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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-11-06 · 44 (6.11.1891) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
44 (6.11.1891)
Date
1891-11-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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. - - . - , - . - .^^MMMMZMMWWWWWWWWWWWWWWV Seite 818 Oesterrrichifchr Wochenschrift. Nr. 44 manche antisemitische Spitzbuben einen jüdischen Namen sich beilegen, um ihre .Lumpereien auszuführen. Der angebliche „Levi" wurde aber als der arische Merlino entlarvt-und von dem Congresse ausgeschlossen. Diese Thatsache ist Herrn Vergani nicht unbekannt, denn er hat im „Deutschen Volk blatt" s löst darüber genau berichtet. Nunmehr sucht er die Thatsachen '.mzukehren, er rechnet aus dm Schwachsinn seiner Leser. Interessanter noch ist der zweite jüdische Anarchist des Herrn Ernst Vergani- Der famose Rector Ah lwardt, von dem sich sogar seine Berliner antisemitischen Freunde einer nach dem andern lossagen, hat inseinen Broschüren auch „Enthüllungen" über die Attentate H ö d e l's und Nobiling's gemacht, wo auch von einem H'rrn X. und seiner angeblichen Verbindung mit Nobiling mehrfach die Rede ist. Dieser Herr X. war von Ahlwardt in seiner Gelsenkirchener Rede öffentlich bei seinem wirklichen Namen Gold st ein genannt worden. Die Berliner Tagesblätter erhielten dazu aus Wiesbaden folgenden Brief: „Vor kurzer Zeit gelangte ein Pamphlet „Eid eines Juden" von Ahlwardt in meine Hände, welches die größten Lügen in Betreff meiner ' Person enthielt; glcichzeilig erhielt ich die Entgegnung aus dasselbe von Dr. L. Jacobowsky. Da meine Abreise nach hier unmittelbar bevorstand, begnügte ich mich, genannten Herrn, den ich zwar nicht kannte, der aber doch Interesse an der Sache zu nehmen schien, von der Vcrleumdung meiner Person durch den p. Ahlwardt in Ktnmniß zu setzen, damir er beim Borkommen davon Gebrauch mache. Heule erhielt ich dessen Schreiben, nebst der Mittheilung, daß in Ihrem geschätzten Blatte eine Eorresponden; aus Gelsenkirchen enthalten sei, wonach obiger Pamphletist seine nichtswürdigen Verleumdungen in seinen Reden mit Nennung meines Namens fortsetzt. Ich habe die Sache einem Rechtsanwalt zur weireren Verfolgung übergeben und bitte Sic, vorstehenden Zeilen in ihrem Blatte Raum zu geben, damit die Lügen und Verleumdungen des Ahlwardt als solche gckenuzeichucr werden. Weder habe ich Nobiling je gesprochen, uoch gesehen, noch bin ich je im „Jägerkeller" gewesen, den ich nicht einmal kenne, noch habe ich N. aufgesordert, nach Paris zu kommen, was Alles p. Ahlwardt sich aus den Fingern gesogen hat, wie man im gemeinen Leben sagt. Karl Goldslein. Wir brauchen den Ausgang des Prozesses gar nicht abzuwarten. Thatsache ist, daß die preußische Polizei und preußische Gerichte gegen den angeblich nach Paris entwichenen G., der sich aber in Wiesbaden befindet, einzuschreiten sich nicht veranlaßt sahen, sie halten die Antisemiten für notorische Lügner und Verleumder und legen nicht das geringste Gewicht auf deren giftiges, blödsinniges Geschwätz, durch welches sie die Thatsachen vergeffen machen wollen, daß die beiden Kaise. Mörder Hödel und Nobiling Mitglieder der antisemitischen „christlich-socialen" Partei waren. Daß ein Mann vom Charakter Vergani's an jeder Läge seinen Antheil haben muß, ist nicht verwunderlich. Allem die historische Thatsache, daß in der anarchistischen Partei kememzigerJude, sondern blos ausschließlich Stammes-Glaubens- und Gesinnungsgenossen der Antisemiten sitzen, läßt sich nun einmal nicht ändern und nicht aus der Welt schaffen. Herr Dr. Bloch coustatirt diese Thatsache im offenen Parlament und hat damit documentirt, daß die Antisemiten, welche Juden und Anarchisten zusammenwerfen, absichtlich und mit vollem Bewußtsein Lügen in die Welt gesetzt haben, um den Antheil ihrer eigenen Parteigenossen an dem anarchistischen Verbrechen vergessen zu machen. Wir werden aber dafür sorgen, daß diese Thatsachen in Erinnerung bleiben. Wie«. Zu Beginn der heutigen