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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-11-13 · 45 (13.11.1891) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
45 (13.11.1891)
Date
1891-11-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 45 Orstrrrrichifche Wochenschrift. Seüe 839 abfällt, im günstigsten Falle figuriren hiebn sogenannte Schaujuden. Bei Stipendien ohne Unterschied der Confessio», auch wenn selbe von Juden gestiftet worden, gelangt ein Jude in den seltensten Fällen in den Genuß, alles aus übelangebrachter Objectivität und weil der Jude in humaner Richtung keinen -Unterschied bei der Bewerbung macht. Das Echauffement der ,Lehrerbrüder", oder „Brüderlchrer" war daher nicht nur unverfroren, schamlos und brüskant, sondern auch ganz überflüssig. E. B. Georg Schönerer contra Ludwig Zwieback. Es lohnt sich bei einem Luxusbazar großer Magazine stehen zu bleiben; dem Auge wird Vieles geboten und es fehlt nicht an Anregung zu nützlichen Betrachtungen. Der Fortschritt der menschlichen Arbeit, der Fortschritt in der Beherrschung des Stoffes, sie rcben zn uns in den glänzenden Bazaren des Occidents, die in ihrer Totalität Alles in den Schatten stellen, was die Vergangenheit, bei unbedingter Werthschätzung der alten Kunst und des alten Kunsthandwerks, in der Darbietung ihrer Waarenschätz: zu leisten ve - mochte. Geschichte ist immer eine Lehrerin und am Meisten da, wo sie als eigene Erfahrung, als Selbstcrlebtes zu uns spricht. Wir denken an Alt-Wien im Herbst 1860; es war ein Wendepunkt, eine neue Zeit war im Anzuge für die Umgestaltung deS Staates wie der Siadt. D.'rt wo jetzt der Palast der Versicherungsgesellschaft „Equitable" sich erhebt, befand sich eine enge Passage und bei einigem And ränge mußte man froh sein, wenn man mit gesunden Gliedern auf den Stefansplatz gelangte. In einem Cafehalls dieser Passage führten damals die politischen Pessiulisten, die Vorfahren der deutsch-nationalen Antisemiten, das große Wort. Es wurde von der Zukunft so gesprochen, als ob politischer Selbstmord und politische Selbstzerstörung den sichersten Weg zur allgeincinen Wohlfahrt bezeichnten. Mehr als d eiß-g Jahre sind vergangen, die großartigsten Schöpfungen im Staate und in der Stadt sind erstanden nnd lvie manche blühende Cultur in ihrem schönsten Gedeihen plötzlich durch das Auftauchen eines neuen Jnsects gestört wird, so Hab n wir die Erscheinung des Antlsemitisulus erlebt. Solche Agitationen erscheinen aber in ihrer ganzen Verwerflichkeit lmd Unfruchtbarkeit, wenn man sie mit den reellen Produkten der menschlichen Arbeit und den reellen Leistungen des menschlichen Geistes zusammenführt. Was hat denn die Gesammtheit, was haben die einzelnen Berufsclassen vom Antisemitismus zu erwarten? Mit dem Briefkasten des Herrn Georg Schönerer lockt man, mn deutsch zu reden, keinen Hund aus dem Ofen. In se nem „Briefkasten" von: 1. November nun lenkt Herr- Georg Schönerer die Aufmerksamkeit auf das Palais der Versicherungsgesellschaft „Equitable" und auf die Prachtgewölve, welche die Damen-Confectionsfirma LudwigZwieback und Bruder in diesem Palais bezogen hat. Wozu diese Anstrenglmg? Von den Einrichtungen der Firma Zwieback wurde in den weitesten Kreisen während des ganzen Sommers gesprochen; die Thatsache, daß die Stadt durch ein neues glänzendes Waarenmagazin bereichert werde, war der beste Herold, den die Firma sich wünschen konnte. Allerdings weiß Herr Schöner.