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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-11-13 · 45 (13.11.1891) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
45 (13.11.1891)
Date
1891-11-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 836 Oestrrrrichisrhe Wvchrnsttzrist. fti. 4 5 Herten der heuügen Zeit haben. Auch das Geständniß welches sich mit unseren Behauptungen von dem revolutionären und antireligiösen Charakter des Antisemitismus völlig deckt, wollen wir festnageln, daß die Bewegung „vor keiner Folgerung ihres eigenen Grundgedankens zurückschreckt", und stimmen endlich, wenn auch natürlich in unserem Sinne, dem Ausspruch bei, daß die Rolle, welche der Antisemitismus bei uns zu spielen berufen ist, „von dem Maße an sittlichem Ernste abhängen wird, der dem deutschen Volk noch innewohnt". Wenn aber der Verfasser des „Kreuz-Zeitung"-Artikels die bekannten Mätzchen der Antisemitenredner niedrigsten Ranges nachmacht und voll der Erkenntlichkeit „der Juden" gegen die Sozialdemokratie spricht, so können wir ihn nur so behandeln, wie wir dies nach seinem eigenen Ausspruch seinesgleichen gegenüber zu thun pflegen, indem w'.r ihm und seinem Antisemitismus unsere „Verachtung nicht minder zu fühlen geben, als bisher". Berlin. Die preußischen Freimaurer-Logen, namentlich die Töchterlogen von „Royal Jork", ilehmen mit Genehmigung chres Protectors, Kaiser Wilhelms I. seit 1874 auch Juden auf. Seit der Stöcker'schen Bewegung bildete sich eine Clique, welche alle Juden durchsallen läßt (Wegen der Lage des Logenhauses an der Spree heißt es nach einer solchen Kugelung: „Es ist ein Jud' ins Wasser gefallen".). Um diesem Zustande ein Ende zu machen, will die große Loge von Hamburg in Berlin eine Tochterloge errichten. Hiergegen wehren sich die hiesigen drei Großlogen. Die Gegner drohen damit, eventuell als Verein unter Polizeiaufsicht weiter zu arbeiten und die Logengeheimnisse öffentlich preiszugeben. Vorläufig hat man den Recursweg an den Minister des Innern beschritten, der aber in Logensachen vollständig Laie ist. Die Hamburger Großlöge kennt seit 150 Jahren keine Bekenntnißsrage. Am 15. November wird hier die erste streng rituelle jüdische Volksküche (Klosterst. 99) eröffnet. Der durch die Veranstaltung des Wohlthäligkeitsconcerts für die russischen Juden in weiteren Kreisen bekannt gewordene philantropisch gesinnte Herr H. Abraham ist cs, der sich der Mühen und Opfer unterzieht, die erste „israelitische Volks- Speiseanstalt" ins Leben zu rufen. Die Einrichtung der Locatitäten kostet nahezu 10.000 Mark. Für Männer und Frauen sind besondere Speiseräume, für Familien besonderer Eingang und aparte Räume eingerichtet. Die Speisen und Suppen können auch aus dem Hause abgeholt werden. Der Verkauf der Marken findet nur im Locale statt. Die Speisezeit ist Mittag von i/212 bis 2 Uhr, Abends von ya7 bis 9 Uhr. Die Mittagsportion (Gemüse, Fleisch und Kartoffeln) kosten 25 Psg. (die halbe Portion 15 Psg.), zu Abend Suppe und Brod, die Portion 10 Psg. Nähere Auskunft über diese Wohlthätigkütsanstalt ertheilt Herr Abraham selbst (Alte Jacobstraße 57/59). Aachen. 13. October.^ Gestalten Sie mir, Ihnen zum Capitel der „jüdischen Antisemiten" einen kleinen Beitrag zu liefern. Ein in einem hervorragenden jüdischen Bankhause zu Frankfurt a. M. angestellter junger Mann suchte am Rüsttage zu Rosch-Haschanoh um Urlaub für die beiden Festtage nach. Da der Chef zufällig verreist war, richtete er sein Gesuch an die beiden Procuristen, welche christlichen Glaubens sind. Diese schlugen ihm, sowie den übrigen jüdischen Angestellten des Hauses das Gesuch rundweg ab, begleitet mit einer für das Judenlhum beledigenden und unfeinen Bemerkung, die anstandshalber hier nicht wiederholt werden kann. Der junge Mann, Sohn des Directors eines hiesigen