Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 44 (6.11.1891)
- Date
- 1891-11-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 820 Oesterreichifchr Wochenschrift. Nr. 44 26. August, in der Nähe von Dogali, wurde eine Karawane von Eingebornen von einer Gruppe von Räubern verfolgt und floh erschreckt durch Gewehrschüsse und aus Furcht beraubt zu werden. Corpora! Fubini, welcher aus Gründen des Dienstes dort vorbeiritt, hielt die Flüchtenden an, bewaffnete sich mit einer Lanze, griff die Räuber an und zersprengte sie, so daß die Karawane ihre Reise wieder aufnehinen konnte, und ein Verwundeter welcher sich in derselben befand konnte zum Posten der Carabinieri in Dogali gebracht werden." Rom. Am 15. September vermählte sich Fräulein Ada, die Tochter Er. (5rcellen; des Ministers Luigi L u z; a t t i, mit dem Herrn Heinrich, Sohn des verstorbenen Esdra in 2'crcelli, der ehemals Obcrrabbiner und Professor in jener Stadt war und sich als Gelehrter wie als Theolog auszeichnere. Um 9 Uhr sand die kirchliche Trauung im großen Bethause nach deutschem Ritus in der via «teile Piasse statt. Die Trauung vollzog der Oberrabbiner Pros. E. Lolli. Ter Hochzeitszug postirlc sich unter dem reichen Baldachin, aus den Stuscn des Altars. Als Zeugen sungirten Kavaliere: Emanuel Romanin, Iacnr und Tr. N. Dancona. Der Tempel war wie zu hohen Festtagen geschmückt. Die Wände mit alten kunstvollen Teppichen behängt, reiche Silberstosse drapiren Altar und Gallerie, darunter eine glänzende Goldstickerei auf blauem Sainmt die von der Schwester des Bräutigams Frau Amalia Modena verfertigt ist. Unter der zahlreichen Menge der Hochzeitsgeschenke befanden sich einige ausnehmend reiche und elegante, über einige wenige haben wir näheres erfahren. Se. Majestät der König schickte ein goldenes Armband mit einer großen Rose aus Brillanten und eingefaßt von vier Saphiercn, dir mit großen Brillanten wechseln. Se. ErceUenz der Ministerpräsident' Baron De Rudipi ein silbernes Eafeservics. Der Deputirte Rocco De Zesti sandte einen Ring mit drei Reihen Edelsteinen, Rubinen, Brillanten und Smaragden, die zusammen die Nationalfarben darstellen und begleitete sein Geschenk mit Brief, in dem er es nicht an einigen Anspielungen aus die heutige politische Lage unseres Vaterlandes fehlen ließ. Der Umerstaats-Secretär im Finanzministerium ein Bisitkartentäschchen aus Silber mst Gold eingefaßt, ein fein ausgesührtes KunNwerk. Der Senator B. S. Breda ein Toiletteservice aus cifelirtem Silber. Herr David Luzzatti, Oheim der Braut, einen großen Silberaufsatz. Die Herren Sanguinetti in Bologna, die Oheime und Vettern des Brautpaares, ein großartiges, kiinftlich allsgeführtes Taselservice. Der Ingenieur Pedrivi ein sehr schönes Tuch. Und schließlich wurden eine Menge Kunstgegenstandc, kostbare Ringe, Einrichtungs-Gegenstände und viele Blumen gesandt. Unter den zahlreiche» Publicationen heben wir hervor, einen Brief Paleocapas aus dem Jahre 1867, in welchem Luigi Luzzatti eine glänzende Zukunft prophezeit wird. Dieser werthvollc Brief der an Fogazzera gerichtet war, ist sammt der auf ihn erfolgten Anm'ort vom Prosessor E. Leoi-Cattelani veröffentlicht worden, zugleich mit einem Autogramm vom König Victor Gmanuel uitd dem Brief einer Amme eines der kgl. Prinzen. Ferner Verse auf den Bräutigam voir Pietrasanta in Turin, kleine Studien von Pros. Menghi, Verse von A. Tolomci (eine Uebersetzung des Lucrez) publicirt vom Senator Tolomei ilnd seinen Neffen, endlich Bemerkungen über die antiken Schauspiele in Padua von F. Sacchetto. Paris. Wie der Parise. Correspoudent der „Daily News“ berichtet, wurde jüngst das Geburtscerlificat der berühmten Schauspielerin Madame Sarah Bernhardt aufgefundcn. Sie ist nicht, wie sie selbst annimmt, zu Havre geboren, sondern eine gebürtige Pariserin und stammt aus dem Quartier la in. Geborm ist dieselbe 1844; ihre Mutter war eine Berlinerin jüdischen Glaubens, welche damals als Putzmacherin in der Bue