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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-11-06 · 44 (6.11.1891) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
44 (6.11.1891)
Date
1891-11-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 44 Orstrrrrichischr Wochenschrift. Seite 819 koff's. Trotz seines „adeligen" Blutes kann Baron Hirsch jedoch als „sein eigener Ahn," als ein „self-made-man“ bezeichnet werden. Das Vermögen, das er besitzt, ist nahezu ganz seine eigene Schöpfung, das Resultat einer rastlosen, mit Geist geführten Thätigkeit im Bank- und Eisenbahnbauwrseu. (Jew. Chron). Agram, 27. Octoher 1891. Sehr geehrter Herr Redacteur! Die jüngste Nummer Ihres geschätzten Blattes bringt einen Artikel mit der Ueberschrift: Das kroatische Amtsblatt Narodne Novine in Agram als antisemitisches Hetzblatt", dessen Inhalt eine theilweise Berichtigung erheischt und ich darf es von Ihrer Gerechtigkeitsliebe voraussetzen, daß Sie den nachfolgenden Zeilen in Ihrem vielgelesenen Blatte Raum gönnen werden. Um die Wichtigkeit, welche Sie den: einer kritischen Sonde unterzogenen Artikel, beilegten, auf das richtige Maaß zurückzuführen, sei vor Allem constaürt, daß der weitaus größte Theil des kroatischen Publikmns von der Existenz dieses Artikels keine Kenntniß besessen und auf denselben erst durch die Oesterreichische Wochenschrift aufmerksam gemacht worden ist. Die Befürchtung, als ob derlei Expectorationen hierlands auf fruchtbaren Boden fielen, entbehrt somit jeden thatsächlichen Grundes. In das Meritum der Sache eingehend, kann gegen Ihre Widerlegungen auf die gegen das Judenthum gemachten Ausfälle gewiß keine Einwendung erhoben werden; ich bin vielmehr der Ansicht, daß sogar der Verfasser des Narodne Novine- Artikels — der nebenbei bemerkt, in Abwesenheit des Chef- Reöacteurs sich dort Eingang verschafft hatte — Ihre Anschauungen in allen ihren Theilen, soweit dieselben sachlicher Natur sind, acceptiren dürfte. Der Verfasser weiß es ganz genau, daß in Kroatien für den Antisemitismus kein Boden vorhanden ist, denn zum Beweise dessen, läßt er diesbezüglich seinen eigenen Geist gar nicht leuchten, sondern citirt ganz einfach unbewußt Unwahrheiten, mit denen er aber keineswegs die ihm unterschobene Tendenz verfolgt, es handelt sich ganz einfach um die bei dem hiesigen Amtsblatte recht häufig geübte Methode der Jagd nach Zeilenhonorar. Wenn nun auch Ihren sachlichen Erwiderungen von allen Seiten die vollste Würdigung und Anerkennung entgegengebracht wird, so wird es andererseits sehr beklagt, daß Ihr werthes Blatt, in vollster Verkennung der Thatsachen, der hiesigen Regierung antisemitische Tendenzen in die Schuhe schiebt, indem es die intellektuelle Urheberschaft besagten Artikels im Schoße der Regierung sucht. Dem ist Gott sei Dank nicht so. Se. Excellenz, der Banus Graf Khuen-Hedervary sowohl als auch seine Sections-Chefs und -Räthe, sind von einem seinesgleichen suchenden liberalen Geiste durchweht, die hierländische jüdische Bevölkerung hat sich von dieser- Stelle des größten Wohlwollens und des mächtigsten Schutzes zu erfreuen. Einen, aber auch nur einen einzigen Fall, daß ein Bürger dieses Landes seiner Confession wegen und sei er auch ein Jude, von Seiten der maßgebenden Factoren eine Zurücksetzung erfahren hätte, hat es unter der Regierung des Banus Heber vary noch nicht gegeben. Eine Episode aus der jüngsten Zeit mag hier nicht unerwähnt bleiben, weil sie eben die edle Denkweise und Gesinnung des Banus zur Genüge charakterisirt. Bei Gelegenheit, als Se. Majestät