätze als Erningenschaften der nachiüdischen Eivilisation hingestellt und die ideale, veredelnde Bedeutung unserer Religion aus böswilliger Absicht oder Unwissenheit todtgeschwiegen werden. Denn tvie die allerdings von jeder menschlichen Schwärmen! entfernte Nächsten-, rvird auch die Friedensliebe trotz den Psalmenversen 29, 11, 34, 15; 86, 11; dem jüdischen Schriftthum abgesprochen. Und hat doch selbst der große Denker Kant, — zum ewigen Frieden, S. 21, 22 — in der figürlichen Bezeichnung Gott der Heerscharen den kriegerischen Eharakter unserer Religion gefunden, obwohl alle ihre Wege Frieden sind, als letztes Ziel den Völkerfrieden hinstellt. Daher erachte ich es für angemessen, anläßlich der in Rom tagenden Friedensconserenz nachdrücklich zu betonen, daß das Ideal vom ewigen Frieden zuerst durch jüdische Propheten in Jerusalem beredten Ausdruck gefunden hat. Ja, um durchaus keinen Zweifel über die Entstehung und Werlhschätzung dieser durchaus nicht utopischen, illusorischen, sondern auf realem Boden stehenden Lehre aufkommen zu lassen, findet sich diese Verkündigung fast mit gleichen Worten wiederholt bei zwei Propheten Jesaias (2, 2—4) und Micha (4, 1—3), nämlich: „Man wird einst zwischen Völkern entscheiden, zwischen Stationen richten; sie schmieden ihre Schwerter um zu Sensen, ihre Speere zu Winzermessern; kein Volk zieht gegen das andere feilt Schwert wtd sie werden nicht mehr Krieg lehren." Ich habe sin meinem Vergleiche der biblischen Parallelen) schriftlich nachgewiesen, daß die Priorität dieser Idee Jesaias gebührt, als ihrem Barer und Schöpfer, und daß diese Rede ganz seinem (Leiste unb Gedankengange entspricht svgl. Jes., Eap. 11). Die Veranlassung zu derselben dürfte eine in Jerusalem zur Berathung über Kriegstlnd Friedensangelegenheiten stattgefundene Versammltlng von Delegirten mehrerer Nachbarslaaten, wie dies erwiesener Maßeit öfters der Fall gewesen ist sJes. 14, 32; 15, 16; Jer. 27, 3) dargeboten haben, aus welchen Umständen die rege Theilnahme Jesaias an Wohl unb Wehe fremder Völker, besoltders aber die Aufforderung an die Beivohner Moabs, daß sie sich nach Jerusalem, dem Sitze des unparteiischen Schiedsrichters ivenden, dem Schutze Hiskias, dem Recht und Wahrheit liebenden Throne Davids sich anvertrauen, erklärbar ist. Wie die politischen Verhältnisse znr Zeit Jesaias sich gestalteten, ist es ivahrscheinlich, daß die Fäden vieler diplomatischen Beziehungen von Zion ausliefen, wo sich die (Gesandten versammelten und die zu führenden Kriege beschlossen oder etwaige Verträge und Pläne feststellten. Bei einem solchen Eongresse in Jerusalem, welches selbst durch die schweren Rüftungeit zu leiden hatte, sEp. 22, 8), dürfte Jesaias diese ewig denkwürdigen Worte verkündet haben, daß dereinst, vorausgesetzt, daß das Land von Wissen voll ist, alle Völker nach dem, von ihn: tvie von keinem glorificirten Zion strömen tvürden, unr dort über Streitigkeiten auf friedlichem, gütlichem Wege ztt entscheiden, luobuvdi die Waffen, sogar das Lernen des Krieges unnöthig tvürden. Wir haben hier ein klares, von jeder Ueberschwenglichkeit und Berschivontmenheit freies Bild des Weltfriedens, der aber mit Recht ttnd Wahrheit vereint sein soll, von welchem Grundgcdanken ja auch die jetzige Friedensconserenz beseelt ist und welche die Verwirklichung der erhabenen prophetischen Verheißung Uttbervttßt fördert. Uns aber genügt der Hinweis, daß diese Theorie von Zion ausgieng und daß tvie dieses prophetische Ideal noch manche Voraussage ihrer Bethätigung entgegensieht., Gerviß ist der erhabene Gedanke des verträglichen Rebeneinandergehens der Völker verschiedenen Glaubens mit erhabenen Worten dargestellt worden, ivelcher es wahrlich verdieitte, Kants dasselbe Thema behandelnden Schrift „Zum ervigen Frieden" als Motto vorangesetzt zu tverden. Dr. Ad. F r a n k l. Budapest. Reich an Ehren bat das Magnatenhausntitglied Dr. I g n a; H i r s ch l e r seine irdische Laufbahn beschlossen, ein Mann, dessen Name innig verknüpft ist nicht nur mit den wissenschaftlichen Bestrebungen der fünfziger Jahre, sondern auch mit den großen socialen Bewegungen, welche die letzten vier Decennien unseres Vaterlandes erfüllten. Als Kind wohlhabender jüdischer Eltern 1823 zu Stampfen im Preßburger Comitat geboren, absoloirte Ignaz Hirschler in Preß-