de l’Ecole de Medicine wenige Schritte von dem Hause entfernt, wo M ar at lebte und von Charlotte Corday ermordet wurde, notdürftig chr Leben fristete. Das Haus, in welchem die große Schauspielerin das Licht der Welt erblickte ist alt und bau allig. Sarah Bernhardt verdankte ihre Erziehung, welche sie in einem Convente in Versailles genoß, dem Banquier M. Me res. Vermijsckteü. E. ß. Wien. (Zum November-Avancement.) Das -November-Avancement ist opulent ausgefallen, aber auch für die Officiere und Gagisten jüdischer Confession erweist sich dasselbe reichlich. In allen Waffengattungen ist eine erheblich.' Zahl Beförderter zu finden, der Löwenantheil entfällt selbst verständlich auf das ärztliche Qfficierscorps, in welchem Juden in den höchsten Chargen anzutreffen find. Der allerhöchste Kriegsherr macht eben keinen Unterschied bei denjenigen, die im allerhöchsten Dienste stehen. Im Gegensätze hiezu können Juden im politischen und gerichtlichen Dienste leider nur in seltensten Fällen Carriere machen. Es darf wohl der zuversichtlichen Erwartung Raum gegeben werden, daß die häßliche widerwärtige Strömung, welche jals die Ursache dieser Anomalie bezeichnet werden muß, in kürzester Zeit einer freieren Auffassung Platz machen werde. Wenn dem allerhöchsten Träger der Krone im Militärdienste alle seine Unter!Hanen gleichwertig sind, so ist es ganz unfaßbar, weshalb im civilen Dienst ein Unterschied gemacht wird, umsomehr, als nach den Staatsgrundgesetzen Aemter und Würden allen Staatsbürgern ohne Unterschied der Confession zugänglichseinmüssen. Wien. („Sprechsaal für Antisemiten") Unsere Antisemitengilde liebt es bekanntlich, ihre literarischen Ercremente in Oertlichkeiten abzulagern, die eben nicht in einen besonders guten Gerüche stehen, so daß das lateinische Sprüchlein: Nomina stultorum seribuntur ukriciue locorum bald wird eine Abänderung erfahren müssen. Wer einen solchen Loeus besitzt, wird die Wände mit einer Fluth von Sprüchlein aus den antisemitischen Cloaken-Sprachschätzen bedeckt finden, in allen Pgrationen wurden hier den Juden allerlei Liebenswürdigkeiten gesagt und gewünscht, manchmal allerdings in einem Deutsch, das sehr viele Zweifel an die deutschen Sprachkenntnisse dieser anrüchigen Scribenten aufkommen ließ. Es ist natürlich, daß d'ese unreinlichen Expectorationen oft nicht ohne Erwiderung bleiben und so entwickelt sich eine manchmal, recht rege Correspondenz zwischen Unbekannten, als das Treffendste aber, was jemals ans dem Gebiete der Abfertigungen geleistet wurde, wird uns Folgendes mitgetheilt. Stand da mit Blaustift in großen Lettern: „Sprechsaal für Antisemiten t" Ja dieser auch mit dem literarischen Unflath der Antisemiten angefüllte Locus ist deren ureigenster Sprechsaal. Wien, im November. Als Ergänzung des in voriger Nummer gebrachten Berichtes über die rühmlichen Institutionen der hiesigen türk, israel. Gemeinde, möge noch hinzugefügt werden, daß dieselbe auch eine fünfclassige Volks- und Religionsschule unter dem Namen „Talmud-Thora" seit mehr als 20 Jahren besitzt, an deren Spitze Herr Emanuel G r o a g bereits 18 Jahre thätig ist und nahezu 8 Jahre als “von der hohen k. k. Landesschulbehörde bestätigter Director und Lehrer des Religionsfaches, wie auch sämmrlichcr deutscher Lehrgegenstände, unter der vollsten Anerkennung der Gemeinde, wie auch des k. k. Landesschulinsp?ctors, wirkt. Den spanisch-hebräischen Unterricht ertheilt an derselben Schule Herr D. Alkalai mit dem besten Erfolge. Wien. (Künstlerisches.) Der bekannte Compositeur Herr Ignaz Brüll hat eine neue Oper componirt, die den Titel „Gringoir" führt. Das Libretto hat Herr Victor Leon geliefert. Von fachmännischer Seite wird der neuen Oper Brüll's ein gutes Prognostikon gestellt und dafür gehalten, daß dieselbe einen noch durchschlagenderen Erfolg als dessen erste Oper „Das goldene Kreuz", erzielen werde. Die ersten Opernbühnen des Continents finden sich unter den Bewerbern um das Aufführungsrecht.