der König den Banus mit dem goldenen Vließe auszeichnete, sprach unter anderen Deputationen auch der Vorstand der hiesigen israel. C ultusgemeinde vor, die Glückwünsche der Gemeinde überbringend. In feiner Antwort betonte der Banus, daß die jüdische Religion die Religion der Liebe sei, eine Liebe, die sich nicht allein auf die eigenen Glaubensgenossen, sondern auf alle Menschen erstreckt und diese ihm entgegengebrachte Liebe werde er auch mit Gleichem erwidern. Nun frage ich, kann einer Regierung, an deren Spitze ein solcher Mann steht, auch nur im entferntesten zugemuthet werden, daß sie den Inhalt des ohne ihre Jngerenz erschienenen Artikels im nichtamtlichen Theile des Amtsblattes guthieß. Nicht im Geringsten. Was hier von der Regierung gesagt wird, dasselbe gilt auch von dem kroatischen Volke. Alle Versuche — an solchen hat es von Außen nicht gefehlt — den Antisemitismus nach Kroatien zu verschlagen, mußten an dem gesunden Sinne der Bevölkerung scheitern, und ebenso, wie die Hetzsucht und das Gekläffe eines hier erscheinenden serbischen Blattes, welches die Juden-Verfolgungen in Rußland gloriffcirt und ähnliche Zustände in Oesterreich-Ungarn herbeisehnt, wirkungslos verhallten, wird auch der nrehrerwähnte Artikel des hiesigen Amtsblattes, ohne den geringsten Schaden angerichte zu haben, der gänzlichen Vergessenheit anheimfallen, welches Schicksal ihn übrigens bereits ereilt hat. Corfu. Die gerichtliche Untersuchung über die Ermordung des Mädchens Rubina Sarda hat ein Crgebuiß zu Tage gefördert welches den Juden zur vollen Genugthuung gereichen kann. Bekanntlich haben letztere stets behauptet, daß Rubina Sarda eine Jüdin war und von Christen ernrordet worden sei, während die Gegner die Beschuldigung aufrecht erhielten, daß Rubina eine Christin gewesen, welche von den Juden gemordet worden sei. Die Nachforschungen welche unter der Leitung des Gerichtshofes von Patras angestellt wurden, haben zur Ev denz dargethan, daß das unglückliche Mädchen zu Corfu im Jahre 1883 als Kind jüdischer Eltern geboren wurde und dort mit den Eltern bis zu seinem tragischen Ende lebte. Es wurde ferner erwiesen, daß eine Behauptung der Beschauärzte, daß dem Körper aus einer Halswunde Blut entzogen worden sei, auch nicht die geringste Begründung habe, ja die Thatsachen selbst dieser Behauptung widersprechen. Die bezüglichen Betz ailptungen wurden als vollkommen irrthümlich nachgewiesen in dem Gutachten, welches der berühmte Pariser Professor M. Brouardel und andere hervorragende Mitglieder der medicinischen Facultät abgegeben haben und welche erklärten, daß der Tod durch Verletzungen des Kopfes verursacht worden und daß die übrigen Wunden nach dem Tode beigebracht worden seien, um die wahre Ursache des Verbrechens zu verbergen und dasselbe einem religiösen Gebrauche zuznschreiben. Sieben Christen wurden in Haft genommen unter dem Verdachte der Theilnahme an dem Verbrechen. Rom. Oberst Barattieri, Civil- und Militärgouverneur der afrikanischen Colonien hat mittels Tagesbefehles unseren Glaubensgenoffen, dem Corporal Fubiui Pacisico einen gebürtigen Turiner, in solenner Weise für einen Act der Tapferkeit öffentliches Lob gespendet. Der Tagesbefehl hat folgenden Wortlaut: „Zur öffentlichen Belobung für die Kaltblütigkeit und den Muth, welchen Corporal Fubini Pacisico von der Train- Compagnie bewiesen hat und zur Nacheiferung für Alle bringe ich zur Kenntniß der Colonialtruppe die That, welche der genannte Corporal ausgeführt hat. An Nach.nittage des

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