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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-11-13 · 45 (13.11.1891) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
45 (13.11.1891)
Date
1891-11-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 834 Oefterreichifctze WochrnschrM Nr. 45 so ist derselbe fest entschlossen, seine weit ausgreifenden Colonisationspläne mit allem Nachdrucke und der ihm eigenen Energie zu verfolgen, obgleich das Menschenmateriale, das ihm im B^inne seiner Action zugeführt wurde, wenig ermunternd wirken sollte. Nur müssen die mit der Auswahl der Emigranten betrauten (Somiteg mit der größten Vorsicht vorgehen, da arbeitsuntüchtige Leute unnachsichtlich von seinen Colonien ausgeschieden werden, die dann dem Untergang verfallen sind. Das Londoner „Zewish Chronicle" erfahrt, Baron Hirsch beabsichtige, einen internationalen jüdischen Kongreß einzuberufen behufs Berathung von Schritten zur Befreiung der russischen Juden aus ihrer gegenwärtigen Lage und Beschaffung eurer neuen Heimat für sie. Die bedeutendsten Judengemeinden in Europa rverden eingeladen werden, den Kongreß zu beschicken, der Anfangs 1892 wahrscheinlich in London zusammentreten wird. Nach unseren Informationen ist zum Mindesten der hier angegebene Termin — verfrüht — angegeben. Es ist überhaupt noch fraglich, ob die Einberufung dieses Kongresses in Aussicht genommen. Wie». Herr Dr. Psenuer zählt bekanntlich zu jenen grimmigen Antisemitn, die mallen jüdischen Banken und Geldinstituten schnorren; Herr Dr. Psenner freut sich, in dem famoseu „Nector Ahlwardt" einen Genossen gleichen Schlages gefunden zu haben. In der letzten Nummer des „Oesterr. Volksfreund" wird über die Hetzreden dieses neuen antisemitischen Apostels ausführlich berichtet. Der Bericht schließt mit den Worten: „Sein Ziel, Einigung aller Parteien, auch der Socialdemotraten, im Kainpse gegen das Judeuthum, ohne daß einer einzigen Partei das Aufgeben ihrer Principien zugcmuthei wird, ist großartig, aber nach seiner Ansicht absolut nothwendig, daher mit allen Kräften anzustreben. Er erklärt, jeder Deutsche hat die Pflicht, bei jedem Deutschen Vaterlandsliebe und Heiligkeit seiner Ueberzeugung vorauszusetzen. Wenn jetzt eine Partei gegen die andere gehetzt wird und eine der anderen das Schlechteste zutraut, so ist das lediglich Judenmache. Sind wir diese einmal los, dann wird unter der gegenseitigen Achtung schon ein Vcrfländniß erzielt werden, und wird man Mittel finden, dem gesammteu Volk das zufriedene Leben im Vaterlande, soweit es bei der menschlichen Natur erreichbar ist, wieder möglich zu machen. Das ist Sache späterer Zeit. Uns selbst hat die Geschichte in unwiderstehlicher Weise nur eine einzige größere Aufgabe gestellt, mit deren Lösung wir unseren geschichtlichen Beruf erfüllt haben: „Beseitigung des Judenchums!" Der ehrenwerthe Agitator hatte dabei das Bekenntniß abgelegt, daß er seit dem Jahre 1876 ein überzeugter Antisemit sei. Nun kommt aber der „Vorwärts" und publicirt ein vom 9. Februar 1885 datirtes „vertrauliches B.ttschreibeu", welches in Ahlwardts Interesse von dem damaligen Geh. Hofrath Manche, einem israelitischen Bankier, einem freisinnigen Redacteur und einigen anderen.Herren an wohlwollende Menschenfreunde erlassen worden war. Es heißt in diesem Bittschreiben; „Ein höherer Schulmann, dem die vorzüglichsten Zeugnisse zur Seite stehen und der von seiner Behörde wegen feiner außergewöhnlichen Leistungen hoch geschätzt. wird, hat sich in dm Jahren 1876/7J noch mit niedrigem Gehalt zur Uebernahme bedeutender Bürgschaften verleiten lassen. Hiedurch ist derselbe in Wucherschulden gerathen. Um seine Carriere nicht zu schädigen, hat derselbe