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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-11-20 · 46 (20.11.1891) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
46 (20.11.1891)
Date
1891-11-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 846 Orstrrrrichifche Wochenschrift. Nr. 46 Josef erst bei seinem jüngsten Prager Aufenthalte anläßlich des Empfanges, der ^Deputation der Prager Cultusgcmeinde, den opferfreudigen Patriotismus der Juden ausgestellt. Sie könnten sich ferner darauf berufen, daß nach jenem erschütterndem Ereigniß im österreichischen Kaiserhaufe, dessen Erinnerung immer wieder durch die Antisemiten aufgefrischt wird, das offiziöse „Fremdenblatt" vom 7. Februar 1889 mitcheilt, der Kaiser habe über die Haltung der österreichischen, speciell der Wiener Presse in jenen schweren Tagen seine allerhöchste Anerkennung auszusprechen geruht und diese Anerkennung aus h ohem Munde Hab e ihren Ausdruck in den gnädigsten und wärmsten Worten gefunden. Mer auch nur mit solch' einem Versuche einer Widerlegung jener gehässigen Angriffe würde man der antisemitischen Schwefelbande zu viel Ehre erweisen. Nicht darum handelt es sich, das Judenthum von dem Vorwurf des Unpatriotismus reinzuwaschen, sondern es soll gezeigt werden, daß auch auf diesem Felde der Verleumdung und Verdächtigung die Antisemiten nur nach ihren eigenen erbärmlichen Mustern arbeiten. Man weiß, woher der Antisemitismus seinen Ausgangspunkt genommen. Seine ersten Bekenner waren jene Bismarck- Anbeter, welche die Annexion der deutsch-österreichischen Provinzen als die große Zukunstsaufgabe des neuen deutschen Reiches proklamirte, welche in Wort und Schrift, offen und insgcheim darauf ausgingen, das Vaterlandsgefühl der Deutschen in Oesterreich zu erschüttern, welche in der habsburgischen Monarchie mu ein langsam verbrennendes „Franziskerl" sahen, welche von der Tribüne des Parlaments herab die österreichische Armee beschimpften. Die Schönerer, die Türk, die Knotz, die Herolde der extremen deutsch-nationalen Richtung, waren auch die erstell Verkünder des Antisemitismus. Der Judenhaß und der H aß gegen Oesterreich deckten sich in ihrem Ursprünge. Dann steilich trennten sich von diesen Propheten des Rassenhasses die christlich-sociale oder auch die sogenannte „schwarzgelbe" Gruppe ab. Aber so verschieden auch die Ziele der letzteren waren, sie hat innigen Zusammenhang mit den deutsch-nationalen Antisemiten niemals verleugnen können. Denn sie ist heute noch durch zahlreiche Bande mit ihneil verknüpft. Hat doch Vergani das Kunststück zu wcge gebracht, sein Blatt, das zunächst auf deutsch-nationaler Basis gegründet ivar, dem Prinzen Liechten st ein dienstbar zu machen, nachdem er vergeblich um die Unterstützung Schönerer's gebettelt hatte. Und es gab eine Zeit, in der L u e g e r und Schönerer an Einem Strange zog und die Partei der „Vereinigten Christen" proklamirte, in der sich die Feinde der Juden und die Feinde Oesterreich's in rührender Liebe und Treue umarmten. Die dummdreiste Lüge der „Kreuzzeitung", daß die vornehmlich von Juden geleiteten und geschriebenen Blätter anläßtich.des erschütternden Ereignisses, von welchem vor drei Jahren das Kaiserhaus bettoffen wurde, das Ansehen der Dynastie im In- und Auslande herabsetzten, bedarf keiner Zurückweisung. Wie aber hat die antisemitische Presse in Oesterreich jenes schmerzliche Ereigniß ausgenommen und ihrer: Lesern vermittelt? Das Salzburger Antisemitenblatt „Kyfshäuser" hat die Nachricht voni Tode des Kronprinzen wie eine g ewöhnliche interesselose Tagesnotiz am Schlüsse der vorletzten Seite in der Rubrik „Verschiedenes" unter der Spitzmarke „Plötzlicher Todesfall" auf eine geradezu empörende Weise abgethan. Gäste des Cafe Bogar in Salzburg zogen um diese Notiz mit Tinte einen Trauerrand, über welchen die Worte zu lesen waren: „Es ist ttaurig, wenn die Leser eines Blattes diesem Anstand und Takt lehren müssen." Das „Salzburger Amtsblatt" meldete ferner, daß diese infame Haltung des „Kyffhäuser" im Cafe Tomaselli zu einer erregten Scene geführt habe. Der „Kyffhäuser" wurde gelyncht, in Stücke zerrissen, auf die Erde geworfen und mit Füßen getteten. Ein großer Theil der Besucher erklärte, kein Caftzhaus zu besuchen, wo der „Kyffhäuser" ausliegt. Auch in anderen größeren Case's ereigneten sich ähnliche Sccnen. Und der Geist des „Kyffhäuser" wunderte durch die gesammte antisemitische Presse. Die „Unverfälschte u deutschen Worte" erschienen am 1. Februar und an der Sp itze des Blattes stand ein Jubelartikel: „Heil W i l h e l m, dem deutschen Kai sc r", von dem T r a u e r f a l l i m Hause H absburg meldete das Blatt kein Wort» Im „Deutschen V o l k s b l a t t" war das M a n if e st d e s K a i s e r s an die Völker Oesterreichs w i e eine Tagesneuigkeit publizirt, nach den: Leitartikel. Zuerst kaut ein Hetzartikel gegen Baron Hirsch, dann erst folgte das kaiserliche Manifest. Das „Vaterland" brachte das Manifest zwar an erster Stelle, indessen zu einem würdigen Artikel über diese hochherzigekaiserliche Enunciation, i n welcher sich d i e Seelettgröße des Mo n arch en in leu ch t en d em Glan ze offenbarte konnte das Blatt sich nicht aufschwingcn. Die Botschaft, welche der Kaiser durch den Präsidenten Smolka dem Abgeordnetenhause entbieten ließ, wurde im „Deutschen Volksblatt" kürzer abgethan als eine Diebe T ü rk's. Nicht einmal eine typographische Markirung durste die kaiserliche Botschaft der Aufmerksamkeit der Leser näher rücken. Die Innsbrucker klerikalen „Tiroler Stimmen" wurden wegen eines den Tod des Kronprinzen besprechenden, die Ehrfurcht vor dem Kaiserhause verletzenden Artikels c o n f i s c i r t. So war die Haltung der antisemitischen Presse angesichts einer Katastrophe, welche ganz Oesterreich, ja die ganze civilisirte Welt in Bestürzung und Trauer versetzte und der gegen-' über alle Parte igegensätze verstummten. Das war vor dre Jahren, als die Antisemiten aller Parteischattirungen, als die Anhänger S ch ö n e r e r's, L u e g e r's, Schneide r's lind des Prinzen Liechtenstein sich einheitlich als Partei der „Vereinigten Christen" organisirt hatten, als das „Vaterland" Hand in Hand mit dem „Deutschen Volksblatt" ging und Beide von der „Kreuzzeitung" unterstützt wurden. Aber vielleicht haben sich die Herren seither ihrer Pflichten gegen Oesterreich und das habsburgische Kaiserhaus erinnert, vielleicht haben sie seither sich jenen Pattiotismus angeeignet, den sie den Juden absprechen? Wir wollen sehen!

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