Bankinstitutes, fragte hierauf bei seinem Vater telegraphisch an, wie er sich zu verhalten habe, und erhielt die Antwort, daß er die beiden Feiertage vom Geschäfte fernbleiben solle. Am Tage nach dem Feste ließ der jüdisch« Chef des erwähnten Bankhauses den jungen Man zu sich bi> scheiden und erklärte ihm, daß er sofort entlassen sei, da die Procuristen ganz in seinem Sinne gehandelt hätten und es genügt hätte, wenn der junge Mann am zweiten Festtage, welcher auf einen Sonntag fiel, sein religiöses Bedürfniß befriedigt hätte. Diese intolerante Handlungsweise seitens eiües Juden bedarf wohl keiner weiteren Illustration. Merkwürdig ist nur, daß der Name des betreffenden Bankiers unter dem Frankfurter Ausruf des „Vereines zur Abwehr des Am - semitismus" figurirt. Er hätte doch bei sich den Anfang, machen sollen Worms. 3. November. Ihren Lesern ist wohl noch erinnerlich, in welch' empörender Weise im Anfänge Februar dieses Jahres eine Anzahl Gießener Corpsstudenten harmlose israelitische Bürger im hiesigen Festhause angriffen. Ein ähnlicher Vorfall wird eben wieder vielfach besprochen. Dem „Darmst. Tgl. Anz." wird über den Vorfall von hier geschrieben: „Vom einem Studiosus N. von hier, welcher sich Verhältnisse halber öfter in dem benachbarten Lampertheim aufzuhalten pflegt, ist ein solcher Act von Antisemitismus verübt worden, daß allgemeiner Widerwille sich kundgethan hat. Im Gasthause „Zum Rebstock" . in Lampertheim fand dieser Tage ein israelitischer Ball statt. Der Herr Studios trank sich an dem Ballabend zuerst Curage an, äußerte zu seinen Bekannten: „Heute müssen die Juden dran glauben!" und rückte um 11 Uhr mit einem Begleiter in das Baülocal. Hier verhöhnte er die Battgäste, blies mit einer Kindertrompete und warf zuletzt Steinkohlen in den Ballsaal .... In der ganzen Umgebung spricht mau mit Empörung von diesem rohen Betragen. Kreuznach, 2. November. Die Katze kann das Mausert und Herr Stöcker das Hetzen nicht lassen. Beim Familie nabend des hiesigen „Evangelischen Vereines" hatte der einstige Hofprediger einen Vortrag gehalten und dabei — wer weiff aus welchen Ursachen — es unterlassen, sein Müthchen an den Juden zu kühleir. Diese Unterlassungssünde drückte den friedliebenden Mann so sehr, daß er sich schnell beeilt hat, bei der später erfolgten Drucklegung der Rede in Form einer Rede das Versäumte um so gründlicher nachzuholen. Wir können es uns nicht versagen, hier Einiges zu wiederholen, was der geistliche Herr über uns böse Menschen sagt: „ .... Dieses Volk, durch Abstammung und Natur, durch Glaube und Sitte von uns geschieden, an Zahl kaum ein Achtzigstel der deutschen Bevölkerung. hat mit seinem schlauen Verständniß für eigenen Nutzen und ftemde Schwäche den deutschen Mangel an Nationalgefühl und an christlicher Energie dazu benutzt, sich eine Stellung zu erobern, die sich für die Juden nichts geziemt und unser Volksthum bedroht. Auf die beiden Pulsadern des irdischen und geistigen Verkehrs, das Geld und die Presse, haben sie ihre Hand gelegt und weite Kreise unseres Vaterlandes geradezu unterjocht. An der Börse sind sie Könige, im Handel die Herren; in Stadt und Land üben sie durchschlechte Geschäftsgrundsätze und gewissenlose Handlungsweise^ durch das Magazin-Unwesen und das Hausieren, durch Bankerott und Wucher vielfach einen verhängnißvollen Einfluß und bringen Tausende von Bürgern und Bauern an den Bettelstab. In der Presse, die zu drei Vierteln in chren oder ihrer Christensklaven Händen fft, verderben sie den Geist der Nation, dü sie Alles lediglich nach dem Interesse des Judenthums beurtheilen und Fürsten wie Volker, Staaten wie Kirchen, Menschen wie Dinge unter ihre Macht zu beugen suchen Mit ihrem Geld- und Gut verführen sie, mit ihren Zeitungen und Journalen

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