Vorlesung über Physiologie widmete Professor Dr. Sigmund Exn er dem verstorbenen Professor von Fleischt einen Nachruf, worin er unter anderm sagte „Wir verlieren an Professor Fleischt v. Marxow nicht nur einen unserer liebsten College«, sondern einen Mann der Wissenschaft, der sich auf neroenphysiologischem und chemischphysiologischem Gebiete und in der physiologischen Optik bedeutende Verdienste erworben hat; seine letzte Arbeit „über die Percussions - Theorie der Blutathmung" allein wird sein Andenken in der Physiologie stets erhalten. Seit 18 Jahren war Professor Fleischl Mitglied dieses Instituts, als Assistent war er einer meiner ältesten wissenschaftlichen Freunde! Zwanzig Jahre sind es her, daß wir gemeinsam auf diesen Bänken das Interesse für Physiologie eingesogen haben!" Professor Exner mußte bei dieser Stelle seine Rede minutenlang unterbrechen, die Thränen hinderten ihn an der Fortsetzung derselben. „Professor von Fleischl starb eines ehrenvollen Todes," fuhr dann Professor Exner mit bewegter Stimme fort, „er starb wie ein Soldat auf dem Schlachtfelde der Ehre, im Dienste der Medicin. Den Keiin der Krankheit, der er erlegen ist, hat er sich vor 19 Jahren als Assistent des Professors Rokitansky geholt indem er in Folge einer Leichen-Jnfection einen Daumen verlor. Wie das bei heftigen Schmerzen so oft der Fall ist, mußte auch er zu den unvermeidlichen narkotischen Mitteln greisen! Jetzt erst wurde er von seinen Leiden erlöst! Es ist unglaublich, mit welcher Energie er die fürchterlichen Schmerzen zu ertrugen wußte. Professor Fleischl war ein Mann voll Geist, voll trefflicher wissenschaftlicher Einfälle, von thatkraftiger Energie! Er war ein glänzender Gesellschafter, einer der opfermüthigsten Freunde, der uns leider so früh entrissen wurde. Wir wollen das Andenken des Professors von Fleischl bewahren, in der Physiologie seines Namens und seiner Verdienste stets ehrend gedenken!" — Professor Fleischl von Marxow war mütterlicherseits ein Urenkel des seligen Herrn Samson Fleischl in Leipzig, di ser war ein frommer, angesehener Mann, der zur Erbauung des israelitischen Tempels in Leipzig eine große Sttmme spendete und an der Gründung der Gemeinde mitarbeitete. Wien. Es ist ein allgemein verbreiteter Jrrthum, daß die Zahl der „jüdischen Barone" außerordentlich groß sein müsse. Was am meisten zu diesem Glauben verleitet, ist die unterscheidungslose Art und Weise, wie in Oesterreich und Deutschland jeder in den Ritter- oder Adelsstand versetzte, als.„Baron" bezeichnet wird. Eine genauere Prüfung des Gotha'schen Genealogischen Taschenbuchs der freiherrlichen Häuser wird uns insofern also die Überraschung bieten, daß wir im Ganzen kaum ein halbes Dutzend jüdischer Baronieen daselbst erwähnt finden. Das Verzeichniß erschöpft sich nämlich vollkommen mit der Herzählung der Rothschilds, der Königswart ers, der Hirsch auf Gereuths und noch eines oder zweier Namen. Daß noch mehrere jüdische Namen, wie Eskeles, Heine-Geldern, Oppenheim und Pereira Arnstein erwähnt werden, ist für uns vollkommen irrelevant, da die Familien dieses Namens aufgehört haben, jüdische zu sein. Mütterlicherseits stammt Baron Hirsch von einer historisch sehr bedeutsamen jüdischen Familie ab, da seine Mutter, Caroline Wertheimber, in directer Linie von dem berühmten Banquier und Talmudisten Wolf Wertheim er abstan.mt, dessen Leben Pro'. Dr. David Kaufmann aus Budapest in seiner Monographie über „Samson Wertheim er, der Oberhoffactor und Landesrabbiner (1658—1724) und seine Kinder" (Wien, Friedrich Beck 1888) beschrieben hat. Auch mit andern wohlbekannten jüdischen Familien ist Baron Hirsch aufs Engste verwandt. Seine Frau ist eine Tochter des verstorbenen Senators Bischoffsheim aus Brüssel, und seine Schwester die Frau eines andern berühmten belgischen Politikers und Philanthropen, des Senators Levi-Montefiore. Einer seiner Brüder, James de Hirsch ist ein Schwiegersohn des russischen „Eisenbahnkönigs" und kaiserlichen Geheimraths, Samuel de Polin-

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