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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-11-20 · 46 (20.11.1891) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
46 (20.11.1891)
Date
1891-11-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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o 42ma Ur. 46. Wien, 20. Uonembrr 1891. VAL M Centralorgsn für die gefammten Interessen des Iudenthum«. Eigenthümer: Ueichsraths-Abgeor-neter vr. -- H. ft. Postsparealenamt Clrsringvrrkrhr Nr. 810.976. Nedartion u. Administration: Wien I, Aothrnthurmstratzr 39. Man «donnirt bei allen Pofisrrstslten de» Ln- und Auslände». Bezugspreis: Halbjährig 4 fl- Einzelexemplare »s kr Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile IN kr. Inhalt: Leitartikel: Antisemitischer Patriotismus. — Wols und Lamm. — jüdische Namen. — „Christlich-social". — Chinesische und antisemitische Ehrenmänner. — Der Hof-,Zactor. — Eorrespon denzen: Wien, E. B. Prostnitz, Kremsier, Budapest, Berlin, London, Earpentvas. — Vermischtes: Wie», E. P. Proßnitz, Rad nutz, Aiutli, Budapest, Hamburg, D ppeln, Eonstantinopel.— Feuillet on. Ein Märchrer. — Wochenkalender. — Eingesendet. — Inserate. Antisemitischer Patriotismus. D ic ulten Waffen der internationalen Judenhetze beginnen stumpf zu iverden und man muß daher nach neuen suchen. Der Vorwurf der Corruption und der Ausbeutung des christlichen Volkes, der so lange ein wirksames Mittel zur Aufreizung der Massen gegen die Juden war, hat zum größten Thcile seine Wirkung eingebüßt, seit cs sich herausgestellt hat, daß die Führer des Antisemitismus das Arierthum als einen Freiheits- Brief für Betrug, Diebstahl, Unterschlagung, Meineid rurd Fälschung betrachten. Nach der geschäftlichen und socialen Seile hin kann man gegen die Juden keine Anklage erheben, die nicht in weitaus höherem Maße ihre Gegner träfe. Seit Lueger den Herrgott gepfändet, Schneider seine Stampiglien und Stimmzettel gefälscht, V e r g a n i die Corrrunpirung der öffentlichen Meinung zur höchsten Vollendung entwickelt: seit Stöcker seinen Falscheid geschworen, B ö ck e l seine christliche Sittenstrenge gezeigt und Pickenbach die Nächstenliebe nach einer wucherischen Percentscala bemessen, ist es schwer, die Juden noch schlimmerer Verbrechen zu bezichtigen. Der Kamps muß daher vom socialen und geschäftlichen aus das politische und dynastische Gebiet hinübergespielt werden. Das ist ein neues Tenain, dessen Bearbeitung eine sehr lohnende 1u werden verspricht. Die Völker haben in der letzten Zeit hnchin das Gruseln gelernt. Die Knegsfurcht schüttelt sie in tm Gliedern und das Vertrauen in den bestehenden Zustand ■ Ruhe erfährt immer neue Grschütterungen. Wie nun, wenn man diese fortdauernde Beunruhigung Europas den Juden in die Schuhe schübe, lvenn man sie als leibhaftige politische Teufel malle, als Republikaner und Königsmörder, die kein anderes ^iet kennen, als die alten europäischen Monarchien über den Hausen zu werfen, die Fürsten Europa's zu ermorden oder aus sonst eine Weise ltnschädlich zu machen und aus den Trümmern der alten Welt die jüdische Universal- Republik zu proklamiren? Das ist doch einmal envas Neues oder Originelles, wobei die verleumdeten Juden nicht gleich mit gepfändeten Ehristusbildern und gefälschten Stimmzetteln zurückschießen könnten' Man weiß, daß Herr L u e g e v wieoerholt im Abgeordnetenhause sich zum Dolmetsch dieser neuen Angriffsmethode gemacht hat, indem er aus einem gegen Mitglieder des österreichischen Kaiserhauses gerichteten Artikel, der in einer amerikanischen Revue aus der Feder des langst gelausten Pariser Journalisten Blowitz erschienen war, Schlüsse aus den Patriotismus und die Kaisertreue der österreichischen Juden zog. Die Berliner „Kreuzzeitung" hat diese Taktik ausgegristen.. In einem Arliket „Haus Hnbsburg und seine Freunde," verarbeitet sie die styliftische Leistung des Herrn Blowitz, die sie auf Inspiration seitens der Wiener liberalen Parteileitung, der Wiener offiziösen Presse Mid der Alliance israelitc zurücksührt. Sie erinnert an die Schmähungen, die seinerzeit der Abgeordnete P e r n e r st o r s e r „der VeMauensmann und Agent der Wiener liberalen Parteileitung" gegen hochstehende Persönlichkeiten vorgebracht und sie erklärt es als öffentliches Geheimniß, daß jener abscheuliche Angriff durch alle der Alliance israelite zur Verfügung stehenden Blätter des Auslandes colportirt wurde. Der gleiche Vorgang, sagt die „Kreuzzeitung" habe sich bei dem Tode des Kronprinzen Rudolf wiederholt, und es seien von der durch Juden geleiteten offiziösen Presse die ärgsten Lügen und Skandalgeschichren im Auslande verbreitet ivorden, zu keinem anderen Zwecke, als um Oesterreich-Ungaru als einen in Auslösung und Zersetzung befindlichen Staatskörper hinzuftellen, mit dem sich zu verbinden Wahnsinn sei. Damit wurde angeblich den Pariser Kommittenten des Baron Hirsch gedient, der auch hinter dem Artikel des Herrn Blowitz stecke. Das ungefähr ist der Sinn des „Kreuzzeitungs"-Artikels, der sich streng an den Gedankengang des Herrn Lueger anlehnt. Die Juden könnten zu den giftigen Verleumdungen dieses Artikels lächeln; sie könnten die Frage auswersen, was die in Amerika erschienenen Expectorationen eines Menschen, der längst getan s t ist und heute der klerikalen P artei angehört, mit ihrer Staats- und Kaisertreue zu thun habe. Sie könnten sich auf das glänzende Zeugniß berufen, welches Kaiser Franz

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