-r mitzutheilen, daß diese Firma, weil sie die Lokalitäten nicht rechtzeitig beziehen konnte, drei Jahre umsonst in der Miethe sitzt, was nach Herrn Schönerer eine Ersparniß für die Firma von 42.000 Gulden wahrscheinlich per Jahr bedeutet. Gestützt auf diese Behauptung, deren Richtigkeit wir nicht untersuchen können, ragt nun der antisemitische Briefkasten, ob unter solchen Umständen den armen Damenschneidern eine Concurrenz möglich sei. Einen Augenblick Geduld. Hätte die Firma Zwieback die 42.000 Gulden bezahlt, dann wäre nach Herrn Schönerer den armen Damenschneidern die Concurrenz möglich gewesen. Die Firma Zwieback war aber bereit diese 42.000 Gulden zu zahlen und nur einem zu älligen Umstande verdankt sie, immer nach Herrn Georg Schönerer, eine bessere Situation. Vergebens denken wir darüber nach, was eigentlich der „Briefkasten" gegen die Firma Zwieback sagen will? Ist die Logik denn semitischen Ursprungs, daß man sie so feindlich behandelt? In Wahrheit ist die Kleiderbeschaffung in einer großen Stadt an so verschiedenartige Bedingungen gebunden, daß man hinsichtlich der Eoncurrenzsrage nicht so leichthin ein Urtheil aussprechen darf. Es gibt ehrenwerthe Familien, wo man sich selber die Confection besorgt, das heißt wo die Frauen mit geschickter Hand die Kleider anfertigen, die sie tragen, dann gibt es Näherinnen mit und ohne Befähigungsnachweis und dann nach langer Zwischenpause kommt die hohe Zunft der Damenschneider in mannigfachen Abstufungen. Die Prachtgewölbe der Firma Zwieback sind eine Concurrenz gegenüber den großen Magazinen des Auslandes und es ist doch jedenfalls besser, daß die Leute in Wien kaufen als in Paris. Den Damenschneidern erwächst daraus gewiß kein Nachtheil, denn das individuelle Bedürfniß und die individuelle Geschmacksrichtung äußern auf diesem Gebiete einen maßgebenden Einfluß. Die Concurrenz der Firma richtet sich gegen das Ausland, nicht gegen die Wiener Damenschneider. Sie bringt den Wiener Damenschneidern Arbeit unb zwar solche Arbeiten, welche sonst der auswärtigen Concurrenz zufielen. Vom Standpunkte der „nationalen Arbeit" verdien" die Anlage dieses Magazins jede Anerkennung und Förderung. Wenn inan aber von einer Geschäftsstrma sagt, sie erfreue sip besonders günstiger Bedingungen, um die Concurrenz siegreich durchführen zu können; glaubt der Herr Schönerer daß das ein Angriff sei, daß man damit gegen die Firma etwas Nachtheiliges gesagt habe? Nein, Herr Georg Schönerer das ist vielinehr eine Reclame so laut und stark als ob der Stier von Uri (Wilhelm Tell) in's Horn gestoßen hätte. Die Firma Ludwig Zwieback & Bruder thut aber, immer nach Herrn Schönerer etwas Anderes, sie führt Prozesse mit vielen Handwerkern, welche an der Einrichtung des Geschäftes arbeiteten. Wir konnten diese Miltheilung auf ihre Richtigkeit prüfen. Von den zahlreichen Handwerkern, welche bei der Einrichtung des Magazins betheiligt waren, ist ein Einziger, ein Anhänger des Herrn Schönerer, der ihm auch im „Briefkasten" eine großmächtige Hilfe angedeiheu läßt, klagbar gegen die Firma aufgetreten. Aber ist denn das Prozeßführen eine Eigenschaft der Race — hat Herr Georg Schönerer nie einen Prozeß angestrengt? War cr in Erbschaftssachen so entgegenkommend, um jede Auseinandersetzung mit einem Advokaten zu vermeiden? Nahm er den Miethzms in seinem Hause nicht in Empfang, wenn er aus — Händen kam, und au r welchen Händen Heir Georg Schönerer? Hat Herr Georg Schönerer niemals eine Kriminalklage angestrengt? Gegen Zeitungsjuden, das ist selbstverständlich, das gebietet das nationale Gewissen, das ent spricht dem Raceuprincip; aber wir erinnern uns eines Pfarrers aus arischem Blut, gegen den wegen eines abgehauenen Baumzweiges. der in den Pfarrgarten hineinragte, die Criminalanzeige erstattet wurde, und der in seiner Verzweiflung den Selbstmord als letztes Mittel wählte. Erst har die Firma Zwieback besonders günstige Concurrenzbedingungen und richtet die armen Damenschneider zu Grunde und dann wird wieder das Volk „bethört" gescholten, weil es in die Prachtgewölbe, wo nur mir „großem Profit" bedient wird, sein Geld trägt. Daß das Volk betrogen sein soll, wenn es in einem Magazin, welche- „unter besonders günstigen Concurrenzbedingungen" arbeitet und darum in der Lage ist, billig und gut zu bedienen, begreift nur Herr Schönerer. Da heißt es mit dem gesunden Menschenverstand Haushalten, wenn man ihn nicht im „Brieftasten" verlieren will. Welche Empfindungen aber ruft es wach, wenn man daran denkt, was Wien in den letzten dreißig Jahren geworden und dabei sich des traurigen Hasses einer

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