Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 44 (6.11.1891)
- Date
- 1891-11-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 44 Oesterreichische Wochrnfchrifl Seite 831 Wien. (Zur Förderung der Kunst.) Seiten, der Unterrichtsve.waltung ist ein Nachweis über die Verwendung des für 1891 bewilligten Credites für Kunstaufträge, Ankäufe uud Subventionen künstlerischer Unternehmungen erschienen. Diesem 'Nachweise ist zu entnehmen, daß der Bildhau r Arthur Straffer mit der Anfertigung der Statue des Malers Velasquez für die Facade des Künstlerhauses in Wien betraut worden ist. Wien. Dem Bankier Alfred Freund wurde die Annahme des ihm verliehenen Postens eines Vizekousuls der Vereinigten Staaten von Brasilien in Wien gestattet — Herr Ludwig Deutsch, Lederfabrikant in Raab hat sich mit Frl. Bach, Tochter des wohlbekannten Vorstehers Herrn Mayer Bach in Lemberg verlobt. Abbs a. d. D. den 1. November 1891. Als Ergänzung der Ihrem sehr geschätzten Blatte über die hier in Mbs stattgefundene isr. Friedhofseinweihung zugekommenen Mittheilung theile ich auch die interessante Thatsache mit, daß in Anbetracht, daß die im hiesigen Irrend,ause verstorbenen Israelitin auf dem hiesigen Friedhöfe zur Beerdigung kommen, der hochlöbliche n. ö. Landesausschuß 500 fl. ö. W. zum neuen Friedhose gespendet hat. Diese hochherzige Thal verdient wahrlich öffentlich bekannt zu werden. Auch verdient die große Mühewaltung des wackeren Präses unserer Cultusgemeinde Herrn Michael K'oblik, dem es gelungen war durch eine Kollekte bei den Mitgliedern unserer Gemeinde eine gleiche Summe und auch 'Beiträge von Material znsammenzubringen alle Anerkennung. Brünn. (D e c o r i r u n g.) Denr bekannten Brunner Großindustriellen, Kammcrrath rurd Handelsgerichtsbeisitzer, Herrn Samuel .M orgenstern, wurde in Anerkennung seiner humanitären Bestrebungen und seiner ersprießlichen Thätigkeit auf industriellem Gebiete, namentlich in der Eigenschaft als Vertreter der österreichischen Industrie und als Juror bei ausländischen Ausstellungen derFranzJosefs-Orden verliehen. Herr Morgenstern erhielt anläßlich dessen von allen Kreisen der hiesigen Gesellschaft die herzlichsten Glückwünsche. Karlsbad, 1. November 1891. Folgende Reminiscenz dürfte heute vom Interesse sein: In der Sitzung der Berliner med. Gesellschaft vom 14. Jaruar 1891 demonstrirte Prof. Virchow seine berühmt gewordenen Anti - Koch - Präparate, nämlich frische Leichentheile und bemerkte hiebei wörtlich: „Hier ist zunächst ein sehr sonderbares Präparat, welches wir der freundlichen Beihilfe der Herren vom jüdischen Krankenhause verdanken, die uns (i. e. den Anatomen) wie ich hier besonders anerkennen will, mit der größten Freundlichkeit ihre neuen Funde zur Verfügung stellen, mehr als wir das von anderen Seiten erwarten dürfen". (Vergl. Berl. kl. Woch.) Troppau, 30. October 1891. Auf Grund des Gesetzes vom 21. März 1891 „Zur Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der isr. Religionsgenossenschaft" sind von dem um die hiesige Cultusgemeinde verdienstvollen Cultus-Vorsteher Herrn Dor. jur. Sonn'enschein, die neuen Gemeinde-Statuten ausgearbeitet, vom Gesammtvorstand durchberathen und bereits genehmigt worden. Dieselben harren nur noch der Genehmigung der Generalversammlung sowie der der hohen Regierung. Diese Statuten werden hier allgemein ihrer vorzüglichen Ausarbeitung wegen sehr gerühmt und anerkannt, so daß es wohl im Interesse vieler Cultusgemeinden wäre, wenn dieselben eine weitere Verbreitung erlangen ruöchten. Prag. Der Central-Verein zur Pflege jüdischer Angelegenheilenün Prag und die isr. Cultusgemeinde Tachau haben dem Abg. Dr. Bloch schriftlich die Anerkennung ausgesprochen. Brüx. Der Rabbiner der hiesigen Cultusgemeinde Herr Dr. Gotthard Deutsch hat bekanntlich einen Ru als Professor an die jüdisch-theologische Facultät in Cincinnati erhalten und verläßt am 9. November