Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 46 (20.11.1891)
- Date
- 1891-11-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seilt 850 Oeflerveichifche Wochenschvist. Gewürze und r!uxusgegenständc fcbTr ^rE Durch die vielen Reisen lernten sie die Bedürfnisse und Schätze verschiedener Gemeinschaften kennen und brachten aus den Zentren k ihrer Industrie in Spanien und der Levante die angemessenen Befriedigungen. Sie correspondirten miteinander, führten Muster und Notizbücher, und allmählich entwickelten sich die primitivsten Formen des modernen Banksystems. „Wenn ein ganzes Volk" — sagt der ältere D'Jsraeli — einem großen Streben, einerbesonderen Gattung sich widmet, werden Quellen der Erfindung geöffnet, ivird eine edle Vollkommenheit erreicht. So hat im Mittelalter der Geist der Juden die wunderbare Erfindung der Wechsel gemacht — etwas, rvas, ivie die Buchdruckerkunst, zu allgemein geworden ist, um bewundert zu werden. Das Wunder ist verschwunden und nur ihr Nutzen ist geblieben, doch waren Beide Quellen der Civilisation und verbinden, wie in einem Gemeinwohle, die ganze Welt. Dies erfolgreiche Streben der Juden hat ihnen aber zum Schaden gereicht. Für die stahlgekleideten Barone waren sie Schwämme, die soviel Wasser als möglich einsaugen sollten, damit die schützende Hand nach Belieben sie wieder bis zum letzten Tropfen ausdrücken könnte". Als der Geist Europa's von seiner mittelalterlichcrr Dumpfhett envachte und von den Schlanrnr urrd deir Schnrrrtz des Fancttismus und Aberglaubens, die es irr dummer Unwissenheit umschlichen hatten, abwars, fand es, daß die Juden die Wissenschaft in Spanien wach erhalten hatten; daß die Juden nicht blos Waaren von Thüre zu Thüre herumttugen, sondern auch Ideen; daß die Juden nicht blos alte Kleider, sondern auch die Wissenschaft Asiens, nach dem Westen brachten. Wenn furchtbare Krankheiten irr dieser Zeit die Welt verheerten, und das Volk nach Hilfe schrie, rvar keiner da außerden Juden, die genug Medicin verstanden, um ihm zu helfen. AE die Fürsten arm wurden, die Bürger die Gelegenheit ergriffen, chre Frecheit zu crkauferr, und die Industrie neue Impulse gewann; wenn die Kreuzzüge die Völker auf Reisen versetzte und chre Nahrungs-Verhältnisse erweiterte; rvenn so die Schiffahrt entdeckt und Erfindungen aus Asien mitgcbracht wurden, so haben wohl die industriellen Elemente da ganz außerordentliche Anregungen erhalten; doch durch alles dies kam die Wett nur langsam schleichend Alf den Pfad, den die Juden schon Generationen vorher ausgehauen und ruhig die ganze Zeit ebm erhallen hatten, ttotz mancher Schwierigkeiten. Wie nach vielen Schlägen aus denl Feuerstein der Funke und der Blitz kommt, strahlten erst nach den vielen schweren Anstrenguilgell aus Sellen der Juden, die geeignet waren, bessere Verhältnisse und Bequemlichkeiten des Lebens, bessere Erkenntnis; und weitere Anschauungen der Religion und Moral nach Europa zu bringen, diese Bestrebungen in Heller Flamme aus, nnb verbreiteten sich diese Reformen' in Europa, welches dann die Bedingungen producirte, die das System der modernen freien Arbeit erstehell ließen. Ich gelange also auch meinerseits zu derselben Ueberzeugung welcher der Abgeordnete Dr. Bloch im Parlamente Ausdruck gegeben. Die „Christlich-Socialen, welche sich auch „vereinigte Christen" nennen, sind antichristlich und antisocial und wer einen Einblick hat, in die inneren Verhältnisse dieser Partei, wird das Zeugniß ausstellen, daß sie noch weniger „vereinigt" sind, als ^christlich". Sie haben eine Lüge als Firma angenommen und haben Namen gewählt um die innere Blöße zu decken. Chinesische und antisemitische Ehrenmänner. (Aui den Berliner Mittheilungen des „Vereines zur Abwehr des Antisemitismus".) An die „jüdischen Ritualmorde" unser Antisemiten erinnern die Vorgänge, welche in einer Correspondenz der „Fr. Z." aus Hongkong, 17. Oktober geschildert werden. Dieselbe lautet: „Die allmählich eintreffenden Einzelheiten über den Ansrühr in Jchang am 