Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 46 (20.11.1891)
- Date
- 1891-11-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 848 Orstrrreichischr Wochenschrift. Nr. 46 Das Passahfest, welches der Freiheit gewidmet ist und den Glauben an die Befreiung der Völker trotz aller Pharaonen in uns befestigt, schließt mit jener Rede des Propheten Jesaia, in welcher unter dem Bilde von „Wolf und Lamm" das Reich des Friedens und die Herrschaft der Gerechtigkeit verkündet werden. Das ist der letzte Accord unseres Erlösungsfestes. Für uns die Frecheit, für die Völker der Friede; nach dem Lorbeer der Frecheitskämpfe der Oelzweig des Friedens in der Geschichte. Ohne Frecheit der Bekenner des Judenthums kein Friede der Nationen. Ungestörte Frecheit, ungetrübter Friede das ist unser Glaube, unsere Hoffnung, unser Programm, unsere Poliük. Jüdische Namen. In einer wichtigen Angelegenheit des jüdische»: Matrikenwesens wandte sich das Wiener israel. Matrikenamt an die hohe k. k. nieder-österr. Statthalterei, mit einer Eingabe welche eine bedeutsame und wichtige Erledigung gefunden. Wir lassen beide Schriftstücke nachstehend dein Wottlaut folgen: Hohe k. k. n.-ö. Statthalter ei! Im Lause der Zeit sind mehrere Aufträge der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei über nachträgliche Eintragungen in die Geburtsmatriken herabgekommer», bei welchen auch die hebräischer: Namen angegeben sind und dem entsprechend auch in den Geburtsbüchern der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde vorgegangen wurde. Ich halte es für meine Pflicht darauf aufmerksam zu umchen, daß die hebräischen Namen im bürgerlichen Leben keinen Werch und nur in liturgischen Fällen, z. B. beim Spreche»: eines hebräischen Segens, bei hebräischen Gebeten, in Krankheits- und Todesfällen oder bei Ehetrennungen eine Bedeutung haben. Es kann daher nicht überraschen, wenn die Eltern beim Anblicke eines solchen Geburtsscheines sich wunder»:, auch den hebräischen Namen auf dem Dommente verzcich»:et zu sehen, obwohl er bloß bei gewissen liturgischen oder rituelle»: Veranlassungen in hebräischer Sprache gebraucht wird. Im Falle das vorliegende billige Verlangen um Hinweglassung des jüdischen Namens im Geburtszeugnisfe bei der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei keine Billigung fir:den sollte, so würde in Hinkunft aus den Geburtsanzeigen die Rubrik „Jüdischer Name" eliminirt werden. Wien, 30. October 1691. Dr. Jellinek in. p. K. 1 n.-ö. Statthalterei Z. 67741 (Normale) Mit der Eingabe vom 30. Oktober 1891, Z. 1950 hat das dortige Mattikelamt das Ansuchen gestellt, bei Anordnung nachträglicher Eintragungen in die Geburtsmattiken von der Beifügung des hebräischen Namens zu dem sogenannte»: deutschen Vornamen abzusehen, da dieser iin bürgerlichen Lebe»: keinen Werch habe u:ü> nur in liturgischen Fällen vo»: Bedeutungen. Hierüber wird dem gechrten Vorstande zur e»:tsprechende»: weiteren Veranlassung eröffnet, daß in Hinkunst die Eintragung des hebräischen Namens von h. a. nunmehr dam: angeordnet werden wird, wenn dem Kinde kein anderer Name beigelegt wurde. Auch kann weiterhin bei Ausstellung von Geburtscheinei: die Beifügung des eventuell seitens der Matrikensührung in das! Geburtsbuch eingetragenen hebräischen Namens zu dem deutscher:! Vor»:amen unterbleibe»:. Es wird übrigens bemerkt, daß keil» Grund vorliegt, in den Geburtsbücheri: und Geburtsanzeige»: die Rubrik „Jüdischer Name" zu eliminiren, da nach § 6 des kais. Patentes vom 20. Februar 1784 den Israeliten geringe