unsere Stadt, um diesem Rufe Folge zu leisten. An dessen Stelle, wurde in der Generalversammlung der israelitischen Cultusgemeinde der bisherige Rabbinatsverweser in Pilsen, Herr Dr. Adolf Bi ach zum Seelsorger gewählt. Tarnopol, 28. October 1891. Am 34., Schemini-Azereth fand im Anschluß an die Seelenandacht eine Gedächtnißfeier > für den Gründer und ersten Director der Tarnopoler Bürgerschule Josef Perl s. A. Ter Rabbiner Dr. S. A. Taubeles, Director dieser Schule, hielt eine deutsche Festpredigt und eine Gedächtnißrede in p olnischer Sprache. Die Leiter aller hiesigen Schulen, der Stadtpräses Herr Dr. Kozminski, der gesammte CultuSvorstand, sehr zahlreiche Gemeinderäthe und ein dinstinguirtes Publicum ohne Unterschied des Bekenntnisses nahmen an dieser Feier in einer überaus großen Anzahl Theil. Budapest. (Fürstprimas Vaßary und der Komorner Rabbiner.) Anläßlich der Ernennung des Erzabts von Martinsberg Klaus Vaßary zum Fürstprimas von Ungarn wird dem „N. P. Volksblatt" von vertrauenswürdiger Seite folgende Episode mitgetheilt, die sich vor nicht langer Zeit in Komorn abspielte und die ein beredter Beweis des'Liberalismus und der Toleranz des neuernannten Kirchensürsten ist. Erzabt V aß ar y, der als Ordensgeneral des Benediktiner- Gymnasiums iu Komorn öfter nach Komorn kam, besuchte fast bei jeder Gelegenheit den Komorner Oberrabbiner Dr. Hermann Schnitzer. Der Erzabt nahm auch beim Rabbi wiederholt das Mittagmahl. Vor nicht langer Zeit war dies abermals der Fall, Nach dem Sv eisen ftagte der Erzabt den Oberrabbi, was es denn in der Stadt Neues gebe; worauf Rabbi Schnitzer erklärte, daß Alles beim Alten geblieben sei, nur im Komorner Gymnasium sei ein neuer Professor, der, wenn er ein so guter Professor wäre, wie er ein enragirter 'Antisemit ist, unbedingt der größte Gelehrte der Zeit wäre; der Rabbi ersuchte schließlich den Erzabt, er möge den antisemitischen Professor ermahnen. Kaum waren 14 Tage verstrichen, da ward der antisemitische Professor zum Wirthfchaftsbeamten ernannt und an seine Stelle trat ein liberaler Professor. E. B. Agram. (Todesfall.) Die israelitische Cultusgemeinde, insbesondere auch die Stadt Agram, haben einen schweren Verlust zu beklagen durch das am 28. October erfolgte Hinscheiden des Herrn Max Stern. Der Verewigte bekleidete auch lange Jahre die Stelle des Vorstehers der i raelitischen Cultusgemeinde, eines Gemeinderathes der königl. Hauptstadt Agram, eines Handelskammerrathes, eines Censors der österr.-ungar. Bank, eines Verwaltung rathes der Agramer Volksbank und noch anderer stnanzieller und commerzieller Institute. Wegen seiner hohen Verdienste auf allen Gebieten des Verkehrslebens war der Berewigte von Sr. Majestät dem König mit dem Ritterkreuz des Franz Josefs- Ordens ausgezeichnet worden. Das patriottsche Wirken des Verewigten erfreute sich in allen Kreisender Bevölkerung allgemeiner Anerkennung. Den Armen und Leidenden war er ein großer Wohlthäter und wird Herr Stern in der hiesigm Gesellschaft eine fühlbare Lücke hinterlassen. Er ruhe in Frieden, möge die Erde ihm leicht sein! London. Selten nur hören die Juden in England von ihren Glaubensgensgenossen in Fidschi, aber trotzdem dieser Besitz der britischen Krone sehr weit entfernt ist von England, interessiren sich die Juden daselbst in hohem Maße für alles, was auf der britischen Insel vorgeht. So wird von einem Meeting berichtet, das unter dem Vorsitz des Mr. Solomon einberusen wurde, um über eine Gratulations-Adresse zu berathschlagen, die seiner Ehrwürden, dem Dr. Hermann Adler anläßlich seiner Ernennung zum Oberrabbiner der vereinigten Königreiche überreicht werden soll. Die jüdische Gemeinde m Fidschi zählt nur 45 Mitglieder. Aber trotzdem ihre Zahl klein ist, erfteuen sie sich doch einer großen Achtung, was chre Stellung und ihren Ruf betrifft. So z. B. ist Mr. Salomon königlicher Rach und war zweimal Kronanwalt.