2. September lassen es zweifellos erscheinen, daß die ganze Sache planmäßig angezettelt worden ist. Die Anführer waren nicht zahlreich, handelten aber mit solcher Schnelligkeit und so systematisch, das sie in kurzer Zeit eine große Menge Gebäude in Brand gesteckt und fast jeden Europäer von Jchang gezwungen hatten, auf dem im Fluß liegenden Dampfer „Paohua" Zuflucht zu suchen. Um einen Vorwand für ihren Angriff auf die Europäer zu finden, veranlaßten die Rädelsführer des Aufruhrs durch einen Mittelsmann die Franciskaner-Nonnen, einen Säugling in ihr Kloster aufzunehmen. Am nächsten Tage wurde das Kind unter gewaltigem Geschrei zurückgefordert unter der Beschuldigung, die Schwestern hätten es gestohlen. Eine Menschenmenge hatte sich schnell gesammelt und sofort begann der Sturm auf das Kloster. Die Nonnen entkamen durch eine Nebenpforte nach dem Fluß. Der Pöbel lief ihnen nach und hätte ihnen sicher ein Leids angethan, wenn nicht Pater Braun, ein Mann von herkulischer Gestalt und früherer Offizier in der deutschen Armee, sie mit seinem Leibe geschützt hätte. Dafür empfing der Pater die Schläge, welche den Schwestern gelten sollten. Schließlich brachte ein Boot des „Paohua" die Fliehenden nach dem Schiffe. Der ganze Aufruhr war in 20 Minuten vorüber, aber unglaubliche Verheerungen waren in dieser kürzen Zeit angerichtet worden. Die Anführer hatten Pettoleum bei sich. Als ihr Vorrath erschöpft war, zwangen sie' die Dienstboten der Häuser der Europäer, ihnen mehr zu geben, worauf sie alsbald die Gebäude in Brand steckten. Als der Missionär Cockburn einige chinesische Soldaten ausforderte, einzuschreiten, riefen sie aus: „Soldaten thun Soldaten nichts". Die Brandstifter waren alles Soldaten ohne Uniform. Erst als alles vorüber war, verhafteten die Behörden eine Anzahl Personen die einige versengte Holzstücke aus den niedergebrannten Häusern forttrugen. Den eigentlichen Schuldigen geschah nichts. In die Häuser der katholischen und Londoner Mission in W u ch a n g sind Drohzetteln hineingemorfen worden, in denen erklärt wird, daß die Missionäre bald alle mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden würden. In H a n k o w ist man jetzt ruhiger, weil das britische Kriegsschiff „Archer" eine Abtheilung Matrosen gelandet hat. Cs heißt daß die Missionäre aus Nancking abreisen, weil die Dinge dort bedrohlich aussehen. Ein Schmutzblatt, in welchem die schamlosesten Anklagen gegen die christlichen Missionäre und besonders gegen die katholischen erhoben werden und die christliche Religion aufs Gemeinste verspottet wird, ist zu Tausenden von Exemplaren unter die Gelehrten vertheilt worden, welche wegen der dreijährigen Prüfungen nach Nacking gekommen waren. Folgendes sind die Schlußsätze dieses Machwerkes: „In Tientsin haben sie fortwährend kleine Kinder fortgelockt, um ihnen die Augen und das Herz auszuschneiden. Als das Volk die Endeckung machte, riß es die Häuser der Ausländer nieder. Im innern der Häuser fand man dann Haufen von Leichen entführter Knaben und Mädchen. Diese Thatsachen sollten uns Chinesen vorsichtig machen, um uns vor solchen Gefahren künftighin ztt bewahren. Wir sollten Hand und Herz vereinigen, um das Uebel fernzuhalten, ehe es uns heimsucht. * * * Von Jnterresse für die Antisemitenfrage wird wohl noch jetzt folgende Stelle aus dem im Jahre 1715 erschienenen satirischen Roman „Gil Blas" sein: In den Kapitel I. des 6. Buches wird erzählt, wie Gil Blas und zwei Spießgesellen sich als Mitglieder des Inquisitions- Tribunals, als Polizist und als Actuar verkleiden, um den zum Katholizismus übergetretenen Juden Simon Samuel zu berauben. Sie lassen sich Gaspardo, den Burschen Samuel, kommen, und es entspinnt sich folgendes Jnquisitorium: „ .... Aber antworte mir jetzt ganz genau auf meine Fragen; ich muß ganz besonders in Erfahrung bringen, wie es in Bezug an Religion mit ihm steht? Sage mir doch einmal, wird oft Schweinefleisch bei Euch gegessen?" — „Seit Jahr und Tag", gab Gaspardo zur Antwort, wo ich in seinem