leider geschwiegen und acht Jahre lang, die ungeheuerlichsten Zinsen bezahlt. Dadurch hat die Schuldsumme eine so «norme Höhe erreicht, daß eine Tilgung derselben aus eigener Kraft unmöglich ist. Wohl ist wiederholt versucht worden, durch Hergabe niedriger verzinslicher Darlehen eine gewisse Ordnung herzustellen, aber da nicht alle Wucherschulden getilgt werden konnten, so wurde das Nebel nur noch ärger. Da der Betressende mehreren der Unterzeichner als ein höchst solider Mann seit einer Reihe von Jahren bekannt ist und dieselben seinem langen Todeskampse gegen ein übermächtiges Geschick mit innigster Theilnahme zugeschaut haben, so sind dieselben jetzt zu einem Eoinite zusammengetreten, um durch eine Sammlung bei unseren wohlsituirten Mitbürgern, welche für die Leiden ihrer Mitnrenschen sich ein Herz bewahrt haben, ihn zu befreien und feinem Amt und seiner Familie zu erhalten. Wer ihn retten hilft, hat sich um das Schulwesen wohl verdient gemacht Der Unterzeichnete Bankier, eventuell auch die übrigen Eomitemitglieder nehmen jeden Betrag gern entgegen. Das scheint aber selbst dem ihm sonst geistesverwandten frommen „Reichsboten" denn doch etwas zu starker Tabak zu sein. Er schreibt darüber: „Ahlwardt behauptet nun, es seien 40—50.000 Mark gesammelt -worden, er habe aber durch Aron Meyer in 20 Raten nur 2000 Mark erhalten. Tatsächlich scheint auch aus dieser Erklärung Ahlwardts hervorzugehen, daß jenes Anschreiben vom „Vorwärts" richtig mitgetheilt wurde. SeinErfolg ändert zunächst uäch t s a n s e i n c r m o r a l i s ch e n B e u r t h e i l u n g. Hat damals Manche sich Ahlwardts und seiner Verlegenheiten aus selbstloser N ä ch st e n h i l f e angenommen, so ist die Rolle, die jetzt Ahlwardt gegen Manche spielt, nicht schön hat Manche ihn aber nur als Mitwisser seiner Geschäfte dadurch sich verbinden wollen, und ist Ahlwardt darauf in irgend einer Form eingegaugen, so ist sic noch schlimmer. Es gäbe nur den einen Fall, der Ahlwardt vollständig entlasten würde, den, daß Manche sich seiner nur heuchlerisch angenommen hätte, um darunter noch Privatgeschäfte für sich zu betreiben. Fast scheint darauf die Darstellung Ahlwardts zu deuten. Aber i m m e r h i n h a t Ahlwardt Geld erhalten, wenn auch nach seiner Darstellung bei weitem nicht alles. Dann fragt man aber wieder, warum er so lange dazu geschwiegen hat. So viel ist gewiß, daß das Erstaunen allgemein ist, daß Ahlwardt eine schwere Beschuldigung nach der andern gegen Manche und andere Personen bis hinauf z u m F ü r st c n Bismarck aufftellcn kann, ohne daß bisher der Strafrichter einschreitet. Und doch können alle diese Dinge nur gerichtlich geklärt werden. Es ist hohe Zeit, daß nach dereinen oder anderen Richtung zur Wahrung des Rechtes etwas geschieht. E. B. Wien. (Stagnation im „Deutschen Schulverein"). Der deutsche Schulverein ist, wie dem vom Dr. Weitlof am Ortsgruppentage in Böhm.-Leipa erstattetem Berichte zu entnehmen ist, im Zurückgehen, zumindest in Stagnation begriffen. Die Ursachen, auf welche diese Decadence zurückzuführen ist, dürften als bekannt vorausgesetzt werden. Den Antisemiten ist der deutsche Schulverein zu jüdisch — weshalb ist ganz und gar unerfindlich, es wäre denn, daß man auch die von den jüdischen Mitgliedern geleisteten Jahresbeiträge und Extragaben als den deutschen Schulverein entweihend und entwürdigend betrachtet, was bei der Verbortheit der Antisemiten immerhin glaublich erscheint. Andererseits kann den jüdischen Mitgliedern das ewige Kokeltiren und Pakliren mit den Antisemiten nicht conveniren. Die jüdischen Mitglieder müssen sich vielmehr verletzt finden, wenn sie durch fortwährende

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