auf ihre Religion angerverrdete Aenderu»:ge»: mit diesem kaiserlichen Patente für die Matriken festgesetzten Formularien gestattet si»:d. Wien, an: 5. November 1891. In Vertretung: „Chrrstttch-forial". Ein Brief an den Redaeteur der „Oesterr. Wochenschrift". Sie haben in der letzten Numiner das Glaubensbekenntrüß eines „vereinigten Ehristcn" in nähere Beleuchtu»:g gerückt u»:d die antisemitische»: Lehrsätze in Bezug auf das Christcnthum enviesen sich solcher Statur, daß die k. k. Staatsanwaltschaft zur Eonsiscation derselben sich gedrängt sah. Das Verhalten unserer „Arier" zum Ehristenthun: ist zivcisellos ein ebenso interessantes Probten», wie das Verhalte»: der Kirchenfürstci: zu der eigenartige»: Bewegung und wohl aus diesen: Grunde adressirten Sie Ihre i,:teressanten Auscina»:dersetzungen on die in Wien versammelten Kirchcnsürstei». Mit aller Entschiederrheit kanr: eigentlich gesagt werden: E i n c I u d enfr age gibt und gab es nicht, seitdem der letzte Schein eines jüdischen Staates erlösche»: ist und die Bekenner des Judenthums, als solche, einen Faktor von politischer Bedeutung zu bilde»: ausgehört haben. Was man heutzutage in Europa noch eine Judenfrage nennt, das ist lediglich eine C h r i st e n f r a g e oder richtiger eine Frage des E h r i st e n - thums, die endgiltig zu beantworten, wir nicht die Anmaßung besitzen. Die Frage ist weder eine politische noch eine nationale, noch eine sociale, sonder»: eine reii: kirchliche n»:d läßt sich also sormuliren: Lehrt das Ehristenthum die Judenverfolgung? billigt cs sie? Ist Judenverfolgung eine nothwer:dige Eonseque»:z des Ehristenthums? Im bejahenden Falle wird es Sache der christlichen Kirchen sei»:, zu den Ideen des Rechtsstaates und der Humanität Stellung zu nehmen und ihren Standpunkt zu rechtfertigen und die Anfechtunger: des Zeitgeistes abzuwehren. In: verneinenden Falle wird es wiederum Sache der christlichen Kirche sei»:, die antisemitischen Carricaturen des Ehristenthums als solche zu bezeichne»:, jede Gemeinschaft init Ihnen abzulehncr: und oste»: zu verdammen. Uns Juden selber steht keinesfalls ein Urtheil darüber zu abgesehen davon, daß wir mit der Vertheidigung des Judenthums hinlänglich beschäftigt sind und uns nicht noch die Arbeit aufbürden können, christliche Lehre und christliche Praxis gegeneinander abzuwägen. Und selbst we»:n wir arrogant genug wären, eine solche Untersuchung antreten zu wollen, und wen»: wir im Eifer Reciprocität zu üben uns zur Frechheit eines Rohling versteigen könnte::, über Dinge, die wir »»icht verstehe»:, abzusprechen; so fehlten u»:s ja alle Archaltspunkte, um zu einem erschöpfenden Urtheile zu gelangen. Wir könne»: allenfalls die kanonischer: Bekenntnißschristen der Christen lese»: u»:d nach dem Wortlaute auslegen; allein wer bürgt uns dafür, ob unsere Auffassung mit jener authentischen Interpretation, die ausschließlich der Kirche zustehet, sich decke? U»:d setzte»: wir uns auch zu den Füßen christlicher Theologen und läsen ihre Schriften, wir müßten an den widersprechenden Meinungen irre werden? Stöcker und Genossen sind ebenso gewiß christliche Theologen, wie Baumgartt:er und Delitzsch. Oder soll uns die Geschichte Auskunft geben? Sie consundirt u»:s mehr, als sie aufklärt, und erzählt uns ebenso viel Judensreundliches einiger Päpste, Bischöfe und kirchlichen Würdenträger des Mittelalters als von Capristan und von den Erfolgen ei»:es Torquemada in Spanien und den Jude »Hetzen des Dominikaner- und Jesuitenordens. Von alledem wild cs uns in» Kopse so dumm